DrupalCon Munich 2012 Rückblick

Drei Tage Konferenz sind verdammt schnell rumgegangen und Marc und ich sind auf dem Weg zurück nach St.Gallen. Nach dem interessanten ersten Tag ging es Mittwoch und Donnerstag mit eine Vielzahl diverser technischer Vorträge weiter, jeweils eingeleitet durch interessante Keynotes von Anke Domscheit-Berg (Open-Data-Aktivistin) und Fabien Potencier (Symfony-Leadentwickler).

Was noch zu erwähnen ist sind die BOFs (a.k.a. Birds of a Feather), informelle Zusammenkünfte von Teilnehmern zu unterschiedlichsten Themen. Diese Treffen können aufgrund der Dialogmöglichkeit oft viel wertvoller sein als die Sessions (welche so oder so aufgezeichnet werden). So war es für uns zum Beispiel spannend herauszufinden wie andere Agenturen den Übersetzungsworkflow lösen oder wie man eine TYPO3-zu-Drupal-Migration technisch möglich macht.

Ausserdem ist noch interessant, dass auf der Drupalcon Munich ein Business-Track zur Verfügung stand und sich mit Themen wie Schätzungen, Zusammenarbeit mit Grossunternehmen und verwandten Themen beschäftigte. Diese Sessions zeigten wie stark wachsend Drupal aktuell ist und dass Drupal immer stärker für Enterprise-Kunden attraktiv wird. Das sah man allgemein auch an der Zusammenstellung der Sponsoren, wo man beispielsweise Microsoft kaum vermuten würde.

Im Closing Plenary wurde schliesslich verraten, dass nächsten August die Konferenz in Prag sein wird. Das werden wir uns nicht entgehen lassen und wir sind aufgrund der tollen Community motiviert nächstes Mal auch für die Initiative Sprints zu bleiben um dabei zu helfen Drupal besser zu machen.

DrupalCon Munich 2012

Der erste offizielle Konferenztag der DrupalCon neigt sich dem Ende und eins ist klar: hier dabei zu sein ist für jeden Drupal-Entwickler (und Consultant der Drupalprojekte betreut) Gold wert. Neben den Sessions ist die Interaktion mit der Community dabei eine tolle Gelegenheit und #drupalcon/#drupalconmunich zu beobachten ist dabei ein guter Startpunkt. Man muss hierbei definitiv das Organisationsteam erwähnen für die gut erreichbare Location, Verfügbarkeit von Strom und WLAN (mit nur wenigen Einbrüchen) sowie die erstklassige Verpflegung.

Keynote

Nach dem etwas skurrilen bayrischen Warm-Up inkl. Jodler und Bierausschank um 08 Uhr zeigte Dries eine generelle Übersicht zu sichtbaren Neuerungen in Drupal 8 (was etwa August 2013 erscheint); der Einfluss von Symfony findet sich daher in dedizierten Sessions.

Er zeigte uns Funktionen die insbesondere für Redakteure einen ähnlichen Sprung darstellen wie von Drupal 6 auf 7 out-of-the-box. Es soll komfortables In-Line-Editing im Frontend geben, die Node-Editieransicht wurde erneut aufgeräumt und es soll eine Viewport Preview geben, die dem Editor erlaubt direkt ein Preview der Inhalte auf Mobile und Tablet zu sehen. Generell soll im Rahmen der Spark-Initiative Mobile verbessert werden und dies sieht man bereits an den ersten Screenshots des Admin-Backends. Das Publikum war vom Konfigurationsexport in YAML für Deploymentworkflows beeindruckt, es bleibt abzuwarten ob das eine weitere Komponente ist die es zu pflegen gilt oder ob dies mit Features harmonisiert werden kann.

Sessions

Was wir innerhalb der Sessions sahen kann nur einen Bruchteil der heutigen Talks darstellen, da bis zu 8 Tracks parallel staffinden. Glücklicherweise gibt es generell Recordings, so dass man im Nachhinein noch die Talks sehen kann, gegen die man sich entschied. Die Auswahl ist anhand der Beschreibung auch nicht immer leicht, da oft die Einstufung Novice/Intermediate/Advanced sehr unterschiedlich zum Thema gewichtet ist.

Die Sessions die wir sahen waren jedoch generell kompetent und interessant. Auch an Sessions wo für uns generell keine grundlegend neuen Techniken gezeigt wurden wie bei Caching, Security und Debugging war es trotzdem sehr hilfreich einen Expertenüberblick und eine Expertenbewertung zu erhalten, um besser einschätzen zu können in welchen Bereichen es sich lohnt Energie zu investieren und sich zu verbessern. Wir haben aber auch interessante und für uns neue Ansätze entdeckt wie Functional Programming in PHP. Kurzum, wir freuen uns auf Tag 2 und Tag 3.

Drupal 7 Release

Endlich ist es soweit, Drupal 7 ist „fertig„. Nach dem Ausprobieren der Release Candidates wollte man schon gar nicht mehr zurück auf Drupal 6 und nun kann man die neuen Funktionen und Verbesserung auch guten Gewissens nutzen.

Es lassen sich allein schon über die technischen Verbesserungen der Kernfunktion zahlreiche Blog-Posts füllen aber das was einem Administrator in den ersten Minuten auffällt ist, dass Usability ernst genommen wurde.

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Der Screenshot zeigt das Erstellen einer Seite im neuen Overlay-Backend und man merkt deutlich, dass die Prinzipien des D7UX-Projekts einem die Arbeit erleichtern und die Funktionen ansprechend aussehen lassen. Es sind besonders die kleinen Details wie ein ansprechender Abbrechen Button oder passendere Menünamen, welche die Arbeit für den Redakteur oder Administrator angenehmer machen. Kein Vergleich zu dem in die Jahre gekommenen Garland.

Wer das Open Source CMS Drupal bereits kennt der weiss, dass der Drupal Core, welcher nun in Version 7.0 vorliegt, nicht für eine Drupal-Umsetzung genügt. Es ist das Ökosystem von hunderten, ausgereiften Modulen, welches Drupal so vielseitig macht und die berechtigte Frage ist: Muss ich auf alles was nicht Core ist warten?

Die Antwort ist glücklicherweise meist nicht, denn das D7CX-Gelöbnis hat die Mehrheit der Entwickler von Top-Modulen überzeugt, stabile Versionen Ihrer Module zum Drupal-7-Release fertigzustellen. Sicherlich werden viele kleinere Module auch noch einige Zeit benötigen bis eine stabile Version verfügbar ist. In den meisten Fällen kann man aber jetzt mit Drupal 7 starten.

Ergebnis der CMS Evaluation, Showtime!

**Für mich kommt nun der spannendste Teil der CMS Evaluation, schliesslich haben in den vorangehenden Schritten Theorie, teilweise abstrakte Anforderungen und viele Zahlen in Bewertungstabellen das Bild geprägt.**

Das Bedürfnis nach einem neuen CMS, Workshops zur Erhebung von funktionalen, nicht-funktionalen und Business Anforderungen sowie die eigentliche Bewertung und Evaluation der CMS haben wir bereits in den vergangenen Posts behandelt. Nun haben wir eine Rangfolge von Produkten und deren Erfüllungsgrad der Kundenanforderungen.

Wie weiter?
Die Rangfolge der Systeme kann nun interpretiert und erklärt werden. Aufgrund der Standardabweichung in den Ergebnissen lassen sich die Ausreisser-Systeme identifizieren und die Stärken und Schwächen der einzelnen Produkte argumentieren.

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So kommen wir zu einer Short-Short-List von maximal drei Produkten, welche die Kundenanforderungen nahezu optimal erfüllen. Auf dieser Basis lassen sich nun durch uns und den Kunden TCO Berechnungen erstellen, was die Einführung des einzelnen CMS über 3 Jahre hinweg unter Annahme eines bestimmten Projektvolumens kostet. Hier kommen nun zum ersten Mal auch die Lizenzkosten der einzelnen Content Management Systeme ins Spiel. Das Bild der Short-Short-List kann sich also auch sehr schnell wieder ändern, falls Lizenzkosten schlussendlich den Ausschlag für oder gegen ein Produkt geben.

Nach der TCO Berechnung ist die Evaluation eigentlich abgeschlossen. Es gibt aber noch zwei Variablen, die wir bisher noch nicht näher berücksichtigt haben: Die Projektkomplexität und den Hersteller an sich.

Warum also nicht anhand eines konkreten Lastenhefts für das vorliegende Projekt den Hersteller sein Produkt präsentieren lassen? Und zwar auf Basis von konkreten (und möglicherweise komplexen) Anforderungen, welche später durch das gewählte CMS erfüllt werden müssen? So lernen sich unser Kunde und der Hersteller bereits kennen, und man erhält einen detaillierteren Einblick in das System. Und zwar auf Basis von echten Anforderungen.

Gerne möchte ich an dieser Stelle zur Diskussion auffordern: erkennt sich jemand anhand des gezeigten Vorgehens oder der gezeigten Situationen wieder? Wer steht vor der Entscheidung für ein neues Content Management System? Hat jemand diesen Prozess bereits durchgemacht und was waren die Erfahrungen?

Vielleicht können meine Kollegen und ich an der einen oder anderen Stelle in Zukunft bei konkreten Fragestellungen helfen!

Sie haben einen Teil unserer Serie ‚CMS Evaluation‘ verpasst? Hier finden Sie nochmals alle Beiträge dazu:

* Ein neues CMS?
* Business Requirements an ein CMS
* Funktionale und nicht-funktionale Requirements an ein CMS
* Bewertungs-Prozess einer CMS Evaluation

Opensource CMS: Drupal und TYPO3 – Ein Vergleich

Namics hat in der Vergangenheit im Opensource Content Management Umfeld verschiedene CMS Systeme wie TYPO3, Drupal, Magnolia sowie Webapplikationen mit dem Framework Ruby on Rails erfolgreich umgesetzt.

Bekanntester Vertreter im Opensource CMS Umfeld (LAMP Architektur) ist dabei oft TYPO3. Neuerdings erreichen uns aber auch vermehrt Anfragen für Drupal. Die Auswahl des „richtigen“ Systems ist eine Kernkompetenz von Namics und basiert auf einer Systemevaluation – in diesem Falle einer sogenannten CMS Evaluation. Auf eine genauere Erläuterung des Vorgehens verzichte ich in diesem Post explizit. Mein Ziel ist es, die Systeme Drupal und TYPO3 bezüglich 3 Punkten zu vergleichen. Eines vorneweg: Beides sind „vollwertige“, freiverfügbare Opensource Content Management Systeme.

1 Community Sites vs. Corporate Websites
TYPO3 wie auch Drupal verwalten im Kern Inhalte von Websites. Drupal fokussiert dabei klar auf Community-Sites, also überall dort wo User aktiv mit Kommentaren oder eigenen Beiträgen den Inhalt einer Website beeinflussen.

Bei TYPO3 handelt es sich im Gegensatz dazu um ein „klassisches CMS“. Speziell ausgelegt auf das Verwalten grösserer Corporate Websites (selbstverständlich auch denkbar für Intra- oder Extranets). Es bestehen umfangreiche Möglichkeiten, eine oder mehrere Sites zu verwalten. Am Beispiel des Energieproduzenten Repower sind „Sites“ als eigene Länderauftritte zu verstehen . Also jeweils 1 unabhängiger Seitenbaum für Schweiz (ch), Deutschland (de), Gruppe (group) und Mittel- und Osteuropa (cee):
repower.com/de/ch
repower.com/de/de
repower.com/de/group
repower.com/de/cee

In jedem Land können Inhalte beliebig verwaltet werden. Dies gilt natürlich auch für Sprachen und Funktionen.

2 Wo werden Inhalte erstellt und editiert? Frontend vs. Backend
Wie bereits erwähnt ist Drupal massgeschneidert für Community Sites, d.h. ein Grossteil des Inhalts entsteht in der Regel durch die User selber. Demnach gibt es eine Verschmelzung zwischen Front- und Backend, wie man dies von Community Sites wie Facebook und co. gewöhnt ist. Ein Backend sucht man bei Drupal in der Basisinstallation vergebens: Alles spielt sich im Frontend ab, was für einfache inhaltliche Anpassungen sehr angenehm ist. Backend Themes für Autoren können bei Bedarf installiert werden.

TYPO3 unterscheidet deutlich zwischen einem Front- und Backend. Autoren verwalten Inhalte zu einem grossen Teil direkt im Backend. Neuere TYPO3 Releases folgen dem Trend, Inhalte direkt auf der Seite, also im Frontend zu editieren.

3 Hierarchische Seiten vs. kategorisierter Inhalt
TYPO3 basiert auf Seiten (Pages) die in einer hierarchischen Strukur einen Seitenbaum (=Site) ergeben. Am Beispiel einer Versicherung wären dies beispielsweise einzelne Produktseiten. Hier am Beispiel Page „Hausrat-Versicherung“. Einzelne Pages können wiederum Seitenelemente wie z.B. eine Spalte für Teaser im rechten Randbereich umfassen. Ein Seitenbaum sieht in TYPO3 wie folgt aus:

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Drupal fährt einen stark modularen Ansatz. Im Gegensatz zu TYPO3 kommen sogenannte Nodes zum Einsatz. Zurück zu unserem Beispiel der Versicherung: Für die Abbildung der Produktseite „Hausrat-Versicherung“ wird ein Node „Hausrat“ eingesetzt. In diesem Node sind relevante Informationen wie der Titel, Produktinformationen, Bilder, Preisinformationen etc. gespeichert. Nodes sind nicht hierarchisch angeordnet. Die Struktur ist flach resp. ergibt sich über die Kategorisierung einzelner Nodes, Eine Seitenbaumansicht gemäss TYPO3 gibt es demnach nicht, vielmehr werden Nodes über Filter kategorisiert (siehe Screenshot).

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Im Kern geht es also darum,

> wer (User oder Autoren) hauptsächlich die Inhalte eines Webauftritts erstellt,
> wie oft Inhalte an verschiedenen Stellen wiederverwendet werden und natürlich
> welche Art von Webauftritt (Tendenz zu vielen Community Features oder Corporate Website mit weniger dynamischen Inhalten) realisiert werden soll?

Fahren Sie lieber Mercedes oder BMW?

Bewertungs-Prozess einer CMS Evaluation

**Der Prozess hinter einer CMS Evaluation klingt oftmals nach Voodoo und Willkür, vor allem wenn Zahlen und Bewertungen im Spiel sind. Da am Ende der Evaluation aber das für den Kunden individuell passende Content Management System stehen soll, beziehen wir unsere Kunden in den Bewertung-Prozess ein.**

Auf Basis der gemeinsam erhobenen Anforderungen und Bedürfnisse werden funktionale und nicht-funktionale Cluster der Anforderungen erstellt. Der Kunde nimmt nun aus Sicht seiner Stakeholder eine Bewertung der Anforderungen vor. Jede erhobene Anforderung wird dabei in drei Dimensionen bewertet.

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Die tatsächliche Wichtigkeit der Anforderung beschreibt, wie hoch deren Stellenwert innerhalb der Evaluation ist. Beispielsweise kann die Integration eines Shop-Systems als business-kritisch bewertet werden, wenn dies den Zielen entspricht. Auf der anderen Seite kann visuelles Bearbeiten von Digital-Assets als ‚nice-to-have‘ in die Bewertung einfliessen, wenn dies entsprechend weniger wichtig erscheint.

Ein weiterer Schritt ist die Gewichtung der Anforderungs-Cluster. Dabei wird innerhalb der funktionalen, nicht-funktionalen und Business Anforderungen eine weitere Priorisierung festgelegt. Sollen Community-Funktionalitäten wie Benutzerprofile und User Generated Content bei der Produktwahl wichtig sein, wird dieser Cluster im Verhältnis zu den anderen Anforderungen sehr hoch bewertet.

Schlussendlich werden Soll- und Muss-Kriterien festgelegt, ohne deren Erfüllung ein CMS Produkt nicht die Endauswahl erreichen kann.

Auf Basis unserer Erfahrung aus vielen CMS Projekten und dem Knowhow unterschiedlichster Produkte bewerten wir die zur Evaluation stehenden Produkte im Hinblick auf die oben erwähnten Anforderungen. Um Unabhängigkeit und Objektivität sicherstellen zu können, wird diese Bewertung unter Leitung eines Namics Consultant und Hinzunahme von Namics Produkt-Spezialisten vorgenommen. Der Hersteller bleibt hier absichtlich aussen vor. Die Bewertungen erstrecken sich von ‚nicht realisierbar‘, über ‚mit Aufwand machbar‘, ‚out-of-the-Box‘ bis hin zu ‚ausgewiesene Produktstärke‘. Wichtig ist uns, dass die Bewertungen durch ein und dieselbe Person durchgeführt werden, da die Auslegung des Erfüllungsgrades einzelner Anforderungen nie komplett objektiv erfolgen kann.

Welche Content Management Systeme werden überhaupt evaluiert und bewertet? Grundsätzlich nur solche, die wir kennen und unseren Kunden Mehrwert bieten. Und natürlich sollten bereits grundlegende, nicht-funktionale Anforderungen erfüllt werden. Doch schlussendlich bestimmt der Kunde, wie sich die zu evaluierende Produkte-Longlist bei der CMS Evaluation überhaupt zusammenstellt. Und oft ist das Spektrum wesentlich breiter, als zunächst angenommen.

Verpasst, was es sich mit den ganzen Anforderungen auf sich hat? Hier der Rest unserer Serie zur CMS Evaluation:

* Ein neues CMS?
* Business Requirements an ein CMS
* Funktionale und nicht-funktionale Requirements an ein CMS

Funktionale und nicht-funktionale Requirements an ein CMS

Heute geht es weiter mit unserer Serie ‚CMS Evaluation‘. Was sind eigentlich funktionale und nicht-funktionale Requirements? Und wie wirken sie sich auf die Evaluation eines CMS aus?

Im letzten Post haben wir die Business Requirements beschrieben und die Bereiche funktionale und nicht-funktionale Anforderungen angesprochen. Funktionale Anforderungen sind allgemein die Funktionalitäten eines CMS, die für die Benutzer sichtbare Elemente beschreiben. Nicht-funktionale Anforderungen beschreiben die Rahmenbedingungen eines CMS, welche über die funktionalen Anforderungen hinaus erfüllt werden müssen.

Nicht-funktionale Anforderungen
So ordnen wir folgende Bedingungen den nicht-funktionalen Anforderungen zu:

* Was ist die Kunden-Strategie hinsichtlich Technologie (z.B. Microsoft- oder Java-Technologie)?
* Welche Betriebssysteme, Applikationsserver oder Datenbank-Systeme werden vom CMS unterstützt?
* Wie erweiterbar soll das Produkt sein (z.B. Umsetzung beliebig vieler Mandanten)?
* Welche Schnittstellen zu Umsystemen soll das neue CMS unterstützen?
* Welche Ansprüche werden an Wartungsintervalle oder die Zuverlässigkeit gestellt?
* Welche Anforderungen werden an die Bedienbarkeit und Administration gestellt?
* Wie werden Digital Assets (z.B. Bilder, Filme, Dokumente) vom CMS behandelt?

In der Praxis müssen die oben genannten Fragen natürlich den richtigen Personen im Unternehmen gestellt werden. In erster Linie sollen die grössenteils IT-lastigen Requirements von den IT Verantwortlichen des Kunden identifiziert und zusammen mit Namics eingestuft werden.

Funktionale Anforderungen
Der Enduser hingegen (beispielsweise Editoren, Redaktoren oder Administratoren) haben komplett andere Anforderungen an das CMS als die IT. Natürlich holen wir auch deren Anforderungen und Wünsche an das Content Management System ab. Viele der nachfolgend genannten Anforderungen klingen vielleicht banal, können aber bei der nachfolgenden Bewertung grossen Einfluss auf das Ergebnis haben:

* Wird auf Basis von Templates gearbeitet, wie granular ist die Strukturierung der Inhalte?
* Kann auf Inhalts- und Navigationselemente out-of-the-box zurückgegriffen werden?
* Wie flexibel ist die Seiten- und Inhaltsgestaltung für die Editoren mit dem CMS?
* Werden Workflows unterstützt, wie komplex können diese sein und wie sind sie administrierbar?
* Stehen ‚Web 2.0′ Funktionalitäten zur Verfügung?
* Können Inhalte über mehrere Mandanten automatisiert verteilt oder zumindest vererbt werden?

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Bild: CannedTuna

Am allerliebsten frage ich meine Kunden in den gemeinsamen Meetings aber das Folgende:

Ich: Wie gehen Sie eigentlich mit Lastspitzen um? Zum Beispiel wenn Quartalszahlen oder der Geschäftsbericht veröffentlicht werden?

Business Nutzer: Da kümmert sich unsere IT drum!
IT CMS-Verantwortlicher: Wir halten für solche Fälle extra Hardware vor, diese schalten wir vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts jeweils auf…
Business Nutzer: Bei der letzten Social Media Kampagne hatten wir trotzdem einen Ausfall von mindestens vier Stunden, die Kampagnen-Landingpage war nicht erreichbar!

Ich: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, zumindest einen Teil des CMS z.B. zu Amazon auszulagern oder mit einem Content Delivery Network zu arbeiten?

Auch dieses oder ähnliche Szenarien sind nicht selten und der Markt bietet heute Produkte, Lösungen und Referenzen, welche diese Fragestellungen mit Bravour lösen und beantworten.

Kommen diese Statements über neue CMS bzw. deren Evaluation dem einen oder anderen bekannt vor?

Zum Weiterlesen:

* Ein neues CMS?
* Business Requirements an ein CMS

Business Requirements an ein CMS

Heute fokussiere ich mich auf das Thema Business Requirements im Kontext von Systemevaluationen. Dabei sind die Erkenntnisse grundsätzlich unabhängig von der Art des Systems, sprich ob es sich dabei um ein Web Content Management System, ein Intranet- oder ein Collaboration-System handelt. Was genau verstehen unsere Kunden und wir unter Business Requirements? Welche besonderen Eigenschaften weisen diese auf? Wie können sie am einfachsten erhoben, respektive wie lassen sich diese zusammen mit anderen Anforderungen bewerten und interpretieren?

Was sind Business Requirements?
Neben den funktionalen Requirements (z.B. bietet das System Downloadcenter-Funktionalitäten?) und nicht-funktionale Requirements (z.B. lässt sich das System in einem LAMP-Stack betreiben?), die typischerweise direkt von den Systembetreibern und Systembenutzern gefordert werden, stellen die Business Requirements Anforderungen dar, die von verschiedenen Business-Stakeholdergruppen ausgehen. Diese Stakeholder stammen typischerweise aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen wie zum Beispiel Geschäftsleitung, Marketing, Kommunikation, IT, HR oder dem Einkauf und sind im Rahmen einer umfassenden Evaluation ein fester Bestandteil des Requirement-Katalogs. Dieser setzt sich somit aus den folgenden Anforderungsarten zusammen:

* Funktionale Requirements
* Nicht-funktionale Requirements
* Business Requirements

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Aus Überlegungen und Fragestellungen wie zum Beispiel Lock-in Risiken, Produktmarktanteile, Entwickler-Arbeitsmarktsituation, Distributoren- und Implementierungspartnerdichte werden die Business Requirements abgeleitet und anschliessend priorisiert und bewertet.
Typischerweise werden im Rahmen einer Evaluation alle Requirements gruppiert. Dabei trifft man im Bereich der Business Requirements immer wieder auf die folgenden Anforderungsgruppen:

* Allgemeine Marktanforderungen, z.B. Verbreitungsgrad in der Branche XY > 50%
* Hersteller, Produkt & Support Anforderungen, z.B. Verfügbarkeit von Schulungsangeboten
* Implementierungspartner bezogene Anforderungen, z.B. Anzahl und Grösse der Partner in der Schweiz
* Personalanforderungen, z.B. Existenz eines Arbeitsmarkts für Entwickler mit Knowhow in XY
* Kostenanforderungen, z.B. für Lizenzen, Implementierung, Infrastruktur, Wartung & Betrieb, etc.

Wie werden Business Requirements erhoben?
Business Requirements werden wie die anderen Anforderungen am einfachsten direkt mit den Stakeholdern zusammen erhoben. In einem ersten Schritt gilt es diese Anspruchsgruppen zu identifizieren und zu bestimmen, um im zweiten Schritt mit ihnen zusammen die Anforderungen zu erarbeiten. Je nach Organisationsform, -grösse oder Präferenz können dafür verschiedene Methoden eingesetzt werden wie zum Beispiel geführte Interviews oder Workshops.
Nachdem die Anforderungen aller Stakeholder in einer Rohform vorliegen, müssen diese in priorisier- und bewertbare Anforderungen überführt werden. Diese Transformation ist für Business Requirements häufig schwieriger vorzunehmen als beispielsweise für funktionale Anforderungen, welche sich per se einfacher in eine Form bringen lassen, in welcher man sie sinnvoll bewerten kann.
So kann aus einer vermeintlich einfachen Aussage eines HR-Managers ein ganzer Strauss an Business Requirements abgeleitet werden (fiktives Beispiel):

„Deutschsprachige erfahrene Entwickler muss ich binnen 2-3 Wochen rekrutieren können.“

Daraus ableitbare Business Requirements sind zum Beispiel:

* Es existieren bewährte Plattformen zur raschen und einfachen Personalrekrutierung
* Auf dem betroffenen Arbeitsmarkt sind genügend Personalressourcen verfügbar
* Freelance-Personalressourcen sind neben anderen Ressourcen verfügbar
* Der Arbeitsmarkt ist in den Ländern Schweiz, Deutschland oder Österreich existent
* Der Hersteller bietet Zertifizierungsmöglichkeiten

Alle Requirements der Business-Stakeholder werden neben den anderen Anforderungsarten in einem sogenannten Evaluationsraster zusammengetragen und nachfolgend gruppiert. Eine Vermengung der auf diesem Weg erhobenen Requirements mit aus anderen, bereits bekannter Anforderungen, stellt eine gängige Praxis dar, um aus der bereits vorhandenen Evaluationserfahrung zu profitieren.

Teil 1 unserer Post-Serie, ‚Ein neues CMS?‚, führt in die Thematik CMS-Evaluation ein.

Zum Weiterlesen:

* Ein neues CMS?
* Funktionale und nicht-funktionale Requirements an ein CMS

Ein neues CMS?

Der nachfolgende Dialog ist frei erfunden. Ähnlichkeiten zu realen Personen und Situationen sind rein zufällig…

Produkt Marketing: Wir benötigen mehr Flexibilität zur Darstellung unserer Produkte auf der Webseite.

CMS Plattform Owner: Was genau meinst du mit mehr Flexibilität?

PM: Wir wollen unseren Besuchern ermöglichen, zu einzelnen Angeboten Kommentare und Ratings zu hinterlassen. Und es soll möglich sein, unsere Produkte bei Facebook zu ‚liken’!

CMS PO: Sind diese Funktionen wichtiger als die Produkt-Videos, von denen du mir letzte Woche erzählt hast? Und auch das Suchmaschinen-Package?

PM: Wir brauchen das alles ganz schnell, und wir brauchen ein flexibles Template um unsere Microsite Landing-Page umsetzen zu können…

CMS PO: …?!?

Content Management Systeme (CMS) zur Pflege von Webseiten sind einem Lebenszyklus unterstellt. Daher dürfte diese Konversation zwischen Marketing und IT bereits schon einmal so oder so ähnlich stattgefunden haben. Ich habe sie genau genommen schon des Öfteren erlebt.

Jedoch muss es nicht unbedingt nur die mangelnde Flexibilität eines Systems sein, dass Anforderungen von Marketing oder Business an das CMS nicht mehr Folge geleistet werden kann. Oft fällt mangelnde Flexibilität direkt auf das eingesetzte Poduktes bzw. die Version zurück. Starre Seiten- und Inhaltsstrukturen erlauben wenig Freiraum bei der Gestaltung von Inhalten. Und die starren Strukturen machen eine Weiterentwicklung oft kostspielig und aufwändig, um das geforderte Ergebnis zu erreichen.

Zeitgemässe Funktionen sind gefordert
Wenn wir heute im privaten Umfeld das Internet nutzen werden wir mit den neuesten Technologien konfrontiert. Zum Beispiel findet man vielfach anspruchsvolle Benutzeroberflächen mit In-Place Editing sowie Drag&Drop Anwendungsfällen, welche Abläufe vereinfachen und schneller gestalten. Oft stellt sich einem dann die Frage, weshalb diese Technologien nicht auch im geschäftlichen Umfeld für die tägliche Arbeit eingesetzt werden können.

Technische Rahmenbedingungen haben sich verändert
IT-seitig stehen oft grundlegendere Fragestellungen im Raum: die bestehende Lösung wurde vor vielen Jahren implementiert und hat mehrere Releasewechsel mitgemacht, ist veraltet und funktional nicht mehr aktuell. Das Produkt wird möglicherweise eingestellt, wird nicht mehr weiterentwickelt oder die Unterhaltskosten sind mittlerweile unverhältnismässig hoch. Möglicherweise sieht man sich mit einer geänderten Unternehmens-Startegie konfrontiert, die andere Technologien fordert. Um Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, sollen Umsysteme in die Content Management Lösung integriert werden. Immer häufiger ist das bestehende System Lastspitzen ausgesetzt, die nur durch das Vorhalten von zusätzlicher (teurer) Hardware bedient werden können, und das in Zeiten von Cloud Computing?

Eines ist sicher: der Markt für Content Management Systeme ist fragmentiert und unübersichtlich. Anhand von Anforderungen an eine Content Management Lösung und die Bewertung der daraus abgeleiteten Anwendungsfällen kann die Vielzahl von Systemen mit unterschiedlichsten Merkmalen im Markt bewertet und aussagekräftige Vergleiche gezogen werden.

Und da mir solche Situationen in der Praxis schon oft begegnet sind, teile ich hier meine Erfahrungen in einer kleinen Serie. Das war der Auftakt, weitere Informationen zum Thema stehen parat.

Zum Weiterlesen:

* Business Requirements an ein CMS
* Funktionale und nicht-funktionale Requirements an ein CMS