Mobile Business Forum 2016 – Mobile meets IoT

Ein Bericht von Johannes Waibel und Thomas Walter.

Vergangene Woche fand zum nunmehr 5. Mal das Mobile Business Forum in St. Gallen statt. Heuer stand das ThemaMobile Connectivity” im Fokus und Namics durfte, wie bereits im vergangenen Jahr, eine Breakout-Session ausrichten.

Doch first things first, unser Fazit:

Das Forum zeigte in seiner un-aufgeregten Art (d.h. wenig durch das Marketing geschönte Aussagen und eine recht offene, ehrliche Diskussion) wieder eindrücklich den State-of-the-Art von “Mobile Business” auf. Das Thema hat sich sichtbar gefestigt und ist in nahezu allen grösseren Unternehmungen etabliert. Aktuell wird konsequenterweise die nächste Innovationswelle angegangen, und die kann grob mit den Begriffen “IoT”, bzw. “Mobile Connectivity” umschrieben werden.

Aus dem spannenden Mix an Hands-on Workshops zum Thema Wearables (Vorabendprogramm), Keynotes, Praxis-Vorträgen, einem Speeddating mit 10 Unternehmungen zu deren Mobile Business-Anwendungen und drei Breakeout-Sessions haben wir unsere drei + eins Use-Case-Highlights des Tages zusammengesellt:

1) IoT @ ABB.

In seiner Praxis-Keynote “Die Internet of Things, Services and People Strategie von ABB” zeigte Dr. Christopher Ganz, Group VP Service & R&D ABB Ltd. eindrücklich die Sichtweise und den Status Quo bzgl. IoT bei ABB auf.

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Internet of Things bei ABB – Conclusion.

Dass das Thema definitiv etabliert ist, untermauerte er mit einem “Use-Case-Feuerwerk” (ca. 10 Szenarien). Anbei einige Beispiele:

  • Predictive Maintanance ist bei von ABB hergestellten Robotern heute Standard. D.h. Abhängig von Art und Häufigkeit der Nutzung werden Aussagen zur nächsten Wartung getroffen.
  • Wenn ABB Ingenieure für die Wartung On-Site (z.B. auf eine Öl-Plattform) sendet, dann arbeiten diese mit Datenbrillen. So werden z.B. weitere Experten zugeschaltet, die eine Situation ggf. nüchterner beurteilen als der Ingenieur vor Ort.
  • Die Aida Flotte fährt mit Motoren (Kraftwerken) von ABB. Die Nutzung wird ebenfalls überwacht und den Kapitänen in Form von Perfomance-Dashboards zur Verfügung bestellt um das Fahrverhalten zu optimieren.

2) Wearables by EMPA

Ein schönes Beispiel, dass man nicht immer zu Google & Co. schauen muss, um innovative Ideen in die Praxis umgesetzt zu sehen, zeigte die EMPA. Im Speeddating zeigte die EMPA ihre aktuelle Produktentwicklung im Bereich Smart-Fabrics, also Stoffe mit eingebauten Sensoren, auf. Diese werden heute vor allen im Medizinbereich/Spital/Pflege eingesetzt.

EMPA - Drucksensor im Gewebe

EMPA – Drucksensor im Gewebe

Das Nachthemd eines Patient monitored so z.B. dessen Druckverteilung beim Liegen, aber auch den Blutdurchfluss, und gibt diese Informationen an das Pflegepersonal („Patient muss gedreht werden / wurde gerade gedreht“) oder den Medizinern zur Diagnose weiter. Mit ca. CHF 200 Kosten sind die Smart-Textiles hier zwar um den Faktor 10 teuerer als die gewöhnlichen Hemden. Der Business Case kann aber mit der Prävention, bzw. dem Potenzial an gesparten Behandlungskosten diverser Erkrankungen gerechnet werden.

3) Smarte Gebäude by Zumtobel

Einen schönen, sehr greifaren IoT-Use-Caes zeigte der Lichtlösungsanbieter Zumtobel (aus Dornbirn, AT im Rheintal).

Smart Building - Zumtobel Showcase mit Einsatz der IoT-Cloud von Bosch

Smart Building – Zumtobel Showcase mit Einsatz der IoT-Cloud von Bosch

Die aktuelle Generation der LED-Lampen, welche Zumtobel in ihren Projekten einsetzt, setzen auf die Standards BLE und Wifi. Somit lassen sich auch hier ähnliche Use Cases ableiten, u.a. zum Predictive Maintanance, aber auch zur Überwachung der Gebäudeauslastung. “Smart” wird es dann, wenn der Case weitergedacht wird, z.B. so: Die LED wurde diese Woche nicht eingesetzt → Der Raum wurde nicht benutzt → Die Reinigungsfirma braucht hier nicht zu säubern → Reinigungsfirma bekommt einen wochengenauen Putzplan mit Fokus. Solche Szenarien wurden von Zumtobel in einem Feature-Projekt in Dornbirn selbst inszeniert und integriert.

4) Wearables die unter die Haut gehen

Science Fiction im Jetzt zeigte Dr. Pekko Vehviläinen (der sich auch als „The Most Quantified Man in Finland“ bezeichnet). Er “trägt” seit ca. 1,5 Jahren ein implantiert Sensor in seiner Hand und berichtete “Hands-on” von seinen Erfahrungen. Bildquelle

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Sensor unter der Haut.

IoT-Service-Design mit Namics

Zu guter letzt möchten wir noch einen kleinen Einblick in unsere Breakout-Session zum IoT-Service-Design geben. Wie erwähnt durften wir am Nachmittag 2 Sessions a 45 Minuten zum Thema durchführen. Die Grundproblematik, die wir dabei adressierten ist, dass sich IoT-Use-Cases oft auf 1:1 Relationen beschränken, also z.B. „In-Store-Service für Kunden braucht Mobile App mit Beacons Use Case“. Meist versteckt sich das Potenzial von IoT-Use-Cases jedoch im Thema “Mobile Connectivity”, also dem sinnvollen Zusammenspiel verschiedener mobiler Services (n:n Relationen).

iOT - Service Design Workshop

iOT – Service Design Workshop von Namics

Zur strukturierten Herleitung solcher Use Cases bedienten wir uns dem IoT-Service-Kit von Futurice (via Github zum Download) und spielten 2×2 Szenarien durch. Das Szenario “Ein Taxiunternehmen möchte seine Auslastung zur Nachmittagszeit erhöhen” wurde somit z.B. durch den Plot des Bahnhofsvorplatzes gestartet. Mit diversen Spielkarten (für Sensoren, Services, Interaktions- oder User-Typen, usw.) können so die Use Cases zusammengestellt werden. In Summe entsteht durch diese Form des Brainstormings schnell eine “mobile Connectivity”, z.B. “Taxiunternehmen geht Partnerschaft mit Cafes und Supermarkt vor Ort ein und bietet so weitere Services (gratis Kaffee zum überbrücken ungewollter Wartezeiten oder Coupon auf Taxifahrt wenn Einkauf > 10kg), alles natürlich durch Kunden mit der selben Reiserichtung teilbar, usw.“ Solche Ecosysteme können als Inspiration aber auch als wertvolle Grundlage und Anforderungen für eine spätere Konzeptionsphase genutzt können.  Wenn Sie es mal ausprobieren wollen laden sie sich gerne das Kit herunter oder kommen sie auf uns zu.


Zusammengefasst war das Mobile Business Forum 2016 für uns ein gelungener Tag mit spannenden Use Cases, vielen interessanten Gesprächen und einer inspirierenden Breakout Session. Wir kommen gerne wieder.

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Über Thomas Walter

Thomas graduated as Dipl. Ing. in mechanical engineering and economics from the Technical University of Darmstadt, Germany. Along the way he started working for Deutsche Lufthansa AG in several IT related positions. In his last role, he was an IT-consultant for Lufthansa Systems Business Solutions in Basel, Switzerland. Subsequently, Thomas worked for the University of St. Gallen, Switzerland and the City University of Hong Kong, Hongkong as project manager and lecturer. He graduated as Dr. oec. from the University of St. Gallen in 2012. Thomas joined Namics AG in St. Gallen, Switzerland as senior consultant in 2013. He is an expert and well-versed speaker in the fields of mobile business, digital marketing or data mining. Thomas authored numerous academic and technical publications and recently co-authored the textbook “Mobile Business”. Besides, he teaches “Internet Economics” at the University of St. Gallen. Thomas is a certified SCAE Barista and also a passionate cyclist.

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