Barrierefrei strammstehn!

Auf den ersten Blick ein bisschen gewöhnungsbedürftig: Der Online-Styleguide der Bundeswehr gewinnt den Biene Award (Sonderpreis für Barrierefreiheit im Internet).

Bei genaueren Hinsehen aber viele gute Elemente, welche auch mal eine Kopie erlauben.

Einfach aber umfassend und schön konsistent die Ikonographie. Bitte nicht neu erfinden, aber was bekanntes nehmen.

Sehr schön gemacht ist auch die Navigation für alle Nutzer (nur XHTML und CSS):

Ausschnitt der Navigation in der dritten Ebene aufgeklappt

Zudem zahlreiche gut umgesetzte Beispiele.

Barrierefrei ruhn!

Behindertentauglichkeit wäre noch besser mit

Ich freue mich über jede behindertentaugliche Website und erlaube mir im Folgenden einen kleinen Beitrag zur Verbesserung. Heute im Klein Report: Future Connection verschafft Tixi-Transportdienst barrierefreien Webauftritt. Was im Titel möglicherweise fehlt, dass es nur die Site von Zürich ist.

Grundsätzlich ist das Angebot sehr gut gemacht. Ich denke aber, es ist nicht getestet worden (zumindest nicht mit blinden Usern). Weshalb ich das meine?

Accesskey sind ein Hilsfmittel primär für Menschen, die nicht visuell arbeiten können und erlauben die Tastaturbedienung im Browser. Dies mit dem Ziel der Beschleunigung und weil die Zielgruppe keine Maus bedienen kann. Die Website lässt zu diese einzublenden. Das nützt aber der Zielgruppe kaum.

Auschnitt aus der Navigation mit Accesskeys t, i, a, h, s, n,l,r und k hinter dem Navigationspunkt

Zudem werden fleissig alphabetische Accesskeys vergeben, welche für Blinde gar nicht funktionieren können. Dies, weil Buchstaben in Konkurrenz mit Browserfunktionen stehen, die sich mit derselben Tastaturkonbination bedienen lässt. Und testen geht kaum, da jeder Sprachversion des Browser andere Abkürzungen hat.

Da Accesskeys so richtig gut sind, wenn sie überall gleich sind, empfehle ich immer den „Standard“ von der Stiftung Zugang für alle:

* 0 „Direkt zur Startseite“
* 1 „Direkt zur Navigation“ (Link innerhalb Webpage)
* 2 „Direkt zum Inhalt“ (Link innerhalb Webpage)
* 3 „Direkt zum Kontakt“
* 4 „Direkt zur Sitemap“
* 5 „Direkt zur Suche“
* 6-9 optional (nur falls nötig und sinnvoll)

Nun nun kommt sicherlich das Firefox-Argument, so auch auf der Website empfohlen:

Empfehlung für die Nutzung des Firefox-Browsers auf der Website

Ich arbeite auch mit Firefox (und Mac) aber Blinde nicht. In der Schweiz werden Hilfsmittel fast ausschliesslich von Accesstech vertrieben. Für PCs heisst das Windows, Internet Explorer und Jaws.

Auf der Seite www.tixi.ch/accessibility findet eine Eigenzertifizierung der Site als „AAA“-Konform nach WCAG statt. Das ist nicht korrekt. Ohne jeden Punkt hier zu diskutieren, bedingt AAA ein skalierbares Layout für die Hilfsmittel, welche Bildschirmvergrösserung nutzen (Checkpunkt 3.4, Priorität 2). Das ist hier nicht gegeben. Und weshalb? Weil skalierbare Schrift nicht nützt, wenn sich die Elemente bei der Vergrösserung überlagen.

Bild mit überlagernden Texten bei 8-facher Vergrösserung

Zugegeben. Dieser Punkt ist schwierig gut umzusetzen.

Sehr schön ist der Quellcode! Ohne Tabellen und valide. Gratulation. Was ich nicht verstehe sind die fehlenden Umlaute bei den ALT-Attributen „ae“ anstelle von „ä“. Tönt nicht sehr schön mit der Sprachsynthese.

Wie schon gesagt ziemlich gut. Weiter so. Evt. ein Test mit betroffenen Menschen und den verschiedenen Hilfsmitteln.

Web Accessibilty für die öffentliche Hand in der Schweiz

Seit dem 1. Januar 2004 gibt es in der Schweiz das Behindertengleichstellungsgesetz und die Verordnung dazu. Das war für namics dazumal auch Anlass eine breit angelegte Studie zu machen.

Am 23. Mai 2005 hat nun der Informatikrat Bund IRB die Richtlinien des Bundes für die Gestaltung von barrierefreien Internetangeboten genehmigt.

Was heisst das für den Bund, die Kantone und die Gemeinden?

  • Als barrierefrei zu bezeichnen, ist die Umsetzung der WAI-Richtlinien WCAG Verison 1.0 in der Priorität A und AA
  • Alle Internetpräsenzen müssen bis zum 31.12.2006 barrierefrei sein
  • Neu erstellte Internetpräsenzen müssen ab sofort barrierefrei sein
  • PDF müssen ebenfalls barrierefrei zur Verfügung gestellt werden, kann dies nachträglich nicht mehr erfüllt werden, ist ein Ersatz anzubieten, der ebenfalls im Internet zu publizieren ist

Leider geistert bei Dienstleistern und Anbietern noch viel Halbwissen rum, aber der Weg ist der Richtige!

E-Mail Adressen verstecken und doch nicht

Über E-Mail Spam brauche ich kaum zu klagen – der ist ihnen wahrscheinlich bestens bekannt. Doch wie kommen die Spammer an die E-Mail Adressen?

Die erste Strategie ist raten nach Zufallsprinzip so wie bei Passworten (brute force name guessing) oder raten mit Hilfe von Wörterbüchern. Somit sind kurze, einfache Adressen wie john@hotmail.com schlecht und ein Name wie juerg.stuker gut (weil selten).

Die zweite, deutlich erfolgreichere Strategie ist das Einsammeln von E-Mail Adressen auf Webseiten und in öffentlichen Verzeichnissen. Dies geschieht mit spezialisierten Programmen sog. Spiders oder Crawlers. Solche welche auch von Suchmaschinen genutzt mit dem (legitimen) Ziel zu indizierende Seiten zu beschaffen. Der „Erfolg“ einer solchen Massnahme erlebte ein Mitarbeiter bei uns, welcher eine Frage auf E-Mail Liste publiziert hatte und am nächsten Morgen (und jeden Tag danach) über 200 Spams erhielt.

Was tun? E-Mail Adressen nicht zu publizieren wäre effizient, aber nicht besonders realistisch. Einige Ansätze:

1) Ein Bild anstelle der E-Mail-Adresse oder anstelle des @-Zeichen, welches der Crawler braucht und Adressen aufzufinden. Nachteil ist, dass ein Klick mit à–ffnung des E-Mail Progranmmes (mailto:) nicht tut oder nur in Verbindung mit Ansatz 4. Achtung im ALT-Attribut die Adresse nicht angeben, weil der Crawler den Text lesen würde. Am besten wäre das Bild auch resistent gegen eine Texterkennung, so wie bei einem Captcha, doch das ist eher der Königweg. Dieser Weg ist nicht Barrierefrei.

i-976906dedd805bc960acdd3bccdb3ee2-e-mail-adresse.gif

2) Die Darstellung der E-Mail Adresse in einer HTML-Tabelle, so dass der Crawler den Zusammenhang der einzelnen Adress-Elemente nicht automatisch erkennen kann. Die Einschränkungen vom Ansatz 1) gelten auch hier.

juerg.stuker E-Mail nicht am Stück
@ namics.com

3) Das @-Zeichen als Text ausschreiben oder überflüssigen Text an die E-Mail Adresse anhängen.

juerg.stuker (ät) namics.com
juerg.stuker@namicsREMOVE.com

4) Und dann noch eine Mischung von 3) mit JavaScript bei welcher der sichtbare Text ohne @-Zeichen steht und auf ein Klick wird der mailto-Link so zusammengesetzt dass der Crawler dies nicht versteht. Am einfachsten beim Kundenbeipiel www.erdgas.ch studieren. Der Weg ist der beste im Bezug auf Barrierefreiheit.

Nicht genügend ist der Ersatz eines einzelnen Zeichens durch ein HTML Entität und/oder eine Unicode-Zeichen, da die Übersetzung sehr einfach erfolgen kann.

Auf der gemeinen Seite – und Thema für einen eigenen Post – sind Fallen (honeypots) für Crawler die sich nicht an die Ausschlussreglen von robots.txt halten. Dabei werden zufällige (ungültige) E-Mail Adressen oder endlose Seiten erzeugt… Dies ist aber eher für „Liebhaber“.

Und hier je noch einen Post über Greylisting und E-Mail Authentifizierung.
Mehr Infos auf den Internet auch bei: http://www.turnstep.com/Spambot/

Ein paar Online Tools

„Jürg, schau Dir die Site doch rasch an…“. Natürlich gibt es fiese Tools um Sachen rauszufinden. Der folgende Beitrag zeigt die harmlosen und alles solche ohne Installation.

    Zuerst schau ich mir an, auf was die Sache läuft: http-Server, Betriebssystem: Netcraft (links oben).
    Dann auf was das Ding läuft und wie die Anbindung resp. das Peering ist. Die Route mit den Whois und dem RIPE Eintrag auf der BBox (clientseitiges Java benötigt) — Messung immer ab Bern. Für Peering ab verschiedenen Standroten bietet sich www.traceroute.org an.
    Was mir als nächtes meist einfällt sind ein paar Eckwerte des Clientcodes bei Webmasterplan: Der Ladezeitcheck.
    Und eigentlich fast zeitgleich die generelle Suchmaschinentauglichkeit.
    Und nun werden wir seriös und schauen und die Validität des Clientcodes an, die Validität des CSS und die Links.
    Was natürlich nicht fehlen sollte (wenn auch die Aussagekraft von Quellcodeanalyse sehr bescheiden ist), ist WAI. Bei Bobby oder bei Cythia. Besser in der Aussage aber mehr Arbeit ist der Barrierefinder.

Sodeli und so hätten wir mal schon viel zu erzählen….

    Qualitativ richtig gut und wertvoll sind Test mit Systformance über Verfügbarkeit und Performance. Das braucht aber mehr Zeit und Kopfarbeit. Link und UID/PW in know.namics.