Social Media: Die unumgängliche Herausforderung

Was in einer Stunde über den Mittag vor einer illustren Runde von Kommunikationsleitern führender Schweizer Unternehmen von Michael/@netunion präsentiert wurde, begann wie alles beginnt: als Idee, als Frage, als Bedürfnis. Die Ergebnisse unserer Social Media-Studie liefern Antworten auf Fragen, die uns allen unter den Nägeln brennen: Was bringt Social Media für Unternehmen? Welche Faktoren sind zentral, um schnell und nachhaltig Erfolge auf Social Media zu verbuchen? Wie organisieren wir uns richtig? Warum kommen manche Unternehmen trotz grosser Motivation und Einsatz in den sozialen Medien nicht vom Fleck? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?

Die Antworten: Wenn Social Media nicht von Mitgliedern der Geschäftsleitung aktiv als User (vor)gelebt sowie ziel- und strategielos betrieben werden, bleiben sie fruchtlose und von der Unternehmenskommunikation losgelöste Kommunikationsmassnahmen, die ins Leere führen. In solchen Fällen verpuffen die investierten Mittel, womit die vielerorts wohl genährte Diskussion von der – nun am eigenen Beispiel nachgewiesenen – Wirkungslosigkeit und Unrentabilität von Social Media neues Futter bekommt.

Dabei betreiben nur 16% der von uns befragten Unternehmen kein Social Media, allesamt ausschliesslich in der Schweiz tätige Firmen. Über 40% sind seit zwei Jahren auf Social Media und ein Drittel täglich auf Facebook und Twitter aktiv. Die Diskussion über Unternehmen in den sozialen Medien findet – wie das Beispiel von Bank of America gezeigt hat – auch ohne die Beteiligung der Organisationen statt. Wer diese kanalisieren und positiv mitgestalten möchte, kommt um ein ernsthaftes Engagement auf Social Media nicht herum.

Entscheidend ist, am Dialog über die Firma und deren Marken teilzunehmen, um damit zusammenhängende Kernbotschaften zu vermitteln, Brands zu stärken, News zu verbreiten und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Und so geben über 85% der 51 Studienteilnehmer den Kontakt zu Dialoggruppen als wichtigstes Ziel bei den Aktivitäten auf Social Media an, dicht gefolgt von der Verbreitung von Informationen und dem Reputationsaufbau (75% der Teilnehmer), wobei die Hälfte eine Effizienzerhöhung in der Kommunikation sowie die Rekrutierung von Arbeitskraft anstrebt. Nur gerade sechs Unternehmen zielen auf die Produkteinführung oder Produkttests auf Social Media ab.

Als grösste Herausforderung sehen Schweizer Unternehmen neben den limitierten Ressourcen, die Relevanz von ausreichendem Content und die Unvorhersehbarkeit der Themen vor allem den Umgang mit der Dreisprachigkeit. Im Gegensatz dazu mühen sich die international ausgerichteten und doch auch in der Schweiz tätigen Organisationen vor allem mit der Relevanz von Social Media für den B2B Bereich ab. Die befragten Firmen wünschen sich ganz besonders eine bessere Messbarkeit, mehr Ressourcen und Best-Practice-Beispiele für das Engagement auf Social Media.

Und obwohl sich die begrenzten Ressourcen als zentrale Problematik für die unternehmerische Aktivität auf Social Media herausstellen, nehmen die sozialen Medien einen immer sicher werdenden Platz in der Unternehmens- und Budgetplanung ein. So sehen die international tätigen Firmen die gleichen Budgetanteile für 2012 vor wie für 2011, während die ausschliesslich in der Schweiz tätigen Firmen zu einem Viertel 10-20% höhere Ausgaben für Social Media einplanen.

Social Media ist nicht mehr nur kaum aus der Unternehmenskommunikation wegzudenken, Social Media ist schlichtweg unumgänglich. Und wer jetzt ernsthaft durchstarten möchte, sollte dies möglichst professionell anhand von richtungsweisenden Governance-Grundlagen und echtem Management-Commitment tun.

Zum Glück fliegen die zuverlässiger

Ein bisschen habe ich mich schon darüber geärgert, dass AirBerlin nun auch eine zahlreiche Aufschläge auf den zuerst angeschriebenen Flugpreis verrechnet — Also habe ich mir die Zahlen mal kurz angeschaut.

Und nun soll mir doch jemand erklären, weshalb derselbe Flug zum identischen Buchungszeitpunkt (anderes Flugdatum und -zeit aber identischer Flughafen / Destinationen / Flugzeugtypen / Carrier) sowohl eine unterschiedliche Kerosinzuschlag verrechnet wie mit der „Luftverkehrssteuer“ auch eine zusätzliche, offiziell klingende Gebühr draufschlagen. Dafür gibt es für den Rückflug keine (unnützen) Meilen…

Da soll mir bitte mal jemand erklären. Und im seltenen Fall, dass dies jemandem gelungen ist, nu bitte noch erklären wie die Kosten des definitiven Kaufs (natürlich des billigen Angebotes) zu Stande kommen ;-)

Aber wie gesagt: Der Flug war zuverlässig und gut.

Endlich WordPress Rock’n’Roll.

Die Namics Blogs sind neu auf WordPress. Wir verlassen das behäbig majestätisch ungelenke MovableType und lancieren unsere Blogs auf WordPress Basis. Mit typischem Namics Flavour auf Terrific Basis und zeitgemässer Adaption mit responsive Layout.

Nein. MovableType war kein strategischer Entscheid. 2005 war es alleine schon eine Sensation, ein Corporate Blog zu führen und in der Potenz davon, dass Mitarbeitende an der öffentlichen Kommunikation auf Augenhöhe mit dem CEO teilhaben konnten. Ein willkürlicher Ausschnitt aus der Wayback-Machine gibt Eindrücke; Jürg hat sich mit HTML Framesets und Fehlermeldungen beschäftigt, Markus Tressl war auf Erkundungstour mit Google Earth und Bloggingtom hat sich offenbar für die Miss Italia interessiert ;-).

Screen Shot - Namics Blog 2005

Über 2’000 Beiträge und 4’700 Kommentare später befinden wir uns in einem neuen Zeitalter.  Facebook, Twitter, Flickr, XING – Direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst partizipiert die Belegschaft an der Unternehmenskommunikation. Alle rund 330 Namics Mitarbeiter verfügen vom ersten Arbeitstag an über ein Login und Passwort und können ohne Publikationsprozesse Blogposts veröffentlichen. Schreiben, Enter drücken, Zägg, und Google weiss davon. Die Namics Blogs haben ihren festen Platz im Kommunikationsmix in der Unternehmenskultur.

Super Terrific und zeitgemäss

Aber auch in punkto Technik und Medienverhalten hat sich die Welt verändert. Definitiv Zeit für einen Schritt vorwärts. Roger hat die Namics Blogs neu auf WordPress (Achtung jetzt wirds etwas technisch) auf Basis des Terrific Frameworks von Remo umgesetzt und für  „Responsive Layouts“ für die Anzeige auf mobilen Endgeräten optimiert. Das Terrific WordPress Theme wird demnächst frei verfügbar publiziert. „In order to do so“ hat er klick-klack gleich auch einen MovableType-to-Wordpress-Importer geschrieben, welchen er jetzt bereits unter Open Source Lizenz gratis auf WordPress.org zur Verfügung stellt. Über 1000 Downloads sprechen für ein gewisses Bedürfnis, den Schritt von Movable Type nach WordPress zu machen. Wie wir auch.


Screenshot – Namics Blogs – Responsive Design

Was jetzt?

Optisch bleiben wir bewusst beim typisch hemdsärmeligen Blog Design –  in der Anmutung der alten Blogs. Allerdings  optimiert  auf unsere Leser mit den mobilen Endgeräten, powered by Terrific, was uns die Weiterentwicklung enorm vereinfacht und in der Hoffnung, dass wir das 90-9-1 Prinzip durchbrechen werden und unsere Mitarbeiter eine wesentlich tiefere Kontributionsschwelle für die Publikation haben noch aktiver bloggen werden. Weil WordPress einfach selbsterklärend ist. Einfacher wird es für die Kommentarschreiber. Ohne nerviges „Captcha-Verfahren“ dürfte auch Peter Hogenkamp wieder häufiger unsere Beiträge kommentieren.

 

PS:
Was schreibe ich eigentlich da? Seit geraumer Zeit propagiere ich Management Commitment, Vorleben, Geduld, Passion als zentrale Erfolgsfaktoren für die Kommunikation 2.0. Jürg Stuker hat bis zur Migration der Blogs 875 Beiträge verfasst. Da hätte er diesen Post eigentlich auch selber schreiben können ;-). Merci Jürg für Deine anhaltende Passion, merci Roger für Deine 0-100 Performance in Rekordzeit und merci an alle Autoren, die die Namics Blogs so lieben wie ich. Schreiben. Enter. Zägg.

PPS:
„ERSTER!“ auf den neuen Namics Blog ist Roger. Als geistiger Vater und treibende Kraft in der Migration gibt er Einblicke ins Making-of der neuen WordPress Blogs.

 

Google+ Neu mit Pages für Unternehmen und Marken

Heute abend war richtig Goldgräberstimmung auf Google+. Ab sofort führt Google+ Pages für Unternehmen und Marken ein.

Kurz nachdem Google über den PR-Verteiler informiert hatte, wurde die Funktion nach kurzer Wartezeit für alle Google+ Benutzer freigeschaltet. In Echtzeit konnte ich verfolgen, wie die EarlyAdopters ihre ersten Google Pages aufgeschaltet haben. Mike Schwede mit Goldbach Interactive, Tim für TEDxZurich, Peter die NZZ und Malte die Brack Page. In spontaner Teamarbeit haben Tim und ich die Namics Page erstellt.

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Und während ich schreibe, sind es bereits ein Dutzend mehr. Irgendwie fühlt es sich nach Pionierarbeit an wie damals beim Erstellen der ersten GoogleWave und GoogleBuzz Accounts…

Was es bringt?
Eine gute Indizierung in Google wollen wir mal hoffen, eine weitere Herausforderung im Management eines zusätzlichen Corporate Accounts und viele neue Fragen bezüglich Crossposting Strategien, der Administration des neuen Profils mit mehreren Benutzern. Und ich bin gespannt auf die Akzeptanz von Unternehmens-Content im bislang angenehm marketingfreien Google+ Stream.

Der Funktionsumfang ist noch etwas dürftig und die Plugins fürs Einbinden auf der Website scheinen noch nicht ganz ready zu sein. Es werden wieder spannende Pionierwochen werden. Viel Experimentalcharakter und Übungen auf dem Livesystem. Insgeheim aber mit der Überzeugung, dass es diesmal funktionieren wird. Nicht wie mit Google Wave und Google Buzz.

Weitere Informationen gibt es im Blog-Eintrag von Vic Gundotra, Senior Vice President of Engineering bei Google, auf dem Official Google Blog und auf der Google+-Presseseite.

Open (Government) Data – einer der Top-Trends 2011

Mit der ersten Schweizer Konferenz dazu (Handouts sollten bald folgen; organisiert von /ch/open und der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit) ein guter Zeitpunkt für einen kurzen Blick auf ein sehr spannendes und auch wichtiges Thema: Open Government Data.

Daten die der Staat erarbeitet hat sind mit Steuergeldern bezahlt. Sind diese nicht schützenswert (insb. Personendaten) gehören diese somit auch den Einwohnern des Landes. Zudem sind Daten zunehmend Grundlage eines funktionierenden Zusammenlebens und ausserdem handelt es sich dabei häufig handelt sowieso um Fakten die man nicht schützen kann/soll.

Ziel dieser Befreiung ist, dass sich interessierte Personen mit den Daten beschäftigen können und damit ein besseres Verständnis für die Behördenarbeit entwickeln, selbst einen Beitrag leisten oder ein nutzbringender Wettberwerb entstehen kann. Zwei Beispiele aus England. Nach der Veröffentlichungen der Bushaltestellen haben Einwohner 7% der Haltestellen korrigiert und damit die Datenqualität verbessert. Oder ein Jahr nachdem eine Rangliste des Energieverbrauchs öffentlicher Gebäude publiziert wurde, haben diese deren Energieverbauch in der Summe um 10% reduziert: „Nobody wants to be top of that list“.

Damit die Weiterverwendung gut möglich ist, müssen ein paar minimale Regeln eingehalten werden wie beispielsweise deren Maschinenlesbarkeit. Ein einfaches Beispiel sind die Budgets der öffentlichen Hand bspw. als Excel und nicht (nur) als gedrucktes Buch. So in England (den Vorreitern in Sachen Open Data) geschehen und von der Zeitung Guardian graphisch aufbereitet oder auf Websites wie „Where does my Money go?“, SpotlightOnSpend oder OpenSpending auf „andere Art“ verständlich(er) gemacht.

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(öffentliche Ausgaben in UK 2009, Quelle: Guardian)

Die Beispiele sind banal, illustrieren aber die Mächtigkeit davon wenn unterschiedlichste Menschen zusammen arbeiten. Die Zeitung „Guardian“ spendet dem Thema Data übrigens einen Primärnavigationspunkt und ist ein gutes Beispiel für die – auf Open Data fussende – Entwicklung des Datenjournalismus.

Eine Gruppe von Journalisten zeigen in der Schweiz, dass obschon die gesetzliche Grundlage vorhanden ist, die Ämter diese neue Öffentlichkeit noch nicht umfassend leben. So fragten sie 53 Amtsstellen den Terminkalender des Direktors für diese zwei Jahre per Mail zuschicken. Nur vier der Ämter reagierten richtig resp. Konform mit dem Gesetz.

Die Mächtigkeit der Offenlegung der Daten haben England oder die USA gezeigt. Dort auch zunehmend in einer nutz- aber auch verlinkbaren Form angeboten werden. Dieser erste Schritt steht in der Schweiz noch weitgehend aus, die mitarbeitende Community würde es wohl geben.

Weitere Informationen in der Präsentation Top 10 Internet Trends 2011 oder in einem kurzen Artikel mit einem Absatz über Open Data. Zudem die folgenden Links:

– DRS2 Podcast: Datenjournalismus – mehr als Zahlen stapeln
– DRS2 Podcast: Behördendaten als wertvolles Rohmaterial
– TED Video – Tim Berners-Lee: The year open data went worldwide
Open Knowledge Foundation

PS: Eines meiner Konferenz-Highlights war Hanspeter Thür („der Datenschützer“) in seiner sehr sympathischen Rolle als Leiter der Schlichtungsstelle im Rahmen des Schweizer Öffentlichkeitsgesetz. Dieses besagt, dass alle Personen einfach und rasch Zugang zu amtlichen Dokumenten erhalten die keinen besonderen Schutz beanspruchen. Leider sind die Schutzklauseln ein bisschen weit gefasst, so kann der Zugang beispielsweise eingeschränkt werden, wenn „eine wesentlichen Beeinträchtigung der Meinung- und Willensbildung“ der Behörde verhindert wird… Aber zurück zu Herrn Thür, welcher an seinem Vortrag in der Rolle als Öffentlichkeitsbeauftragter zeigte wie er zahlreichen Anfragen dazu verholfen, Behördendaten zu befreien…

Top 10 Internettrends 2011 (Artikel in der Netzwoche)

Für die aktuelle Netzwoche durfte ich einen Artikel über „unsere“ Top 10 (aufgrund der Zeichenzahl Top 5) Internet-Trends schreiben. Dieser Post ist die Verlängerung der Print-Version inkl. der Link-Liste und die Einladung zum Dialog. Da Online (wieder einmal) schneller war gibt es den Netzwoche-Artikel schon jetzt zum Download: Die Top 10 Internettrends für 2011 [pdf, 315KB].

Die Referatsserie „Top 10″

Der Vortrag für 2011 findet sich hier: Top 10 Internet-Trends 2011. Da jeder Trend nur einmal genannt wird, ein paar der Vorjahre um den Kontext zu schaffen (und unsere Vorhersagen kritisch zu prüfen): 2010, 2009, 2008, 2007 oder 2006.

Online Software Stores
– Zahlen zum Apple Store Ökosystem
iTunes and App Store: There are now some 200 million accounts with credit cards on iTunes
Durchschnittlicher Preis einer App im iTunes-Store: USD 0.91
Apple App Store tops 3 Billion Downloads (Jan 2010)
Windows App Store? I Swear I’ve Seen This Before…
How Microsoft beat Apple to the Mac App Store by four years – and then dumped it
Amazon.com tries to toss Apple ‚app store‘ trademark suit, cites Steve Jobs in its own defense

Webperformance
– Präsi: The Secret Weapons of the AOL Optimization Team
– Präsi: Martin Kliehm zu Web Performance Optimierung
– Studie von Google: Speed matters
– Post von Google: Using Site Speed in Web Search Ranking
„Tools“ von Yahoo
„Tools“ von Google
– Buch: Steve Sounders. Even Faster Web Sites. O’Reilly.

Near Field Communication (NFC)
NFC auf Wikipedia
Check in ist out – NFC ist in
Nexus S NFC Writing Capabilities Included, But Hidden
– Video: Explore Nexus S: Near Field Communication
– Whitepaper: Essentials for Successful NFC Mobile Ecosystems [pdf, 1,2MB]

Gamification
The Gamification Revolution
Post auf den Namics Weblog
– Präsi: Pawned Gamification and it’s Discontents
– Präsi: Work better play together on Enterprise Gamification
– Video: Jesse Schell: „Design Outside the Box“
– Video: Seth Priebatsch: The Game Layer on Top of the World
– Video: Tom Chatfield: 7 Ways Games reward the Brain
The Gamification of SAP

Open Data
How to be a data journalist
http://www.datenjournalist.de/
Open Government Data Principles
parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit
Geoportal des Bundes
– Eine der Initiativen von „eZürich“: Open Government Data Plattform für Zürich
– Wettbewerbe
Open Data Challenge
Apps for Democracy
– Beispiele von Verzeichnissen (und Tools)
http://data.gov.uk
http://data.worldbank.org
http://www.data.gov
http://linkeddata.org/
Google Fusiontables
http://www.gapminder.org/
http://www.freebase.com/
– Podcast auf DRS2: Datenjournalismus – mehr als Zahlen stapeln
– Podcast auf DRS2: Behördendaten als wertvolles Rohmaterial
– Video: Tim Berners Lee on the Next Web
– Video: Tim Berners Lee: The year open data went worldwide

Und nun würde mich eine Diskussion freuen. Dankeschön!

Der Organisationstyp prägt das Intranet

Als Ergänzung zum nutzerorientierten Ansatz, bei dem durch Mitarbeiterinterviews und Workshops die Anforderungen an das Intranet im Unternehmen evaluiert wird, hat Namics einen organisationsorientierten Analyseansatz entwickelt. Ziel dabei ist es, mithilfe eines Instrumentes schnell und einfach eine erste Einschätzung zum Organisationstyp und zur Unternehmenskultur des Unternehmens zu erhalten. Die Einordnung nach drei schematischen Organisationstypen kann helfen, die passenden Funktionen auszuwählen, die das Intranet und damit das Unternehmen erfolgreich machen. Dieses Instrument wird kurz vorgestellt.

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Das Modell zeigt drei Organisationstypen, die hier schematisch skizziert werden um bewusst einfach Schwerpunkte herausarbeiten zu können.
Typ 1 ist ein prozessorientiertes Unternehmen, Abläufe sind klar definiert, Hierarchien und Zuständigkeiten sind eindeutig . In solchen Unternehmen herrscht oft das Verständnis „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Unternehmen dieses Typs sind meist bürokratische Unternehmen, oft Staatsnah, bspw. ein Patentamt. Das Ziel ist hier die operativen Abläufe zu optimieren, effizienter zu werden. Hier arbeiten regeltreue, loyale Mitarbeiter, die im Intranet eindeutige Vorgaben und Vorlagen suchen.
Beim zweiten Typ von Unternehmen hat die Sachkompetenz einen höheren Stellenwert als die Hierarchieordnung. Es geht um das Streben nach Erfolg, um Leistungsorientierung. Die Motivation ist, dass der beste im Wettbewerb gewinnt. Unternehmen diesen Typs sind vertriebsorientierte Unternehmen, z.B. Versicherungen, die aber oft auch sehr dezentral aufgestellt sind und in einer Matrixorganisation strukturiert sind. Als Beispiel kann hier sicherlich Credit Suisse oder Siemens genannt werden. Hier arbeiten Menschen, die individuellen Erfolg suchen, aber auch Teamplayer, die auf soziale Anerkennung wertlegen. Wichtig ist für diese Mitarbeiter also Belohnung aber auch Austausch mit anderen Mitarbeitern.
Der Typ 3 der Organisationen beschäftigt sich mit komplexen Problemen, und versucht durch systemisches Denken und Handeln neue Lösungsansätze zu entwickeln. Hier geht es also um Innovation, Neues, Kreativität. Hier arbeiten Experten mit sehr tiefem Know-How. Abläufe sind immer neu und deshalb nicht definiert. Daher sind diese Netzwerkorganisationen meist in Projekten strukturiert. Wichtig für Mitarbeiter ist Kreativität und Flexibilität, die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Im Intranet ist hier z.B. wichtig individuellen Bedürfnissen nach z.B. Informationen Rechnung zu tragen und einen hohen Grad an Individualisierung zuzulassen.

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Ein Intranet soll dazu dienen, Organisationen in Ihren Zielen sowie die Mitarbeiter zu unterstützen, das was sie ohnehin schon tun noch besser machen zu können. Die unterschiedlichen Anforderungen der Organisationstypen an ein Intranet werden in den aufgeführten Anforderungsbereichen aufgezeigt. So beschreibt beispielsweise der Bereich Inhaltstyp die Form, in welcher Wissen in einem Intranet dokumentiert ist. Bei prozessorientierten Organisationen sind dies aufgrund der Entstehungsprozesse hauptsächlich Dokumente. Im Gegensatz dazu stehen die innovationsorientierten Organisationen, bei welchen Wissen in der Zusammenarbeit generiert wird und dementsprechend eher in Wikis und Blogs erfasst wird – dies um ein Beispiel herauszugreifen.
Die Intranets für den jeweiligen Organisationstypen zeigen Stereotypen, wie sie in der Realität selten vorkommen. Das Modell soll helfen, Funktionen anhand des Organisationstyps auszuwählen und kritisch zu hinterfragen.

Gamification – einer der Top-Trends 2011

Die Anwendung von Spielprinizpien („game mechanics“) für Anwendungen (nicht Spiele per se!) wird Gamification genannt. Im Kern geht es darum, den Usern „Zeit zu stehlen“ die sie – so wie im Spiel – lustvoll bis süchtig investieren. Weshalb diese Mechanismen nicht auch für eigene Ziele einsetzen?

Die Geschichte ist so alt wie sämtliche Rabatt- und Loyalitätsprogramme auf dieser Welt, doch online hatte es Luis von Ahn 2004 mit dem ESP-Game auf geniale Art vorgemacht. In seinem Fall hatte er „menschliche Rechenzeit“ zur Lösung von Captchas über einen motivierenden Wettbewerb „erschlichen“. Mehr Infos dazu in den Posts: „Menschliche Rechenzeit nutzen“ und „Mensch oder Maschine?“.

Ein simples Beispiel ist der Unterschied der Spiels „Solitaire“ in Windows und in iOS. Diesen Screen kennen viele Leute die das Spiel stundenlang gespielt haben…

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So richtig süchtig macht es aber erst so wie auf iOS (iPhone / iPad) umgesetzt mit Ranglisten, Auszeichnungen, Kollegen die man schlagen kann u.s.w. Bestes Beispiel war die Reaktion als ich Jörg nach Screenshots gefragte habe und er sich gleich drei Tag ausbedingte um seinen Rang zu verbessern (und ein Spiel in 55 Sekunden hinzulegen).

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Und hier noch ein paar der erworbenen Auszeichnungen (die Rangliste können sich alle denken)…

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Man mische dieselben Zutaten intelligent und ergänze damit „normale“ Anwendungen um Suchtpotential. Zwei verbreitetet Beispiele sind die „Laufcommunity“ Nike+ und die Anwendung Foursquare. Kernelemente bei 4SQ sind (eine beliebige Anzahl von) Auszeichnungen die es zu „gewinnen“ gibt (schlimmer als jede Pfannentrophy) und die Tatsache, dass man sich gegenseitig erworbene Stati wie beispielsweise „den Bürgermeister“ abluchst und dies auf Twitter der Welt mitteilt.

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Die Beispiele sind zahlreich und auch im B2B-Bereich machen sich diese Mechanismen breit. Bei uns beispielsweise im Rahmen einer mobilen Aussendienstanwendung mit Ranglisten oder bei SAP mit irgendwas mit Golfplatz.

Die genannten Anwendungen sind alle harmlos, doch es geht auch perfider. Man (typischerweise Kinder) erarbeiten sich im Gratis-Spiel ein virtuelles Guthaben. Damit dieses nicht verfällt, oder um dieses in reale Geschenke zu wandeln, ist dann aber eine Mitgliedschaft und/oder reales Geld notwendig…

Wer mehr wissen will: Am nächsten Dienstag spreche ich darüber im Rahmen der Top 10 Internet-Trends für 2011 und auf den folgenden Links:

Sean Carton: The Gamification Evolution
Aliza Sherman: The Gamification of Work
Gamification Workshop 2010 von Amy Jo King
Gabe Zichermann: The purpose of gamification
ReadWriteWeb: What Is the Future of Gamification?
Gamification.org

Update: Falls jemand an der Antithese / Gegenrede interessiert ist: Gamification: Too much of a good thing? von Richard A. Bartle [pdf, 53KB]

Skalierbare Datenbanksysteme: ACID versus BASE

Im Rahmen unseres Vortrages „Top 10 Internet-Trends“ habe ich mich mit dem aktuellen Stand massiv skalierbarer Datenbanken beschäftigt. In der Schule haben wir alle gelernt, dass eine Datenbankmanagement-System (DBMS) vier essentiell wichtige Eigenschaften zu erfüllen hat: ACID (Atomicity, Consistency, Isolation, Durability). Technisch hat das DBMS drei Orte mit Daten (auf der Festplatte, im flüchtigen Speicher und im Transaktions-Log). Diese Zustände müssen beim „Commit“ zusammengebracht werden, was per Definition an einem einzelnen „Ort“ geschehen muss. Noch schlimmer ist, wenn die Datentöpfe auf mehrere Nodes verteilt sind. Ein Protokoll zur Synchronisation heisst Two Phase Commit und ist wird von Werner Vogels „The Unavailability Problem“ genannt.

Nun gibt es Anwendungen und Services „in the Cloud“, die riesige Datenbestände auf Tausende von Nodes (Rechner, Speicher etc.) verteilen. Problem eins ist, dass sowohl die Nodes wie auch die Verbindungen zwischen den Nodes statistisch gesehen ausfallen werden: Network Partitioning. Problem Nummer zwei ist, dass die Infrastruktur skalieren muss, am liebsten linear… Oder wie soll Google seinen WebCrawl mit über 800 TB Daten und 1 Mia. Records (Quelle: https://research.google.com/archive/bigtable.html) effizient speichern und abrufen?

Ziel ist also lineare Skalierbarkeit und Robustheit gegenüber Network Partitioning. Ja, es gibt Lösungen und sie haben einen Preis. Am besten sichtbar im neuen Mantra: ACID ist tot, es lebe BASE (Basically Available, Soft-State und Eventual Consitency). Das DBMS ist immer verfügbar (zumindest nimmt es immer Schreib-Aktionen entgegen und liefert bei Anfrage immer ein/irgendein Ergebnis), es hat verschiedenste Zustände und der Datentopf ist fast immer konsistent. Oder in anderen Worten: Verfügbarkeit und Skalierung ist wichtig als Konsistenz. Geopfert werden neben komplexen Funktionen der Commit-Flaschenhals.

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Profis fragen sich nun wohl, was mit Update-Konflikten passiert? Ansatz eins: Ausweichen (es gibt verschiedenen Zustände, „ conflicts as a common state, not an exceptional one “) und Ansatz zwei: So simpel lösen, so das es dezental getan werden kann z.B: Last Wins. Schön erklärt ist dies beispielsweise in der Beschreibung von Couch DB: „CouchDB allows for any number of conflicting documents to exist simultaneously in the database, with each database instance deterministically deciding which document is the “winner” and which are conflicts“.

Bevor ich mich nun noch mehr in der Implementierung verliere die wichtigsten Links zum weiterlesen. Das BASE-Paradigma stammt übrigens auf dem Jahr 1998:

Lessons from Internet Services: ACID vs. BASE. Dr. Eric A. Brewer
Eventually Consistent. Werner Vogels
Dynamo: Amazon’s Highly Available Key-value Store
Bigtable: A Distributed Storage System for Structured Data

Interessant sind zudem Implementierung wie CouchDB oder Project Cassandra.

PS: Die anderen 9 Trends sind: ARIA, Design Driven Development, Rapid Production, Friend-Feeding, Reality Mining, Ubiquitous Access, Touch is the new Click, Rich Browsers und CDN. Einen Eintritt zum Referat am Donnerstag 14. Mai, um 10:30 hätte ich noch zu vergeben.

Vertragsabschluss im Projektgeschäft

E-Business, Internet, Websites und langwierige Vertragsverhandlungen – wie bitte? Mit steigender Komplexität der Web- und IT-Projekte steigen die Anforderungen an die vertraglichen Grundlagen. Wie ist den rechtlichen Unsicherheiten zwischen Arbeitsbeginn und Vertragsabschluss zu begegnen?

Von Rechtsfragen versteh ich nichts, obwohl es bei Vertragsabschlüssen manchmal vorteilhaft wäre. Dachten sich wohl auch die Rechtsanwältin Franziska Pertek und Michael Pertek, Business Unit Manager bei uns. Sie haben sich dem Thema angenommen und für die Netzwoche (print) einen Artikel geschrieben. Hier ist er für die Online-Welt. Leider nur als pdf, wegen den vielen Umbrüchen, die ich nicht mühsam raus operieren möchte.

Vertragsabschluss im Projektgeschäft in der Netzwoche 22/2008e