Drei Tage re:publica Act!on in Berlin

Die re:publica ist die größte Konferenz Deutschlands über Blogs, Social Media und die digitale Gesellschaft. Zum sechsten Mal fand sie dieses Jahr vom 2. bis 4. Mai in Berlin statt. Für mich ist es die dritte re:publica in Folge.

Nachdem es letztes Jahr im Friedrichstadtpalast und der Kalkscheune zu klein wurde, ist die Veranstaltung  in die 20.000qm große STATION-Berlin umgezogen. Laut Website des Veranstalters bot die re:publica mehr als 200 Stunden Programm in drei Tagen und acht Bühnen, 350 Redner aus über 30 Ländern sowie 4.000 Teilnehmer, vor Ort hatte ich sogar die Zahl 4.700 gehört. Alles kommentiert in über 63.000 #rp12-Tweets.

Im Folgenden möchte ich ein paar Informationen und Gedanken aus den Vorträgen und zur Veranstaltung mit euch teilen.

About Me – Die digitale Fassade

In ihrer Session über Identitätskonstruktion im Social Web erklärte Kixka Nebraska wie sich digitale Identitäten entwickeln und gezielt aufbauen lassen. Das alles gespickt mit zahlreichen Schaubildern, Studien und Zitaten.

Unsere Identität, das reale “Selbst” ist eine Schnittmenge aus Selbstwahrnehmung (What I think I am), Fremdwahrnehmung (What people think I am) und der eigenen Wahrnehmung wie andere uns sehen (What I think people think I am). Dieses Modell lässt sich sowohl für das Online-Ich als auch für das Offline-Ich heranziehen. Unterscheiden sich diese beiden Identitäten deutlich voneinander, bedeutet das in erster Linie Stress.

In der Regel unterscheidet sich das Online-Ich nicht wesentlich vom Offline-Ich, was in einer Studie der Universität Austin bestätigt wurde. Das Online-Ich ist eine Verlängerung des Offline-Ichs im Web. Eigentlich auch logisch, wer macht sich schon die Arbeit und den Stress zwei unterschiedliche Identitäten zu leben? Außer vielleicht Barney Stinson, der sich mit seiner Fake-Identität Lorenzo von Matterhorn Erfolg bei den Frauen erhofft (True Story).

Und wie kann man nun am besten seine Online-Reputation aufbauen? Diese Frage beantwortet Kixka mit Zitaten von Oliver Blanchard und Tom Scott: Konzentriert euch darauf Großartiges zu tun statt nur darüber zu reden.

The beauty of interaction

Patrizia Marti von der Universität in Siena stellte in ihrem Vortrag die Frage, wie Interaktionsdesign dabei helfen kann, Komplexität zu vermeiden. Die Antwort lieferte Patrizia anhand zahlreicher Beispiele studentischer (Abschluss-)Arbeiten.
Am besten hat mir das Abschlussprojekt Friendly Vending von Guus Baggermans gefallen. Bei herkömlichen Verkaufsautomaten erhält der Kunde sein Produkt indem er eine Nummer eintippt, Geld einwirft und im Anschluss meist bückend sein Produkt aus einem Schacht holt. Wie das Ganze in schön aussieht, zeigt Guus in seinem Projektvideo.

Ein Zitat aus der Präsentation fasst das Thema sehr gut zusammen:
“Beauty is not only in appearance. It is in interaction.”

Innovationslabore des Journalismus – wann springt der Funke über?

In der Session über den Stand und die Zukunft des deutschen Journalismus beleuchteten Dr. Leif Kramp und Dr. Stephan Weichert das Thema aus Sicht der Wissenschaft sowie Ulrike Langer und Alexander von Streit aus Sicht der Praxis.

Laut einer Studie der beiden Wissenschaftler ist das Internet in den Chefredaktionen großer Medien angekommen. Das Internet wird nicht mehr als Feind sondern als Freund des Journalismus angesehen. Dieses Kernergebnis scheint nicht sonderlich spektakulär, wer die deutsche Medien- und Journalismusbranche kennt, freut sich vielleicht trotzdem über die Nachricht.

Schaut man in die Praxis zeigt sich, dass aktuell nahezu keine innovativen Wege im deutschen Journalismus gegangen werden. Statt selbst auszuprobieren und zu experimentieren schaut man ins Ausland und adaptiert was dort funktioniert. Und was macht das Ausland? Ulrike Langer fasst die Erkenntnisse aus der Interviewreihe Zukunft des Journalismus wie folgt zusammen. Während die Medien in Deutschland oft denken, der Nutzer schreibe schlechte Inhalte, fragen Medien in den USA welche Rahmenbedingungen geboten werden können, um die Nutzerpartizipation zu verbessern. Sie merkt zudem an, dass in den USA die alten Hasen von den jungen lernen wollen und nicht umgekehrt, wie es in Deutschland der Fall ist. Studenten in journalistischen Studiengängen lernen nicht nur in Inhalte sondern auch an die Finanzierbarkeit zu denken. Bereits während dem Studium gehen sie raus und entwickeln eigene Geschäftsmodelle. In Deutschland besteht weiterhin Nachholbedarf, die Experimentierfreude muss wachsen.

Ein Experiment, auf das ich sehr gespannt bin und daher an dieser Stelle nennen möchte, ist die Rundshow, die gestern im Bayerischen Rundfunk auf Sendung gegangen ist.

Überraschungsvortrag von Sacha Lobo

Es ist schon fast Tradition, dass Sascha Lobo einen Überraschungsvortrag hält. Dieses Jahr ging es um den Stand des Internets 2012. Statt einem Startramp gab es dieses Jahr einen Startflausch, es gab wohl nicht ganz soviel zu schimpfen mit dem Publikum. Ganz im Gegenteil, dank den Internetpeople, wie wir uns seit diesem Vortrag nun nennen können, wollen die Internotpeople soviel vom Internet erfahren, dass Sascha gut verdient. Da darf auch mal ein bißchen gekuschelt und angebiedert werden.

Aber was hat er jetzt gesagt, der Sascha Lobo? Zu jedem der populären Social Networks etwas. Twitter entwickelt sich konzeptionell zurück und scheint zu einer App werden zu wollen, die vermutlich von Apple gekauft wird. Pinterest hat einen Wert von 2,4 Foursquare und Google+ ist irgendwie auch egal. Die nachwachsende Generation sieht er auf Youtube.

Doch das eigentlich Spannende, er hat 2012 zum Jahr der Blogs ausgerufen. Wie in seiner Kolumne „Euer Internet ist nur geborgt“ plädiert er für den Aufbau eigener Websites und Blogs (Owned Media) statt sich nur auf den Aufbau von Profilseiten im Social Web (Sponsored Media) zu konzentrieren. Und er hat uns erinnert, dass wir weiterhin Wege finden müssen, 30 Millionen Internotpeople unser Anliegen zu erklären oder zumindest mit ihnen klarzukommen.

Der Vortrag von Sascha Lobo war durchaus unterhaltsam und hatte einige Highlights, ich sage nur Catcontent. Nachschauen kann man ihn bei Spiegel Online (Teil 1 & Teil 2).

Open Innovation

Unter dem Namen re:innovation war das Themenfeld Open Innovation mit einem eigenen Track vertreten. Zwei Vorträge hab ich mir angeschaut.

In der Session Open Innovation: Eine wirschaftliche Perspektive stellte Julia Leihener die Arbeitsweise des Creation Centers der Telekom Innovation-Labs in Berlin vor.

“Seeing what everyone else has seen and thinking what no one else has thought.” (Albert von Szent-Györgyi).

Besonders spannend fand ich den Ansatz Innovationen im Alltag zu schaffen, neue Produkte, Services und Funktionen, die den Kunden wirklich nutzen und von ihnen gewünscht werden. Dazu werden Ideen gemeinsam mit Experten aus Forschung und Wirtschaft sowie Konsumenten entwickelt. Diese Ideen fließen über die Produktentwicklung wieder in die Produkte selbst. Mich spricht dieser Ansatz sehr an, denn auch für mich sind Innovationen nicht zwangsläufig etwas noch nie Dagewesenes, sondern auch etwas das extrem gut und dabei vielleicht auch anders umgesetzt und weitergedacht wurde.

Gleich danach gab Stefan Lindegaard in seinem Vortrag Open Innovation: Insights into the buzz einen methodischen Überblick über das Thema. Nach ihm ist Open Innovation ein Buzzword zu dem es zahlreiche unterschiedliche Definitionen gibt. Aus seiner Sicht müsse jedes Unternehmen seine eigene Definition von (Open) Innovation finden. Dabei sind für ihn das Internet und Social Media Haupttreiber von Open Innovation.

Storytelling

Auch in diesem Themenbereich habe ich mir zwei Sessions angeschaut. Mit dem Aufruf “Stop taking photos start telling stories” starteten Ivan Sigal und Bjarke Myrthu in ihre Session New directions in visual storytelling. Nach einer kurzen theoretischen Einführung folgten einige Beispiele wie 18days in Egypt, Bear71 und Pinepoint.

In der Session Transmedia Storytelling: Missing in Action?” stellten die Macher des Transmedia Manifests ihre Thesen und Beispiele für transmediales Storytelling vor. Eines davon, die Kampagne zum Kinofilm The Dark Night.

Foodblogs – Verfall oder Rettung der Esskultur?

In einer sehr symphatischen und leckeren Runde sprachen Nicole Stich, Sebastian Dickhaupt, Stevan Paul und Vijay Sapre zusammen mit Inés Gutiérerz über Gegenwart und Zukunft deutscher Foodblogs.

Was ich neben Hunger und einer neu erweckten Lust auf Kochen aus der Session mitnehmen konnte, war ein guter Einblick in die Foodblogger-Szene, bei der sich der ein oder andere Aspekt sicher auch auf andere Blogs und Blogger übertragen lässt.

Ich habe gelernt, dass es den klassischen Foodblogger nicht gibt. Blogs werden oft wegen der Personen hinter den Blogs gelesen. So ist es wichtig seinen eigenen Stil und damit auch sein eigenes Publikum zu finden. Professionelle Foodjournalisten werden damit jedoch nicht überflüssig, da deren Expertise weiterhin gefragt sein wird. Oft sind Blogger auch Foodjournalisten und umgekehrt.

PR Agenturen beschäftigen sich nach wie vor zu wenig mit Bloggern und ihren Blogs, wenn sie diese für ihre Werbung und Kommunikation nutzen wollen. Viel zu oft werden Blogger für Werbung angesprochen, die gar nicht zum Blog passt. Erfolgreiche Bloggerrelations ist das nicht.

Ich habe ebenfalls gelernt, dass auf Rezepten kein Copyright besteht. Sobald Zutaten geändert werden, ist es ein Remix. Das heißt, einmal bezahlt zum Beispiel durch Kauf eines Kochbuches, gehören die Rezepte den Menschen. Verlage ärgern sich häufig, wenn die Rezepte kopiert werden. Für die Teilnehmer der Podiumsdiskussion ist es eher ein Glück, sie sind froh, dass man nicht “für jede Béchamel etwas abdrücken muss”. Werden Rezepte nachgekocht und darüber geschrieben, ist es eher eine Auszeichnung und ein Proof of Concept, dass die Rezepte funktionieren.

Und die Zukunft der Foodblogs? Das Einstiegslevel wird höher, neue Blogs haben es schwerer Leserschaft zu finden. Gleichzeitig professionalisieren sich die Foodblogs weiter, werden zu gestalteten Blog-Magazinen während die Kommunikation zunehmend in sozialen Netzwerken stattfinden wird. In der Aufbereitung der Inhalte sehen die Teilnehmer zunehmend Formate wie Videos und Podcasts. Ein Teilnehmer glaubt zudem, dass durch den wachsenden Verkauf von Lebensmitteln online, Foodblogs als Werbefläche attraktiver werden. Oder die Bloginhalte für Online-Shops und Websites.

Social Media Nutzung der Bundesregierung – Ein Interview mit @RegSprecher

Steffen Seibert twittert seit Ende Februar 2011 unter @regsprecher über die Arbeit der Bundesregierung. Im Interview erzählt er von seinen Twitter-Erfahrungen und den Social Media Aktivitäten der Bundesregierung, wie z.B. der Zukunftsdialog mit Kanzlerin Merkel, einer Plattform für Online-Partizipation. Statt einer Zusammenfassung empfehle ich euch das Interview einfach anzuschauen.

Im nächsten Jahr will Herr Seibert übrigens wieder auf die re:publica, diesmal als Zuhörerer. Vielleicht bringt er auch die Angela mit.

Made in my backyard

Die Session von Bas van Abel war mein persönliches Session-Highlight, da es mich am meisten zum Nachdenken angeregt hat.

Bas stellte einige Projekte der Waag Society vor, für die er arbeitet. Am meisten beeindruckt hatte mich das Projekt FairPhone, das zum Ziel hat konfliktfreie Telefone zu produzieren und das Projekt Low Cost Prosttehsis in Indonesien, bei dem Beinprothesen mit Bambusbauteilen entwickelt wurden. Die Prothesen sind zwar nicht so haltbar dafür wesentlich günstiger als Titanium-Prothesen. Das Design ist frei, die Prothesen können von den Betroffenen selbst gebaut werden.

Technologie wird immer komplizierter und es braucht Leute, die diese Technologien hacken und verstehen, so Bas von Abel. Man dürfe das nicht nur den großen Unternehmen überlassen. Diese Aufgabe haben sich FabLabs gesetzt, die einen offenen Zugang zu High-Tech-Maschinen für Privatpersonen bieten. In München gibt es übrigens auch eine Fablab. Das will ich mir unbedingt mal genauer anschauen.

Das Kulturprogramm

Auch kulturell hatte die re:publica einiges zu bieten. Am zweiten Tag wurde der Silberne Rettich für das schlechteste deutsche Webvideo 2012 verliehen. Mein persönlicher #Fail-Favourit für das angesprühte Gemüse war ja “Tübingen, warum bist du so hügelig”. Am Ende hat das Video BMW Praktikum Rap die meisten und lautesten Buhrufe erhalten. Und ja, das Video ist s…eltsam, aber ich finde es nach wie vor nicht schlecht, dass BMW das von Praktikanten erstellte Video online gestellt hat. Ganz ehrlich, wieviele Konzerne trauen sich das?

Weiteres kulturelles Highlight war der Peotry Spam, so unterhaltsam und erotisch wurden Spammails selten rezipiert. Und es zeigt, auch Spammern sollte man ab und an antworten, der Spaß ist garantiert.

Online trifft sich offline. Mein Fazit.

Manche werden sich fragen, warum sich Internetpeople offline treffen, wo sie doch das ganze Jahr über online vernetzt sind. Eigentlich ist es ganz einfach. Weil der persönliche Kontakt trotz allem Digitalen nicht an Relevanz verloren hat.

Ein Klassentreffen ist die re:publica lange nicht mehr. Das Bild der fleischgewordenen Twitter-Timeline trifft jedoch immer noch zu, mit dem Unterschied, dass man sich dieses Jahr hätte besser verabreden sollen.

Die re:publica ist und bleibt ein guter Treffpunkt um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und den ein oder anderen Gedanken aus den Vorträgen mitzunehmen. Gleichzeitig fehlte mir dieses Jahr ein Speaker-Highlight. Aber richtig schlimm ist das eigentlich nicht, sind es doch die Menschen und Gespräche die das Besondere der re:publica ausmachen.

Corporate Blogger – Einzahl oder Mehrzahl. Oder: Wenn Blogger das Unternehmen verlassen.

Zum Jahresende verlässt Su Franke Namics und wir überlegten uns, wie kommunizieren wir, wenn ein Corporate Blogger das Unternehmen verlässt. Klaus Eck gab kürzlich in seinem Blog dazu Überlegungen und Tipps „Wenn Corporate Blogger die Firma verlassen.

Klaus Eck berichtet über eine von langer Hand geplante und inszenierte Stabsübergabe von Leit-Bloggerin A zu Alpha Bloggerin B auf dem Fashionblog von Otto.de.

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Lomo Portrait: Su und Ralph (Fotografin: Nina)

Und genau das war der Plan: Eine ähnlich schön inszenierte Stabsübergabe der „Corporate Blogger“ zum Abschied von Su mit den 10 wichtigsten Tipps, wie man den Wechsel gestalten sollte. Wir beide haben uns anders entschieden, denn dieses Modell passt einfach nicht zu Namics. Su meinte gestern, „Es gibt DEN Corporate Blogger und auch die Funktion schlicht und ergreifend nicht bei uns.“

Die Realität bei Namics ist einfach eine andere: Grundsätzlich haben alle Mitarbeitenden die erforderlichen Rechte, um auf allen Namics Blogs ihre Inhalte direkt zu publizieren. Aber niemand hat Bloggen oder Twittern im Stellenbeschrieb, nicht mal unser Corporate Communication Managerin, die ich leider bald „ehemalige“ nennen muss. Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit und nicht etwa ein Mediaplan.

Ebenfalls Realität ist, dass trotzdem nur ein Bruchteil der Mitarbeitenden diese Möglichkeit in Anspruch nimmt. Dieser nutzt die Social Media Kanäle dafür umso bewusster und gezielter, um die Fachthemen sowohl für die Firma, als auch aus persönlichem Interesse oder für die eigene (Online-) Reputation zu besetzen.

Das brachte uns zum Schluss, dass es DEN Corporate Blogger per se grundsätzlich gar nicht geben kann oder geben soll.

Mir liegt das Verständnis von „Corporate Blogger“ im Plural wesentlich näher. Es ist die Summe der bloggenden Mitarbeiter, die die Kommunikation des Unternehmens massgeblich mitprägen. Su hat dies am Beispiel der Firmenpersönlichkeit als Summe der Aktivitäten anschaulich beschrieben. Das selbe Prinzip gilt auch für die Corporate Blogs.


Unsere Grundregel ist, dass wir kommunizieren was wir sind / was wir können und nicht was wir gerne wären / gerne könnten. Damit transportieren wir (wie in unserer Marke sichtbar) die Summe unserer Persönlichkeiten automatisch nach aussen.

Jürg Stuker, CEO

Entgegen der ursprünglichen Intention kann ich hier nun auch keine Liste von „10 Tipps für den Wechsel von Corporate Blogger“ geben.

Es bleibt mir, an dieser Stelle Su und Jürg zu danken. Ihnen ist es gelungen, mit viel Energie, Konstanz und Herzblut über Jahre eine Kommunikationskultur nach innen und nach aussen zu schaffen, die die Menschen bei Namics zu einem integralen Bestandteil der Kommunikation macht.

Und wenn uns Su jetzt verlässt, so nimmt sie ihre Reputation und Fachwissen mit und belässt diese gleichzeitig im Namics Blog und im internen Wiki. Das entstandene Netzwerk von Menschen bleibt bestehen, auch wenn jemand an einem anderen Ort arbeitet und wir werden uns auf den Social Mediaplattformen und persönlich sowieso nicht aus den Augen verlieren. Eine kommmunikative Win-Win Situation.

Das Namics Rezept für erfolgreiches Corporate Blogging heisst zusammenfassend: Vertrauen schenken, motivieren, vorleben, authentisch sein und vor allem: nicht aufgeben. Keep on Blogging!

Erfolgreich starten mit Corporate Blogs – Die 3 Top Enttäuschungen.

Ich habe kürzlich bei Digicomp Academy im Rahmen der Aiciti Veranstaltungsreihe ein Referat über Corporate Blogs gehalten. Aus der anschliessenden Diskussion, aber auch aus zahlreichen Lehrveranstaltungen ist mein Fazit, dass ein Thema in allen Blogs, Fachbüchern und Vorträgen zum Thema Corporate Blogs fehlt: Erwartungsmanagement.

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Quelle: anniemole

Das Konzept mag noch so professionell sein, die Unternehmenskultur für die Lancierung eines Corporate Blog mag geeignet erscheinen und die Schulung der künftigen Blogger ernsthaft durchgeführt worden sein. Die Erwartungen an den Erfolg eines Blogs sind immer überrissen.

Enttäuschung 1 – Nur wenige Mitarbeiter bloggen

Echte Blogger mit Erfahrung sind rar. Vielleicht gibt es eine oder zwei Personen im Unternehmen, die schon Erfahrung mit Blogs haben. Die restlichen wollen erst instruiert und motiviert werden. Und zwar „from scratch“.

Wer überhaupt (webgerecht) schreiben kann, ist noch lange kein Blogger. Sich selbst mit dem eigenen Namen in der Öffentlichkeit zu positionieren braucht Überwindung, Übung, ein Fachthema und ein Vorbild. Warum um Himmels Willen soll ich bloggen, während mein Vorgesetzer und die Geschäftsleitung nur kritisch mitlesen?

Ich behaupte einfach einmal: Nur 10% der Belegschaft sind ansatzweise „willing“, nur 5 % sind „able“ aber nur ein Prozent sind Stars.

Die Kadenz an Blogbeiträgen und die Anzahl Autoren wird erst steigen, wenn Meinungsführer und Management eine Blogkultur vorleben und das Corporate Blog als gleichberechtigtes Medium in das PR Instrumentarium gefunden hat.

Enttäuschung 2 – Kaum Kommentare

In Zeiten des Facebook ilike-Button und Twitter sind Kommentare und Dialoge auf Blogs rarer geworden. Das akzeptiere ich als Zeitgeist. Kommentare entstehen einerseits spontan und andererseits, wenn man eine Antwort voraussetzen kann. Das bedingt eine stattliche Anzahl an Lesern und eine Dialogkultur. Diese entstehen ganz sicher nicht nach wenigen Wochen oder Monaten einfach so, weil ein Blog nun endlich online ist.

Kommentare sind die falsche Messgrösse. Der wachsende Erfolg eines Blogs lässt sich genausogut durch Zugriffszahlen, Verlinkungen durch andere Blogs und Erwähnungen auf Twitter und Facebook messen. Auch bei erfolgreichen Blogs kommentiert nur ein Bruchteil der Leserschaft.

Enttäuschung 3 – Die Nutzungszahlen sind gering

Geduld, Geduld. Es bringt nichts, die Webstatistiken täglich mehrfach abzurufen. Vermutlich wäre es einfacher, die Statistiken in den ersten drei Monaten erst einmal zu ignorieren und die Energie in die Erstellung von Beiträgen zu stecken. Zuerst säen, dann ernten.

Ein Jahr lang mindestens; zwei bis drei Blogposts pro Woche. Die Zeit braucht es, um eine Blog Kultur zu etablieren und für die Autoren, um an Textkompetenz und Effizienz beim Schreiben zu gewinnen.

Nicht nur Enttäuschungen

Anstelle von reinen Zugriffsstatistiken, Anzahl Kommentare und Autoren bevorzuge ich in der ersten Phase andere Erfolgskriterien:

  • Wie viele Besucher haben unsere Firma dank Suchmaschinen und spezifischen Fachbegriffen gefunden, die auf der Corporate Website gar nicht oder nur marginal vorhanden waren?
  • Wie viele Markenimpressionen wurden damit zusätzlich zur Website generiert?
  • Welche Kompetenzen der Mitarbeiter werden auf einmal von aussen wahrnehmbar
  • Wie viel wert ist alleine die Botschaft, dass die Unternehmenskultur vertrauensgeprägt ist und selbständiges Publizieren von Fachthemen und Meinungen zulässt?

Das sind unschätzbare Beiträge an das Employer Branding und banal gesehen auch kostenloses Suchmaschinen Marketing.

Erfolgsfaktoren

Das Fazit meines Referats nochmals hier nochmals kurz zusammengefasst:

  • Kultur etablieren. Ernsthaft.
  • Management vor und die Stars ins Schaufenster
  • Dran bleiben. Mindestens ein Jahr
  • Authentisch sein

Die ganze Präsentation gibt es übrigens auf Slideshare oder

hier zum Download

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10 Gründe warum Blogs in Deutschland (angeblich) nicht funktionieren

Die Financial Times nennt Gründe, warum das angeblich so sein soll. Auch die Süddeutsche publiziert die Liste von Blogger Felix Salmon . Weil ich leider kein Kommentar-Feld finde und für alle denen das weiterblättern „zum nächsten Abschnitt“ zu mühsam ist, hier die Thesen in Kürze mit ein paar Gedanken dazu:

1. Deutschland tickt in Hierachien – heisst das: führende Personen bloggen nicht und lesen keine Blogs? Glaub ich nicht. Ohne Online Kommunikation gäbe es weniger Publicity, sie würden sich nicht weiterentwickeln und unsichtbar werden.

2. In Deutschland zählt Qualifikation mehr als alles andere – die Dinger verstauben an der Wand und man lernt nix dazu, mumifiziert sich selbst. Nein, lieber Felix. Blog-Leser wissen mehr, das wissen auch Menschen mit Diplomen.

3. Stimme des Volkes hören ist nicht typisch deutsch – Diese Bemerkung tut weh. und: Macht das Internet vor geografischen Grenzen Halt?

4. Karrieredenken wichtiger als Bloggen – Kommunikation spielt also keine Rolle beim Weiterkommen? Traurig

5. Angst vorm Scheitern – das ist ein wahres Argument, zugegeben, bestimmt hindert das Manchen und braucht Arbeit am Ego und Mut zum sich selbst korrigieren.

6. Methodik vs. Schnellschüsse – auf die Schnelle fällt mir dazu nix ein ;)

7. Ausssenseiter-Ansehen nicht erwünscht – 1.4 Mio. Blogger warens 9/2007, Google gibt 59.900.000 Treffer für das Wort Blog im deutschen Kontext, 40’000 twittern laut Thomas Pfeiffer Und wollen nicht viele Menschen gern anders sein als „alle“?

8. deutsche Professoren bloggen nicht – ich vermute ein Klischee.

9. kein Geld verdienen – ok. das tun viele Verlage zwar auch nicht genug, heissts. Der Autor dieser Thesen scheint zu verdienen, oder warum bringens gleich zwei Zeitungen in gleichem Wortlaut? Ohne Kommunikation kein Business.

10. Ferien sind wichtig – Endlich Zeit, mehr zu bloggen ;)

Ein Blog hat einen oder mehrere Autoren und Leser, die wiederum Autoren sind. Die 10 Gründe sprechen nicht von den vielen Kommentatoren, die einen Blog bereichern. Hoffentlich zählt bald mal jemand wieviele Menschen sich in Blogs austauschen. Ich habe übrigens jetzt das Kommentarfeld bei der Financial Times gefunden. Es heisst Leserbrief und ich musste meine ganze Postadresse angeben.

Blogger sind anders liebe PR-Kollegen

Das Blogger ein eigenes Medium (nicht im esoterischen Sinn) sind, wissen PR-Leute
ja inzwischen. Wir PR-Menschen sollten aber nachdenken, bevor wir Blogger in die erlauchte Runde der Journalisten aufnehmen, denn:

1. Blogger sind (meist) anders als klassische Journalisten.
Sie wollen keine Medienmitteilung zur Pressekonferenz kommen (ausser online).

2. Blogger wollen ihre eigene Meinung kund tun und 3. lieben Geschwindigkeit
Also, selbst testen und beschreiben und keine pfannenfertige Meinung (wie oft in Medienmitteilungen). Nett: Eine Info vor dem Versandtermin. Die klassichen Medien sehen Blogger eh nicht direkt als Konkurrenz. Hab mal gehört, eine exakte Recherche ist ein gutes altes Journalisten-Handwerk. Glaube das ist überholt.

4. Blogger sagen auch unangenehme Meinungen
Nicht neu. Können Sie damit leben? Fein. Das ist Gold wert, z.B. um ein Angebot zu verbessern. Sie können auch, wenn sie auf den Post kommentieren einen Imagegewinn erzielen. Sie werden kommunikativ und aufrichtig wahrgenommen. Das sind u.a. Eigenschaften, die Blog-Leser schätzen. Natürlich kommentieren Sie Feedbacks unter Ihrem richtigen Namen.

5. Blog-Leser sind -…
ein gutes Stichwort. Meist gut informierte Menschen, die sich offen austauschen. Sonst würden Sie nur Zeitungen lesen (ohne direkte Antwort-Möglichkeit). Unehrlichkeit geht nicht. Ausserdem sind Blogger mit anderen ihrer Art verlinkt und eine unangenehme Story infiziert leicht Ihre Clippings mit Twitter und Co.

6. Clippingdienste sind auch nur Menschen
Mein Clippingdienst ignoriert die neuen Journalisten (Blogger) noch. Deshalb schätze ich zusätzlich z.B. Google Alert und technorati.com und aufmerksame Kollegen ;)

7. Behandeln Sie Blogger gebührlich wegen Punkt 1.
Nehmen Sie sie nicht einfach in Ihre Verteilerliste für den Versand auf. Falls ein Blogger über Themen schreibt, die Sie selbst bereichern können. Fragen Sie einmal an, ob er/sie Informationen möchte. Und nach Infoversand bitte nicht nachtelefonieren, das kommt auch bei Journalisten nicht gut. Wird aber immer wieder gern gemacht. Danke Tom für Deine Inspiration

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8. Auch Blogger können nicht hellsehen
Genau wie Journalisten können sie sich nix vorstellen unter dem Betreff „Pressemitteilung“.
Text direkt im Mail und als Word-Anhang ist nett und kostet einen Klick weniger.

9. Blogger verstehen keine Marketingtexte.
Unterscheiden Sie Marketingtexte deutlich von PR-Texten. Höher, schneller, das interessiert wirklich niemand.

10. PR Leute, die selbst bloggen
Ja heute dürfen PR-Leute auch selbst bloggen, wenn es nicht eine copy/paste Medienmitteilung ist, sondern ein echter persönlicher Beitrag. Aber das sind ja eh Basics über die man u.a. bei Klaus Eck im pr-blog und Marcel Bernet findet.

Na denn, p(r)os(t) it.

Microblogging im Unternehmen aka „wir yammen“

Das Problem ist bekannt: In der „Raucherecke“ werden informelle Informationen schnell und effizient ausgetauscht- über Projektstati, über die aktuelle Wochenplanung, es werden fachspezifische Fragen gestellt, Restauranttipps ausgetauscht, Witze erzählt etc.

Nun sind alle diese Informations-„Schnipsel“ nur den Rauchern im Unternehmen vorbehalten.
Im Rahmen des namics-lab haben namics-Mitarbeiter versucht, Lösungen zu finden, wie alle Mitarbeiter an diesem „informellen“ Informationsstrom teilhaben können. Hierzu wurde das Potential von Microblogging für die unternehmensinterne Kommunikation untersucht. Für namics wurde aufgrund seiner Funktionalitäten das Tool Yammergewählt.

Schnell stellte sich die Frage, wie ein solches System in unserem Unternehmen zu implementieren wäre. Während noch überlegt wurde wie ein namicsweiter Rollout auszusehen hat, entdeckten einige Mitarbeiter auf dem im Wiki dafür eingerichteten Arbeitsspace die Yammergeschichte, und meldeten sich von sich aus beim Dienst an.

Die Tatsache, dass wir einen yammenden CEO haben, half sicher dabei, dass sich das ganze ohne jegliche „Werbung“ viral im ganzen Unternehmen (also sowohl in der CH als in DE) verbreitet hat. Der Rollout lässt sich also in 2 Sätzen zusammenfassen: „It’s not rocket science. Do it!“

Dies ist inzwischen zwei Wochen her. Mittlerweile sind – auch nach einem offiziellen Post im Wiki – 180 (!) Mitarbeiter beim Dienst angemeldet und haben schon über 2100 Wissenschnipsel geschickt, Fragen gestellt, Links gepostet, Statusmeldungen durchgegeben, Files upgeloadet oder Kommentare, Bemerkungen, Freuden und Frust kommuniziert. Zudem wurden über 20 Gruppen gebildet, in denen sich Business Units austauschen, Projektteams geschlossen diskutieren können oder sich Fach- sowie Interessensgruppen abstimmen.

Hier einige Anwendungsfällen der letzten 2 Wochen:

Wissensschnipsel:
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Frage
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Koordination
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Offtopic
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Suche
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Status
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Nach zwei Wochen zeichnet sich ab, dass Microblogging in der internen Kommunikation ziemlich interessante Blüten trägt. Die Einen finden es im Yammer zu lärmig (in einer grossen Raucherecke ist es zwangsläufig ein bisschen laut) und benutzen den Dienst deshalb nicht (oder kaum). Andere lassen sich gerne von den Wissensschnippsel berieseln, posten aber kaum. Und für einige namics Mitarbeiter ist das Einsetzen von Yammer als Arbeitstool schon selbstverständlich.

Ich bin gespannt, wie (und ob) das Experiment mit Yammer weitergeht. Um den Klagen bezüglich Microblogging vs. Informationsflut entgegenzukommen, bietet Yammer zwar einige interessante (Filter-) Funktionen an, diese müssten jedoch noch erweitert werden, um für noch mehr namics-Mitarbeiter einen echten Nutzen anzubieten und sich längerfristig als internen Kommunikationskanal zu behaupten.

Schöne Visualisierungen bei digg

Sie kennen wohl Digg, die Popularitätsschleuder für Internet News (meist aus Blogs gefüttert). Interessant ist die Site http://labs.digg.com/, eine Spielwiese für Visualisierungen des Digg Contents (natürlich auch mit einem offenen API): http://apidoc.digg.com/.

Bigspy
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Arc
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Eine schöne Inspiration (und nicht mehr). Übrigens (vgl. Bigspy oben) „The Next Bond Girl“ ist Shilpa Shetty ;-)

Lesen Sie Firmen Weblog (Corporate Blogs)…

…z.B. blog.namics.com ;-)

Dann wäre es sehr nett, wenn Sie zwei Studenten der Universität Fribourg bei Ihrer Masterarbeit helfen würden. Es ist eine Untersuchung zum Thema Rezipienten von Corporate Blogs und „ihr Job“ wäre ein online Fragebogen, der ca. 10 Minuten Zeit benötigt.

>> http://questions.netq.ch/nq.cfm?q=20c3baaf-3048-7492-a33d-3b96c719d6f6

Danke im Namen von Domink Schneider [dominik.schneider(ät)unifr.ch] und Mathias Tanner [mathias.tanner(ät)unifr.ch].

Blog-Praxis: Unternehmensblog namics [Vortrag]

Heute darf ich am MAZ (Die Schweizer Journalistenschule) auf Einladung von Bernet PR neben Albert Kuhn, Weblog über Umweltmanagement bei der Swisscom und Nicolas Galladé der (politischen) Blog der SP Schweiz über den namics Weblog sprechen.

Die an mich gestellten Fragen sind die folgenden.

– Wie setzt man einen Weblog auf?
– Worauf gilt es zu achten?
– Wieso bloggt namics?
– Mit welchem Konzept?
– Mit welchen Erfahrungen?
– Do’s und Dont’s

Und hier die Präsentation: Blog-Praxis: Unternehmensblog namics [pdf, 2.4 MB]