M­-Commerce is dead.
Long live M-­Commerce!

Im Rahmen einer Vorlesung an der HTW Chur durften die Namics­ Consultants Yannick Rennhard und Johannes Waibel vergangenen Dienstag ca. 20 Studenierende in das Thema Mobile Commerce einführen. Um den Studierenden einen ersten Einblick in die Thematik geben zu können, haben wir uns für eine historische Betrachtung von Mobile Commerce entschieden und zur Strukurierung die folgenden vier Entwicklungsphasen von M-Commerce identifiziert:

  • 1995­-2007: Shops gehen Online
  • 2007­-2012: Mobile Optimierung
  • 2012-­heute: Mobile First
  • 2015-heute: Neue Geschäftsmodelle

1995-­2007: Shops gehen Online


http://www.chipchick.com/2014/01/pizza-hut.html

Die Geschichte von Mobile Commerce beginnt noch lange vor dem Aufkommen der ersten web­fähigen, mobilen Geräte. Sie beginnt, als 1994 die erste Online­-Bestellung getätigt wird. Es handelt sich dabei um das Album “Ten Summoner’s Tales” von Sting, welches als CD über den Online-­Shop NetMarket verkauft wurde. Neben diesen klassischen Online-­Shops entdeckten zu dieser Zeit auch bestehende Retailer das Internet als Absatzkanal. Das wohl bekannteste Beispiel ist PizzaHut, welches nur ein paar Tage nach besagtem CD-­Kauf die erste Pizza über das Internet verkauft – ­ mit Peperoni, Pilzen und extra Käse um genau zu sein.

Die wohl grösste Herausforderung, welcher sich die Online-­Pioniere in den Anfängen stellen müssen, ist die Organisation und die Auffindbarkeit von Content. Es müssen neue Patterns entwickelt, Prozesse digitalisiert und neue Kenntnisse innerhalb des Unternehmens aufgebaut werden. So entstehen mit der Zeit immer bessere Navigations­-Patterns, welche zusammen mit Text­ und Facetten­Suche den Nutzer beim Auffinden des gesuchten Produktes unterstützen.

2007-­2012: Mobile Optimierung


http://idevicehelpus.blogspot.ch/2016/01/9-years-ago-from-today-steve-jobs.html
Dann kam der Tag, der alles verändert hat: Am 9. Januar 2007 kündigt Apple das iPhone an. Das Surfen im Internet wird ­ auch dank neuen Nutzungspatterns wie Pinching und Tapping ­ endlich nutzerfreundlich und damit auch massentauglich. Das neue Gerät erobert die Welt im Sturm. Bald ist das Surfen auf dem Smartphone die normalste Sache der Welt.

Es gibt jedoch einen Faktor, welche die Benutzbarkeit mobiler Browser deutlich einschränkt und den durchschlagenden Erfolg des mobilen Browsens verhindert:

Auf mobilen Geräten sind die allermeisten Webseiten weder les­- noch wirklich benutzbar. Wir alle wissen wohl aus eigener Erfahrung, wie umständlich es ist, jedesmal zuerst an die gewünschte Stelle zoomen zu müssen, um eine Aktion auf einer nicht optimierten Website tätigen zu können.


https://themobilewebhub.wordpress.com/tag/mobile-website-design/

Die erste Antwort auf dieses Problem waren damals spezielle mobile Templates zur Anzeige von Webseiten auf mobilen Geräten. Den ersten dieser speziell für kleine Screens konzipieren Darstellungen von Web-­Inhalten sah man deutlich an, dass sie auf die Anordnung des Contents in touch-­optimierte Benutzungselemente ausgerichtet sind. Sie legten wenig Wert auf ein emotionales Web-Erlebnis und wirkten ein wenig tabellarisch.


http://www.businessinsider.com/mobile-will-eclipse-desktop-by-2014-2012-6?IR=T

2012 – heute: Mobile First
In wenigen Jahren entwickelt sich das Smartphone zum Zentrum unseres digitalen Lebens. Dies zeigt sich auch in den Nutzungszahlen. Gemäss Forrester Research lösen Anfang 2014 mobile Geräte Desktop-Computer als primären Kanal zur Nutzung des Internets ab. Dies äussert sich auch im realen Leben, wo wir das Phänomen der “Smartphone-Zombies” jeden Tag beobachten können. Die enorme Bedeutung mobiler Geräte in unserem Leben führt dazu, dass viele User nicht mehr bereit sind, Kompromisse bei der Nutzung mobiler Webseiten zu akzeptieren. Sie verlangen ein uneingeschränktes Erlebnis im Web – egal ob sie über ein mobiles Gerät oder einen Desktop-Computer zugreifen. Die Konzeption eines verständlichen, ansprechenden und emotionalen Web-Erlebnisses ist jedoch auf dem kleinen Screen deutlich schwerer als auf dem Desktop. In der Web-Industrie entwickelt sich daraus eine neue Erkenntnis: Wenn etwas konzeptionell auf mobilen Screens funktioniert, wird es auch auf dem Desktop funktionieren.

Die logische Konsequenz davon ist das sogenannte “Mobile First”-Prinzip. Es besagt im Kern, dass Webseiten nicht mehr auf dem grossen Screen designt und dann für mobile Geräte optimiert werden, sondern dass man auf dem kleinen Bildschirm startet und dann hochskaliert. Das mag zwar nach einer kleinen Anpassung klingen, ist jedoch ein fundamentaler Unterschied bei der Konzeption von Shop-Lösungen.

2015 – heute: Neue Geschäftsmodelle

MobileFirst

https://www.linkedin.com/pulse/20141031040351-2391112-the-benefits-of-a-mobile-first-design-strategy

Die rasante Verbreitung von Smartphones hat zusammen mit der Weiterentwicklung mobiler Technologien und Datennetze, dem Aufkommen des Internet of Things sowie einer noch nie da gewesenen Vernetzung der Menschen dazu geführt, dass bestehende Geschäftsmodelle immer wieder in Frage gestellt werden. Junge, innovative Unternehmen drängen in den Markt und bedrohen etablierte Unternehmen indem Sie grundlegende Prinzipien des Marktes in Frage stellen. Ein paar Beispiele: Uber bietet Taxi-Services an, ohne selbst Fahrzeuge zu besitzen. AirBnB krempelt die Hotellerie um, indem es die Häuser und Wohnungen von Privatpersonen für die breite Öffentlichkeit zugänglich macht. Mobile Payment-Services wie Apple Pay, Google Wallet oder Paymit definieren die Art und Weise, wie wir bezahlen, neu.

Diese neuen Player sind deshalb so gefährlich für die etablierten Unternehmen, weil sie etwas tun, was vielen Unternehmen schwer fällt: Sie denken out-of-the-box, agieren rasch und flexibel, sie denken aus Sicht des Kunden und nicht in Abteilungs-Silos, sie trauen sich, Dinge auszuprobieren und sehen Fehlschläge nicht als etwas Negatives an, sondern als Ansporn, es erneut zu versuchen.

OculusRift

Die digitale Welt bringt viele Chancen mit sich – auch für etablierte Player – doch um diese nutzen zu können, ist bei bestehenden Unternehmen ein Umdenken notwendig. Das Allerwichtigste ist kompromissloser Kundenfokus. Nur wenn ein Kunde einen echten Mehrwert sieht wird er einen innovativen Service nutzen.Um relevante Services anbieten zu können, sollten Unternehmen kleine, interdisziplinäre Teams aufstellen, welche im Trial-and-Error-Verfahren neue Ideen entwickeln und deren Wert direkt mit den Kunden verifizieren. Geschwindigkeit ist alles – ein Fakt, welcher sich auch in der IT-Infrastruktur widerspiegeln sollte. Theoretische Konzepte verlieren an Bedeutung, weil sie bereits schon wieder überholt sind, wenn man sie an einer Weiterbildung zu hören kriegt. Es geht um die konsequente Ausrichtung auf den Kunden, egal wie man das konkret nennen mag. Wenn die Kunden also mobile Geräte nutzen, sollten die bestehenden Unternehmen dort präsent sein und ihren Kunden relevante und innovative Services bieten. M-Commerce ist mit diesen neuen Konzepten nicht mehr eine eigene Disziplin, sondern natürlicher Bestandteil von konsequent auf den Kunden ausgerichteter Services.

In diesem Sinne: “M-Commerce is dead – Long live Mobile Commerce.”


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