Gamification – einer der Top-Trends 2011

Die Anwendung von Spielprinizpien („game mechanics“) für Anwendungen (nicht Spiele per se!) wird Gamification genannt. Im Kern geht es darum, den Usern „Zeit zu stehlen“ die sie – so wie im Spiel – lustvoll bis süchtig investieren. Weshalb diese Mechanismen nicht auch für eigene Ziele einsetzen?

Die Geschichte ist so alt wie sämtliche Rabatt- und Loyalitätsprogramme auf dieser Welt, doch online hatte es Luis von Ahn 2004 mit dem ESP-Game auf geniale Art vorgemacht. In seinem Fall hatte er „menschliche Rechenzeit“ zur Lösung von Captchas über einen motivierenden Wettbewerb „erschlichen“. Mehr Infos dazu in den Posts: „Menschliche Rechenzeit nutzen“ und „Mensch oder Maschine?“.

Ein simples Beispiel ist der Unterschied der Spiels „Solitaire“ in Windows und in iOS. Diesen Screen kennen viele Leute die das Spiel stundenlang gespielt haben…

3421-solitaer-windows-thumb-500x369-3420.png

So richtig süchtig macht es aber erst so wie auf iOS (iPhone / iPad) umgesetzt mit Ranglisten, Auszeichnungen, Kollegen die man schlagen kann u.s.w. Bestes Beispiel war die Reaktion als ich Jörg nach Screenshots gefragte habe und er sich gleich drei Tag ausbedingte um seinen Rang zu verbessern (und ein Spiel in 55 Sekunden hinzulegen).

3422-solitaer-ios.jpg

Und hier noch ein paar der erworbenen Auszeichnungen (die Rangliste können sich alle denken)…

3423-badges-ios.png

Man mische dieselben Zutaten intelligent und ergänze damit „normale“ Anwendungen um Suchtpotential. Zwei verbreitetet Beispiele sind die „Laufcommunity“ Nike+ und die Anwendung Foursquare. Kernelemente bei 4SQ sind (eine beliebige Anzahl von) Auszeichnungen die es zu „gewinnen“ gibt (schlimmer als jede Pfannentrophy) und die Tatsache, dass man sich gegenseitig erworbene Stati wie beispielsweise „den Bürgermeister“ abluchst und dies auf Twitter der Welt mitteilt.

3424-4sq-BachtesMessanges.png

Die Beispiele sind zahlreich und auch im B2B-Bereich machen sich diese Mechanismen breit. Bei uns beispielsweise im Rahmen einer mobilen Aussendienstanwendung mit Ranglisten oder bei SAP mit irgendwas mit Golfplatz.

Die genannten Anwendungen sind alle harmlos, doch es geht auch perfider. Man (typischerweise Kinder) erarbeiten sich im Gratis-Spiel ein virtuelles Guthaben. Damit dieses nicht verfällt, oder um dieses in reale Geschenke zu wandeln, ist dann aber eine Mitgliedschaft und/oder reales Geld notwendig…

Wer mehr wissen will: Am nächsten Dienstag spreche ich darüber im Rahmen der Top 10 Internet-Trends für 2011 und auf den folgenden Links:

Sean Carton: The Gamification Evolution
Aliza Sherman: The Gamification of Work
Gamification Workshop 2010 von Amy Jo King
Gabe Zichermann: The purpose of gamification
ReadWriteWeb: What Is the Future of Gamification?
Gamification.org

Update: Falls jemand an der Antithese / Gegenrede interessiert ist: Gamification: Too much of a good thing? von Richard A. Bartle [pdf, 53KB]

Internet-Prinzipen (Internet Principles)

Internet-Prinzipen (Internet Principles) ist einer von 11 ethischen Grundsätzen von Namics. Ein seit 2000 existierende essenzielle und unumstössliche Norm für unser Arbeiten und Handeln.

Die Ausformulierung davon lautet:

Grundlage unserer Firma und des Erfolges unserer Kunden ist, dass das Internet als globales, freies und offenes Medium funktioniert. Wir nehmen keine Projekte an, welche die grundlegenden Prinzipien des Internets angreifen oder in einem fundamentalen Konflikt zu diesen Prinzipien stehen. Dies sind insbesondere die freie Meinungsäusserung und Entscheidungsfindung, die Verfügbarkeit von Information, universeller Zugang und Offenheit für internationale Einflüsse.

Meine spontanen Gedanken: Dieser Punkt könnte einen „idealistischen“ Eindruck hinterlassen, ist aber aus meiner Sicht weiterhin sehr wichtig. Erlauben Sie mir den Vergleich mit OpenSource-Software, die gratis (aber nicht lizenzfrei!) genutzt werden kann… Firmen, welche solche einsetzen, sich aber nicht an die Vereinbarungen der Lizenz halten und der Community nichts zurückgeben (in Form von Arbeit oder in Form von Sponsoring), halten sich nicht an die Regeln. Der Erfolg von Namics basiert auf „dem Internet“ und dessen Erfolg. Diese wiederum konnte sich nur dank der grundlegenden Prinzipien so erfolgreich entwickeln. Diese gelten somit auch für unser Tun – und sind wohl auch ein Garant für Erfolg.

Namics Professional Ethics Grundsätze

Seit meinem ersten Tag bei Namics vor rund 10 Jahren und bereits zuvor war es für mich klar, dass sich nicht alles (fast nichts?) in Anweisungen resp. in vorbestimmte Prozesse zwingen lässt. Illustrativ nutze ich dafür das Schachspiel: Die Regeln sind in 30 Minuten erklärt, die Beherrschung des Spiels dauert ein Leben lang… und das ist eben das Spannende dran.

Zum Glück teilt(e) Namics die Ansicht und Tim Dührkoop schrieb die gelebten Regeln im Jahr 2000, ergänzt um Dienstleister-spezifsche Aspekte nieder: Die „Namics Professional Ethics Grundsätze“ sind essenzielle und unumstössliche Normen, welche wir unserem Handeln jederzeit zu Grunde legen. Diese folgen dem Grundgedanken, dass wir und nicht über detaillierte Prozesse weiter entwickeln wollen, aber entlang von gemeinsam akzeptieren Spielregeln:

Kooperation und Respekt (Respect for the Individual)
Kundeninteresse hat Vorrang (Client Interests First)
Professionelle Entwicklung (Professional Development)
Kunden in Wettbewerbssituation (Competing Clients)
Projektannahme mit Verantwortung (Accepting Projects)
Vertraulichkeit (Confidentiality)
Keine Austrittsbarrieren (Lock-In)
Integrität (Integrity)
Unabhängigkeit (Independence)
Keine finanzielle Verflechtung (Financial Arrangements)
Internet-Prinzipen (Internet Principles)

Weshalb braucht gerade Namics solche Regeln? Die Leistung, welche wir anbieten bedingt, dass uns Kunden ihr Vertrauen schenken. Einerseits weil unsere Projekte innovativ sind, einen hohen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben und weil wir häufig mit schützenswerten Informationen umgehen. Andererseits weil zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses weder alle Lösungsaspekte definiert sind, noch die Lösung selbst bekannt ist (im Gegensatz zum Produktgeschäft). Wie beim Arzt weiss ich nicht, ob die vorgeschlagene Therapie die beste ist (sonst bräuchte ich keinen Arzt). Zudem ist das digitale Medium speziell, da einfach (und verlustfrei) kopiert werden kann, schützenswerte Daten ausgetauscht werden und der Erfolg des Internets auf Öffentlichkeit (inkl. öffentlichen Standards) basiert. Potentiell kann viel Unfug/Missbrauch betrieben werden. Die „Namics Professional Ethics Grundsätze“ regeln unser Verhalten in diesem Kontext und sind Basis für unser Vertrauensgeschäft.

In der Folge schreibe ich zu jedem der Prinzipien einen Post um diese verständlicher zu machen…