People first in the digital age – Ein Besuch bei der Brave New World Konferenz

Anfang November hatte ich die Gelegenheit für zwei Tage die Brave New World-Konferenz in Leiden zu besuchen. Verschiedene Gruppen rund um die Universität Leiden, wie das Centre for Innovation der Universität Leiden, haben die Konferenz dieses Jahr ins Leben gerufen.

Eines der Projekte, durch das ich auf das Centre for Innovation und damit die Konferenz aufmerksam geworden bin, ist die Summer School des Peace Informatics Lab. Hier finden sich Interessierte aus NGOs, Politik und Informatik zusammen, um gemeinsam Ideen und Projektansätze für einen Einsatz von Big Data in internationaler Politik und Justiz (der International Criminal Court sitzt direkt um die Ecke) zu entwickeln.

Bühne Brave New World Konferenz Quelle: Facebook Brave New World

Quelle: Facebook Brave New World

Entsprechend geht der Schwerpunkt der Brave New World-Konferenz auch über die üblichen Themen wie disruptive Startups und digitale Innovation hinaus und fragt: How will the future impact human life?

Ein passender Anlass also, um einmal hinter die Kulissen von digitaler Transformation und ständiger Disruption zu schauen und die Einflüsse auf die Gesellschaft zu beleuchten.

Problematik

Startups wie AirBnB und Uber sind in aller Munde und der Einfluss auf die Hotel- und Taxiindustrie ist unverkennbar. Digitale Transformation ist das Gebot der Stunde und Großkonzerne sind mitten im Startup-Hype. Anwendungen für Technologien, wie Virtual Reality und 3D, sind mittlerweile überall en vogue. Die Entwicklung geht rasant voran.

Während die technischen Möglichkeiten immer neue Apps und spannende digitale Lösungen ermöglichen, ist die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung längst nicht so schnell. Sicherlich ist dies kein Nischenthema mehr, wie Serien wie Black Mirror eindrucksvoll zeigen, aber die perfekte Lösung für eine gesamtheitliche, gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Raum wurde noch nicht gefunden.

Die folgenden beiden Redner haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und gute Ansätze aufgezeigt.

Zwei Lösungsansätze

Nathaniel Raymond, Director der Harvard Humanitarian Initiative, hat sich in seinem Vortrag mit der Frage auseinander gesetzt, wie die digitale Transformation die Menschenrechte beeinflussen kann.

Die Digitalisierung hat weltweit vielen Menschen erstmals Zugang zum Internet gegeben und damit ganz neue Möglichkeiten bereitgestellt. Nachdem der arabische Frühling auch als Facebook-Revolution in die Geschichte eingegangen ist, spricht man nun von der WhatsApp Migration. Die Messaging-Plattform ist Tool der Wahl für Flüchtende und Helfer, um sich zu organisieren und zu kommunizieren. Das Smartphone ist ein ständiger Begleiter für die Flüchtenden geworden und so auch Bestandteil der politischen Diskussion.

Auch wenn diese Entwicklung positiv zu bewerten ist, macht sich Nathaniel Raymond doch Sorgen um die Zukunft. Die digitale Transformation scheint zwar gleich verteilt zu sein, aber eher gehört die digitale Zukunft denen, die sie vorhersagen und kontrollieren können. Ein freier Datenaustausch und technische Möglichkeiten sind längst nicht allgegenwärtig. Die Grenze entsteht dabei nicht nur auf geographischer Ebene, sondern auch anhand von gesellschaftlichen Unterschieden. Benachteiligungen aufgrund von Einkommen oder Geschlecht zeigen sich auch im digitalen Umfeld. Das nennt man Digital Divide.

Raymond und die Harvard Humanitarian Initiative arbeiten deswegen daran, diese Gruppen stärker einzubeziehen und drängen darauf die Digitalisierung stärker in die Menschenrechte (und deren Wahrung) einzubeziehen. Die UN Charta für Menschenrechte mit dem Recht auf  freie Meinungsäußerung und uneingeschränkte Teilhabe am kulturellen Leben bilden bereits eine gute Grundlage. Noch dringender wäre allerdings eine Genfer Konvention für Cyber-Warfare, denn die Entwicklungen in diesem Bereich passieren rasend schnell und vor allem im Geheimen, haben aber einen gewaltigen Einfluss.

Aber auch bei der digitalen Innovation auf kleinerer Ebene fordert Nathaniel Raymond wieder mehr die gesamte Gesellschaft in den Fokus zu stellen und Erfolge daran zu messen, inwiefern es allen Teilen einer Gemeinschaft hilft. Seine abschließende Empfehlung ist: “Don’t build Jurassic Park!”. Nicht alles was technisch möglich ist, sollte auch unbedingt gemacht werden.

Ben Hammersley, Futurist und Editor des Wired UK Magazins, war etwas optimistischer und hat über den Umgang mit der technologischen Entwicklung referiert.

Ausgehend von Moore’s Law, dem Grundgerüst der digitalen Transformation und der Regel, dass sich die Leistungsfähigkeit von Computern alle 2 Jahre verdoppelt, wird die technische Entwicklung immer schneller. Digitale Werkzeuge und Möglichkeiten haben sich in nur einer Generation komplett verändert und es wird immer schwieriger all das zu verstehen. Früher konnte man die Erfahrung seiner Eltern und Großeltern als Maßstab nehmen und Innovationen haben Schritt für Schritt statt gefunden. Nun erlauben digitale Tools und künstliche Intelligenz disruptive Erfindungen am laufenden Band.

Diese Entwicklung will Hammersley in eine Richtung lenken, dass sie die Bedürfnisse der Gesellschaft wieder mehr in den Fokus stellt. Weg von einem technologiegetriebenen Blickwinkel hin zu einer nutzerorientierten Gestaltung. Momentan fehlt das gelernte Wissen und die Möglichkeit digitale Disruption kulturell einzuordnen. Die Herausforderung besteht darin, die rasante technische Entwicklung in einer universellen Sprache verständlich zu machen.

Dabei geht es nicht darum die Uhr zurückzudrehen und sich die “gute, alte” Zeit zurück zu wünschen. Das Internet und Smartphones sind hier und gehen nicht mehr weg. Jetzt wird es aber Zeit, einen emphatischen und gerechten Ansatz zu finden.

Ein Fazit von der Brave New World ist der Ruf nach mehr Kreativität um digitale Kanäle für alle erlebbar zu machen und einer neuen Art der Auseinandersetzung mit digitalen Neuerungen.

Und keine Sorge, Namics bleibt digital innovativ und setzt weiterhin auf das Internet.

Der Vortrag von Ben Hammersley lässt sich hier noch einmal anschauen: https://www.facebook.com/C4ITheHague/videos/1013590728769199/

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