Funky or Fail – Snapchat Spectacles

In unserem zweiwöchentlichen Innovationsformat „Funky or Fail?“ in München ging es diesmal um Snapchat Spectacles, die neue Brille, mit der man unterwegs Videos aufnehmen kann. Nachdem der Hype von den USA nach Europa geschwappt ist, haben wir uns angeschaut was die Brille kann und welche Auswirkungen sie auf die digitale Medienwelt hat.

Snapchat Spectacles

Quelle: spectacles.com

Snapchat ist eine der Lieblingsapps von jungen und junggebliebenen Leuten mit der kleine Videos oder Bilder aus dem Alltag verschickt werden können und direkt gelöscht werden, sobald der Empfänger sie betrachtet hat. Die App hat längst die Marke von 150 Millionen Nutzern überschritten. Ein weiteres Kennzeichen sind die unzähligen Emojis, Filter und Sticker, mit denen einzelne Bilder verschönert werden können. Auch Firmen können mittlerweile eigene Filter und Sticker sponsorn und bringen Snapchat fast die eine Milliarde Umsatz.

Nun hat Snap Inc. (der neue Unternehmensname von Snapchat) mit den Spectacles ein eigenes Wearable, also ein smartes Accessoire, auf den Markt gebracht. Die Sonnenbrille hat auf der einen Seite eine Kamera, mit der kurze Videos aufgenommen werden können, und auf der anderen ein kleines Licht, das anzeigt, dass ein Video aufgenommen wird. Gesteuert wird die Brille mit einem einzigen Aufnahmeknopf am Bügel, alles weitere läuft über die App auf dem Smartphone.

Und damit man die Brille nicht dauernd aufladen muss, ist in das Etui eine kleine Ladestation eingebaut, mit der man noch 3-4 mal nachgeladen kann. Besonders clever ist auch das kreisrunde Videoformat, denn so sind Filme auf dem Smartphone sowohl im Quer- als auch im Hochformat im Vollbild sichtbar.

Die Vorankündigung der Brille wurde mit viel Begeisterung aufgenommen und sehnlichst erwartet. Immerhin sind die Snapchat-Nutzer besonders häufig in der App aktiv. Allerdings ist die Brille nicht einfach online erhältlich, sondern war am Anfang nur an einem Automaten in Kalifornien für 130 USD verfügbar.

Wie es sich für ein Lifestyle-Produkt gehört, war der Andrang gross und die Brille innerhalb weniger Stunde ausverkauft. Der Wiederverkaufswert lag danach auf Ebay bei 300-500 USD. Auch der zweite Standort des Automates in Kalifornien war innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Nun gibt es immerhin eine feste Adresse in New York, wo man die Brille kaufen kann, aber auch hier reichen die Schlangen um den Block und runter bis zur Ubahn.

Auf den ersten Blick wirkt die Snapchat Brille wie ein einfacher Marketinggag. Und sicherlich spielte dieser Gedanke bei der Entwicklung und Vermarktung auch eine Rolle. Aber die Auswirkungen könnten deutlich grösser sein. Zum einen drängt Snap Inc. an die Börse und kann dementsprechend die Aufmerksamkeit gut gebrauchen. Zum anderen bedienen die Spectacles das essentielle Versprechen von Snapchat: Teile spannende Momente deines Lebens direkt wenn sie passieren. Das geht mit einer Brille noch viel einfacher, denn jetzt kann aus der First-Person Perspektive gefilmt werden.

Natürlich haben die ersten Firmen die Brille schon für Beiträge auf Snapchat genutzt und dabei ein paar gute Ideen umsetzen können.

Viel interessanter ist aber der langfristige Trend. Wohin entwickelt sich digitale Kommunikation? Einer dieser Trends, auf den die Snapchat Spectacles einzahlen, ist Ephemeral Media und bezeichnet flüchtige, nicht-durchsuchbare, digitale Netzwerke und mediale Äusserungen.

Apps wie Snapchat und Yo sind Beispiele für Ephemeral Media und bedienen den Wunsch nach Kommunikation, die nicht für alle anderen auffindbar ist und auch für die, mit denen ich rede, nicht durchsucht, nicht nachgehalten werden.

Ein spannendes Feld, das gesellschaftliche Trends aufgreift und neue Ansätze hervorbringen wird, wie Marken mit Kunden kommunizieren.

2 Gedanken zu “Funky or Fail – Snapchat Spectacles

    • Eine eindeutige Abstimmung hat es nicht gegeben. Aber wir waren uns einig, dass der Trend hinter den Spectacles Potential hat. Kurze Videos von unterwegs und Aufnahmen aus der First-Person-Perspektive werden wir wohl noch häufiger sehen.
      Kurz: Die Idee ist funky, die Umsetzung noch sehr auf eine Nische zugeschnitten.

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