Mut zur Lücke

Ich habe vor Kurzem das kostenlose E-Book “Mobile & Multi-Device Design” von Luke Wrobleski gelesen. Er berichtet darin von seinen Erfahrungen bei der Entwicklung der Schnellumfrage-Applikation Polar, die inzwischen von Google aufgekauft und dicht gemacht wurde.

Im Kapitel “New Layouts for the Multi-Device Web” zeigt er einen meiner Meinung nach sehr interessanten Ansatz für das Web- und App-Design bei unterschiedlichen Screengrößen.

Polar war so angelegt, dass der Nutzer unabhängig von Ausrichtung und Format des Geräts  das Interface optimal bedienen kann. Etwas irritierend erscheint dabei auf den ersten Blick der leere Inhaltsbereich, der sich zwischen den Bedienelementen auf größeren Screens auftut:

(Quelle: http://www.lukew.com/ff/entry.asp?1721)

Dabei ist die Aussparung nur konsequent und richtig, wenn man davon ausgeht, dass Tablets häufig in zwei Händen gehalten und mit den Daumen bedient werden.

Leicht bis schwer zu erreichende Gebiete auf Touch-Devices bei der Bedienung mit Daumen
(Quelle: http://www.lukew.com/ff/entry.asp?1649)

Ein Blick zurück oder zur Seite zeigt uns, dass dieses Prinzip im App-Umfeld gar nicht mal so neu ist. Apple bietet z.B. seit iOS 5 auf dem iPad die Möglichkeit das Keyboard zu teilen um das Tippen nur mit den Daumen zu erleichtern und bei Spielen für Tablets ist es häufig möglich, GUI-Elemente zu verschieben und dort zu positionieren, wo sie für einen selbst am bequemsten zu erreichen sind (z.B. GTA Vice City).

Das Ganze bringt mich zu der Frage: Hat das zentrierte Design, das heutzutage im Web sehr häufig über alle Geräte hinweg zum Einsatz kommt, ausgedient? Müssen wir in Zukunft Mut zur Lücke haben? Oder können wir mittlerweile nicht sogar einen Schritt weiter gehen? Also beim Design von Websiten und -applikationen eher in die Richtung von Spielen gehen und dem Nutzer die Interaktionsmöglichkeiten dort anbieten, wo der Nutzer sie haben will? Die technischen Möglichkeiten dazu sind da. Auch im Web.

Luke W. fragt ähnlich:

“[…] is this a desktop convention that needs to change? Are we better off adapting our interfaces to the way people actually use devices instead of clinging to “best practices” defined nearly twenty years ago?”

Was denkt ihr?


Lukes Website und Twitter; kostenloses E-Book Mobile & Multi-Device Design

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