Über Sabine Ledermann

Liebhaberin digitaler Spielwiesen mit Ostschweizer Dialekt und Consultant bei Namics. Twittert auch auf @content_force und mag @instrumentorCH

Standortbezogen werben: Was bringen Location Based Services?

Sind sie Ihnen auch schon aufgefallen, die blauen „Check In Here“ Aufkleber von Foursquare? Seit Kurzem klebt einer an Hiltl’s Eingangstüre, wie ich während einer Mittagspause feststellte. Wer dort eincheckt, erhält ein 1dl-Glas des Monatssafts aufs Haus. Bereits 919 Gäste haben eingecheckt, 1652 Säfte wurden ausgeschenkt. Daraus schliesse ich: Jeder zweite Einchecker kam wieder und profitierte doppelt (Stand 12.April 2012).

Aus gegebenem Anlass: Lohnt sich der Einsatz von Location Based Services als Marketinginstrument für Schweizer Unternehmen?

Von der Strasse in den Laden: Location Based Services kurz eingeführt

Im Fokus aller Location Based Services steht die Kenntnis des Aufenthaltsorts eines Nutzers. Dieser wird mittels GPS Funktion des Smartphones ermittelt und beinhaltet das Abfragen von Informationen wie bspw. „Wo ist der nächste Coiffeur-Salon?“ (lokale Suche), „Befindet sich meine Freundin Maja gerade in der Bibliothek?“ (ortsbezogenes Social Networking), „Wie wurde die Cocktail Bar am Paradeplatz bewertet?“ oder der Routenplanung via Google Maps (lokale Orientierung und Bewertung). Der Nutzer erhält also Informationen, die auf seine Bedürfnisse massgeschneidert sind und für ihn genau zu Zeitpunkt X an Ort Y relevant sind.

Viel Potential, aber auch Unsicherheit bei Nutzern und Unternehmen

Während sich in den USA Foursquare, der Vorreiter im Bereich der Location Based Services, zunehmend als Marketinginstrument etabliert, herrscht hierzulande noch Skepsis über Apps, die den aktuellen Nutzerstandort einer Online Community öffentlich zugänglich machen. Und das, obwohl sich die Suche nach lokalen Produkten und Dienstleistung auch in der Schweiz längst weg von den Gelben Seiten, Suchmaschinen und Onlineverzeichnissen hin zu standortbezogenen Suchanfragen und Diensten wie bspw. Google Maps entwickelt hat.

Es ist an den Marketingverantwortlichen Überzeugungsarbeit zu leisten. Zu gross ist (hierzulande immer noch) die Angst, dass die Übermittlung des aktuellen Standortes in die falschen Hände gerät (Datenlecks, Einbrecher, Stalker, etc.). Und trotzdem, Location Based Services in den Marketingmix aufzunehmen, lohnt sich: Das Einrichten einer Online Präsenz ist einfach und kurzweilig, und die damit einhergehenden Vorteile nicht zu unterschätzen!

Einfache Einrichtung der Unternehmensseite

Die Vorgehensweise standortbezogen zu werben, ist denkbar einfach: Unternehmen müssen sich bei den entsprechenden Diensten einen virtuellen Ort anlegen und bestenfalls Check-In Specials oder Deals für die Nutzer bereitstellen. Das Ansprechen und Bewerben der Nutzer mit besonderen Angeboten ist für Unternehmen kostenlos. Der Einsatz von Location Based Services ist bei lokalen Cafés, Bars, Restaurants, Boutiquen, Läden, im Einzelhandel, aber auch bei Supermärkten, Kaffeeketten, Kinoketten oder sogar bei Tankstellen denkbar.

Die Vorteile von Location Based Services

Für Unternehmen, welche Location Based Services als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen, stellen diese eine originelle Ergänzung der bestehenden Marketing- und Social Media-Aktivitäten dar. Von der kurzfristigen Anzeige eines Sonderangebotes bis hin zu umfangreichen, langfristig geplanten Kampagnenmöglichkeiten ist vieles im Bereich des ortsbezogenen Werbens denk- und umsetzbar. Neue Kunden können akquiriert, das Kundenerlebnis optimiert und bestehende Kundenbeziehungen durch eine konsistente Präsenz an den einzelnen Kontaktpunkten intensiviert werden. Ausserdem gilt es als innovativ und fortschrittlich als Schweizer Unternehmen Foursquare oder andere Location Based Services aktiv zu bespielen.

Ein zusätzlicher, nicht zu unterschätzender Vorteil von Location Based Marketing Massnahmen ist der Gewinn digitaler Nutzer-Informationen über das Konsumverhalten der Zielgruppe (Geodaten). Diese Daten können zeitnah gemessen und evaluiert und die ortsbasierte Gesamtkampagne optimiert werden. Aus Perspektive der Nutzer sind Nutzer solche Anwendungen dann spannend, wenn profitiert werden kann (Special Offers), wenn sich gut vernetzte Personen spontan verabreden können oder um Bewertungen einzusehen und Einkaufsempfehlungen abzugeben.

Die kritische Masse als Knackpunkt

Der nordamerikanische Markt von Location Based Services ist weit von einer Konsolidierung entfernt: So kämpfen unzählige Apps wie Foursquare, Scvngr, Loopt, TellMeWhere, Localmind, Aloqa und viele weitere um kleine Nutzerstämme, während die Frage nach dem eigentlichen, langfristigen Wert für die Anwender ungeklärt bleibt. Aus diesem Grund sollten Schweizer Unternehmen nur diejenigen ortbezogenen Dienste für ihre Marketingzwecke einsetzen, die hierzulande auch bekannt sind und genutzt werden: Facebook!

Setzen Sie auf Facebook Places

Facebook mit seinen über 800 Mio aktiven Usern pro Monat bietet mit Facebook Places die ideale Möglichkeit, auf eine bereits bestehende, sehr grosse und aktive Nutzerbasis zurückzugreifen. Erfolgskritische Faktoren sind hierbei einzig die Integration von Facebook Places in die bestehende Facebook Fanseite (Zusammenhalten der Community anstelle von Aufteilen dieser auf mehrere Plattformen) sowie das aktive Bewerben exklusiver Angebote (Anreizgenerierung für Check-Ins). Der daraus (potentiell) resultierende Effekt ist immens, insbesondere dann, wenn bedacht wird, dass jeder Facebook-Nutzer durchschnittlich 300 Freunde hat. Bemerkenswert ist ausserdem, dass Facebook Places ohne App auskommt und dadurch technische Partizipationshürden umgangen werden können (Download einer speziellen App). Schade nur, dass es hierzulande noch sehr wenige Exklusiv-Angebote für die Facebook Communities gibt.

Fazit: Noch viel Potential bei Location Based Services

Location Based Services bergen enormes unausgeschöpftes Marketing-Potential. Wichtig ist es, die Massnahmen crossmedial gut zu bewerben, attraktive Specials anzubieten, das Unternehmensprofil zu pflegen und auf die eigenen Kundenbewertungen zu achten. Wer dies dauerhaft und konsequent macht, kann sich durch das standortbezogene Werben einen Wettbewerbs- und Differenzierungsvorteil erarbeiten. Ebenfalls – der Auffindbarkeit bei Google zuliebe – ist auf eine gepflegte Google PlacesPräsenz nicht zu verzichten. Mehr über die Einflussfaktoren auf das Google-Ranking findet sich unter dem Stichwort SEO in diesem Blog.

Schweizer Markteinführung von Adobe SocialAnalytics

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Nach Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm und Madrid waren wir die Nächsten: Adobe launchte sein neustes Produkt – SocialAnalytics – heute im The Dolder Grand.

Edel war die Location, viel versprechend die Produktankündigung: Grund genug für Emanuel und mich die Produktvorführung zu besuchen. Wir waren neugierig, ob eine direkte Verbindung zwischen Social-Media-Marketing und seinem Beitrag zum Geschäftserfolg gezogen werden kann. Ausserdem interessierten wir uns für den Mehrwert des Tools.

Social Media Monitoring & Analytics = SocialAnalytics

Die Veranstaltung richtete sich vor allem an Werbetreibende – Andreas Helios (Group Manager – Enterprise Marketing, Adobe) nannte sie Marketiers – , die interessiert sind ihre eigenen Social Media-Aktivitäten zu beobachten, messen und verwerten. Social Analytics gebe diesen endlich ein Tool in die Hand Marktforschungsdaten in Echtzeit zu betreiben. Das Adobe Online Marketing Suite wird somit um eine Social Media-Komponente angereichert.

Wie? Durch die Zusammenführung der Daten aus dem Social Monitoring mit den Webanalysedaten aus SiteCatalyst in einem Reporting bestehend aus aggregierten Daten – ein Mehrwert, wie ich finde. Bislang wurde in mühsamer Handarbeit aus den zwei isolierten Datenpools eine Schlussfolgerung gezogen.

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Online Aktivitäten werden mess- und gezielt planbar

Zentrale Fragen, wie welchen Einfluss Social Media auf das Geschäft hat, oder wie die eigenen Social Media Aktivitäten und Unterhaltungen im Web zum Umsatz beitragen, können nun gemessen werden, verspricht Thomas Heinbach (Senior Solution Consultant, Adobe). Laut Chad Warren (Product Marketing Manager, Adobe) deckt SocialAnalytics praktisch jede Art Social Media ab, darunter Facebook, YouTube, Twitter, Blogs, Foren sowie jeden Ort, wo virtuelle Unterhaltungen auftauchen.
Diese Erkenntnisse werden nun in den Kontext sämtlicher Online-Aktivitäten gestellt. Somit können Daten und Stimmungen aus dem Social Web in nachvollziehbare Erkenntnisse für die kanalübergreifende Medienstrategie und eine positive Beeinflussung des ROI umgewandelt werden.

Skepsis bezüglich Sentiment Measurement und Datenbezug

Nachdem die Vorträge angehört und die Produktvorführung – die leider etwas kurz und oberflächlich ausfiel – vorbei war, durften wir Fragen stellen.
Am meisten interessierten die Algorithmen hinter der Stimmungsbewertung eines Artikels und der Bezug der Daten hinsichtlich den aktuellen Daten- und Persönlichkeitsschutzbestimmungen. Chad Warren lies die beiden Fragen geschickt in amerikanischer Manier im Raum stehen.

Stehen geblieben ist Adobes SocialAnalytics jedoch nicht. Das Tool befindet sich kurz nach Erstveröffentlichung bereits im Beta-Stadium. Wir dürfen gespannt sein, welche Online Marktforschungsneuerungen /-optimierungen uns noch erwarten.

Auch neugierig? Dann klick dich durch die Präsentationsslides.