Funky or fail: Vivoom – No dirty video talk please!

Funky or fail: Vivoom – No dirty video talk please!

Instagram, MSQRD, Musical.ly und das Musterbeispiel Snapchat zeigen: mobile Videoplattformen mit sozialer Vernetzung boomen. Besonders die jüngere Zielgruppe der 16–24 Jährigen verbringt sehr viel Zeit damit, Videos von sich online zu stellen und innerhalb ihrer peer groups zu verbreiten. Böse Zungen unterstellen den jungen Nutzern eine neue Form von Narzissmus, die in Echtzeit ausgelebt werden kann.

Bildquelle: http://www.vivoom.co/

Wo sich die Nutzergruppen im Netz tummeln, sind meist auch Unternehmen nicht weit, die versuchen die Potenziale des user-generated-contents (UGC) für sich zu nutzen. Gerade grosse, traditionsreiche Unternehmen trauen sich aber häufig immer noch nicht über Social Media auf Augenhöhe mit ihren Zielgruppen zu kommunizieren. Zu gross ist die Angst, die Kontrolle über die Inhalte zu verlieren und durch negatives word-of-mouth ihrer Reputation zu schaden. Das amerikanische Unternehmen Vivoom verspricht hier eine Lösung, indem es markenbezogene Videos erzeugen lässt, deren Inhalte kontrollierbar sind. Ob das Tool das Zeug zum neuen mobilen Video-Hype hat, oder ob es bald wieder in der Versenkung verschwinden wird, haben wir in unserem Innovationsformat „funky or fail“ diskutiert.

Vivoom – So funktioniert´s

Vivoom ist ein mobiles Video-Tool, welches keinen App-Download erfordert, da es direkt in die vorhandenen Social Media Kanäle integriert wird. Darüber kann ein Unternehmen Kampagnen schalten und zur Erstellung von UGC aufrufen. In Zusammenarbeit mit Vivoom wird dafür zunächst ein Kampagnen-Template erstellt, welches auch einen direkten call-to-action enthalten kann. Viele Marken verbinden ihren Videoaufruf mit Gewinnspielen, um ein höheres Engagement zu erzielen. Das Template ist ein gebrandeter Frame mit optionalem Filter, der als Link über alle Social Media Plattformen, Messenger, chat bots und per E-Mail verbreitet werden kann.

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Bildquelle: http://www.vivoom.co/

Im besten Fall greifen die Nutzer daraufhin zu ihrem Smartphone und drehen zahlreiche Videos mit Markenbezug, die automatisch in das gebrandete Template integriert werden. Die Rechte am Videoinhalt gehen damit in die Hand des Unternehmens über.

Kontrolle über die Inhalte und messbare Effekte

Teilt der Nutzer das Video nun mit seinen peers, kann das Unternehmen über Vivoom die Inhalte lückenlos kontrollieren. Laden die Nutzer beispielsweise ein Video hoch, welches nicht den Markenwerten entspricht, kann das Unternehmen dieses markieren und Vivoom entfernt es. Ausserdem können die Verbreitung der Videos und die Effekte der integrierten call-to-actions direkt gemessen werden.

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Bildquelle: http://www.vivoom.co/

Glaubt man den Daten, die Vivoom publiziert, werden auf diese Weise erstellte Videos wesentlich häufiger zu Ende geschaut als mobile Videos, die direkt von Unternehmen publiziert werden. Ausserdem werden sowohl die Reichweite als auch die Conversions, im Vergleich zu herkömmlichen mobilen Kampagnen, deutlich erhöht.

Chance für neue Kampagnenformen – Influencer Marketing

Da eine klare Zuordnung der Erfolge einer Kampagne möglich ist, eignet sich das Tool besonders für neue Kampagnenformen, um erste Erkenntnisse zu gewinnen und Kampagnen zu optimieren. Influencer Marketing könnte dabei beispielsweise eine wachsende Rolle spielen: Ein Nutzer mit hoher Reichweite in den Sozialen Medien wird zum Testimonial und vermittelt die Botschaft des Unternehmens auf glaubwürdige Weise. Eine direkte Investition des Unternehmens ist dabei meist nicht erkennbar, Product-Placement undercover sozusagen. Hier herrscht bei vielen Unternehmen noch das Trial-and-Error-Prinzip und ein Tool, welches sowohl Kontrolle als auch Messbarkeit verspricht, kann zu mehr Mut beim Ausprobieren beitragen.

Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer

In Deutschland könnte sich die Kontrolle des UGC allerdings problematisch gestalten. Zwar gibt sie gerade Unternehmen mit Reputationsschwierigkeiten Sicherheit, andererseits wird sie aber, im Bezug auf Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen, einem grossen Teil der Bevölkerung (noch) ein Dorn im Auge sein.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass User auf Kontrolle ihrer Kommunikation allergisch reagieren. Soziale Netzwerke entstanden zunächst ausschliesslich, um sich mit Freunden auszutauschen, mittlerweile können hier auch Unternehmen mit ihren Nutzern auf persönlicher Ebene kommunizieren. Versuchen sie allerdings den Dialog zu kontrollieren, fühlen sich die User in ihrer Privatsphäre bedrängt und reagieren mit Abneigung. Bei der erfolgreichen App Snapchat folgt die Kommunikation den Regeln des Nutzers – dass sie keine Spuren hinterlässt, macht ihren Reiz aus.

Funky oder fail?

Vivoom greift zwar den Trend der mobilen Videos auf, die durch Filter und Frames gestaltet werden können, beschränkt den User aber in seinen Möglichkeiten, anstatt Grenzen neu zu durchbrechen. Die Viralität von UGC lebt durch die Vielfalt der Beiträge und gerade diskussionswürdige, negative Inhalte erfreuen sich einer hohen Reichweite. Diese sind allerdings von Unternehmen nicht erwünscht, da sie ihre Reputation schädigen können. Aus ihrer Perspektive scheint Vivoom deshalb ein „funky“ Tool sein, um die Kommunikation über ihr Unternehmen positiv zu halten und Erfolge von mobilen Kampagnen messbar zu machen. Allerdings bietet das Tool wenig Innovation, anstatt neue Kommunikationsräume zu öffnen, schränkt es die User ein. Eine weite Verbreitung des Tools mit hohen Engagement-Raten halte ich deshalb in Deutschland für unwahrscheinlich, für die Autonomie des Users und die Vielfalt des UGC ist es in jedem Fall ein „fail“.

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