Snapchat plant Börsengang

Seit Ende Oktober diesen Jahres ist bekannt, dass Snap Inc., die Muttergesellschaft der Social Media Plattform Snapchat, im März 2017 an die Börse gehen möchte. Schätzungen des Börsenwerts von Snap Inc. liegen zwischen 20-25 Mrd. USD, was der grösste US-Börsengang einer Tech-Firma seit Alibaba in 2014 wäre. Dies spiegelt den rasanten Aufstieg der Firma – heute ist Snapchat bei den US-Teenagern das soziale Netzwerk Nr. 1 – wieder. Es scheint, dass Snapchat 2013 mit der Ablehnung des Kaufangebots von Facebook alles richtig gemacht hat. Warum nun der Börsengang und wie ist Snapchat zu bewerten?

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Snap Inc. umfasst noch sechs andere Tochterfirmen. Es wird folgend aber nur auf Snapchat eingegangen. Dass aber andere Services langsam aus dem Schatten von Snapchat treten, zeigt das Beispiel von Spectacles, Namics hat bereits berichtet.

Snapchat verdient wie andere soziale Netzwerke sein Geld mit Werbung. Hohe Nutzerzahlen in der relevanten Zielgruppe und innovative Marketinginstrumente sind Argumente für seine Werbekunden. Um gegen Konkurrenten wie Facebook und Co. zu bestehen, braucht es in erster Linie eines: Geld. Finanzielle Mittel ermöglichen in diesem hochdynamischen Umfeld in erster Linie schnelleres Wachstum und nebenbei die nötige Flexibilität, neue Trends zu antizipieren und auf aufstrebende Player zu reagieren – als Ultima Ratio, diese aufzukaufen (Instagram-Kauf durch Facebook als Paradebeispiel). Die Überlegung Snapchats, nun mit einem Börsengang Kapital anzueignen, ist nachvollziehbar. Aktienkapital ist zwar teurer, birgt aber weniger Risiken als die Finanzierung mittels Darlehen. Mehr Eigenkapital senkt die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses, aber Eigenkapitalgeber, also Aktionäre, wollen für ihr zusätzliches Risiko im Vergleich zu Fremdkapitalgebern auch entsprechend höher verzinst werden.

Snapchat hat mit seinem innovativen Ansatz, visuelle Elemente als zentrale Kommunikationsmittel zu verwenden, eine einzigartige Marktstellung erreicht und das Sharing von Low-fi Videos zum Massenphänomen gemacht – weltweit nutzen schon über 200 Mio. Menschen die App. Für Marketers ist die relativ homogene Nutzerschaft ein wertvolles Merkmal. Vor allem junge Nutzer und Frauen können effizient erreicht werden. Je nachdem, welche Kundensegmente angesprochen werden sollen, macht dies Snapchat auch hochinteressant für Kunden von Namics.

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Weiterhin sagt Bloomberg eine Vervierfachung des Gewinns von Snapchat von 2016-2018 voraus. Nebst den Werbeeinnahmen (71% des Umsatzes) verdient Snapchat 29% seiner Einkommen mit sogenannten gesponserten Linsen und Filtern, z.B. mit der Kampagne von Taco Bell, welche 224 Mio. mal angeschaut wurde.

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Ein interessanter Nebenaspekt ist, dass Google mit CapitalG, seinem Venture Capital Fonds, an Snap Inc. beteiligt ist. Google investiert damit in ein Geschäftsfeld, in dem man Facebook durch den späten Eintritt mit Google+ nicht mehr einholen konnte. Die Vermutung liegt aber darin, dass Google mit dem strategischen Investment nicht zu Facebook, sondern eher zu Amazon aufschliessen möchte, um weiterhin ein starkes Zugpferd im Bereich Cloud Services zu haben. Snapchat ist schon länger Kunde von Alphabet; offenbar hat man dort befürchtet, dass man Snap Inc. an den im Bereich Cloud Services übermächtigen Konkurrenten verlieren könnte.

Fazit: Alle Anzeichen stehen bei Snapchat für Wachstum. Um dies zu finanzieren und mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken längerfristig konkurrieren zu können, wird mit dem Börsengang ein nachvollziehbarer Schritt getätigt. Für Marketers zeigt der Börsengang die zukünftigen hohen Ambitionen von Snapchat und indiziert dessen voraussichtlich steigende Relevanz als Marketingplattform.

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Über Tim Freuler

Teilzeit bei Namics im Business Development tätig und daneben Masterstudent an der HSG. Mit einer Faszination für technische Innovationen und neue Geschäftsfelder.

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