Namics @ Swiss Digital Finance Conference 2016

Gestern fand die von der Hochschule Luzern (HSLU) organisierte Digital Finance Conference 2016 statt. Rund 120 Vertreter von Banken, Fintechs und Beratungsunternehmen nahmen teil und Namics war ebenfalls dabei. An einem spannenden Tag konnten wir zwölf Vorträge über diverse aktuelle Themen der Finanzbranche hören. Im folgenden Blogpost schildern wir, was aus unserer Sicht die Key-Topics und Erkenntnisse des Tages waren.

“The Age of the Customer” – der Kunde steht im Zentrum.

Heutige Lösungen müssen im Kern die Bedürfnisse des Kunden adressieren und können nicht mehr isoliert entwickelt werden. Unterschiedliche Methoden wie z.B. Customer Journey Analysen oder der Einsatz von User Centered Design (UCD) können dabei helfen, heutige Pain Points von Kunden in (Multichannel-)Prozessen zu identifizieren und dabei neue Potentiale zu erkennen. Kundenfeedback sollte dabei über den kompletten Zyklus hinweg in die Entwicklung einfliessen, also bereits in der Konzeption mit ersten Prototypen bis hin zu Feedback aus dem Kundenservice.

Als weitere Herausforderung für Finanzdienstleister wurde vor allem die steigenden Erwartungen an digitale Lösungen der “Kunden von morgen” hervorgehoben. Diese erwarten eine durchgängige und einheitliche User Experience über alle Kanäle hinweg (Omnichannel Experience), was Banken mit ihren heutigen Systemen vor grosse Herausforderungen stellt.

Neue Technologien – alte Systeme.

Die immer rasanter werdende Entwicklung erzeugt eine Vielzahl von neuen Technologien, vor denen sich die Finanzbranche nicht verschliessen kann. Monolithische Systeme von Banken verhindern jedoch eine dynamische Entwicklung in einer immer vernetzter werdenden Umgebung. Banken sehen sich hin und her gerissen zwischen Stabilität und Innovation, wobei das Stichwort der “Bimodalen IT” fällt.

“Banken sind wie eine Burg” brachte es Frau Dr. Daub von Gartner auf den Punkt. Banken müssen sich und ihre Systeme öffnen und anderen zugänglich machen. Innovative Beispiele wie Fidor APIs ermöglichen einerseits die Integration der eigenen Services fremde Systeme sowie andererseits das Andocken anderer Anbieter an eigene Services. Unterschiedliche Vorträge veranschaulichten diese Aspekte an konkreten Beispielen wie z.B. UBS mit ihrer Blockchain Forschung im Level39 in London oder Avaloq mit der Öffnung ihrer Plattform für externe Entwickler.

Um das Potential von Technologien für die eigene Unternehmung zu erkennen, sind jedoch entsprechende Fähigkeiten des Top-Managements gefordert. Wie Damir Bogdan in seinem Vortrag erwähnte, haben 94% der Board Mitglieder der international grössten Banken keinen technologischen Hintergrund. Sein Fazit: “bring technology to the boardroom”.

Die Fintech Disruption – Gespenst oder Realität?

Wohl eines der meist diskutierten Themen im vergangenen Jahr sind Fintechs und deren Einfluss auf die Finanzbranche. Zweifellos ist das Wachstum der Fintechs rasant (seit 2014 global verfünffacht) und sie fordern etablierte Player mit ihren neuen Geschäftsmodellen heraus. Absolut gesehen sind sie jedoch nach wie vor sehr klein (2014: 180 Mrd. $ IT Ausgaben von Banken gegenüber 12.1 Mrd. $ Investitionen in Fintech Ventures) und nur wenige schaffen es in die “grüne Zone”.

Die oftmals diskutierte Disruption der Branche wird folglich eher zusammen mit Banken und nicht alleine durch Fintechs geschehen. Die Disruption ist dabei nicht als einzelner Zeitpunkt, sondern als ein Prozess, der durch eine Vielzahl von Anbietern ausgelöst wird, zu verstehen. Banken müssen sich hier auf neue Kooperationsmodelle einstellen und von den positiven Eigenschaften der Fintechs (Agilität, Innovationsgeschwindigkeit, Fehlen von Legacy Systemen, etc. ) profitieren. Nur durch Partnerschaften können sich neue Standards entwickeln und am Markt durchsetzen. Ein Fakt, der in der Technologiebranche bereits seit langem bekannt ist – Stichwort “Fintegration”.

Banking 2020 – Wohin geht die Reise?

Vier mögliche Extrem-Szenarien wurden angeschnitten, deren Ansätze bereits heute erkennbar sind:

  • The better bank: Restrukturierte Plattformen und Services treffen die digitalen Herausforderungen und neue Value Propositions wurden generiert. Banken bleiben die Hauptakteure und haben geschafft, ihre Kunden zu behalten.
  • The new bank: Klassische Banken konnten die Herausforderungen der digitalen Revolution nicht meistern. Neue, von Beginn an digital konzipierte Banken treten an ihre Stelle.
  • The distributed bank: Die Universalbank von früher gibt es nicht mehr, da sich eine Vielzahl an spezialisierten Anbieter durchsetzt. Es entstehen neue Aggregatoren, die diese “best of breed” Services vereinen und einen zentralen Zugang schaffen.
  • The disintermediated bank: Banken verlieren die direkte Kundenbeziehung, da diese durch andere Provider mit besserer User Experience übernommen wird. Die Leistung der Bank wird im Hintergrund erbracht und steht neben anderen spezialisierten Services.
Banking

Quelle: http://banknxt.com/53478/future-banking-scenarios/

Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, müssen Banken erkennen, dass es in der “Digitalen Revolution“ nicht nur um die Digitalisierung des bestanden Geschäftes geht, sondern um die Generierung neuer Ertragsquellen. Dies ist kein reiner IT Job, sondern einer der ganzen Organisation. Business und IT müssen dabei zu einer Einheit verschmelzen und zusammen Wert kreieren. Um dies zu erreichen sind Fähigkeiten nötig, die in der folgenden “Zauberformel” von Damir Bogdan zusammengefasst werden können:
IQ (Intelligente Lösungen) + TQ (technologische Kompetenz) + EQ (Emotionalität und Kundenverständnis) + BQ („be bloody quick”, Geschwindigkeit).

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Über Matthias Bitzer

Matthias ist Senior Consultant bei Namics und berät Finanzdienstleister in Themen der digitalen Transformation. Er ist Liebhaber von guter UX sowie interessiert an Innovationsthemen im Generellen.

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