So lese ich heute

Eine Woche Nichtstun, lesen und offline sein zeigen mir, dass Hyperlinking und „Weltwissen im Zugriff“ definitiv Realität ist. Beide Konzepte werden seit Beginn des WWW aber auch mit dem Erfolg von Google oder Wikipedia hochgehalten, so präsent wie in der letzten Woche waren sie mir aber noch nie. Lesen tat ich „Tauben fliegen auf” von Melinda Nadj Abonji als gedruckes Buch, “Mehr als 0 und 1” von Beat Döbeli Honegger als Kindle Buch (exzellent, Pflichtleküre, es folgt ein eigener Post) sowie NZZ und Tagi auf dem iPad. Die beiden Tageszeitungen würde ich zuvor an einem WiFi runterladen, da ich kaum GSM-Empfang hatte.

Meine Essenz vorweg: Ohne Online zu sein bin ich nicht zufrieden beim Lesen, oder ich konnte gar nicht lesen. Meine vier erlebten Beispiele. Offline funktioniert für mich nicht mehr wie früher.

1. Das gedruckte Buch „Tauben fliegen auf”. Hier genügt offline, oder viele würden sagen, offline ist die beste Variante. Nicht mehr für mich. Die zwei Handlungsstränge spielen in einem Kaffee an der Goldküste und im ehemaligen Jugoslawien. So wollte, ja musste ich mir ein Bild von Tito machen, als von ihr die Rede war; wo liegt Dalmatien, welcher Teil vom heutigen Serbien sprach/spricht ungarisch und was bedeutet die Geschichte der Brücke der Stadt Mostar u.s.w. Und auch beim Schweizer Erzählstrang wollte ich wissen, wo das Kaffe Modial liegt, wie es damals im Wohlgroth aussah… Ich brauchte Online.

2. Löblicherweise verlinkt die NZZ in der Detailsansicht immer mehr auf Onlinequellen. So sieht man im Ausschnitt des Artikels rechts im Bild fünf Links, die mich alle interessieren. Und auch der Begriff Ridehailing war mit unbekannt (alles Gründe die NZZ zu lesen). Offline bin ich verloren.

nzz

3. Beim Tagi ist es leicht unterschiedlich. Vor allem bei aktuellen Anlässen ist die App nur ein Container zu einer Website, die wie ein Ticker chronologisch nachgeführt wird und in der Form einige Zeit erhalten bleibt (ich habe grad kein aktuelles Beispiel als Bild). Viele der „Tagesthemen“ waren für mich Offline somit nicht zugänglich. Ausserdem integriert der Tagi seine Blogs gut in die App und arbeitet mit spannenden Dossiers… diese Inhalte sind aber immer nur im synchronen Zugriff verfügbar und somit nicht für mich im Schatten untern dem Baum.

tagi

4. Und dann noch “Mehr als 0 und 1” in der Form eines Kindle Buchs (gedruckt wäre die Aussage identisch). Der Autor versteht mit Hilfe von Beats Biblionetz (muss man gesehen haben!) Bücher, Begriffe, Personen, Themen etc. in einen Kontext zu stellen. Es gibt somit nicht ein “totes” Literaturverzeichnis aber eine Vielfalt an weiteren Informationen als integraler Teli des Textes, die man verarbeiten will. Wissen, das süchtig macht. Online.

mehr-als-0-und-1

Die zwei Konzepte Hyperlinking und “Weltwissen im Zugriff“ sind so alt wie die Idee des WWW selbst. Ohne dauernden Online-Zugriff meinte ich meine Woche mit „Offline-Medien“ zu bereichern, doch ist mir dabei klar geworden, wie nah sich die zwei Welten gekommen sind. Ich habe ein anderes Informationsbedürfnis und damit einen anderen Zugang zu Wissen. Ich will Kontext und ich will unmittelbar vertiefen können. Internet sei Dank! Und Offline wird damit immer schwieriger.

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