Usability – Welche Methode passt?

Dass die Usability eines Produktes bzw. einer Webseite ein essentieller Erfolgsfaktor ist, ist mittlerweile unumstritten – nicht zuletzt dank Vorreitern wie Jakob Nielsen oder auch Ben Shneiderman. Trotz dieser Erkenntnis gibt es in der Praxis  dennoch oft noch ungenutztes Usability-Potenzial, das in vielen Fällen auf einer gewissen Unsicherheit beruht: Ist Usability nicht zu teuer? Ist das denn alles notwendig und passt das noch in den Zeitplan? Was passiert, wenn Schwachstellen gefunden werden – wie sieht es dann mit Zeitplan und Budget aus? Eigentlich müsste das doch reichen, wenn ein erfahrener Interaction Designer das ausarbeitet?

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Usability Tests auf einem Blatt planen

Usability Test Planungs-Dashboard Beispiel

Mein World Usabilty Day ist leider ausgefallen – aus gutem Grund. Der Anlass hat mich wieder an das Usability Test Plan Dashboard erinnert. In einem Nebensatz zum Thema iteratives Prototyping (Slide 17) hatte ich auch auf die Notwendigkeit zu testen … Weiterlesen

Usability Testing selbstgemacht

„Usability Testing – nichts leichter als das“ heisst das Referat von Thomas Link und mir am heutigen aiciti-Tag.

„Jedes Online-Projekt muss bedienbar und verständlich sein!“

Dieser Anspruch wird jedem Projektverantwortlichen übertragen und entscheidet tatsächlich über Erfolg und Misserfolg.

„Doch, wie mach‘ ich das?“

Die wichtigsten Usability Tipps und Aspekte haben wir in unser Referat gepackt und uns dabei an folgenden Leitsätzen orientiert:

  • Sie tragen die Verantwortung – darum sollten Sie testen
  • Testen kann jeder – es muss nur gemacht werden
  • Das Ziel und das Resultat ist relevant – nicht die Erkenntnis, dass der Wurm drin steckt
  • Die Organisation muss sich darauf ausrichten – das erreichen Sie über unternehmerischen Gewinn
  • Im Zentrum stehen Ihre Kunden – der Hebel ist die User Experience

Mehr Präsentationen von Namics AG.

Hier die Präsentation zum Download:

Usability Testing selbstgemacht – nichts leichter als das [pdf, 12.4 MB]

Mit diesem Rucksack auf den Weg geschickt, wünschen wir allen Teilnehmern viel Erfolg bei den nächsten selbst durchgeführten Usability Tests und hoffen Sie mit unserer

21 Tage Usability Checkliste

effektiv unterstützen zu können. Damit kann nichts schief gehen!

 

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Über direkte Feedbacks direkt hier im Blog würden wir uns natürlich sehr freuen.

Verwandter Blogposts:

Tabelle sortieren – (k)eine leichte Aufgabe

Unzählige Stunden habe ich wohl schon mit dem UI-Pattern umsortierbarer Tabellen verbracht. Nicht nur im Verschieben einzelner Pixel – sondern auch in gemeinsamen Spekulationen über „was funktioniert und was nicht“…

Schluss mit Hypothesen, dachte ich mir.

Nun also wie versprochen – mit einem Tag Verspätung – die Auswertung meiner bescheidenen Chalkmark-Studie:

Hier die beiden Testkandidaten im Vergleich:
A:

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B:

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A – Jede sortierbare Spalte hat Pfeile für auf- und absteigende Sortierung. Die aktuelle Sortierung wird mit schwarzem Pfeil angezeigt.

B – Nur die aktuell sortierte Spalte ist hervorgehoben und besitzt nur den Pfeil der Richtung der Sortierung.

Die Testaufgaben waren explizit formuliert. Beispielsweise: „Du möchtest die SMI Tabelle nach Name sortiert haben.“ So kann man ausschliessen, dass es sich um ein Problem im Verständnis der Frage handelt.

Das Management Summary vorneweg: Spürbare Vorteile für Variante B durch grosse Fehlertoleranz und leichteres Klicken durch grössere Klickfläche (Fitt’s Law).

Ich muss jedoch zugeben, dass beide Lösungen funktionieren können. Denn ganz durchfallen tut auch A nicht. Jetzt aber zu ausgewählten Details…

Problem: Verwirrung durch die unnötige Anzahl an Pfeilen

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In beiden Testfällen gibt es – vermutlich unachtsame – Klicks auf die Pfeile der ersten Spalte, obwohl jeweils die Sortierung der anderen Spalte gefragt war.

Zum Vergleich das positive Resultat der übersichtlicheren Variante B. Die eine Testperson beim Sortieren der SMI Werte hat wohl zuweit gedacht: Die umgekehrte Reihenfolge von der Tiefst-Spalte ist nicht nach Höchstwerte sortiert ;-)

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Zwang zum Pfeil-Klick

Interessantes Detail der exakten Klick-Positionen bestätigt eine Ahnung: 65% der Personen fühlen sich gezwungen exakt den jeweiligen Auf- oder Ab-Pfeil mit der Maus zu treffen. Das ist eine Klickfläche von ca. 11×8 Pixel!
Fatal wäre es, wenn tatsächlich nur die Klickfläche der Pfeile verlinkt wäre! Denn dann wären 25% der Klicks auf die Bezeichung im Spaltentitel wirklungslos.

Hingegen als sehr fehlertolerant erweist sich die Auszeichnung von Spaltentitel als Link. 85% treffen eine gültigen Bereich. Woher die deutlich ungenauen beiden Klicks oberhalb kommen kann ich mir jetzt so nicht erklären.

In der Summe heisst das für den Task-Erfolg – je nach Umsetzung – eine Patt-Situation (A: 90% zu B: 85%) oder ein deutlicher Vorteil für B, falls nur die Pfeile verlinkt sind.

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Fitt’s Law

Je grösser die wahrgenommene Zielfläche für die Maus ist, desto schneller bewegt man die Maus darauf zu und kann natürlich auch leichter treffen. Die zu erwartende Verzögerung bei Verkleinerung ist nicht linear, sondern logarithmisch. Hier also der Heatmap Vergleich der geklickten Flächen, welcher zeigt dass der spontan geklickte Bereich durch weglassen der Pfeile weniger konzentriert ist.

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Für diese Beurteilung ist auch nicht relevant, ob nun in Variante A 100% der Treffer auf dem kleineren Fleck vereint sind.

Abschliessend noch zwei Kommentare und die Auswertung der Präferenzen.

Zu Variante A:

Grösse der klickbaren Fläche beachten!

Zu Variante B:

Die grafische Darstellung der Sortierpfeile ist bei den auf- und absteigenden einleuchtender als bei der Version 2. Da aber die nächste Aktion bei einer Spaltensortierung klar ist, finde ich die mit den klickbaren Texten ausreichend und nicht so’n Gefummel. Nur die Pfeildarstellung sollte anders gemacht werden.

Die sechzehn Testpersonen haben sich nach Abschluss aller Tasks mit einer geringen Mehrheit für Variante B entschieden. Variante A bevorzugen 7 und Variante B bevorzugen 9 Testpersonen.

Natürlich möchte ich meine Entscheidung nicht aufgrund der quantitativen Betrachtung treffen – denn 7 zu 9 ist unentschieden.
Den Ausschlag für meine Wahl von Variante B sehe ich im grafisch überlegenen Resultat und der bestechend einfachen Umsetzung. Keine Pfeile bedeutet weniger „Noise“ und gleichzeitig wird bei vielen Spaltentitel für die Pfeile kein zusätzlicher Platz benötigt. Was das im ungünstigsten Fall zur Folge hat zeigt die

Vorlage der Tabellensortierung

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Ein Gorilla am Finance Forum

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Heute waren wir, Sarah (der Gorilla), Andri (der Experte) und ich (der Berater) am Finance Forum. Wir waren eingeladen, an einem der Speaker Corner unser Glück in einem 15-minütigen Kurzvortrag zu versuchen.

Wir hatten dafür die Ergebnisse von 14 Bankenwebseiten vor uns liegen, deren Hypothekenrechner und Themenseiten zur Immobilienfinanzierung wir jüngst getestet haben.

Die wichtigsten Themen darin waren zum einen die Erkenntnis, dass unsere Tester bei der Berechnung von Finanzierungskosten einer Hypothek oft am Detail scheiterten, z.B. an falsch verstandenen Eingabefeldern oder Schiebereglern. Und zum anderen das das häufig verwendete Fachvokabular Menschen mit wenig Finanzwissen schnell stresst und zu einer negativen Einstellung gegenüber dem Thema, der Website und damit der Bank bringt.

Diese wollten wir also in den 15 Minuten einmal unseren Zuhörerinnen und Zuhörer zur Kenntnis bringen. Da wir schon ahnten, dass die dort anwesenden Herren (und auch mal Damen) nicht so leicht aus der Fassung zu bringen sind, versuchten wir es mit Gorilla Marketing (siehe Bild).

In Kombination mit einem Film der am schlimmsten gescheiterten Benutzertests konnten wir immerhin den einen oder anderen Zuhörer zu einem dezenten bis lauten Schmunzeln bewegen. Und die Bananen konnten wir am Ende auch alle unter die Menschen bringen.

Die Studie „Nutzung und Erfolg von Online Hypothekenrechnern“ mit allen Ergebnissen, hilfreichen Erkenntnissen und Hinweisen werden wir in Kürze hier veröffentlichen. Wer also weiterhin unseren Namics Blog liest sollte daran nicht vorbeikommen. Gerne setzen wir Sie aber auch (bei Angabe Ihrer Kontaktdaten) auf die Liste der Menschen, die etwas früher als andere die wichtigen Informationen auf dem Tisch liegen haben möchten.

Sollten Sie zum Lesen eigentlich keine Zeit haben, dann kommen Sie uns vielleicht einfach in Zürich besuchen. Wir sind am 18.11. zum Thema „Usability verbessern – warum sich das lohnt.“ am Convention Point der Swiss Exchange und zeigen Ihnen das Thema an einem Vormittag von 4 Seiten betrachtet. Anmeldung und alle Informationen dazu finden Sie unter:

www.namics.com/usability

Wir versprechen viele spannende und unterhaltsame Einsichten!

User Centered Design – What’s in?

Ein klassisches Projektvorgehen ist in die Phasen Analyse, Konzeption, Umsetzung und Optimierung gegliedert. Entlang dieser Phasen sind aus unserer Sicht die zusätzlichen Elemente Performance (messbarer Erfolg), Innovation und User Centered Design für einen nachhaltigen Projekterfolg massgeblich verantwortlich.

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User Centered Design ist eine Methodik, welche verschiedene Instrumente beinhaltet, die allesamt die Benutzerbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Dadurch werden User Interfaces nachweislich erfolgreicher.
Damit dies funktioniert, ist es über alle Projektphasen hinweg wichtig, die Benutzer miteinzubeziehen. User Centered Design besteht also nicht nur aus einem punktuellen Usability Test, sondern aus einer Palette verschiedener Instrumente während des gesamten Projektablaufs.
Im Folgenden werde ich einige ausgewählte Instrumente kurz vorstellen und in den typischen Projektverlauf einordnen (vgl. Punkte 1-7 in der Grafik oben).
Vorab lässt sich grundsätzlich festhalten, dass es im Rahmen der Methode User Centered Design auch Instrumente gibt, die keinen direkten Einbezug der Nutzer vorsehen wie zum Beispiel Expert Reviews. Diese werden im Folgenden nicht näher behandelt.



Analysephase

  • (1) Durchführung von Nutzerbefragungen (Interviews, Fragebogen, etc.) als Basis für die Entwicklung eines mentalen Modells, Personas und User Stories (Bedürfnisse) zur Ableitung der konkreten Testfälle und -aufgaben für die Usability Tests.
  • (2) Usability Tests am Status quo. Hierfür dient das aktuelle, d.h. noch nicht überarbeitete User Interface (beispielsweise eine Web-Applikation oder eine ganze Website) als Ausgangslage und kann als Prototyp eingesetzt werden (falls vorhanden).

Phasenziele:

  • Benutzerzielgruppen und deren Bedürfnisse identifizieren
  • Benutzerhandlungen verstehen und abbilden
  • Ausgangslage mit ihren Stärken und Schwächen (Potentiale) greifbarer machen
  • Schaffung einer Grundlage zur Zielformulierung (Beispiel „Das Kernprodukt soll künftig mit 1 Klick erreicht werden…“)

Konzeptionsphase

  • (3) Entwicklung eines geeigneten Prototypen (klickbar oder papier-basierend).
  • (4) Durchführung des Usability Tests (Nutzerbeobachtung), welcher sowohl bei uns intern als auch in einem spezialisierten Labor bei Usability Partnerfirmen stattfinden kann (je nach Grad der Anforderungen an die Tests). Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Beobachtungen werden nachfolgend ausgewertet und priorisiert. Dadurch wird gemeinsam bestimmt, welche Punkte mit einer konzeptionellen Iterationsschlaufe für die nachfolgende Umsetzungsphase berücksichtigt oder für die Optimierungsphase ettappiert werden.

Phasenziele:

  • Früh-Identifizierung von Schwierigkeiten/Fehlern
  • Abbildung sämtlicher Testfälle/-aufgaben
  • Konzeptüberprüfung durch die Zielgruppenbenutzer
  • Konzeptverifizierung/-bestätigung, woraus eine gute Projektstandortbestimmung ableitbar wird
  • Potentialerkennung für nachfolgenden Phasen

Umsetzungsphase

  • (5) Fortwährendes Usability Controlling (d.h. Zielüberprüfung und Korrekturen) der gestalterischen und technischen Umsetzung anhand der priorisierten Ziele aus der Konzeptionsphase.

Phasenziele:

  • Qualitätssicherung
  • Umsetzung & Entwicklung entlang der Projektziele

Optimierungsphase

  • (6) Usability Tests (Kontrolltests) zur Messung des Zielerreichungsgrades gegenüber den Status quo-Usability Tests aus der Analysephase. Wenn diese mit denselben Testfällen nicht besser ausfallen als die Status quo-Usability Tests, hat man wahrscheinlich etwas falsch gemacht ;-)
  • (7) Finetuning, beispielsweise mit A/B-Tests oder multivariaten Tests.

Phasenziele:

  • Überprüfung der Projektzielerreichung
  • Ableiten von Argumentarien für weitere oder künftige Investitionen
  • Laufende Optimierungen – „Stillstand ist Rückschritt“
  • Umsetzung etappierter Module und Massnahmen

Dies sind die wichtigsten Instrumente, welche mit der Methode User Centered Design während eines Projektes und in dessen Betrieb eingesetzt werden können.
Bleibt nur noch zu sagen: «Erfolgreich ist, was vom Benutzer intuitiv bedient werden kann!»



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