Banking Club 10. April 2018: „Digital Transformation“ – nur ein Buzzword?

Der Banking Club tagte am 10.04.2018 in Frankfurt zum Thema „Digitale Transformation“. Ein Buzzword, das in aller Munde ist und im Rahmen des Events genauer zerlegt werden soll. Das Thema wird in einer Serie an unterschiedlichen Orten ausgetragen, wobei die Speaker jeweils variieren. München und Köln waren bereits Austragungsort, Berlin folgt. Die Teilnehmer sind dabei ein bunter Mix aus Banken, Versicherern, Dienstleistern und Tool-Anbietern. Neben Frontal Vorträgen am Vormittag in unterschiedlichsten Formaten (z.B. Pecha Kucha), werden alle Teilnehmer am Nachmittag gefordert Themen in Gruppen im Format des World Café zu vertiefen.  Als Mitglied des Banking Clubs war Namics mit dabei, im Folgenden einige inhaltliche Eindrücke des Events mit Ergänzungen durch mich.

Einleitung durch Thorsten Hahn, Geschäftsführer des Banking Clubs

  • Nach einer Erläuterung des Buzzwords „Digitale Transformation“ hält er ein Plädoyer dafür, dass die Bankenbranche sich zu wenig bewegt, warum?
    • Bsp. Postbank mit einem Screenshot, der 27 Jahre alt ist. Von den Funktionen her ist es im Prinzip das gleiche wie heute. Wo bleibt die echte Innovation?
    • Andere Player übernehmen währenddessen die Macht: Bsp. Paypal. Erst nur Onlinezahlungen, heute einer der zentralen Player und bietet nun sogar selbst Kreditkarten an.
  • Das Umfeld wird mit kontinuierlich sinkenden Zinsen schwieriger und es gibt auch keinen Ausblick, dass diese nachhaltig steigen.
  • Bei Fintechs ist mittlerweile eine gewisse Ernüchterung festzustellen, sie gehen eher auf Kuschelkurs anstatt Disruption. Also Partnerschaften stehen im Vordergrund, anstatt das ursprüngliche Ersetzen.
  • Die Frage bleibt: Wann kommt die grosse Plattform? (Analogie zu Airbnb im Reisemarkt). Wird z.B. Amazon in der Zukunft Konten und Versicherungen selbst anbieten und sogar eigene Flagship Finanzberatungszentren lancieren?
  • Der Kunde wurde für ihn nach wie vor in den letzten Jahren vergessen. Einen Kontostand anzeigen reicht schlichtweg in der Zukunft nicht aus. Vom dem vor einiger Zeit gepredigten „Omni-Channeling“ sind Banken in der Realität auch noch weit entfernt, z.B. weiss der Kundenberater noch heute nicht, welche Post ich als Kunde eigentlich erhalte.

Moneyou / TIKKIE – Digital Pioneer Banking

  • Als 100% Tochter der ABN Amro hatten sie bereits 2011 ein Digital Only Onboarding.
  • 2016 durften sie als Retail Challenger für die Mutter ABN Amro auftreten.
  • Nur 75 FTE mit 500k Kunden. Der Grossteil wird durch externe Dienstleister erbracht.
  • Sie bieten nur 5 Produkte an. Darunter z.B. Konsumkredite in Zusammenarbeit mit der SolarisBank.
  • Die zugrundeliegende Philosophie: Der Kunde kann seine finanziellen Entscheidungen selbst treffen.
  • Auf dieser Philosophie wird das komplette Angebot aufgebaut.
  • Die Ansicht nach vielen Kundenbefragungen: „There is no such thing as a killer feature in online banking“. Es ist vielmehr das Zusammenspiel des Gesamtangebotes, das eine gute User Experience erzeugen muss.
  • Vorstellung von TIKKIE – „der“ P2P-Payments App aus Holland (2.5 Mio. Downloads):
    • 60% der Menschen vergessen Geld zurück zu zahlen, das „geliehen“ wurde.
    • IBANs sind kompliziert.
    • Seit Einführung der App: 80% zahlen innerhalb des gleichen Tages.
    • Interne Challenge: Die App nach 100 Kalendertagen nach Deutschland bringen.
    • Geschafft :) siehe Apple Store

Pitney Bowes – Engage One, Interaktive Videos

  • Vorstellung des Customer Engagement Hubs.
  • Komplettes Inbound und Outbound Management.
  • Highlight: Interaktive Videos, in denen der Kunde den Verlauf steuern kann und damit massgeschneiderte Inhalte erhält.

Commerzbank – Multikanalplattform ONE

  • Einführung einer einzelnen Plattform, die bisherige 1:N Beziehungen zu einzelnen Systemen auflöst.
  • Nach Mobile und E-Banking wurden immer mehr Bereiche daran angebunden wie z.B. die Filialen.
  • Effekte: Geschwindigkeit, Synergieeffekte durch gemeinsame Schnittstellen, nur ein Frontend anstatt vier, geringerer Aufwand heute (z.B. Regulatorik).
  • Die Plattform gibt es heute bereits, z.B. eingesetzt für die Online Legitimation.
  • Idee hinter der Plattform ist die Modularität: Ein Modul, das in einem Prozess verwendet wird, kann auch für andere bereitgestellt werden, z.B. einen Regulatorik Check.
  • Eine Problematik bleibt: Je mehr Projekte parallel starten, desto unzureichender werden sie miteinander abgeglichen.
  • What’s next: Anbindung weiterer Systeme wie der CRM- oder der API-Management-Plattform.
  • Commerzbank Campus UX-Studio: Prototypen werden schnell durch ein zentrales Team innerhalb des Unternehmens getestet. Das Team übernimmt sämtliche Aspekte des Tests und organisiert die jeweils sinnvolle Form, z.B. eine über eine Fokusgruppe.

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Clark – Der Online Versicherungsmakler

  • „Insurance today is pain to consumers: Only 33% rate their experience positive and 85% of the experience is offline.“
  • Clark möchte dies ändern: Clark bekommt vom Kunden ein Maklermandat, der Kunde hinterlegt dann all seine Versicherungen.
  • „Insurance fitness“ Einschätzung des Kunden wird gegeben.
  • Unterteilung nach 3 unterschiedlichen Kategorien: Gesundheit, Eigentum und Wohnen, Vorsorge.
  • Im Hintergrund eine Robo Advisory Engine, die laufend mit kleinen Algorithmen gespiesen wird. Kein AI oder Machine Learning, sondern fix programmierte Tests. Im Endeffekt eine Rule Based Engine, z.B. wenn der Kunde eine Versicherung für ein Segelboot mit über 25qm haben möchte, läuft es nach wie vor zum Berater.
  • Kundenbasis hat sich seit Start 60-facht.
  • Diverse Kooperationen mit z.B. INGDiba, DKB oder N26. Dies können Marketing Kooperationen, über Full Service Integrationen bis hin zu einem White-labeling sein.

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Capital Pioneers – Digitalisierung des Sachwertvertriebs

  • Bieten digitale Tools für den Vertrieb von Sachwertinvestments.
  • Sachwertinvestments bieten eine höhere Performance, werden heute aber nur von wenigen Personen berücksichtigt.
  • Es ist eine B2B2C Lösung: Eine Online Plattform für den Retail-Vertrieb.
  • Risikogemischte Produkte haben keine Limitierung bzgl. Mindestanlagehöhe (im Gegensatz zu nicht-risikogemischten Produkten).
  • Herausforderung liegt heute in der Ausstellung von Emissionsscheinen: Bei kleinteiligen Produkten müssen viel mehr ausgestellt werden.

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Creditshelf – Plattformgedanke in der Finanzwirtschaft

  • Es geht bei Creditshelf um die Mittelstandsfinanzierung, also ein reines B2B Geschäft.
  • Ist die Hausbank dabei ein aussterbendes Modell?
    • Bestimmte Themen sind heute für eine Bank nicht abwickelbar, viele Kredite werden folglich nicht gesprochen.
    • Durch Partnerschaften können Themen breiter und tiefgreifender in der Bank behandelt werden, bsp. ein spezieller Kredit, den die Bank selbst aufgrund fehlender Expertise nicht sprechen würde.
    • Hier liegt der Ansatzpunkt für Creditshelf.

Bundesanzeiger Verlag – Digital Driven Opportunity

  • „Der Bundesanzeiger ist im Prinzip ein RegTech Unternehmen“.
  • Bundesanzeiger ist kein Bundesbetrieb, sondern ein technischer Dienstleister.
  • Unternehmensregister, Transparenzregister, etc. sind alle von ihm vollständig digital geführt.
  • Bsp. Unternehmensregister: Der Bundesanzeiger bietet eine Schnittstelle zu allen Handelsregistern.
  • Seit dem neuen Geldwäschegesetz muss in vielen weiteren Bereichen mittlerweile ein KYC-Prozess durchgeführt werden. Bsp. Casino oder Autokauf.
  • In diesem Bereich entsteht aber aufgrund der manuellen Arbeit ein hoher Ressourcenaufwand und damit hohe Kosten. Der Bundesanzeiger bietet die Unternehmens- und Funktionsträger-Datenbank als Service an, um Unternehmen eine Bestätigung nach öffentlichem Glauben zu bieten.

Bankomo – Mobile Banking für jeden

  • Bankomo ist eine Lösung der ReiseBank in Zusammenarbeit mit Wirecard.
  • Die Zielgruppe umfasst vor allem Flüchtlinge oder andere Personen, die heute für Überweisungen entweder hohe Gebühren zahlen oder sogar kein Konto erhalten.
  • 1’000 Kunden nutzen aktuell die neue App.
  • Neben Deutsch und Englisch gibt es z.B. Spanisch und Türkisch als Sprache.

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Avoka – Wie spreche ich digitale Kunden an? Der erste Pecha Kucha

Für alle, die Pecha Kucha nicht kennen: 20 Slides à 20s (also genau 6:40min) werden präsentiert, am besten ohne Bilder.

Hier ein paar Kernaussagen:

  • Kein „One size fits all“ –  jeder Kunde ist anders.
  • Denke vom Kunden aus in der Lösungsfindung und nicht von der Bank aus.
  • Einfachheit: Nicht den Kunden mit komplizierten Anforderungen abschrecken.
  • Synchronisieren sie Offline mit Online.
  • Finanzierung nicht nur bis zum Go-Live sichern, sondern auch darüber hinaus.
  • Put „Apply“ on your home page.

Appian – Digitale Transformation: auf Ihre eigene Art und Weise

  • Business vs. IT: Das sollte nicht die Fragestellung sein, es geht um ein Miteinander.
  • 80% der IT Ressourcen werden für Wartung verwendet. Wann geschieht dann noch Innovation?
  • Die digitale Transformation ist unübersichtlich und es gibt nicht den „einen“ Weg.
  • Jede Unternehmung muss den für sich geeigneten Pfad finden, da Gegebenheiten und die damit verbundenen Challenges variieren.
  • Flexibilität und Geschwindigkeit sind zwei wichtige Eigenschaften, die heute benötigt werden um erfolgreich zu sein.

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