Anregungen zur Barrierefreiheit von der BIENE-Verleihung in Berlin

Bei der Verleihung der BIENE (Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten) im Berliner Postbahnhof am vergangenen Freitagabend, konnten Martin Kliehm und ich wiederum die steigende Bedeutung des Themas Barrierefreiheit für Internetangebote erleben. Der ein oder andere mag auf dem ersten Blick vielleicht sagen, das betrifft ja nur ein paar Behinderte und für diese eine Website anzupassen oder speziell bei einer (Neu-)Konzeption zu berücksichtigen sei natürlich unter sozialen Gesichtspunkten wünschenswert, aber bei ökonomischer Sichtweise viel zu aufwändig und nicht erfolgswirksam.

Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass es zum einen gar nicht so wenig Menschen sind, die von einer größeren oder kleineren körperlichen Beeinträchtigung betroffen sind, welche die Nutzbarkeit und Wahrnehmung von Websites beeinflussen (z.B. Rot-Grün-Blindheit, Altersweitsichtigkeit). Zum anderen fördert ein Barrierefreier Internetauftritt dessen Usability. Unternehmen können mit einer eindeutigeren und leichteren Handhabbarkeit ihres Onlineauftritts das Potenzial ihrer Zielgruppe(n) besser realisieren. Hierbei sei alleine an große Teile der Bevölkerung gedacht, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind und es nicht so selbstverständlich wie ein herkömmliches Telefon nutzen.

Gut gefällt mir diesbezüglich Martins plastisches Vergleichsbeispiel mit einer Rampe, die eine Bank vor ihren Eingang, der ausschließlich über Stufen zugänglich war, angebracht hat. Natürlich ermöglicht diese es Rollstuhlfahrern überhaupt als (neue) Kunden hineinzugelangen. Aber auch andere Kunden nutzen den für sie leichteren Zugang. Mutter oder Väter mit Kinderwagen, Ältere, Personen mit Trolleys (da denke ich doch gleich selber an meinen Laptop-Trolley ;-) ), um nur ein paar zu nennen. Denkt jetzt jemand „sollen die halt Online-Banking machen“? O.K., funktioniert aber nur wirklich, wenn dieses auch barrierefrei ist!

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Über 300 Internetauftritte hatten sich für eine BIENE beworben und nach einem mehrstufigen Auswahlprozess, blieben 24 Websites als Nominierte übrig. Unser Kunde, die Landeshauptstadt Stuttgart, war zu unserer Freude auch darunter. Auch wenn wir am Ende keinen Preis mit nach Hause nehmen konnten, werden wir das Thema Barrierefreiheit unverändert engagiert weiterverfolgen. Und dabei soweit wie möglich eine wesentliche Aussage der Veranstaltung berücksichtigen. Es ist besser ein Haus bzw. einen Internetauftritt von Anfang an barrierefrei zu planen als es später entsprechend anzupassen. Letzteres kann nie so gut sein!

Weitere Fotos gibt es auf Flicker.

Social Media oder der unsoziale Bus

Ich stehe am Bahnhof und sehe dem Bus hinterher, der seine Reise ohne mich antritt, zum dritten mal. Der Fahrer wartet nicht, bis alle vom Gleis am Bus ankommen. Prima, 1 Stunde Wartezeit: Mein Daumen bereits am Abzug. Nicht eine Waffe im herkömmlichen Sinn. Als Pazifist bevorzuge ich das Handy/Internet mit seiner scheinbaren verbalen Gewaltfreiheit. Twittern will ich es der Welt. Denn ich kann es nichtmal dem Bahnhofsvorsteher erzählen, diesen gibt es hier nicht mehr.

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Moment mal. Am Fahrplan steht eine Telefonnummer. Ich wähle sie und bekomme von einer freundlichen Frau Verständnis, sie will sogar prüfen, ob der Fahrplan im Stundentakt Sinn macht an solch einem ländlichen Knotenpunkt. Ich habe mich fürs richtige Medium entschieden, denn dieser Verkehrsbetrieb ist noch nicht via Twitter erreichbar und bemerke:

Social Media ist längst nicht dort, wo wir es hin-loben.

Social Media soll die Komminikation zwischen Menschen fördern. Während ich auf den nächsten Bus warte, lese ich manchen Post: Jemand macht einen Fehler und jemand bloggt darüber, obwohl man sich kennt. Der Angeprangerte hat oft keine Möglichkeit, sich zu erklären. Weil er es nicht mal sieht.

Wenn der vermeintliche Empfänger noch nicht monitored oder keinen Account hat. „selber schuld!“ ? Das ist der einfachste Weg, die Nichtreaktion der Betroffenen abzutun. In Wahrheit trägt der Eintrag nicht wirklich zur Kommunikation MIT dem Betroffenen bei sondern ÜBER ihn. Er oder sie werden „gezwungen“ sich dem zu stellen.

„Social Media ist nichts anderes als eine moderne Form menschlichen Handelns.“ Zitat von Electrouncle im Post über social Banking.

Wir befinden uns in einer Art Übergangsphase und haben die Aufgabe, Ufer zu verbinden, statt zu trennen. Kommunikationsbarrieren sind natürlich und es lohnt sich zu überlegen, wie erreiche ich tatsächlich andere Menschen und eine Verbesserung. Wenn es ein Post ist, kann ein E-Mail mit Link an die betreffende Person oder Firma helfen. So überbrücke ich einen Medien-Bruch und verhelfe dem Web zu seinem neuen Namen. „Social“. Denn daran übt das Web (der Bus ;) bzw. die Menschen noch.

Ich wünsche mir, dass wir, die für Social Media plädieren, es vorantreiben wollen, dies sozial tun. Denn wir prägen die Etikette dieser neuen Kommunikation. Vorgelebtes wird später kopiert. Stellt Euch vor, wir könnten in 5 Jahren nur noch via Facebook Kritik erfahren, weil es sich heute einfach so einschleicht. Wenn dieser Bus voller Vorreiter jetzt „unsozial“ davon fährt, holen wir ihn nicht mehr ein.

Die Zukunft des Webs

Letzte Woche habe ich meinen Orakel-Hut aufgesetzt und einen Vortrag auf der WebTech-Konferenz in Karlsruhe zur Zukunft des Webs gehalten. Natürlich habe ich wieder ein T-Shirt bekommen, was der eigentliche Grund dieses Blogeintrags ist, ;-) aber ehrlich gesagt finde ich es nicht so schön. Es ist einfarbig blau, und auf der Brust prangt groß das Wort „Speaker“, was ich etwas reißerisch finde.

Auch negativ das Rekordtief des Frauenanteils auf der Konferenz: von 65 Vortragenden nicht eine, null, zero Frau! Entsprechend gab es auch im Publikum einen Frauenanteil, der geringer war als der in einer Schwulendisco, und die wenigen anwesenden Frauen gehörten meist zum Catering-Team. Gleichberechtigung geht anders.

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Schön war aber insbesondere der Thementag der Webkrauts (Foto). Während Eric Eggert sich mehr um CSS3, Webfonts und Browser APIs kümmerte, habe ich in meinem Vortrag heutige und zukünftige W3C-Technologien vorgestellt, hier die Links dazu. Darunter stechen insbesondere das HTML5 Canvas-Element, Video und 3D hervor:

Canvas kann Inhalte verzerren, drehen, wölben, filtern und einige Dinge mehr, und es ist dynamisch per JavaScript programmierbar.

<video>

direkt im Browser ohne Flash ermöglicht Unabhängigkeit von Adobe, was gerade für Geschäftsmodelle wie das von YouTube, Dailymotion oder die BBC wichtig ist. Darüberhinaus können Canvas und Video in Kombination spannende Effekte erzielen. Dailymotion hat ein paar davon in der Demo eingebaut.

Und 3D im Browser eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Spiele und andere Anwendungen, bei denen per WebGL dreidimensionale Daten und Modelle effizient übertragen werden können. Stereoskopische Effekte wie im Film „Oben“ habe ich allerdings noch in keiner Browser-Demo gesehen.

Bislang ist Barrierefreiheit von den Browserherstellern in den neuen Technologien kaum berücksichtigt worden, aber die neugegründete HTML Accessibility Task Force, deren Mitglied ich bin, wird sich der Themen annehmen.

Uns steht jedenfalls eine sehr aufregende Zukunft bevor!

Design, das überrascht und funktioniert

Das tolle an Blogs ist, dass sie von allen gelesen werden können. Gut. Dieser Post ist jedoch etwas Besonderes, denn er mag zwar den ein oder anderen interessieren, er ist aber für einen bestimmten „Kunden“ gedacht. Sie wissen es sicher, wenn Sie gemeint sind.

Sie kennen Namics. Namics ist Beratung. Technologie. Engagement. Online-Erfolg. Social Media. Aber Namics ist v.a. auch Kreativität und Design. Weil aber Letzteres auch Geschmackssache ist, wollen wir keine grossen Worte verlieren, sondern Sie selbst beurteilen lassen. Einige Beispiele, bei denen Namics das Kreativ- und Designergebnis verantwortet:

 

Zu den Details:

Aber was ist eigentlich aussergewöhnliches Design?
Design ist für uns nicht nur eine tolle, verrückte Idee. Aussergewöhnliches Design muss überraschen, visuell überzeugen, neue Wege gehen – aber es muss auch funktionieren. Es muss den Besucher führen, inspirieren, abholen. Und es muss ihm das Gefühl geben, aufgehoben zu sein, an der richtigen Stelle, ihn sich zuhause fühlen lassen. Eben User Centered Design.

Und für Shops?
Hier geht es noch um mehr. Im E-Commerce beeinflusst das Design sehr unmittelbarer den Geschäftserfolg, wie einige der oberen Beispiele gezeigt haben. Was konzeptionell für „Beat“ gilt, gilt ebenso für’s Design:

  • eine atmosphärische Bühne mit grosszügigen Produktbildern
  • Produktabbildung von verschiedenen Perspektiven und Detaillerungen
  • Services und Applikationen durch die verständlich geführt wird
  • schnelle, direkte, Sicherheit vermittelnde Checkout-Gestaltung…

Lust auf mehr?
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Keine Austrittsbarrieren (Lock-In)

Keine Austrittsbarrieren (Lock-In) ist einer von 11 ethischen Grundsätzen von Namics. Ein seit 2000 existierende essenzielle und unumstössliche Norm für unser Arbeiten und Handeln.

Die Ausformulierung davon lautet:

Unsere Kunden sollen ihren bevorzugten Dienstleister nach eigenem Ermessen frei wählen können. Wir schaffen keine bewussten oder geplanten Abhängigkeiten, welche für unsere Kunden diese Wahlfreiheit einschränkt. Es ist unser professionelles Interesse, unseren Kunden den effizientesten und zielführendsten Lösungsweg vorzuschlagen, auch wenn dies eine Reduktion oder sogar die Beendigung unserer Zusammenarbeit bedeutet.

Meine spontanen Gedanken: Genau diese Freiheit resp. die Abwesenheit des Zwangs (insofern es sich fachlich etablieren lässt) entscheidet zwischen vertrauensbasierter Arbeit und Misstrauen/Streit. Ich habe schon miterlebt, dass Personen innerhalb derselben Firma keine Auskunft gaben mit der Begründung „Das ist mein Job, das brauchst Du nicht zu wissen“. Was wir wollen ist einerseits ein vollständig transparentes Umfeld, in welchem die beste Lösung gewinnt und andererseits wollen wir eine Zusammenarbeit die auf Wunsch, Willen und rationalen Argumenten gründet. Jeder Art von Abhängigkeit ist kontraporduktiv und macht Ergebnisse schlechter… unser Ziel sind Rahmenbedingungen, welche die besten Ergebnisse zulassen. Sind Abhängigkeit zudem bewusst gebaut (beispielsweise über Rechte / Verträge), so wäre dies aus meiner Sicht nicht nur unethisch aber auch unlauter. Leider schon alles erlebt und mit Namics haben wir die Möglichkeit es so zu tun, wie wir es für gut befinden…

Mozilla Camp Europe

Irgendwie hat Namics einen Fetisch für T-Shirts. Es bloggen nicht nur manche Personen obsessiv darüber, mein Arbeitgeber möchte nun auch noch, dass ich jedesmal darüber blogge, wenn ich selbst ein T-Shirt bekomme!? Also, ich habe zwei T-Shirts geschenkt bekommen:

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Das eine T-Shirt gehört zur Mozilla Mobile Community und hat auf der Vorderseite diesen verzweifelt gegen die Scheibe seines Sputnik hämmernden Weltraumbiber, auf der Rückseite den Spruch “You took back the Web. Now take it with you.” (eine Referenz auf das andere Shirt, “Take back the Web”), das zweite T-Shirt zeigt die Silhouette von Prag auf olivgrünem Grund mit schönen Jugendstil-Elementen.

Die Jugendstil-Elemente waren auch in Prag zu finden, denn dahin mußte ich reisen, um die beiden T-Shirts in Empfang zu nehmen. Von diesem bedeutenden Übergabeakt abgesehen mußte ich zuvor an einer Podiumsdiskussion über HTML5 teilnehmen und dabei etwas über die Barrierefreiheit des zukünftigen Standards erzählen. Ich weiß, Ihr interessiert Euch eigentlich nur für T-Shirts in diesem Blog, darum verzeiht, wenn ich ein wenig off-topic zu diesem Thema langweile:

615-mozcamp-tag.jpg Ich bin Invited Expert in der HTML-Arbeitsgruppe des W3C. Außerdem befasse ich mich seit ungefähr zehn Jahren mit dem barrierefreien Web. Wie kommt das nun zusammen? Vorerst gar nicht. Denn im Moment sind die neuen HTML-Elemente wie

<section>

oder

<nav>

für Blinde unsichtbar, denn sie werden noch nicht vom Browser maschinenlesbar-semantisch auf die Betriebssystemebene „übersetzt“. Hingegen erfasst der Browser die Rolle als Navigation hervorragend und lässt Screenreader „Menü“ vorlesen, wenn diese mit einem anderen Standard des W3C übermittelt wird, ARIA. Da muss also noch etwas getan werden. Ebenso weitgehend undefiniert sind die Bedienmechanismen für Video und Audio im Browser oder das Universaltalent Canvas. Die gute Nachricht: eine gemeinsame Task Force mit HTML– und Barrierefreiheitsexperten wird sich beim W3C dieses Themas annehmen. Denn wie wir alle wissen, profitieren Projekte davon, frühzeitig Barrierefreiheit ins Konzept zu zu integrieren, statt später aufwendig „ein bißchen“ Barrierefreiheit grob dranzudübeln. Und Euer bescheidener Gastgeber wird versuchen, dazu beizutragen. Dazu möchte ich zum Beispiel Mozilla-Genie Paul Rouget zu einem Panel bei der Konferenz South by Southwest einladen, wo er ein paar seiner progressiven Demos zeigen kann, mit deren Hilfe sich innovative Mensch-Computer-Schnittstellen realisieren lassen.

Ansonsten kann man sich das MozCamp ungefähr so vorstellen wie ein internationaleres, geekigeres Namics-Camp. Hier noch ein paar meiner Randnotizen von twitter:

  • Eine Mozilla-Kampagne zum Internet-Gesundheitscheck greift bereits das Zitat von Microsoft-Managerin Amy Bazdukas auf: “friends don’t let friends use IE6”. Zwar sind der größte Hemmschuh nach wie vor die großen Dinosaurier Unternehmen, deren IT-Abteilungen lieber auf ungeschützten Browserverkehr setzen als auf Updates ihrer internen, zehn Jahre alten Software. Aber wenn wir zumindest unseren Freunden und Verwandten einen ordentlichen Browser installieren, kommen sie ja vielleicht auf den Geschmack und lassen sich nicht mehr ewig am Arbeitsplatz vertrösten.
  • Damit Mozilla sich gegen die zunehmend agiler werdende Konkurrenz, und hier vor allem gegen Adobe, Silverlight und Gears, durchsetzen kann, müssen die Entwicklungszyklen schneller werden. Ziel ist es, alle 6 Monate ein großes Release zu machen. Darum müssen interne Prozesse entkoppelt werden, was nicht nur positive Auswirkungen auf die Testbarkeit von Nightly Builds hat, sondern auch auf die Stabilität des Browsers.
  • Firefox 3.6 ist für November geplant und wird skinbar über Personas sein, Video im Vollbildformat haben, CSS-Gradienten, JavaScript Ctypes. 3.7 könnte schon auf Android laufen. Und 4.0 kommt in einem Jahr mit Jetpack.
  • Jetpack lohnt sich etwas näher anzuschauen, denn dabei handelt es sich um eine Middleware für Mozilla-Extensions. Programmierer von Add-Ons müssen also nicht mehr bei Null beginnen, sondern haben einen bestimmten Grundumfang von Funktionen zur Verfügung. Dadurch steigt die Sicherheit, aber ich denke auch, dass die Qualität und Barrierefreiheit besser werden. Die Tastaturbedienbarkeit der Menüs sollte dann etwa selbstverständlich sein. Relevant für Webentwickler ist dabei, dass eine Seite ein Jetpack einfach per
    <link>

    einbauen kann. Du möchtest in einem Shop die Webcam des Besuchers verwenden, um ein T-Shirt-Motiv direkt im Browser mit

    <video>

    und

    <canvas>

    als augmented reality auf die Brust des Nutzers zu projizieren? Ein Jetpack hat die Rechte dazu.

  • Mozilla arbeitet an Multitouch-Events und wartet noch auf Feedback der anderen Browserhersteller.
  • Artzilla widmet sich vermeintlich „nutzlosen“ Extensions: die offene Browser-Software als Kunstwerkzeug.

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Fast hätte ich noch ein drittes T-Shirt bekommen mit dem pupsenden Maskottchen von Mozilla Songbird darauf. Damit hätte ich mir noch mehr von der großartigen Musik von Jiří Wehle anhören können, einem begnadeten Straßenmusiker in Prag’s Altstadt (die übrigens voller Teehäuser ist – ein Traum!), aber dann musste ich auch schon wieder zum Flughafen. Am nächsten Tag hielt ich nämlich einen Vortrag beim Webmontag Mannheim, wozu ich allerdings die Folien aus London recycelte. Und es gab dort auch kein T-Shirt, weswegen ich auch keinen Blogeintrag schreiben muss. ;-)

Routine in Barrierefreiheit

Moderne Webseiten bestehen zu größten Teilen aus immer wiederkehrenden Bedienelementen und Applikationen. Die Anpassung und Entwicklung von Elementen wie Lightbox Anwendungen, Tab-Navigationen, Navigationen, Formularen und Dialogen gehören zur Routinearbeit eines Frontendentwicklers. Da aber jede Projektanforderung und damit der Zweck, die Zielgruppe, das Design und die einzelnen Funktionen immer individuell sind, werden Teile einer Webseite immer wieder neu entwickelt bzw. bereits bestehende, teilweise passende, Lösungen angepasst. Bei engem Terminplan bleibt da die Barrierefreiheit gerne mal auf der Strecke.

Um genau an dieser Stelle die Qualität zu verbessern und die Entwicklung zu beschleunigen, entwickelte ich im Zuge meiner Diplomarbeit bei Namics einige dieser sogenannten Design Pattern.

Heraus kam eine Toolbox — eine Art Best-Practice — zur Erstellung von barrierefreien Internetseiten bzw. deren Applikationen. Dabei haben ich die Standard-Applikationen Formular (bzw. dessen Live-Validierung), Lightbox, Tabs und sortierbare Tabellen umgesetzt. Diese bestehen aus validem XHTML 1.1 Strict , validem CSS 2.0 sowie dem von Namics zumeist verwendeten Java-Script Framework jQuery 1.3.x umgesetzt werden. Die Arbeit entspricht den Web Content Accessibility Guidelines 2.0 des W3C (Stufe AAA).

Im Theorie-Teil der Diplomarbeit gehe ich auf Zielgruppen, Gründe für die Erstellung von barrierearmen Webseiten, technische, geschäftliche sowie ethische Aspekte ein und setze mich ausführlich mit Statistiken und Gesetzen auseinander. Verglichen werden unter anderem die ISO 9241-151 (Leitlinien zur Gestaltung von Benutzerschnittstellen für das World Wide Web), die ISO 9241-171 (Leitlinien für die Zugänglichkeit von Software), die BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) und die WCAG 2.0 (Web Content Accessibility Guidelines). Außerdem analysiere ich intensiv die verschiedenen Hilfsmittel (AT), speziell mit Screenreadern.

Die Diplomarbeit mit dem Titel „Barrierefreie, Java-Script gestützte Webapplikationen im praxisnahen Umfeld“ sowie die dazugehörigen Widgets sind unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported Lizenz veröffentlicht und über GitHub zu beziehen. Dort finden sich auch Demos der Applikationen, das Wiki und ein Bugtracking System. Alternativ kann die ganze PDF bei Google Docs online eingesehen werden.

http://github.com/fnagel/jQuery-Accessible-RIA

Übrigens war die Arbeit meinem Professor eine 1.0 wert ;-)

Namics Professional Ethics Grundsätze

Seit meinem ersten Tag bei Namics vor rund 10 Jahren und bereits zuvor war es für mich klar, dass sich nicht alles (fast nichts?) in Anweisungen resp. in vorbestimmte Prozesse zwingen lässt. Illustrativ nutze ich dafür das Schachspiel: Die Regeln sind in 30 Minuten erklärt, die Beherrschung des Spiels dauert ein Leben lang… und das ist eben das Spannende dran.

Zum Glück teilt(e) Namics die Ansicht und Tim Dührkoop schrieb die gelebten Regeln im Jahr 2000, ergänzt um Dienstleister-spezifsche Aspekte nieder: Die „Namics Professional Ethics Grundsätze“ sind essenzielle und unumstössliche Normen, welche wir unserem Handeln jederzeit zu Grunde legen. Diese folgen dem Grundgedanken, dass wir und nicht über detaillierte Prozesse weiter entwickeln wollen, aber entlang von gemeinsam akzeptieren Spielregeln:

Kooperation und Respekt (Respect for the Individual)
Kundeninteresse hat Vorrang (Client Interests First)
Professionelle Entwicklung (Professional Development)
Kunden in Wettbewerbssituation (Competing Clients)
Projektannahme mit Verantwortung (Accepting Projects)
Vertraulichkeit (Confidentiality)
Keine Austrittsbarrieren (Lock-In)
Integrität (Integrity)
Unabhängigkeit (Independence)
Keine finanzielle Verflechtung (Financial Arrangements)
Internet-Prinzipen (Internet Principles)

Weshalb braucht gerade Namics solche Regeln? Die Leistung, welche wir anbieten bedingt, dass uns Kunden ihr Vertrauen schenken. Einerseits weil unsere Projekte innovativ sind, einen hohen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben und weil wir häufig mit schützenswerten Informationen umgehen. Andererseits weil zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses weder alle Lösungsaspekte definiert sind, noch die Lösung selbst bekannt ist (im Gegensatz zum Produktgeschäft). Wie beim Arzt weiss ich nicht, ob die vorgeschlagene Therapie die beste ist (sonst bräuchte ich keinen Arzt). Zudem ist das digitale Medium speziell, da einfach (und verlustfrei) kopiert werden kann, schützenswerte Daten ausgetauscht werden und der Erfolg des Internets auf Öffentlichkeit (inkl. öffentlichen Standards) basiert. Potentiell kann viel Unfug/Missbrauch betrieben werden. Die „Namics Professional Ethics Grundsätze“ regeln unser Verhalten in diesem Kontext und sind Basis für unser Vertrauensgeschäft.

In der Folge schreibe ich zu jedem der Prinzipien einen Post um diese verständlicher zu machen…

Erlebnisfelder – wo Marke passiert

Wer sich schon einmal über die kurze Lebensdauer seiner Handybatterie geärgert hat, sich über den Geruch frisch gebackenen Brotes in seiner Bäckerei gefreut hat, und wer sich schon gefragt hat, warum Wireless-Mäuse öfter neu angeschlossen werden müssen, als ihre verkabelten Geschwister, der hat sich in einem Erlebnisfeld von Marken bewegt. Vermutlich, ohne es zu wissen.

Marken sind viel mehr, als wir allgemeinhin annehmen. Diese Breite und Vielschichtigkeit, die Komplexität von menschlichen Verhaltensmustern führen dazu, dass selbst Marketingleute, Kommunikationsagenturen und Internetfirmen oft vergessen, worum es bei ihrer Arbeit eigentlich geht: die Erlebnisfelder, in denen Menschen sich bewegen. Marken sind Erlebnisse mit einer bestimmten Identität, die wir bewusst oder unbewusst wahrnehmen.

In einer von ökonomischen Prinzipien getriebenen und durch Besitz geprägten Gesellschaft, sollte uns dies eigentlich stärker bewusst sein.

Omnipotente Erlebnisfelder

Erlebnisfelder sind das, wo Menschen mit Markenprodukten in Berührung kommen und damit interagieren. Also fast alles, worin ein Mensch sich täglich bewegt. Unsere Interaktion geschieht über die Schnittstelle zwischen uns und dem Produkt oder einer Leistung.

Erlebnisfeld Sportplatz
Das Erlebnisfeld von Marken ist überall da, wo Menschen sich mit ihren Leidenschaften und Bedürfnissen beschäftigen.

Selbst das unbewussteste aller Erlebnisfelder, das Bett, wird während fünf bis acht Stunden unsere Schnittstelle zum Erlebnis. Natürlich denken die wenigsten Menschen bewusst über ihre Duvet-Marke nach, oder sie freuen sich jeden Abend aufs neue auf ihr Ikea-Bett. Dennoch interagieren wir mit diesen Marken.

Spätestens, wenn der Kauf eines neuen Bettgestells oder eines Duvets ansteht, denken wir darüber nach, was wir bei einem Bett für wichtig halten. Im Geschäft befühlen wir das Duvet, legen uns zur Probe in’s Bett und wir versuchen, aus dem recht vielfältigen Angebot schlau zu werden. Für die meisten ist dies das erste Mal, dass sie von Härtegraden des Matratzenkerns hören, oder sich mit ihren Schlafgewohnheiten bewusst auseinandersetzen. Und weil wir nicht alle Experten in Schlaftechnologie sind, machen wir Stichentscheidungen, nach bestem Wissen und Gewissen, so, wie uns das Gefühl sagt, dass es richtig ist. Egal, wie stolz wir auf eine vernünftige Entscheidung sind–die tatsächliche Kaufentscheidung wurde entscheidend von unserem unbewussten Schlafverhalten geprägt.

Das Bewertungsschema

Auch wenn dieser Schluss auf den ersten Blick vereinfachend scheinen mag; diese unbewusste Verbindung zur Marke ist eine der stärksten Komponenten in täglichen Kaufentscheidungen. Selbst bei vordergründig „vernünftigen Produkten“, wie Computern, Autos, Handys, selbst dem Kauf eines Hauses, verlässt sich unser Bewusstsein auf das, was wir Erfahrung, Gespür und Vertrauen nennen.

Evolutionsbedingt kennen wir nur zwei Formen der Erfahrung: Angenehme und unangenehme (vielleicht ergänzt um eine unbestimmte Erfahrung, die zur einen oder anderen Seite neigt). Zwischen diesen beiden Erfahrungspolen versuchen wir die angenehmere Erfahrung vorzuziehen, aber natürlich lassen sich negative Erfahrungen nicht vermeiden. Das Leid und die Freude des Lebens schlagen sich also nicht nur in Shakespeares Dramen nieder, sondern auch im Kauf von Wattestäbchen.

Gute und schlechte Erfahrungen, quasi schwarz und weiss, gut und böse, könnte man als binäres System unseres Bewertungsschemas bezeichnen. Natürlich ist unser Umgang mit Dingen und Werten im Alltag um einiges komplexer und lässt sich nicht nur auf 1 und 0 herunterbrechen. Die Mischung von positiven und negativen Elementen führt zu einem Entscheidungsfluss, bei dem unserem Bewusstsein immer klar ist, ob das positive oder das negative Erlebnis in der Summe die Oberhand hat.

Wer sich schon einmal zu einer Sache hingezogen gefühlt hat und gleichzeitig nicht sicher war, ob er sie wirklich mochte, kennt diese Erfahrung.

Schnittstellen zur Umgebung

Innerhalb von Erlebnisfeldern bewegen wir uns nicht nur, wir interagieren auch mit diesen Erlebnissen. Diese Interaktionspunkte sind die Schnittstelle zwischen Erlebnis, Erfahrung und Wertebild. Innerhalb eines Erlebnisfeldes findet an dieser Schnittstelle immerhin ein bewusster Prozess statt. Die Entscheidung für ein Produkt oder dagegen ist eine bewusste Handlung, auch wenn die Grundlagen dafür oft unbewussten Prozessen unterliegen.

Auch wenn eine Kaufentscheidung eine Abfolge von Abgleichungen mit unseren Werten und dadurch ausgelöste Handlungen ist, werden wir oft von den Folgen unbewussten Handelns überrascht.

Frauen, die von einem harmlosen Stadtbummel mit zwei Paar neuen Schuhen zurückkehren, oder Männer, die plötzlich feststellen, dass sie ohne einen Computer mit besserer Grafikkarte nicht mehr leben können, sind gute Beispiele für Entscheidungsmuster, die durch Erlebnisfelder getrieben werden.

Sie zeigen auch, wie wenig Einfluss unsere linke Gehirnhälfte auf scheinbar bewusste Interaktion hat.

Im realen Umgang mit Dingen sind es die Dimensionen unserer Umgebung, die eine übereilte Interaktion mit Erlebnisschnittstellen verhindern. Gäbe es diese Grenze nicht, würde das reale Leben so langweilig wie Second Life, weil man per Knopfdruck in der nächsten Minute in New York wäre. Dadurch könnte man sich dann auch nicht mehr wochenlang auf eine Reise freuen.

Interaktion mit Markenerlebnissen im Internet

Online sind diese Schnittstellen zu Träumen und Sehnsüchten nur einen Klick entfernt. Erlebnisse wie ein Schuhkauf sind im Web zwar nicht haptisch geprägt, und die Reduktion auf den visuellen Sinn entspricht nicht wirklich dem Erlebnisfeld eines Schuhgeschäftes, egal, wie gut es gestaltet wurde. Das, was es für Konsumenten dennoch erlebbar und vor allem vergleichbar macht, ist die gesamte Bandbreite des Webs. Der nächste Schuhladen, die nächste Kaufbewertung, das nächste Schuh-Blog sind alle einen Browsertab entfernt.

Im richtigen Leben sind Schuhläden über den Raum einer ganzen Stadt verteilt. (Allenfalls in Shopping Malls, welche dem Web-Erlebnis am nächsten kommen und dedizierten Einkaufszonen erhalten Konsumenten ein Erlebnis auf annähernd breiter Ebene.) Gerade das Beispiel Second Life (in dem Schuhe zu den Bestsellern gehören) zeigt aber, dass Shopping Malls, Einkaufszonen und sogar Outlet-Hallen ebenfalls Gefangene sind, innerhalb der ihnen eigenen Erlebnisfelder, die durch Zeit, Arbeitskräfte und physische Oberfläche nur einen beschränkten Zugang bieten.

Niemandem sind die Grenzen zwischen Erlebnissen online und offline mehr bewusst als den Konsumenten. In Bezug auf Werte und Erlebnis mögen sie offline wie online die selben Bedürfnisse haben, allein, offline und online werden diese Bedürfnisse jeweils unterschiedlich gut erfüllt. Trotzdem ist die Behandlung der beiden Interaktionspunkte online und offline fliessend und nahtlos. Die Erwartungshaltung, dass ein Online-Shop einer führenden Lebensmittelkette die selbe Qualität liefert, egal ob online bestellt oder offline gekauft wurde, scheint uns selbstverständlich.

Als Bedürfniserfüller (Marketing, Internet, Hersteller) gehen wir davon aus, dass es Features und Funktionen sind, welche die Vorteile eines Online-Erlebnis ausmachen. Das grössere Bild, den Zusammenhang zwischen offline und online, der fliessende Übergang des Markenerlebnisses, unterschlagen wir dabei leicht. Wir konzentrieren uns direkt auf „Conversion Goals“ und gestalten einen „Jetzt kaufen!“-Button so lange neu, bis er zu 12% mehr Abschlüssen führt. Die Frage, die sich grundsätzlich stellt ist, ob die Optimierung des Buttons ein Teil eines grösseren Erlebnisses ist, und man sich in der Planung von Online-Erlebnissen nicht mehr auf die Erwartungshaltung von Menschen ausrichten sollte.

Die Markenstrategie, das schwarze Schaf

Conversion Goals setzen drei Strategien voraus: eine Produkt-, eine Vermarktungs und eine Markenstrategie. Die ersten beiden Strategien sind meistens kein Problem; sie werden vom Hersteller bereits vor Markteinführung entwickelt. Die dritte im Bunde hingegen ist ein bisschen das schwarze Schaf, vermutlich deshalb, weil in Bezug auf Marketing und Online nicht alles in Stein gehauen ist und täglich neue Erkenntnisse hinzukommen. Es hat vieles mit Ausprobieren zu tun, und damit tun sich viele Unternehmen schwer. Ganz klar: etwas „ausprobieren“ bedeutet schnell einmal den Verlust mehrerer Millionen, wenn ein Produkt flopt, weil es im Markt nicht ankommt. Mit Konsumentenstudien und Benutzer-Fokusgruppen versucht man schon auf der Produkt-Entwicklungsebene diesem Effekt entgegenzuwirken.

Dennoch stellt die Barriere zwischen Produktentwicklung und seiner Vermarktung die nach wie vor grösste Herausforderung im Vertrieb von Produkten. Nur was Menschen wirklich wollen, brauchen oder sich wünschen, wird auch das sein, wofür sie sich schliesslich entscheiden. Die Zeiten, in denen ein Vertreter einer gutgläubigen Hausfrau einen neuen Staubsauger andrehen konnte, den sie nicht wirklich gebraucht hat, sind definitiv vorbei. Die Frau von heute informiert sich online über sacklose Zentrifugalkraft-Technologie, Stromsparmodus und wechselbares Kohlefiltersystem.

Eine gute Markenstrategie sucht den globalen, kommunikativ orientierten Ansatz. Sie ist vernetzt gedacht und berücksichtigt sämtliche Interaktionspunkte des Menschen mit der Marke. Sie setzt bei den Erlebnisfeldern an und baut auf den Bedürfnissen der Menschen auf. Da, wo Konsumenten sich aufhalten, wenn sie sich mit einer Sache befassen, sollten sich auch die entsprechenden Marke aufhalten. Sie sollte aktiv das Erlebnis der Menschen fördern und bereichern. Durch positive Erlebnisse, die über die einfache Erfüllung eines Grundbedürfnisses hinausgehen, kann eine stärkere emotionale Bindung zur Marke hergestellt werden.

Markenführung im Web

  1. Was sind Brand Streams?
  2. Erlebnisfelder – wo Marke passiert
  3. Interaktionspunkte, die Schnittstellen zur Marke

Mehr Informationen finden sich auch in unserem Whitepaper „Brand Streams. Marken in Bewegung.“

ARIA und HTML 5

Warnschild, das einen Rollstuhlfahrer auf abschüssigem Gelände zeigt, der auf ein Krokodil zurast.

Vorgestern hielt ich beim IKT-Forum an der Johannes-Kepler-Universität in Linz einen Vortrag über ARIA und HTML 5 in freier Wildbahn. ARIA ist ein fast fertiger Webstandard des W3C, der bereits weite Unterstützung in Browsern und assistiven Technologien wie Screenreadern hat. Auch wenn der Standard noch nicht final verabschiedet ist, sollte man die Techniken einsetzen, da sie jetzt Menschen mit Behinderungen die Zugänglichkeit zu Websites ermöglichen.

Wie immer steht meine Präsentation bei Slideshare zur Verfügung, auch zum Download. Da es dort aber gerade technische Probleme mit den Vortragsnotizen gibt, die zum Verständnis wesentlich beitragen, gibt es die gesammelten Werke einfach hier:

  1. Die Wahrnehmung von Barrierefreiheit und HTML5 ist oftmals, als wären sie natürliche Feinde.

  2. Lego Superman Minifig

    … oder kann im Gegenteil Barrierefreiheit zusammen mit HTML5 Superkräfte entwickeln?

  3. NVDA, Orca, Jaws, Window Eyes + Firefox, Internet Explorer, Safari, Opera

    ARIA wird ungefähr seit 2006 von vielen Screenreadern und Browsern unterstützt, und es kommen immer mehr hinzu.

  4. Projekte von Namics

    Im Folgenden möchte ich einige Beispiele aus der Praxis vorstellen, in denen wir ARIA eingesetzt haben.

  5. Website bahn.de

    Insbesondere auf der Startseite von bahn.de sind viele Elemente mit ARIA angereichert. Namics hat das Konzept, Design und die Frontend-Umsetzung realisiert, während die Bahn die Integration in das CMS, ins Buchungssystem und Backend vorgenommen hat (online seit Dezember 2008, weitere Entwicklungsphasen sind vorgesehen).

  6. Website fraunhofer.de

    Die neu designten Seiten der Fraunhofer Gesellschaft sind im Juni 2009 online gegangen. Sie enthalten recht viel ARIA, was nicht weiter verwundert, denn Webstandards und Barrierefreiheit sind bei Fraunhofer nicht zuletzt durch die langjährige Leitung des deutschen W3C-Büros ein wichtiger Punkt.

  7. Website der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte

    Die neue Website der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte wird voraussichtlich im August 2009 online gehen. Selbstverständlich ist ARIA integriert.

  8. Accessible Rich Internet Applications (ARIA)

  9. Niedrig hängende Früchte an einem Baum

    Zuerst sollten die niedrig hängenden Früchte geerntet werden. Einige Früchte bei ARIA hängen so niedrig, dass sie einem fast in den Mund fallen.

  10. Eingabefelder mit den Labels Vorname, Nachname und Adresse, die ersten beiden sind als Pflichtfelder gekennzeichnet

    Mit

    aria-required

    werden Pflichtfelder ausgezeichnet. Ein Screenreader liest dann vor: „Eingabefeld, erforderlich“. Noch ein weiterer Pluspunkt: die Sprache passt sich automatisch an, ein englischer Screenreader würde also vorlesen: „input, required“. Somit sinken die Aufwände für eine Lokalisierung.

    Video:

  11. Eingabefelder für Name und E-Mail, beides sind Pflichtfelder, die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig.

    Ähnlich einfach zu integrieren ist

    aria-invalid

    . Ein Formular wird serverseitig validiert, und bei ungültigen Feldern wird das Attribut

    aria-invalid="true"

    eingefügt. Ein Screenreader liest vor: „Eingabefeld, ungültig“.

    Video:

  12. Warnschild mit einem kippenden Rollstuhl auf unebenem Gelände

    Aber selbst bei diesen einfachen Schritten können Fehler unterlaufen. ARIA ist für viele Entwickler, insbesondere im Backend, noch immer eine neue Technologie. Sie sind damit nicht vertraut und übersehen vielleicht relevante Anpassungen. Das sollte man nicht unterschätzen. Als Frontend-Entwickler haben wir also die Aufgabe, diese Techniken zu erklären.

  13. Hier als Beispiel das Kontaktformular von Fraunhofer. Vorgesehen ist eigentlich, dass man per Tastatur auf den Absende-Button tabben kann, das Formular mit der Eingabetaste absendet und auf der neuen Seite Fehler unter anderem mit

    aria-invalid

    markiert werden. Umgesetzt ist aber ein Formular mit einem aus Usability-Sicht überflüssigen „Zurücksetzen“-Button, und der Absendebutton funktioniert ausschließlich mit dem JavaScript-Event

    onclick

    , woraufhin sich ein JavaScript-Alert öffnet. Damit wurde aber unwissentlich eine unüberwindbare Barriere für Menschen geschaffen, die keine Maus benutzen. Nur mit der Tastatur (oder ohne JavaScript) ist dieses Formular nicht mehr abzusenden. Um Spam zu vermeiden ist JavaScript eine ungeeignete Methode, weil sie Barrieren schafft und schlechte Usability für alle Nutzer bedeutet.

  14. Sehr gut funktioniert hingegen die Navigation, in der sogar ARIA-Landmark-Rollen wie „Menü“ vorgelesen werden.

  15. Navigation bei Fraunhofer

    In der Navigation haben wir sowohl die ARIA-Rolle

    navigation

    angegeben als auch


    GeSHi Error: GeSHi could not find the language en (using path /var/www/wordpress-files/wp-content/plugins/codecolorer/lib/geshi/) (code 2)

    , das im XHTML Role-Modul spezifiziert wird.

  16. Aufklappmenü bei Fraunhofer mit angepaßtem Cursor (Pfeil nach oben und unten)

    Für das Aufklappmenü haben wir einen Link benutzt, weil diese im CSS bereits gestylt sind. Mit ARIA haben wir aber die Rolle

    button

    zugewiesen, damit ein Screenreader ihn als „Schaltfläche“ erkennt. Zusätzlich wird ein

    tabindex="0"

    benötigt, damit der Button per Tabulatortaste fokusierbar wird. Mit

    aria-controls="Ziel-ID"

    kann eine Beziehung zu einem anderen Element hergestellt werden, das von dem Button gesteuert wird. Allerdings wird diese Beziehung noch nicht von assistiven Techniken unterstützt. Macht aber nichts, in der Zukunft ist das vielleicht der Fall, und dann steht die Beziehung schon drin.

  17. HTML 5: Canvas

    Nun kommen wir zu vermeintlichen Feinden von Barrierefreiheit, dem HTML 5-Element

    canvas

    . Es ist richtig, dass derzeit Canvas von Screenreadern nicht erkannt wird und selbst Alternativtexte nicht vorgelesen werden. Bei Fraunhofer haben wir das Element aber als Verzierung eingesetzt, was unproblematisch ist.

  18. Fraunhofer Startseite: Teaser mit schrägen Ecken

    Auf einigen Seiten von Fraunhofer.de gibt es zwischen der Navigation und dem Textinhalt Teaser-Elemente, die schräge Kanten oben und unten besitzen.

  19. Teaser mit schrägen Ecken in vielen verschiedenen Farben und Schattierungen

    Es gibt sehr viele davon in unterschiedlichen Farben und Schattierungen. Entweder hätte man also zig Hintergrundbilder produzieren müssen …

  20. Canvas mit schrägen Ecken, wird in Firefox als PNG mit Data-URL angezeigt

    … oder man verwendet Canvas. Wir haben hier zunächst in der Box ein

    <span>

    -Element in den Hintergrund gelegt. Das hat per CSS eine Hintergrundfarbe, eine Transparenz (opacity) und ist rechteckig. Per JavaScript werden die Farben ausgelesen und das

    <span>

    -Element durch ein

    <canvas>

    -Element ersetzt, das schräge Ecken hat. Das wird in allen aktuellen Browsern unterstützt außer im Internet Explorer. Dazu gibt es eine Alternative, die wir gleich erfahren werden.

  21. CSS 3

  22. Runde Ecken auf Buttons

    Bei der Website der Schweizerischen Blindenbibliothek gibt es einige Bedienelemente mit runden Ecken. Hier haben wir das CSS 3-Attribut

    border-radius

    verwendet. Das ist schnell und flexibel einzusetzen und wird in fast allen Browsern unterstützt.

  23. Runde Ecken auf Buttons

    Natürlich wird

    border-radius

    nicht vom Internet Explorer unterstützt. Hierzu erzeugen wir Hintergrundbilder mit runden Ecken mit dem proprietären Standard VML (Vector Markup Language), Microsoft’s Antwort auf SVG (Scalable Vector Graphics). Zunächst wird per Conditional Comment abgefragt, ob der Browser VML versteht. Wenn das der Fall ist, setzen wir eine Variable in JavaScript und erzeugen das VML-Element. Schließlich wird es per CSS gestylt.

    Hierbei ist zu bemerken, dass im Internet Explorer 8 eine Breite oder Höhe von 100% für VML-Elemente nicht mehr funktioniert. Der Browser unterstützt nur noch Pixel- oder

    em

    -Werte. Interessant, dass Microsoft selbst seine eigenen „Standards“ bricht. Leider ist es etwas mühselig, dann für jeden Button je nach Textlänge eine feste Breite anzugeben. Alternativ kann man den IE8 auch in den IE7-Kompatibilitätsmodus zwingen.

  24. Im Opera Browser Version 10 sind die Ecken nicht rund, sondern eckig

    In Opera 10 sieht die Seite derzeit ungefähr so aus: mit eckigen Ecken statt runden, aber das stört auch nicht wirklich.

  25. HTML 5: Geolocation

    Seit wenigen Wochen unterstützen Firefox 3.5 und der Safari-Browser auf dem iPhone mit OS 3.0 einen fast finalen Standardentwurf des W3C, Geolocation.

  26. Google Map mit Geolocation

    Bei der Schweizerischen Blindenbibliothek haben wir Geolocation eingesetzt entsprechend den Prinzipien des Progressive Enhancements. Nutzer, deren Browser Geolocation unterstützt, bekommen die Option, ihren Standort auf der Karte anzeigen zu lassen. Gedacht ist das vor allem für Sehbehinderte oder Blinde, die ein iPhone 3G S nutzen und die damit ihren Standort erfahren können auf dem Weg zwischen S-Bahn-Haltestelle und Bibliothek.

  27. ARIA + JavaScript

    Oft benötigt man über die ARIA-Attribute in HTML hinaus noch JavaScript, um die Tastatursteuerung zu unterstützen. Man kann dazu Widgets verwenden, z.B. von jQuery UI, dojo oder YUI, die oft bereits ARIA eingebaut haben. Oder man muss diese Schritte selbst programmieren.

  28. Ausschnitt: Reiternavigation mit Buchungsformular

    Auf bahn.de werden Registerkarten zur Navigation verwendet. Mit der Tabulatortaste kommt man auf den aktuellen Reiter. Tabbt man weiter durch, gelangt man in den offenen Reiterinhalt. Auf dem Reiter liest ein Screenreader aber auch vor: „Bahn, Registerkarte, eins von vier“. Somit weiß ein Nutzer, dass es sich um eine Reiternavigation handelt, auf der man wie in den Tabs im Browser mit den Pfeiltasten (und anderen Tasten) auf den nächsten Reiter kann. Auf der aktuellen Bahn-Seite ist leider noch eine ältere Version, die weniger intuitiv funktioniert. Aber die Entwicklung der Website geht weiter. ;-)

    Video:

  29. Ausschnitt Reiternavigation auf bahn.de

    Vereinfachter Code. Bei der Bahn haben wir noch Hintergrundbilder, die per

    <span>

    eingefügt sind. Wenn zwischen dem Element mit der Rolle

    tablist

    und dem Kinder-Element mit der Rolle

    tab

    andere Elemente liegen, können diese im Screenreader mit der Rolle

    presentation

    ausgeblendet werden.

  30. Ausschnitt Reiternavigation auf bahn.de

    Damit die Reiternavigation per Tastatur funktioniert, muss per JavaScript ein

    tabindex

    gesetzt werden. Die entsprechenden Tastatur-Events werden abgefangen. Dabei muss man differenzieren, ob eine Taste nur alleine oder zusammen mit Shift, Alt oder Strg gedrückt wurde, das macht einen Unterschied. Der Reiterinhalt wird dann eingeblendet, am besten, indem man eine Klasse hinzufügt oder entfernt.

    Dann muss noch das Event-Bubbling verhindert werden. DOM-Elemente sind sehr mitteilungsbedürftig und sagen sofort ihren Eltern, wenn etwas passiert ist, immer so weiter bis zum Document-Root. Wenn ich aber mit der Pfeiltaste den Reiter wechsele, möchte ich vermeiden, dass beim Drücken der Pfeiltaste die Seite nach unten scrollt.

    Schließlich muss man für ältere Screenreader noch den virtuellen Buffer aktualisieren. Beim Laden der Seiten wird die Seite in einem Puffer abgelegt. Ändert man später ein Element von

    display: none

    auf

    display: block

    , bemerkt das der Screenreader nicht. Im Formularmodus ändert sich der Inhalt aber ständig, der Puffer wird aktualisiert. Also schreibt man einfach per JavaScript in ein hidden Input-Feld irgendwelche Zufallszahlen.

  31. Merkzettelfunktion bei der Schweizer Blindenbibliothek mit AJAX und ARIA Liveregions

    Auf der Seite der Blindenbibliothek haben wir eine Merkzettelfunktion eingebaut. Blinde können sich schlecht mal eben Notizen auf einem Zettel machen, weswegen wir auf jeder Seite einen Button haben „zum Merkzettel hinzufügen“. Die Seiten werden sich dann in einem Cookie gemerkt. Die Bestätigung wird mit AJAX und dynamischer Textersetzung eingefügt, was Nutzer von assistiven Technologien nicht bemerken würden. Mit einer ARIA-Liveregion liest der Screenreader aber Änderungen in einem Abschnitt vor. (Anmerkung: hier sieht man einen funktionalen Prototypen, zum Zeitpunkt des Vortrags war das noch nicht „hübsch“ final umgesetzt).

    Video:

  32. Designer-Uhr mit Braille-Zeile als Beispiel für gelungene Verknüpfung von Barrierefreiheit, Design und Technik.

    Fazit: Barrierefreiheit und Technik (oder ansprechendes Design wie in diesem Uhrenentwurf von David Chavez) können sich sehr gut ergänzen.

  33. Danke