Wo bleibt eigentlich das Internet der Dinge?

Das Internet der Dinge (IoT) wird seit einigen Jahren heiss diskutiert. Ob für Endnutzer oder in der Geschäftswelt – intelligente Dinge, die mit Sensoren ausgestattet und mit dem Internet verbunden werden, sollen den Alltag erleichtern. Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren viele Unternehmen ihre Produkte aus verschiedensten Anwendungsbereichen angekündigt und vereinzelt vorgestellt haben, insbesondere für Smart-Home und Fitness. 2016 setzt sich der Trend fort: Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Gartner soll es in diesem Jahr weltweit bereits über 6 Milliarden IoT-Geräte geben.

Doch nach allen Prognosen und dem anfänglichen Hype um das Internet der Dinge ist es nun wieder ruhiger geworden. Viele der vorgestellten Anwendungen stecken bis heute noch in den Kinderschuhen. Deutlich wird das an zwei Entwicklungen: Zum einen haben einige Hersteller vorschnell Produkte lanciert, die dem Benutzer nur einen geringen Mehrwert bieten, zum Beispiel indem sie lediglich bestehende Produkte an eine mobile App angebunden haben. So wie die vernetzte Zahnbürste, die über eine Applikation zwar einige Statistiken über das Zahnputzverhalten zeigt, aber weder die korrekte Benutzung der Zahnbürste erläutert, noch den Gang zum Zahnarzt ersetzt.

Zum anderen zeigt sich, dass visionäre IoT-Projekte weiterhin in einer Pilotphase stecken. Bis zur erfolgreichen Markteinführung, geschweige denn bis zum reibungslosen Betrieb, ist es noch ein weiter Weg. Vor allem, weil aufgrund der neuen Technologie und der Komplexität viele Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz noch fehlen. Spannende Beispiele hierfür sind selbstfahrende Fahrzeuge oder die automatische Lagerhaltung, Abfertigung sowie Zustellung in der Logistik. Auch die Ansätze der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation in der Produktion oder intelligente Stromnetze in der Energiebranche lassen erahnen, wohin die Reise geht. Ein Blick über die Landesgrenze zeigt: Städte wie Songdo (Südkorea) und Madar (Vereinigte Arabische Emirate) sind in Sachen Smart Grid schon weiter: Erste Pilotprojekte kombinieren und vernetzen Gebäude, Fahrzeuge und Menschen und legen so den Grundstein für einen nachhaltigen und ressourcenoptimierten Lebensraum für die Zukunft.

An diesen beiden Entwicklungen zeigt sich: Das Internet der Dinge ist flächendeckend noch nicht angekommen. Die Gründe dafür sind vielseitig: Um das gesamte IoT-Potential auszuschöpfen, müssen noch die folgenden Aspekte erfüllt werden:

  • die sinnvolle Kombination unterschiedlicher, verfügbarer Sensoriken
  • die umfassende Sammlung relevanter Daten sowie deren Auswertung
  • die Optimierung von kontextuellen Schnittstellen zum Benutzer
  • die Schaffung von Standards für die Vernetzung
  • die Klärung von Sicherheits- und Datenschutzfragen

Parallel dazu sollten Unternehmen im Zuge ihrer Digitalisierung bereits heute eine Innovationskultur schaffen, sich mit den Möglichkeiten der neuen Technologie vertraut machen und experimentieren, um nicht im sich schnell verändernden Markt ins Hintertreffen zu geraten. Dazu gehören auch Risikobereitschaft und Fehlerkultur, die bei uns im Vergleich zu anderen Ländern noch wenig verbreitet sind. Erst dann können zukunftsfähige und marktreife IoT-Produkte entstehen, die Endnutzern, Unternehmen und letztlich der gesamten Gesellschaft einen Mehrwert bieten.

Dass die Zukunft von IoT bereits begonnen hat, zeigen auch erste Projekte, die Namics für Kunden konzipieren und umsetzen durfte. Hierzu verraten wir die vier wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse für 2016:

N15_Icon___hardware_hard_disks1) Kostengünstigere Hardware und Entwicklungs-Plattformen beschleunigen die Produktentwicklung und ermöglichen ein schnelles Validieren der Ideen.
Die Hardwarekosten für IoT-Komponenten sinken stetig. Heute lässt sich ein kleines IoT-Board (z.B. von Arduino) mit diversen Sensoriken und Schnittstellen günstig einkaufen und zusammenstellen. Je nach Anwendungsfall lässt sich dies ohne grosse Elektronikkenntnisse für erste Prototypen zusammenstecken und erweitern. Die benötigte Software gibt es meist dazu und erlaubt in Kombination mit IoT-Serviceplattformen (IoT-PaaS) eine einheitliche Infrastruktur zur Auswertung und Verknüpfen von entsprechenden Aktionen und Services. Damit können bereits heute sehr schnell Prototypen realisiert werden, welche die Idee und das Konzept in groben Zügen validiert und erlebbar macht.

N15_Icon___bubble_speech2) Standardisierungen der Datenprotokolle und Kommunikationslösungen ermöglichen den Datenaustausch über verschiedene Produkt und bieten so einen gesamtheitlichen Mehrwert
Viele der heute erhältlichen IoT-Geräte funktionieren als eigenständige Produkte. Eine Mobile-Applikation reguliert beispielsweise die Beleuchtung zu Hause. Eine weitere Applikation steuert die Türschlösser, eine dritte die Heizung. Damit diese Objekte vom Benutzer unabhängiger und intelligenter funktionieren, braucht es eine einheitliche Kommunikation zwischen den Produkten unterschiedlicher Hersteller. Nur durch eine Standardisierung kann diese Kompatibilität sichergestellt werden. IoT-Standards wie die AllSeen Alliance (AllJoyn), oder der Industrial Internet Consortium (IIC) werden dieses Jahr vermehrt eingesetzt. Welche sich schlussendlich durchsetzt, wird sich erst zeigen.

N15_Icon___bag3) Auswertung der IoT-Daten ermöglichen Erkenntnisse und Prognosen für businesskritische Entscheidungen
Die Menge an zusätzlichen Daten, welche das Internet der Dinge generieren wird, übersteigen das heute vorhandene Datenvolumen um ein Mehrfaches. Durch die kontinuierliche Steigerung der Rechenleistungen und Verbesserung von Algorithmen lassen sich aus der Vielzahl von Datenquellen wertvolle Informationen in Echtzeit gewinnen. Damit können dann fundierte, datengetriebene Geschäftsentscheidungen gefällt und Prozesse gesteuert werden. Durch die Einbindung von IoT-Daten ist es möglich, beispielsweise zuverlässige Aussagen zu der Benutzung von Produkten in unterschiedlichen Umgebungen zu treffen, die Research- und Optimierungszwecken dienen.

N15_Icon___smartwatch4) Wearables bilden vermehrt einen innovativen Kanal zwischen Menschen und der Welt von IoT.
Wearables sind heute, vor allem in Form von Fitnessarmbänder und Smartwatchs, verbreitet und ermöglichen das Erfassen und Auswerten relevanter Daten sowie die Steuerung durch den Nutzer. Die Datenbrillen als eine Art der Wearables fristeten bis heute, vom Gaming-Bereich abgesehen, ein einsames Dasein. Grosse Hersteller versprechen, das noch 2016 zu ändern. Insbesondere die Oculus Rift von Facebook, die Hololense von Microsoft und die Playstation VR von Sony sollen für den Massenmarkt eingeführt und für neue digitale Erlebnisse sorgen. Insbesondere die Vermischung der virtuellen mit der realen Welt wird neue Anwendungen hervorbringen, die weit über das Gaming hinausreichen und für Marketing, Kommunikation sowie auch in der Produktentwicklung interessant wird.

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