Dirty Tricks mit Axure: Responsive.

Axure

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Brainfood: Storytelling

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Kontrolle, Einfluss und Steuerung in sozialen Medien

Kontrollverlust ist das Schreckgespenst vieler Unternehmen, die in der Welt sozialer Medien aktiv sind oder aktiv sein wollen. Dabei sind z.B. Markenkampagnen in sozialen Medien erst dann erfolgreich, wenn Unternehmen die Kontrolle über Kommunikation und Kampagne aus den Händen geben können. Nicht nur Informationen werden in sozialen Netzen geteilt, sondern auch Verantwortung.

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Die Angst vor dem Kontrollverlust führt dazu, dass viele Unternehmen nach wie vor wie Broadcaster kommunizieren und sich schwer mit dem Schritt vom Mit-Teilen zum Teilen tun.

Das Individuum ist Klasse – und wird überbewertet
Eine Ursache für das Dilemma ist die Fokussierung auf individuelle Kommunikation in sozialen Medien, gefolgt von den Mythen, die sich um den Begriff der Authentizität ranken. Unbestritten können beide Aspekte Bausteine einer Kampagne sein. Dass es auch ohne geht zeigt Apple: ohne nennenswertes Engagement eine der präsentesten Marken in sozialen Medien. Der Dialog findet unter Ausschluss des Unternehmens statt.

Die Präsenz von Apple ergibt sich aus einer herausragend entwickelten Marken- und Produktstory, die „Lesern“ das Gefühl vermittelt mit jedem „Satz“ ihr Bedürfnis nach Design, Innovation oder Anwenderfreundlichkeit befriedigt zu sehen. Apple hat über die Markenstory ein Monument erschaffen, dass von vielen täglich transmedial reproduziert wird. (ergänzend zum Thema „Product Storytelling“ auch Doody 2011)

Vom Dokument zum Monument
Soziale Medien leben nicht nur von Dokumenten, d.h. Informationen, die im Alltag zwischen Menschen ausgetauscht werden. Soziale Medien produzieren oder reproduzieren (im Fall von Apple) auch Monumente, die sich an eine nicht weiter spezifizierte Umwelt und Nachwelt richten.

Kleine Monumente oder Stories in sozialen Medien sind die Sterne einer Produktbewertung oder ein Eintrag in der Wikipedia. Große Monumente sind die Spuren von vergangenen Kampagnen (bsp. Greenpeace vs. Nestle). Hier tritt das Individuum bzw. der Akteur hinter einer Akkumulation oder Kollaboration zurück. Die Information richten sich nicht an eine bestimmte Person zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern wird gewissermaßen für die Ewigkeit angelegt. Auf dieser Ebene spielen Individuum und Authentizität keine Rolle mehr.

Unternehmen können auf dieser Ebene Einfluss nehmen: dazu muss die Kommunikation in sozialen Netzwerken in die transmediale Marken- und Produktkommunikation integriert werden.

Systemdynamik
Kommunikation in sozialen Medien, das Engagement von Personen und die (Re-)Produktion von Monumenten findet in einem dynamischen Umfeld statt. Kommunikation und Umwelt beeinflussen sich gegenseitig. Aktuelle Trends und Ereignisse beeinflussen den Erfolg einer Kampagne ebenso wie kulturelle Aspekte und Wertewandel.

Kampagnen in sozialen Medien beeinflussen auf dieser Makroebene u.a. die Relevanz von Seiten in Suchmaschinen, Google Trends und den Preis von Addwords.

Unternehmen können auf die Systemvariablen nur bedingt Einfluss nehmen. Auf Basis von Systemarchetypen können sie jedoch Entwicklungen prognostizieren, Szenarios bzw. Risiken kalkulieren und Maßnahmen einleiten.

Nimm drei …
Unternehmen können den Erfolg ihrer Kampagnen in sozialen Medien steuern, wenn sie alle drei beschriebenen Ebenen in Strategie, Maßnahmen und Monitoring berücksichtigen. Selbst begrenztes Engagement, das in der Praxis scheinbar nur auf direkten Dialog ausgerichtet sind (bspw. HR) wirken auf allen Ebenen.

Ebene

Merkmal

Maßnahmen

Monitoring

Agent-Based

Akteure, Dokumente,  Gegenwart,
Alltag

Persönlicher Dialog

Mention, Akteure

Case-Based

Stories, Monumente, Reproduktion, Zukunft  

Story-Entwicklung

Keywords, Sharing

System Dynamics

Werte, Kontext, Trends, Tradition

Szenario-Management

Trends, Events, SEM

Der Blick auf alle drei Ebenen ist Grundlage für Professionalisierung und Exzellenzprozesse. Neben der Einflussnahme auf allen drei Ebenen gehört zu den Merkmalen einer erfolgreichen Kampagne der Faktor „Identifizierbarkeit“ von Unternehmen und Themen auf allen drei Ebenen (Identifizierbarkeit ersetzt Authentizität)
.
… und einen Usecase
Bei fast allen Kunden sind die Case-Based-Ebene und System Dynamics an der Entscheidungsfindung beteiligt. Bei einer zunehmenden Zahl an Kunden spielt die Kommunikation mit Unternehmen oder anderen Bezugspersonen auf der Agent-Based-Ebene eine Rolle.

Für Kunden lassen sich verschiedene idealtypische Wege zur Kaufentscheidung durch diese drei Ebenen beschreiben.

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Im dargestellten Fall trifft der Kunde nach einem Erstkontakt in sozialen Medien, einer Recherche und wiederholter Abstimmung mit Bezugspersonen seine Kaufentscheidung.

Tatsächlich findet der Kontrollverlust von Unternehmen da statt, wo sie sich mit ihren Aktivitäten lediglich auf die erste (Agent-Based) Ebene konzentrieren und die erweiterten Möglichkeiten der Einflussnahme und Steuerung nicht wahrnehmen.

Besonderer Dank geht an Ethan Trewhitt, Elizabeth Whitaker, Erica Briscoe, and Lora Weiss die mit ihrem Beitrag in Social Computing, Behavioral-Cultural Modeling and Prediction wesentlich dazu beigetragen haben, dass frei herumschwirrende Gedanken in ein terminologisches Korsett geschnürt wurden.

Das Thema „Mitteilen und Teilen“ steht im Mittelpunkt meines Beitrags „Who shares“ auf der demexco 2011. Am 22. September. Speakers Corner um 10:30 Uhr.

Idealtypische Entwicklung von Communities

Der Trendreport Juli 2011 der Agenturen Pilot und Zucker zeigt eine interessante Entwicklung bei Unternehmensseiten auf Facebook auf: Je mehr Fans, desto weniger Interaktion. (Vgl. dazu auch den Beitrag von Johannes Lenz auf dem Grey-Blog).

Die Analyse bestätigt eine Hypothese, mit der ich gerne die Entwicklung von Communities beschreibe. In diesem Fall ist die Fangruppe eines Unternehmens eine Mini-Community.

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Idealtypisch betrachtet gibt es bei der Entwicklung von Communities zwei Punkte in denen sich die Entwicklung der Community deutlich ändert. Der erste kritische Punkt ist der, an dem die Community beginnt zu „fliegen“ und durch das Erreichen einer bestimmten Mitgliederzahl eine kritische Größe erreicht.

Der zweite kritische Punkt wird erreicht, wenn die Community so groß ist, dass das Engagement des Einzelnen sinkt (z.B. weil das allgemeine Niveau sinkt, das eigene Engagement nicht mehr identifizierbar ist, etc. …).

Ein Mittel dort gegenzusteuern sind neue Funktionen und Möglichkeiten zur Ausdifferenzierung der Community. Facebook ist mit dieser Herausforderung bisher gut umgegangen und auch Xing versucht durch mehr neue Funktionen diesem Trend entgegenzuwirken. MySpace hatte diesen Punkt ignoriert.

Die Herausforderung für Unternehmen (egal ob bei Facebook, in der Support-Community oder dem Intranet) besteht darin, diesen Punkt zu identifizieren und den Ball am Fliegen zu halten.

Interkulturelle Aspekte bei der Kommunikation in Soziale Medien

Der Webmontag hat seine eigenen Gesetzte und eines davon lautet: Deine Präsentation hat 20 Slides und wechselt automatisch alle 15 Sekunden. Das IgniteRaleigh-Format ermöglicht bei offenen Veranstaltung ein kurzweiliges Potpourri von 5-Minuten-Präsentationen. Gerade das richtige Format, dachte ich mir, um einen Versuchsballon zum Thema interkulturelle Kommunikation in sozialen Medien steigen zu lassen.

Nach den 5-Minuten war ich schlauer: statt einer breiten Darstellung des Themas mit einer 15 Sekunden dauernden Pointe, hätte ich mich mit dem Herauspicken eines Einzelaspekts sicher wohler gefühlt. So hinterließ ich nach den 20 Folien ein Publikum das sich mit dem Thema an diesem Abend wohl zum ersten Mal konfrontiert sah, in der Hoffnung, zumindest die Sensibilität für das Thema angeregt zu haben.

In der nachfolgenden Diskussion ergab sich eine interessante Frage: Warum in China persönliche Reputation so wichtig sei, wo es doch ein Land ist, in dem Marken offensichtlich auch eine große Bedeutung haben.

Die Antwort zeigt die Vielschichtigkeit des Themas: Zum einen gibt es in China gerade im B2B-Bereich immer noch traditionelle Strukturen und Seilschaften, bei denen persönliche Reputation der wichtigste Faktor ist, zum anderen hat das enorme Wachstum Chinas zu einer neuen Mittelschicht geführt, für die Marken gerade im B2C-Bereich bedeutsamer werden.

Schon diese einfache Betrachtung zeigt, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung von Zielmärkten und deren Kultur sein kann, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Form von Engagement bei Markteintritt oder nachhaltiger Kommunikation im Markt empfehlenswert ist.

Social Media Guidelines als Zielvereinbarungsprozess

Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien gehören gegenwärtig zur „Sollten wir auch haben“-Liste, wenn es um digitale Kommunikation in Unternehmen geht. Das Thema betritt zunächst im Gewand des Bademeisters die Bühne der Unternehmenskommunikation. – Lichtblick für Mitarbeiter, die unter der Unübersichtlichkeit der Social-Media-Landschaft leiden und gerne in geordneten Bahnen schwimmen, notwendiges Übel für Freischwimmer, die sich mehr Effizienz, Freiheit und Flexibilität durch soziale Medien erhoffen. So wird die Entwicklung von Social Media Guidelines erst mal zum Pflichtprogramm für die zuständige Abteilung und die Mitarbeiter.

Bitte springen Sie nicht vom Beckenrand

Im besten Fall sorgt der Bademeister dafür, dass niemand ins kalte Wasser geschmissen wird, Fluchtwege offen gehalten, sowie Regeln für gutes Benehmen und das Verhalten in Unfallsituationen eingehalten werden. Er legt verbindlich fest, ob und wie während der Arbeitszeit oder auch in der vermeintlichen Privatsphäre sozialer Medien über das Unternehmen gesprochen werden kann.
Verhaltenssicherheit zu erhöhen ist das Mindeste, dass von einer Social Media Guideline erwartet werden kann, damit verbunden auch die Rechtssicherheit der Akteure im Unternehmen. Das Prüfen der eigenen Guidelines durch einen Anwalt und der Verweis auf die Rechtsverbindlichkeit bestimmter Absätze ist ein grundlegender Schritt damit eine Guideline überhaupt ernst genommen werden kann.

Besser schwimmen mit Social Media Guidelines

Wer Guidelines dabei lediglich als regulierendes Dokument begreift verpasst die Chance, Social Media Guidelines als kulturprägendes und strategie-unterstützendes Element im Unternehmen richtig zu positionieren. Die Aufgabe eines guten Bademeisters besteht auch darin, den Akteuren im Becken zu zeigen, wie sie ihre bzw. die Unternehmensziele besser erreichen. Ein guter Bademeister wirkt in diesem Sinn nicht nur sichernd sondern auch stilprägend und teambildend.
Die Möglichkeiten, die Social Media Guidelines für Unternehmen bieten werden erst dann ausgeschöpft, wenn sie als Ausdruck der Unternehmensziele und Bestandteil des strategischen Orchesters etabliert werden.

Social Media Guidelines als Teil der Unternehmensstrategie

Der leichteste Weg diesem Anspruch gerecht zu werden besteht darin, die Erstellung und den Umgang mit Social Media Guidelines als Vereinbarungsprozess gemeinsamer strategischer Ziele zu verstehen. Dabei gewinnen u.a. folgende Aspekte an Bedeutung:

  1. Die Gültigkeit von Richtlinien soll sich an der Gültigkeit der strategischen Ziele orientieren. (z.B. 3 Jahre; es ist unsinnig in Anbetracht des schnellen Wandels in der Medienlandschaft langfristiger zu planen)
  2. Richtlinien sollen bidirektional vertikale Prozesse beschreiben. (Unternehmensziele top-down, Mitarbeiterziele buttom-up, Aufgaben bei Reporting und Eskalation)
  3. Die Richtlinien sollen zeigen wie auf den unterschiedlichen Unternehmensebenen SMARTe Ziele erreicht werden können. (hinter jeder Guideline sollten messbare Ziele stehen, die Guideline ist auch Anleitung zum Erfolg)
  4. Die Richtlinien sollen die Interessen aller Unternehmensteile (horizontal) berücksichtigen und ausdrücklich benennen. (bspw. Unterschiedliche Positionen und Ziele für Leitung, ÖA, Marketing, Vertrieb, Support und Produktion )
  5. Die Richtlinien sollen Ziele und Nutzen benennen.

Diese Aspekte sind für konventionelle Zielvereinbarungsprozesse charakteristisch und genau so sollte auch die Erstellung von Social Media Guidelines verstanden werden. So werden Mitarbeiter nicht nur dazu angeleitet die Sprache des Unternehmens zu sprechen sondern auch motiviert an der Weiterentwicklung des Unternehmens teilzuhaben.

Was hackt der Holzfäller am Abend? – Professionalisierung und Soziale Medien.

In den Anfangsjahren des letzten Jahrzehnts saß ich zum ersten Mal in Bewerbungsgesprächen auf der Agenturseite. Meine wichtigste Frage an die Bewerber war, welche Online-Projekte sie neben ihrer Ausbildung vorantreiben. Zu dieser Zeit gab es keine Ausbildung für Programmierer und Designer, die unseren Anforderungen gerecht wurde.

Diese Zeit ist schon längst mit „historischen Edelrost“ überzogen (endlich mal wieder Thomas Mann zitieren). Der andauernde Prozess der Professionalisierung von Tätigkeiten im Zusammenhang mit Online-Kommunikation hat den meisten Beteiligten und dem Medium gut getan.

Was bedeutet Professionalisierung?

Im Verlauf von Professionalisierungsprozessen etablieren sich Berufe als vollwertige Tätigkeiten im Kontrast zu ehrenamtlichen, privaten oder nicht genau definierten Tätigkeiten. Diese Kulturentwicklung geht mit Formalisierung, Arbeitsteilung, Standardisierung und Industrialisierung einher. Professionalisierung führt zur Bildung eines Berufsstandes und von Berufsbildern und erfordert von den Mitgliedern des Berufstandes „in Lernprozessen systematisch erworbenes, gelehrten und gelernten spezialisiertes Wissens“ (Heinz-Elmar Tenorth).

Die Vorteile von Professionalisierung liegen auf der Hand. Sie reichen von einer vereinfachten Kommunikation über Leistungen, Kostentransparenz, Qualitätssicherung bis hin zu einem höheren Ansehen des entsprechenden Berufsstandes.

Müssen Social Media Experten auch Social Media nutzen?

Diese Frage stellte sich Mashable (via Verena Schmunk) im Juli 2009 als die in Social-Media-Kreisen weitestgehend unbekannte Jennifer Preston die Stelle als Social Media Editor der NYT antrat. Und ganz im Sinne von Brian Solis „Engade!“ (besonders lesenswert!) antwortet Stan Schroeder: „Here at Mashable we believe that participating in social media is a way of life.“

Das Thema wurde auch letzte Woche im Workshop von Heidi Schall („Vom Kommunikationsmanager zum Kommunikationscoach: Welche Skills brauchen wir für die Many-to-Many Kommunikation?“) im Rahmen des PR 2.0 Forums besprochen. Kurz: es gab keine einfache Antwort – für die meisten der Teilnehmer schien persönliches und privates Engagement eine wesentliche Voraussetzung für eine beratende Tätigkeit in sozialen Medien zu sein.

Ist das eine Position, die zu einer Professionalisierung von Tätigkeiten in sozialen Medien führt? Eher nicht. Ein Coach muss die Aufgaben bei denen er seine Kunden unterstützt nicht selbst bewältigen.

Ohne das professionelle Wissen um Techniken und Methoden und die Fähigkeit dieses Wissen explizit zu formulieren (im Gegensatz zu implizit erfühlen) bleibt der Erfolg von Kampagnen oft dem Zufall und dem persönlichen Zusammenwirken von Kommunikationsberater und Unternehmen überlassen.

Kurz und gut: wenn wir eine Professionalisierung von Tätigkeiten im Bereich der Sozialen Medien anstreben hilft eine Perspektive die Akteure frei von eigenem Engagement und Beteiligung einnehmen können. Soziale Medien müssen für Berater und professionelle Akteure nicht „way of life“ sein – lediglich Gegenstand ihrer professionellen Expertise. Ein guter Weg diese Perspektive bessser zu beschreiben ist die Frage, wie Ausbildung, Berufsbild und Laufbahn eines Social Media Managers in fünf Jahren aussehen können.

Offen bleibt hingegen, was der Holzfäller am Abend hackt? Monty Python kennt die Antwort:

Wima-Tage Vortrag: Organisationstypen und Intranet

Wissensmanagement ist ein Thema voll dialektischer Erkenntnisse. Peter Drucker brachte das schon vor knapp 20 Jahren auf den Punkt: Man kann Wissen nicht managen, sondern nur das Umfeld in dem Wissen gedeiht.
Das Umfeld hat gestimmt auf den Stuttgarter Wissensmanagement-Tagen 2011. Dazu beigetragen haben freundliche, kluge Menschen, anregende Gespräche, leckeres Essen und ein gutes Angebot an Vorträgen. Die anwesenden Experten präsentierten die Welt der Wissensorganisation von technischen Trends wie Enterprise Search über Collaboration mit Enterprise Wikis bis zu Fragen von Motivation, Nachhaltigkeit und Globalisierung. Dabei kamen auch faszinierende Detailthemen wie das Erstellen einer Zukunftslandkarte oder das unterhaltsame Stimmtraining mit Birgit Weske zur Geltung.
Stimmlich auf der Höhe und inhaltlich am Puls der Unternehmen waren auch Evelyne und ich mit unserem Vortrag über Organisationstypen und Intranets. Gerade in Zusammenhang mit anderen Vorträgen auf den Wima-Tagen erscheint mir der Ansatz, der „Innensicht“ von Unternehmen, der wir durch die Arbeit mit Personas gerecht werden, eine reflektierende Außensicht entgegenzusetzen, ausgesprochen hilfreich. Wir haben in unserem Vortrag einen Ansatz präsentiert, wie eine Einordnung des Unternehmens nach seinem Organisationstyp, die Angemessenheit und Akzeptanz von technischen Maßnahmen in Intranets deutlich verbessern kann.
Besonders bemerkenswert finde ich, wie sehr Organisationsmythen („Wir ziehen alle an einem Strang“ in einer vertriebsorientierten Organisation) oder Marketingkommunikation zu den Themen Innovation und Nachhaltigkeit die interne Wahrnehmung von Unternehmen beeinflusst. Eine kritische, organisationsorientierte Perspektive ergänzt diese Sicht und erweitert die Kriterien, die als Grundlage für eine excellente Lösung für das Unternehmen notwendig sind.

Download der Präsentation: Organisationstypen im Intranet [pdf, 6MB]

4 Blickwinkel – Zum Stand populärer Kulturkritik

Da sind sie wieder, die Apokalyptiker und Integrierten, deren Dialoge mit verträglicher Regelmäßigkeit die Geschichte der Massenmedien bereichern. Dem aufgeklärten Leser ist diese Unterscheidung nicht fremd. Umberto Eco hat so die Vertreter der medienkritischen und medienschaffenden Zunft voneinander unterschieden (Apokalyptiker und Integrierte. Zur kritischen Kritik der Massenkultur).
Diese Woche reflektieren Chris Anderson und Michael Wolff beide Positionen in einem bemerkenswerten Artikel auf Wired. „Das Web ist tot“ (genauer genommen: der Browser) stellen sie mehr oder weniger wehmütig fest. Für beide Autoren ist der Browser das Symbol einer individualistischen lean-forward Kommunikation, die durch Monopolisierung und Standardisierung von geschlossenen Systemen (Facebook und Apple) gefärdet ist. Zweispaltig stellen sie die Verantwortlichen gegenüber: uns selbst auf der einen Seite, das System (den Kulturkapitalismus) auf der anderen.

„It is the cycle of capitalism. The story of industrial revolutions, after all, is a story of battles over control. A technology is invented, it spreads, a thousand flowers bloom, and then someone finds a way to own it, locking out others. It happens every time
[ … und wir sind froh, dass es uns die Monopolisten so einfach machen, denn wir sehnen uns so oft nach Standards und so selten nach Komplexität …]
As much as we intellectually appreciate openness, at the end of the day we favor the easiest path.“ (Chris Anderson)
„So it’s not shocking that Jobs‘ iPad-enabled vision of media’s future looks more like media’s past. In this scenario, Jobs is a mogul straight out of the studio system.“ (Michael Wolff)

So gesehen erscheint die Frage nach dem Verursacher der Lean-Back-Renaissance wie die Frage nach Henne oder Ei. Auch im monopolistischen Kapitalismus gehören immer mindestens zwei Faktoren dazu eine Situation zu schaffen: Angebot und Nachfrage.

Hinter den Spiegeln

Die Frage hinter dieser Diskussion ist dieselbe, wie die des medienkritischen Diskurses am Ende des letzten Jahrtausends: Welchen Wert hat individuelle Selbstbestimmung, Schaffenskraft und Kreativität gegenüber großen monopolartiger (Medien-)Unternehmungen, die zu einer fragwürdigen Nivellierung von Informationen und Möglichkeiten führen und gleichzeitig Abhängigkeiten schaffen, die auch den aufgeklärtesten Menschen in Unmündigkeit halten können.
Apokalyptiker warnen vor dieser Nivellierung und Unmündigkeit und bauen dabei beständig Widerstände gegen den kapitalistischen Fortschritt in seinem Lauf auf. Gleichzeitig gleiten die Integrierten mit systemkonformer Performance durch die schöne neue Welt und schaffen befreit von Reflexion einen Fortschritt nach dem Anderen.
Michael Wolffs Vergleich von Steve Jobs als einem Mogul aus dem Studio-System aus der Medien-Vergangenheit ist in dieser Hinsicht treffen, aber auch der Vergleich selbst entstammt einer Position aus der Zeit von One-Way-Massenmedien: in diesem Moment ist Wolff ein Apokalyptiker.
Dass nicht hinter jeder individualistischen Position ein so kluger Kopf steckt zeigt die aktuelle Diskussion über google Street View in Deutschland. Hier werden Biedermänner zum Sand im Getriebe und nehmen in der Tiefe des Sommerlochs eine apokalyptische Position ein.
Auch wenn fundamentalistische Kulturkritik aus der Mode gekommen ist, macht es in Anbetracht der oben beschriebenen Diskussionen durchaus Sinn, die Positionen von Apokalyptikern und Integrierten beizubehalten.

Das Modell erweitern

Die Entwicklung im Bereich der sozialen Medien führen neben den Polen von Apokalyptikern und Integrierten zu einer weiteren Unterscheidung, die von David White als Präzisierung des Begriffs „Digital Natives“ eingeführt wurde, und von Peter Kruse in dem sehenswerten (!!!) Vortrag auf der re:publica 2010 eindrucksvoll veranschaulicht und empirisch gestützt wurde: die Unterscheidung in „Digital Visitors“ und „Digital Residents“. Kruse sieht hier einen Diskurs unterschiedlicher Werte, der sich in der Frage unterscheiden, ob Menschen das Internet als gleichwertigen Kommunikationsraum in jeder Beziehung verstehen und nutzen.

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Kruse sieht die „Residents“ als Befürworter und Nutzer des sozialen Netzes und offener Standards, die Kontrolle und Hierarchien ablehnend. „Visitors“ beschreibt er als Menschen, die in der Entwicklung und Offenheit des sozialen Netzes eine Gefahr sehen. Residents sind so gesehen eher Integrierte, Visitors eher die Apokalyptiker.
(Lesenswert unter diesem Aspekt das Gespräch zwischen Ilse Aigner und Sascha Lobo „Sie werden wieder überheblich“ (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,708305,00.html))
Fruchtbarer ist es jedoch Apokalyptiker und Integrierte als eigenständige Dimension zu betrachten- „Visitors“ und „Residents“ als eine weitere. Es ergibt sich eine Matrix mit vier Idealtypen, die sich auf Grund der oben beschriebenen vier Pole zuordnen lassen.

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Es entstehen neben den oben beschriebenen vier Polen vier Typen, die im Folgen als Prototypen beschrieben werden:

Digitale Skeptiker:
Können sich dem Medium nicht ganz verweigern, beurteilen die Entwicklung jedoch generell kulturpessimistisch und nutzen das Internet nur so wie es gerade notwendig ist. (E-Mail, Nachrichten, Recherche) Street View ist ein guter Aufhänger neuen Medien die Grenzen aufzuzeigen.

Digitale Konsumisten:
Nutzen soziale Medien bestenfalls als „Flagge zeigen“ aber nicht als Alternative zur alltäglichen Kommunikation. Orientieren sich an Standards, kaufen online ein, schauen Filme etc. Street View wird eine tolle neue Möglichkeit Informationen zu gewinnen.

Digitale Anarchisten:
Sind ausgesprochen aktiv in sozialen Medien und dem Mainstream gefühlt immer eine Plattform voraus. Bewerten geschlossene Systeme und Monopolbestrebungen negativ. Haben in der Regel kein iPhone und ihr Facebook Profil in den letzten zwei Monaten zunehmend vernachlässigt. Stehen Themen wie Street View nicht wegen der Privatsphäre sondern der Allgegenwärtigkeit von google skeptisch gegenüber.

Digitale Konformisten:
Neben alles was kommt und sind spätestens dann auf einer Plattform vertreten, wenn die im heute Journal einen Beitrag mit „früher war es mySpace und SecondLife – heute ist es …“ einleitet. Konformisten streben nach Standards, Sicherheit und Kontinuität. Sie haben verstanden, dass ihre Privatsphäre online genauso sicher ist wie offline. Schnelle Konformisten haben Bilder aus ihrer Strasse schon längst an google und ihren Facebook Account gesendet.

Definitiv ins Blaue gedacht. Mir macht es grade Spaß meine Freunde, Mitarbeiter und Prominenz in die Schubladen zu stecken …

Display Trends und Scrollen …

Mit 30″ Monitoren, Netbooks, iPads und kleineren mobilen Endgeräten ist die Vielfalt an Displays und Auflösungen mit denen sich gegenwärtig Internetseiten betrachten lassen so groß wie nie.

Welche Optionen bieten sich heute, was bringt die Zukunft? Scrollen oder nicht? – Die folgende Präsentation bringt eine Übersicht auf den Schirm.

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