Die Firmenpersönlichkeit im Wiki

Bei meiner Arbeit mit den Multimediaproducer Studenten an der HTW Chur haben wir die Mechanismen der Kommunikaton mit Social Media besprochen und dass der Lehrling heute durchaus als Mediensprecher agiert. Doch immer wieder fragen m/sich die Leute:

1 Wie gelingt eine konsistente Kommunikation nach aussen?
2 Wie kann ein Corporate Communication Mangager damit umgehen?

Für meinen Unterricht morgen forschte ich also in meiner eigenen Praxis: Eine Firma, ob Startup oder Traditionsbetrieb hat eine Persönlichkeit. Damit meine ich nicht Corporate Identity oder Behaviour. Das ist nicht so meine Welt. Ich glaube, dass diese Persönlichkeit eine Summe ist, aus den Persönlichkeiten der Mitarbeiter. Ich kann aber nicht einfach extrovertierte, besonnene, clevere, erfahrene, studierte, herzliche und kühle Charaktere addieren, sondern, den Teil, den die Leute jeweils daraus beitragen, z.B.

Arbeitsleistung
Erfahrung
Auftreten
Lachen
Gesundheit
Lebenserfahrung
Fehler
Talente
Netzwerkfähigkeit
Freundschaft

Dass die Grenze zwischen privat und geschäftlich heute durchlässiger wird, hab ich oft beobachtet, aber jeder entscheidet selbst, wieviel und was er von sich in die Firma einbringt.

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Foto von: Eva Reinstadler

In kleinen Firmen ist diese Summe aller persönlichen Beiträge leicht spür- und nutzbar. Und in grossen Unternehmen? In einem Vortrag „Dialog schafft Wissen“ von Bernd fand ich die Intranet-Generationen und mir wurde klar, dass ich in meinem Beruf als Kommunikator nie so viele Inhalte und Mit-Kommunizierer hatte wie heute. Und das liegt nicht etwa an unseren Blogs oder Twitter, sondern daran, dass die Firmenpersönlichkeit abgebildet ist. In unserem internen Wiki.

Anfangs war für mich das Wiki nur ein weiteres Intranet, schön, dass alle gleichberechtigt beitragen durften. Heute ist es DAS Social Media
Instrument in der Kommunikationsarbeit
. Denn hier finde nicht nur ich brandaktuell, wenn es was nach aussen zu berichten gibt, sondern alle anderen Mitarbeiter auch. Wir erkennen Wissensträger und mögliche Artikel-Autoren oder Leute, die ich zum Bloggen inspirieren mag. Umfrageergebnisse, Erfahrungen und Meinungen sind dokumentiert, aktualisiert und bleiben auffindbar.

Mitarbeiter werden beim Kunde, zu Hause, in Facebook und weiss ich wo mit Unternehmensthemen konfrontiert. Sie kennen die Situation sehr genau
oder können sie jederzeit und -orts nachlesen. Sie erlangen nebenbei die neue Medienkompetenz (dazu schreib ich in Kürze mehr) und sind gewöhnt, Beiträge zu posten.

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Wenn ein interner Beitrag von jemand anderem auch extern gepostet wird, wird die Quelle des Wissens (der Autor) ohnehin öffentlich. Gut, denn keinesfalls möchte ich nur allein PR machen. Ich möchte Starthilfe geben, immer wieder motivieren und mit vielen anderen für eine gute Firmenpersönlichkeit sorgen.

Mein Alltag ist heute etwa

30% zuhören intern und extern
30% moderieren, antworten, zum Kommunizieren motivieren
30% Themen finden, setzen, senden, platzieren und den Dialog einleiten
(10% Denk ich glaub nach und geh mit Bloggern oder Journis Teetrinken ;)

Würde ich die 90% nur extern tun, würde ich ohne die Firmenpersönlichkeit (Authentizität) kommunizieren. Und die finde ich im internen Wiki, auf externen Social Media Plattformen und natürlich bei persönlichen Kontakten. Frage 1 und 2 haben sich also für mich erledigt.

Wenn Euch das Handout für die Studenten interessiert. Da ist auch eine kleine Anleitung für ein Mediawiki drin. (Danke Ralph für Deine Unterstützung dazu) Bei Namics haben wir ein Confluence. Danke Leila für Deine Präsi zu Migipedia, ein öffentliches Wiki.

Usability lohnt sich – Teil 2

Weiter gehts von der Fachtagung Usability (Teil1) Jetzt zeigte Olaf die Ergebnisse unserer Studie. Die Kollegen haben die Bedienbarkeit von Hypothekenrechnern untersucht und Erstaunliches festgestellt:

So gab es zum Beispiel häufig bei den Applikationen sogenannte Schieberegler, die die Benutzer schlicht nicht erkannt haben, oder die die erwartete Berechnung nicht ausführen konnten.

Hier ist sein Handout Ergebnisse der Hypothekenrechner Studie

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Dann erzählte Roman, wo User abschalten. Ein Kommentar einer Benutzerin im gezeigten Video war „Das geht ja gar nicht“. Aber lieber Blogleser,das müsst Ihr Euch nun wirklich direkt ansehen. Roman ist der Einzige, der fetzig via Prezi vorgetragen hat. (Ein Nachteil ich kann daraus kein pdf machen, oder weiss jemand wie das geht)

Seine Prezi „Wo User abschalten“

Ich muss jetzt zum Mittagessen, achso das heisst ja Stehlunch bei so nem Event. Cheers.

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PS: Ich hoffe, die Referenten bloggen auch noch über Ihre Inhalte, meine sind ja doch recht leienhaft und vor lauter pdfs machen, hochladen, twittern und so, hab ich nicht alles wirklich verstanden.

Usability lohnt sich – Teil 1

Gerade bin ich an der Fachtagung Usabality, warum sich das lohnt. Vor knapp 100 Teilnehmern (alle Achtung an meine Marketingkollegen Nici und Nina) berichtete Andri aus der Theorie. Sein wichtigster Aufruf war: „Bauen Sie die Hürden ab mit der jeweils passenden Massnahme in jeder Projektphase. Dieser Prozess hört eigentlich nie auf…Werden Sie aktiv zur Best Practice, statt wie alle anderen reaktives Benchmarking zu betreiben.“

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Hier ist sein Handout: Dank besserem Kundenverständnis zu mehr Erfolg.

In der Pause hab ich noch einen Schnappschuss von Mischa mit T-Shirt gemacht. Das hat mich sehr an unsere 100% Campagne erinnert. Aber zurück zum Inhalt.

Dann zeigte Dorian Selz zusammen mit Thommy Link viele Einblicke in die Usability Geschichte von memonic und wie sie über 1.5 Jahre immer wieder verbesserte. Aus einem knappen User-Kommentar, ich zitiere „This User Interface is shit“ wurde ein späteres seitenlanges sehr wertvolles Benutzer-Bericht mit Verbesserungstipps. Das offene Referat war sehr mutig und ich bedanke mich herzlich für den Gast Zugang, den alle Teilnehmer für ein halbes Jahr benutzen dürfen. (Den darf ich hier natrürlich nicht preisgeben, werde Euch aber von meinen Erfahrungen berichten).

Das Handout der Beiden: Pleiten vermeiden

gleich kommt mehr. Usability lohnt sich – Teil 2

Der Social Media Starter – der keinesfalls Guideline sein wollte

Jürg hat ja ausgiebig über unsere ethischen Grundsätze gebloggt. Diese brauchen eine Kultur, die im Wesentlichen Selbstverantwortung und eine Art Demokratie voraussetzt. Und genau deshalb war es nicht ganz einfach, unseren Way of Social Media in Guidelines zu giessen. „Guidelines? Das Wort regelt zu viel und beschneidet die Individualität.“ das war schnell klar.

Ein internes Brainstorming, wie wir nun das Ganze nennen sollen, brachte unter anderem diese Bezeichnungen hervor:

Social Media Art
Social Media Indicator
Social Media Mediator
Social Media Starter

Starter, das ist es. Denn der Inhalt soll keinesfalls einschränken, vielmehr motivieren, mit eigenen Beiträgen mit/in Social Media zu starten. Schön, wenn sich andere Corporate Communications Kollegen in die Karten sehen lassen. Das inspiriert. Herzlichen Dank dem BVDW , Daimler und Marcel Bernet für Eure Leitfaden-Einblicke.

Hier ist im Gegenzug also unser Ergebnis, Dankeschön auch Jürg für Deine super Unterstützung.

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Social Media Starter – der keine Guideline ist

Namics pflegt einen offenen, ehrlichen und partnerschaftlichen Dialog sowie eine Lern- und Teilkultur. Intern zwischen Mitarbeitern wie auch ausserhalb von Namics. Der vorliegende Social Media Starter soll dafür eine Hilfestellung bieten.

1. Zeige Identität
Beiträge und Kommentare erfolgen immer unter Angabe Deines Namens und wenn ein Zusammenhang mit Deiner Arbeit bei uns besteht, mit der Nennung von Namics als Arbeitgeber. Absender bist immer Du als Person.

2. Übernehme Verantwortung
Formuliere Inhalte in der Ich-Form und vertrete Deine persönliche Meinung. Verantwortung übernehmen heisst auch, Kritik gelten zu lassen, Fehler zuzugeben, ehrlich zu sein und keine gemachten Aussagen zu löschen (aber diese bei Bedarf zu kommentieren / zu ergänzen).

3. Nennung der Quellen
Lege Deine Quellen offen, verlinke diese aktiv und nenne den Absender immer auch im Kontext. Auch, wenn es sich dabei um einen Konkurrenten handelt. Social Media lebt von Verlinkung und Vernetzung.

4. Wert für Leser schaffen
Inhalte sind für Leser geschrieben und sollen diese weiterbringen, inspirieren oder auch amüsieren. Stifte Mehrwert und verzichte auf Selbstdarstellung! Erfolgreich sind originäre Inhalte, persönliche Meinungen und Verweise auf „Perlen“. Davon leben besonders unsere Blogs.

5. Suche den Dialog
Zeige in Deinen Blog-Beiträgen Interesse an Dialog und antworte auf Kommentare, Verlinkung und Nennungen zeitnah, höflich und konstruktiv. Sei aktiver Kommentator, wo über Dich eine Deine Themen geschrieben wird.

6. Höflichkeit und Respekt

Sprich respektvoll über andere Marktteilnehmer und versuche nicht, deren Schwächen auszunutzen. Auch wenn jemand Kritik übt, lasse Dich nicht aus der Ruhe bringen und bliebt sachlich.

7. Vertraulichkeit und Gesetz
Halte Dich zu jeder Zeit an geltendes Recht. Dies insb. im Bezug auf Urheberrechte und Betriebsgeheimnisse. Information über Kundenarbeit, die nicht bereits öffentlich bekannt ist, bedarf immer der ausdrücklichen Zustimmung des Kunden. So auch die Tatsache, dass wir für einen Kunden arbeiten.

Ergänzende Gedanken und Tipps

Jeder wird von Aussenstehenden immer auch für seinen Beruf und als Mitarbeiter einer Firma wahrgenommen. Veröffentliche nur, was Du auch einer flüchtigen Bekanntschaft erzählen würdest und stell Dir vor, es steht morgen in der Zeitung.

Sei Dir bewusst, dass alles Publizierte auch nach Jahren noch auffindbar ist, von Freunden, Arbeitgebern, Kollegen, Partnern, Kunden, potenziellen Kunden, Bloggern, Journalisten gleichermassen.

Bevor Du einen neuen Namics-Accounts anlegst, besprich Dich bitte vorerst mit MarKom. Wir möchten mit lebendigen Accounts am Markt auftreten.

Nutzt Du Slideshare? Biete für Handouts (von Deinem Referat zum Beispiel) zusätzlich auf einer Namics-Plattform einen Download als pdf ohne Login an.

So das wars, jetzt haben wir auch so ein, ähm Dings (nicht Guideline bitte ;) nachdem @Leumund schon vor Wochen mal gefragt hat.

Die neue interne Kommunikation und Kultur dank Social Media

Heute darf ich bei der HSLU über Social Media und die Auswirkung auf interne Kommunikation und Kultur in Unternehmen aus meiner persönlichen Erfahrung reden. Frau Dr. Jacqueline Holzer, Institut für Kommunikation und Marketing, stellt im Dialog auch kritische Fragen, die in der Praxis auftauchen.

Die Zahlen, die ich von Sabine Dufaux hab, spiegeln, dass Social Media in unserem Alltag einfach stattfindet offline und online / intern und extern / privat und geschäftlich. Dazu hab ich mir ein paar Thesen überlegt (Danke an meinen Sparringpartner Jürg für die Idee) So konnte ich der eher klassischen Agenda ‚soziales Leben‘ einhauchen.

1. Menschen kommunizieren, generieren Inhalte
2. Realität ist auch online
3. Privat und Geschäft verschmelzen
4. Intern wird extern und umgekehrt
5. Mauern und Hierarchien fallen

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Bildquelle: dpa und taz

Aus der Praxis gibts Jans Geburtstagskuchen (der Teil der Kultur ist und zum Kommunikationsinhalt wird) und eine interne Frage von Samuel Peyer, die auf Twitter (extern) beantwortet wird. Wie aus einem Mitarbeiterprojekt wiederum externe Kommunikation wird, erzähl ich am I like Beispiel. Danke Mihi Risch für die 100 Aufkleber, die ich verschenken darf.

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Mein Fazit ist: Kommunikationsleute werden künftig noch weniger trennen zwischen interner und externer Kommunikation und die Unternehmenskultur wird mehr vom Dialog geprägt. Persönliche Meinungen bereichern die bisherigen Botschaften oder ersetzen sie gar. Ich denke, die Herausforderungen für Firmen liegen beim Verstehen und Respektieren der neuen Kommunikation, der Sozialkompetenz (die zur Medienkompetenz gehört), Vertrauen und Transparenz. Aber all meine Gedanken dazu kann ich hier nicht wiedergeben. Wer spontan noch dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen (heute, 18.30 Uhr), ein Kommentar hier und ein Zugticket nach Luzern reichen. Sonst ist

die Präsi hier

.

Wenn Ihr noch Ideen habt, nehme ich die gerne bis 17.30 Uhr in die Präsi auf.

Emex – gut investierte Zeit?

Nein, nicht die Emex war für mich gut investierte Zeit. Eine Messe mit Werbeartikeln, Verpackungsfirmen und ein paar „geschulte Verkäufer-Sprüche“. Die erinnerten mich leicht an die E-Mail-, Facebook- und XING-Wucht der Veranstalter. Es dürfte gerne etwas weniger davon in meinen Inboxen landen. Aber die Online Ecke war für mich den Besuch wert.

Nicht nur, weil ich gerade so die Präsi von Thomas Lang sehen durfte, gespickt mit fetzigen Beispielen, wie zugara. Dort kann ich dank Augmented Reality tatsächlich Kleidungsstücke virtuell probieren und dann gings noch um Online Wine Handel. Da war ich vom Flickrn und Twittern abgelenkt.

Die Blogwerker Olivia Menzi, Moritz Adler treffen und Andreas von Gunten herzlich die Hand schütteln und natürlich auch den emexblogger Karsten Fuellhaas bei der Arbeit sehen und mit Bernadette Bisculm Kaffee trinken – sind wert, gelegentlich doch eine Messe zu besuchen (ich konnte übrigens die Highheels nicht sein lassen – und jetzt tun mir die Füsse weh).

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Dann kamen Marcel Albertin und Felix Kaiser mit ihrer Prezi. Hab ich die eigentlich das erstemal live gesehen? Präsi und Prezi haben mich beeindruckt und Wandersocken für 39.90 CHF (!) auch. Im Dialog zeigten die Jungs Visionäres und den Praxis-Check für E-Commerce. Jetzt versteh ich, warum ich Multichannel und PIM (Product Information Management) bei uns oft in einem Atemzug mit E-Commerce höre.

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Die beiden Referenten (die ich spontan Namics Pirates taufte) waren zu bescheiden, einen Vortrag ein zweites Mal zu posten. Drum mach ich das jetzt.

Prezi: Potenzial und Stolpersteine. E-Commerce zwischen Vision und Realität

Hilfe, mein Kunde will im Facebook mein Freund sein

Eine Anfrage, ein Klick, mein Freund.

Alle, die Facebook nutzen kennen das wahrscheinlich. Früher oder später kommen „Unbekannte“, Kunden und Geschäftspartner und klopfen an der virtuellen Tür. Hier erzähle und erfahre ich aber meist Privates. Was soll ich also tun?

Fragt nicht warum, aber mir fiel mein alter Kleiderschrank ein. Dieser hatte früher zwei strikt getrennte Bereiche. In einem Teil, die nadelgestreiften Kleider fürs Büro. Der andere Teil für Sport und Rock ‚n Roll. Heute trage ich Jeans mit strengen Blusen und sie liegen im selben Fach. Das liegt nicht nur daran, dass ich einen neuen Schrank habe, sondern an einer tieferen Überzeugung, die für mich selbstverständlich geworden ist.

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Beruf und Privat ist eins, wenn ich als Person agiere.
Dies ist in Social Media unausweichlich und der wahre Schatz der neuen Kommunikation.

Ich bestätige solche Anfragen also wenn:

– ich von der Person weiss, wer oder was sie mit mir verbinden könnte
– die Person mindestens 5 meiner Kontakte kennt
– ich thematisch mit der Person verbunden bin (XING)
– sie mir nicht vollkommen unsymphatisch ist.

Früher hätte ich solche Kontakte abgelehnt. Ich wäre auch nicht in Jeans zur Arbeit gegangen. Und kommunizierte nicht via Social Media. In den Plattformen machen wir unsere wahre Identität (oder einen Teil davon) öffentlich und bringen sie selbstverständlich auch ins Geschäftsleben. Facebook fühlte sich lange für mich privat an, seit Firmen und Gruppen vermehrt kommen, ist das anders.

Somit ist für mich klar: Es geht nicht darum, mit wem ich in Social Media kommuniziere sondern worüber.

Was hab ich gelernt?

– Social Media zeigt unsere wahre Identität
– Persönlichkeit geht über Geschäftliches hinaus
– Privates und Berufliches vermischen sich zwangsläufig
– Mein Kunde ist eine Art Freund (Vertrauen und Kontakt)
– Ich entscheide nicht wirklich über den Kreis der Leser meiner Inhalte (denn Facebook und Google können jederzeit Mechanismen ändern)
– Listenfunktionen sind nur eine gebrechliche Krücke
– Ich überlege mir sehr genau, welche Inhalte öffentlich für die nächsten Jahre im Internet stehen.

PS: ein Zweit-Account in Facebook ist übrigens für mich keine aufrichtige Lösung.

Wie geht Ihr damit um?

Gefällt mir I like?

Heute komme ich aus den Ferien zurück und finde einen Brief mit kleinen Blöckchen Post-it’s darin. Vorne drauf steht „gefällt mir“. Spontan wird die Aussage zu einer Frage in meinem Kopf:

Gefällt mir das?

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Auf der Rückseite steht: Eine Social Media Aktion der MySign AG, (ein Wettbewerber von uns ;) Da steht auch, was ich tun muss und ich kann sogar ein ipad gewinnen, wenn ich die Zettel benutze und die Facebook-Seite unterstütze.

Zugegeben, die Idee eignet sich gut, eine Fanpage zum Leben zu erwecken und für Social Media zu werben. Die Beschreibung, was zu tun ist, ist schön zu Ende gedacht.

Aber bitte verzeiht mir, dass ich immer noch das Original „i like“ bevorzuge. Die Idee ist spontan und aus Herzblut entstanden und zwar von Christian Felder, Michael Risch und Jonas Kamber.

Das Original

Dass daraus später klammheimlich eine Namics-Aktion wurde, war nicht geplant. Aber das ist auch Social Media. Menschen agieren und im Internet verschmelzen deren verschiedene Rollen von privat und geschäftlich.

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Eine Idee gehört niemanden, wie Wissen auch. Es ist schön, wenn Menschen beides verbessern und verbreiten. Das gibt der Idee oder dem Wissen erst ihre Kraft. Doch ein Gedicht von Goethe ist noch lang nicht meines, wenn ich es rezitiere. Aus Respekt dem Künstler gegenüber schreibe ich dessen Namen darunter.

Im Social Media zeigt sich soziales Verhalten, es wird öffentlich. In diesem Fall wäre ein Link zu den Jungs noch nett und eben sozial gewesen.

PS: übrigens das Original war kürzlich im Ronorp Newsletter. I like.

Social Media kann zaubern – erfolgreiche PR ohne Journalisten

solche Aussagen erinnern mich an den „alten Sende-Mechanismus“ der PR. Auch bei Namics diskutieren wir gelegentlich über den Wert der sogenannten klassischen Public Relations. Warum Fach-Medien, wenn doch mit Social Media so viel geht? Meine Idee von Social Media in der PR ist anders.

PR 2.0:

Oft bemühe ich den Satz: Public Relations ist endlich public und nicht mehr nur Press Relations. (die Quelle kenne ich leider nicht, sorry) Public meint alle Menschen. Punkt. Besonders, wenn sie öffentlich über Unternehmen, Marken, Produkte etc. diskutieren oder könnten. Bedenke ich die vielen Blogs, Plattformen und Netzwerke, ist die Gruppe der potenziellen Kommunikationspartner sehr (!) gross geworden. Doch die Rollen der Akteure wechseln und wir sollten diese Tatsache in der Praxis nicht übersehen. Ein Mensch kann sein:

Morgens Mitarbeiter
mittags Blogger
abends Freund
heimlich „Feind“
teilzeit Kunde
immer Wettbewerber
Feierabend Journalist .. und noch mehr.

Die früher definierten Bezugsgruppen und deren Wichtigkeit für die Unternehmenskommunikation sind passé. Wir PR-Leute tauschen uns „nur noch“ mit Menschen aus. Wir geben Informationen, bekommen sie und vermitteln. (übrigens eine schlaue Überlegung von M.C.Schindler: wo gehört die Stelle hin im Unternehmen)

PR 2.0 ohne Journalisten?

Für mich ein klares NEIN. Ein bisschen mehr Auf-die-Brusttrommeln, Zielgruppen ausschliessen und Kommunikationserfolge in Visits berechnen – Auch das gehört für mich in die alte PR „senden statt kommunizieren“ und ist keine Web 2.0 Kultur „Lars Hinrichs, erreichte mit einem Tweet und E-Mailing 100’000 Visits… Er verzichtete auf kostspielige klassische PR Massnahmen“.

Aja? Was sind die kostspieligen PR Massnahmen, frage ich?
Eine Medienmitteilung (oder klassische Agentur, die die Pressekontakte pflegt) ist weit günstiger, als eine Person für die Beziehungspflege im Social Media.

Sind Journalisten nicht public? Was ist mit den vielen Menschen, die im Zug oder sonstwo Zeitungen lesen? Was ist mit Journalisten, die twittern, bloggen UND für ein Fachmagazin schreiben. Haben diese es plötzlich nicht mehr verdient, in unsere public Definition zu gehören? Selbstverständlich schätze ich Social Media sehr in der PR. Bitte versteht mich nicht falsch.

Aber ich wünsche mir, das besonders PR-Fachleute ein gutes Handwerk pflegen statt zaubern zu wollen. PR 2.0 kommuniziert mit den Menschen in den Medien, die die Leute selbst wählen und macht keine Unterschiede zwischen beruflichen Rollen, wie Blogger, Journalist etc. Am Ende können sich doch alle wieder am Dialog beteiligen. (Und dabei möchte ich keinen verärgerten Journalist haben….) Nur mal zum Nachdenken.

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Bildquelle

Der Spezialist, der sein Wissen verliert

Ich habe einen Freund, der als Spezialist häufig vor grossem Publikum spricht. Dieses ist begeistert und stellt anschliessend Fragen. Höflich beantwortet er sie. Er ist sympathisch. Sein Chef sehr zufrieden.

Twitter und Blogs mag er nicht.

Nach einem seiner Vorträge, den ich besuchte und darüber twitterte, fielen mir
mehrere Tweets (Twitter-Nachrichten) auf, in denen Zuhörer und nicht Anwesende Fragen zum Thema stellten. Teilweise fragten die Leute mich, weil sie vorher meine Tweets sahen. Ich gab dem Freund die Fragen mündlich weiter, damit er sie beantworten kann. Aber wo?

Er sagte, die Leute können ihm gerne ein E-Mail schreiben.

Heute ist ein Referat nicht beendet, wenn das Mikrofon verstummt und die Tür ins Schloss fällt. Die Besucher möchten ihr Wissen erweitern, teilen und diskutieren. Übrigens auch dem Redner ihre eigene Erfahrung mitgeben. Sie hören nicht mehr einfach nur zu. Leute, die sich in sozialen Netzwerken bewegen, tun dort ihre Meinung oder Fragen kund:

Vor, während, nach dem Vortrag. Auch wenn sie nicht dabei waren.

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Es sind oft mehr Leute über das Thema verbunden, als physisch an einer Veranstaltung teilnehmen. Bringt sich der Spezialist in die Diskussion nicht ein, kann er als un-freundlich wahrgenommen werden. Er kann sogar auf Dauer seine Themen-Leaderschaft verlieren. Denn andere diskutieren sichtbar(er) über die Inhalte.

Der Spezialist gibt sein Wissen ab, statt es zu teilen.

Sucht jemand nach dem Thema des Referats, findet er alles Publizierte, (auch Fragen, Meinungen und Kommentare) im Web. Nicht in der Mailbox. Das Spezialwissen und auch der Suchende wandert zu dem, der darüber schreibt. Kommunikation sucht sich den einfachsten Weg und das sind nicht mehr nur Vorträge und Artikel, sondern auch kleine Kommentare, Empfehlungen und eben schnelle Antworten auf Fragen.

Via Suche finden Interessierte im Internet das was angeboten wird!