Gastvorlesung Barrierefreiheit

Letzte Woche war ich eingeladen, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz einen Gastvortrag zu barrierefreien Websites zu halten. Nach dem im November sehr erfolgreich verlaufenen Barcamp an der Uni Mainz hatte der damalige Geschäftsführende Leiter des Instituts für Informatik, Prof. Dr. Herbert Göttler, die Idee, diesen Kontakt fortzuführen. Und so gibt es nun eine kleine Reihe zu aktuellen Internetthemen aus der Praxis.

Ich beleuchtete zuerst den sich gesellschaftlich und politisch wandelnden Begriff der Behinderung, leitete dann über zur demographischen Entwicklung und damit zu Barrierefreiheit als wirtschaftlichem Imperativ, zeigte einige Barrieren und Techniken aus der Praxis als „virtuelle Rollstuhlrampen“ und endete mit einem Ausblick auf die Herausforderungen, denen wir uns gerade in der HTML Accessibility Task Force im W3C stellen.

Die Folien gibt’s wie immer auf Slideshare, auch zum Download (15 MB). In der PowerPoint-Datei sind übrigens Notizen als Ersatz für die „Tonspur“.

Und die Geschichte geht noch weiter: Ab nächstem Wintersemester habe ich einen Lehrauftrag, um den Studierenden nachhaltige Frontend-Entwicklung mit aktuellen Techniken nahezubringen. :-)

Die Zukunft des Webs

Letzte Woche habe ich meinen Orakel-Hut aufgesetzt und einen Vortrag auf der WebTech-Konferenz in Karlsruhe zur Zukunft des Webs gehalten. Natürlich habe ich wieder ein T-Shirt bekommen, was der eigentliche Grund dieses Blogeintrags ist, ;-) aber ehrlich gesagt finde ich es nicht so schön. Es ist einfarbig blau, und auf der Brust prangt groß das Wort „Speaker“, was ich etwas reißerisch finde.

Auch negativ das Rekordtief des Frauenanteils auf der Konferenz: von 65 Vortragenden nicht eine, null, zero Frau! Entsprechend gab es auch im Publikum einen Frauenanteil, der geringer war als der in einer Schwulendisco, und die wenigen anwesenden Frauen gehörten meist zum Catering-Team. Gleichberechtigung geht anders.

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Schön war aber insbesondere der Thementag der Webkrauts (Foto). Während Eric Eggert sich mehr um CSS3, Webfonts und Browser APIs kümmerte, habe ich in meinem Vortrag heutige und zukünftige W3C-Technologien vorgestellt, hier die Links dazu. Darunter stechen insbesondere das HTML5 Canvas-Element, Video und 3D hervor:

Canvas kann Inhalte verzerren, drehen, wölben, filtern und einige Dinge mehr, und es ist dynamisch per JavaScript programmierbar.

<video>

direkt im Browser ohne Flash ermöglicht Unabhängigkeit von Adobe, was gerade für Geschäftsmodelle wie das von YouTube, Dailymotion oder die BBC wichtig ist. Darüberhinaus können Canvas und Video in Kombination spannende Effekte erzielen. Dailymotion hat ein paar davon in der Demo eingebaut.

Und 3D im Browser eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Spiele und andere Anwendungen, bei denen per WebGL dreidimensionale Daten und Modelle effizient übertragen werden können. Stereoskopische Effekte wie im Film „Oben“ habe ich allerdings noch in keiner Browser-Demo gesehen.

Bislang ist Barrierefreiheit von den Browserherstellern in den neuen Technologien kaum berücksichtigt worden, aber die neugegründete HTML Accessibility Task Force, deren Mitglied ich bin, wird sich der Themen annehmen.

Uns steht jedenfalls eine sehr aufregende Zukunft bevor!