Digitale Hegemonie: Warum der Amazon Dash Button ein Angriff auf die Discounter ist

Amazon Dash

Amazons neueste Shopping Innovationen halten den Einzelhandel weiter unter Spannung und etablieren neue Konsummuster bei Kunden. Die jüngste Errungenschaft – der Amazon Dash Button – soll u.a. das margenstarke Eigenmarkengeschäft der Discounter angreifen. Amazon erweitert seine Strategie in den letzten Monaten … Weiterlesen

Web Performance Optimierung (WPO)

Gestern hielt ich auf dem Webmontag in Frankfurt einen Vortrag über Web Performance Optimierung. WPO wird nach Vorhersagen in den nächsten Jahren wie SEO eine eigene Industrie werden. Tenni Theurer und Steve Souders begannen 2006 bei Yahoo!, die Performanz von Webseiten eingehender zu untersuchen. Entsprechend der Prämisse, dass man am Ende mehr profitiert, wenn man seine Erkenntnisse mit anderen teilt, publizierte Yahoo! diese Ergebnisse auf Konferenzen und Blogs noch im selben Jahr. Souders veröffentlichte in der Zwischenzeit zwei Bücher zum Thema und arbeitet heute bei Google. Bei Namics befassen wir uns mit WPO seit Sommer 2006 und teilen auch gerne.

Ziel von Web Performance Optimierung ist es, schneller und kleiner zu werden: Studien von Yahoo! und Google haben ergeben, dass nur 10-20% der Ladezeit vom Server abhängig ist. Bis vor wenigen Jahren dachte man bei Geschwindigkeit ausschließlich an den Server. Tatsächlich werden aber 80-90% der Ladezeit im Frontend fällig. Darum ist WPO im Frontend effizienter.

Zwei wichtige Schwachstellen sind JavaScript-Dateien und die schiere Anzahl von Dateien: JavaScript lädt sequentiell und blockiert sämtliche nachfolgenden Inhalte. Darum sollte es nicht im Kopf, sondern im Fuß einer Seite stehen. Zweitens können ältere Browser, vor allem der Internet Explorer, nur 2-4 Dateien parallel laden. Dateien bilden eine Warteschlange, die nur langsam abgearbeitet wird. Ziel ist es darum, durch Zusammenfassung von Dateien die Anzahl der HTTP-Requests zu reduzieren.

Verschiedene internationale Unternehmen haben Studien angestellt oder einfach den Effekt von Optimierung getrackt.

Effekte von Langsamkeit

Effekte von Geschwindigkeit

  • Mozilla hat seine Downloadseite um 2,2 Sekunden schneller gemacht, was durch 15,4% mehr Downloads belohnt wurde.
  • Google Maps reduzierte das Dateivolumen um 30% und beobachtete daraufhin 30% mehr Kartenaufrufe.
  • Netflix schaltete Gzip auf dem Server ein; alleine dadurch wurden die Seiten um 13-25% schneller und sie sparten 50% Dateivolumen ein!
  • Shopzilla schaffte es, die Ladezeit von 7 auf 2 Sekunden zu reduzieren, wodurch die Conversion Rate um 7-12% stieg, 25% mehr Seitenaufrufe beobachtet wurden, 50% der Server in den Ruhestand geschickt und entsprechend Energiekosten eingespart werden konnten.
  • AOL beobachtete die Anzahl der Page Views auf verschiedenen Websites. Während die schnellsten User 7-8 Seiten aufriefen, waren es bei den langsamsten durchschnittlich nur 3-4.

Als Sahnehäubchen hat vor kurzem Google angekündigt, künftig die Ladezeit als Parameter im Suchmaschinenranking zu berücksichtigen.

Am Ende werden die Seiten schneller, die Kunden sind glücklich, generieren mehr Umsatz und Page Views, und gleichzeitig sinken Stromverbrauch und CO2-Ausstoß. Wieder einmal die Welt gerettet! Und wer dazu beitragen möchte, beginnt am besten damit, sich die Regeln bei Yahoo! anzuschauen. Ein paar Tricks, die darüber hinaus gehen, gibt’s in der Präsentation.

Amazon Kindle – Erste Erfahrungen

Gleich vorweg: Der Amazon Kindle ist ein revolutionärer Ansatz. Nicht weil es ein eBook ist, aber wegen der Einbindung in das Amazon Ökosystem. Das Gerät ist seit einigen Tagen in über hundert Ländern weltweit verfügbar. Hier mein Erfahrungsbericht aus Deutschland und aus der Schweiz.

641-kindle-namics-geraet-thumb-500x375-640.jpg

Erstaunlich massentauglich
Egal wem ich das schlanke, handliche Gerät in die Hand drücke: Es gefällt. Der Bildschirm (passiv, ohne Hintergrundbeleuchtung) ist auch unter schlechten Lichtbedingungen extrem gut lesbar und die am häufigsten genutzten Bedienelemente sind gut platziert und einfach zu bedienen. Das können auch andere Geräte, nun aber der Unterschied: Der Kindle ist über GSM „mit Amazon“ verbunden und zwar ohne dass ich ein Abonnement bezahlen muss. Die Kaufpreise der Bücher umfassen die Lieferung über „GSM-Datenfunk“ in über hundert Ländern. Darüber habe ich auch den Zugriff auf den Amazon Kindle Store und damit fast 300’000 englische Bücher (plus ein paar Zeitschriften und Zeitungen) innert wenigen Sekunden auf dem Gerät.

644-kindle-store-thumb-500x375-643.jpg

Bücher, Zeitungen und Zeitschriften
Die Bücher kosten bei Amazon als Kindle-Ausgabe meist weniger als die Hälfte des normalen Paperback-Preises. Inklusive ist die (mehrfache) Lieferung auf den Kindle per GSM oder ich kann die Buchdatei auf www.amazon.com runterladen und USB-Kabel auf mein Gerät kopieren. Ausserdem gibt es eine Archivierung auf www.amazon.com, einen iPhone Reader und bald auch eine Lesesoftware für „beliebige Computer“ „Windows PCs“ (ist über DRM geschützt). Interessant sind auch aufbereitete Bücher die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. So beispielsweise „Complete Works of William Shakespeare“ für USD 2.99 (da habe sogar ich zugeschlagen).

Für Bücher habe ich den Kindle sofort ins Herz geschlossen. Funktionen wie unterschiedliche Schriftgrössen, Anpassbarkeit der Laufweite der Schrift, Notizen / Bookmarks (via www.amazon.com synchronisiert) und Begriffdefinitionen mit geladenen Wörterbüchern (The New Oxford American Dictionary ist inklusive) sind alle spannend zu entdecken. „Ganz normal lesen“ ist aber bequem und praktisch (auch im Bett, da das Gerät leicht ist).

Zeitungen und Zeitschriften (nur wenige „Kindle Editions“) sind zwar praktischerweise immer aktuell auf dem Gerät aber relativ teuer. Zudem sind diese gekürzt und werden diese (wahrscheinlich um Datengebühren zu sparen) ohne Bilder geliefert oder vom Verlag nicht aufbereitet. Da fehlt mir zuviel.

Weitere Funktionen
Ausserhalb der USA (Roaming Gebühren lassen grüssen) sind experimentelle Funktionen wie Blog-Abos oder das surfen auf vordefinierten Sites leider nicht möglich. Ein interessanter Vorführeffekt ist die eingebaute (englische) Sprachsynthese für Texte (das Gerät lässt sich aber leider nicht von blinden Menschen bedienen). Auch drin ist natürlich auch eine Suchfunktion über einzelne Bücher oder über den ganzen Inhalt etc.

Formate, eigene Inhalte
Der Kindle ist ein ziemlich geschlossenes System. Primäres Dateiformat für Texte sind (nur) von Amazon erzeugte Kindle-Dateien (.AZW, .AZW1), Text (TXT) und Mobipocket ohne Kopierschutz (.MOBI, .PRC). Mobipocket ist faktisch auch Amazon, doch hier gibt es zumindest Sites wie Mobipocket oder Feedbooks mit Gratisbüchern. Konkret funktioniert das freie eBook-Format ePub, welche beispielsweise von Google auf Books angeboten wird, leider (noch?) nicht.

Amazon bietet weiter einen Übersetzungsdienst für einige Formate wie DOC[X], HTM[L], RTF, PDF und Bilder an AZW an. Ein zwar als Gratisdienst (an *accountname*@free.kindle.com schicken) oder als Bezahldienst inklusive der GSM-Übertragung auf den Kindle (an *accountname*@kindle.com schicken). Ich habe den Dienst mit einem aktuellen Artikel von Bernd Schopp ausprobiert und das Ergebnis ist gut resp. für den Zweck brauchbar.

647-kindle-artikel-dialog-schafft-wissen-thumb-400x533-646.jpg

Zusätzlich unterstützt der Kindle Hörbücher im Audible-Format (.AA, .AAX) und Audio als MP3.

Fazit und Frage
Wie bereits gesagt ist da eine Revolution am anrollen. Amazon (mit dem neuen Slogan „Earth’s Biggest Selection“) hat mit dem Shop und der unauffälligen Distribution über GSM (sie nennen es Amazon Whispernet) eine sehr starke Karte in der Hand. Ein bisschen erinnert es mich an die Kombination iTunes Store mit dem iPods/iPhones… aber noch mächtiger. Dies, da die Distribution noch weniger technische Wissen voraussetzt: Massentauglich. In den USA verkauft Amazon 35% aller Bücher die als Kindle Ausgabe verfügbar sind in digitaler Form. Die (faktisch) weltweite Verfügbarkeit verändert grad die Spielregeln im Verlagsgeschäft massiv und ein paar Anbieter müssen mal schleunigst Mutiges zu Gunsten der Konsumenten tun, sonst werden sie Contentdrechsler im vierten Rang. Mein Tipp: Mit weniger Kopierschutz lässt sich noch was tun…

Ich trage den Kindle zur Zeit mit mir run. Bitte sprecht mich an oder schreibt mir als Kommentar, was ich noch erzählen soll.

Update: Hier meine Erfahrungen nach einer Woche der Nutzung.