Wisst ihr noch, vor 20 Jahren?!

20 Jahre Namics! Sven Weber und ich haben ins Jahr 1995 zurückgeblickt, das Heute kritisch hinterfragt und einen höchst wissenschaftlichen Ausblick gewagt: Wir erzählen die Geschichte von Alex!

 

1995

 

Alex im Jahre 1995

Alex ist 1995 15 Jahre alt und ein ganz normaler Junge – er mag Fussball und Sandra, das Mädchen, das eine Reihe vor ihm sitzt. Er liebt Computerspiele, am meisten Monkey Island und Simcity.

Zu Weihnachten wünscht er sich eine Playstation. Er wird sie sich zwei Jahre später selber kaufen müssen.

Einen Apple Computer möchte er nicht. Er hat vor kurzem gehört, die wären bald bankrott.

1995 – 2015

In den nächsten 20 Jahren wird Alex erleben, wie Google Altavista das Suchen lehrt. Er wird erleben, wie Computer kleiner und vielfältiger werden. Wird Freunde und Bekannte haben, die keinen Desktop-Computer Zuhause mehr besitzen. Und er wird erleben, wie sie Ihre Krankenkasse mit dem Handy wechseln.

Er wird seiner Mutter ein iPad schenken und sehen, dass Computer keine Anleitung mehr brauchen. Er weiss, dass Jonathan (ein Facebook-Freund) jetzt fertig studiert hat und vor Jahren geheiratet hat. Nur weiss er das nicht von ihm. Genauso wie seinen gerade auf Facebook aktualisierten Beziehungsstatus.

Er wird sich wundern, dass das grösste Taxiunternehmen der Welt keine eigenen Taxis hat und die grösste Hotel-Buchungswebsite keine eigenen Hotels.

Trends 1995-2015

2015

Aufstehen im 2015

Wenn Alex im 2015  aufsteht, schaut er kurz auf sein Handy, duscht, putzt sich die Zähne, zieht sich an, trinkt einen Kaffee und schaut währenddessen auf seinem Handy Nachrichten an.

Dann macht er sich auf den Weg zur Arbeit, holt sich eine gratis Pendlerzeitung und fährt mit dem Zug zur Arbeit.

Mit dem Zug zur Arbeit

Am Mittag schaut er sich auf dem Handy wiederum News an, beantwortet Whatsapp-Nachrichten und schaut sich auf Facebook um. Genauso wie es auch sein Gegenüber tut.

Mittag im 2015

Abends kommt er gehen halb acht nach Hause, kocht sich was kleines und schaut sich noch eine Folge House of Cards an, um dann mit den Abendnachrichten den Abend endgültig ausklingen zu lassen.

Abend im 2015

Bereits im Bett liegend, stellt er kurz vor Elf  den Wecker auf seinem Handy auf 06.30 und legt es in die Ladestation gleich neben seinem Kopfkissen.

Bett im 2015

Im 2015 hat Alex zu einem Grossteil über Maus & Tastatur mit Geräten interagiert. Über den gesamten Tag verteilt, schaut er während elf Stunden in einen Bildschirm, resp. eine Lampe.

Medienstatistik 2015

 

2015 – 2035

Alex wünscht sich weniger Zerstreuung, weniger Tasks, weniger Interaktionen mit Bildschirmen, in Menüs, Unter und Unter-Untermenüs. Würde man ihn fragen, wie er Computer in 20 Jahren bedienen möchte, dann wäre die Antwort wohl: beiläufig, natürlich, nicht so ermüdend.

In den nächsten 20 Jahren werden viele bestehende Trends weiterentwickeln und neue kommen dazu. Beispielsweise Smart Home, Internet of Things & No Interface, Independent Living, Health Management und immer weiterreichende Massenindividualisierung. Die aktuellen Trends werden einen Peak erreichen und entweder abgelöst oder durch die komplett adaptiert. Was  technisch machbar ist, wird sich in neuen Geschäftsmodellen wirtschaftlich durchsetzen müssen.

Trends 2035

2035

Alex wird diesen Morgen sanft geweckt, mit einem leichten Klopfen, einer schwachen Berührung am Arm…

Alex Familie

…es ist seine Frau Sandra.

Sie tut dies häufig, kurz bevor Alex’ digitaler Assistent «Michael» dies mit der geballten Ladung seiner technischer Möglichkeiten macht.

Digitaler Assistent

Die Wohnung ist einige Minuten vor ihm aus dem nächtlichen stromsparenden Tiefschlaf erwacht, hat die Temperatur etwas angehoben, eine anregende Lichtstimmung herausgesucht, Kommunikationskanäle wieder online geschaltet.

Alex und seine Familie wohnen in einem Neubau und geniessen morgens das automatische Öffnen der Jalousinen und bilden sich ein, dass das strahlenfreie Schlafzimmer für einen geruhsameren Schlaf sorgt.

Wohnung im 2035

Er macht sich auf den Weg zur Arbeit. Heute möchte er einige Leute von der Firma treffen. Im Quartier hat es genug Autos, sein Assistent bucht dieses bereits am Abend vorher, im gleichen Zuge wie er Vorschläge für Wecker, periodische Telefonanrufe, Putz-Aktionen, Sport und weniger Alkohol macht.

Auto im 2035

Die ruhige Zeit im Auto nutzt er um mit seiner Tochter zu reden, bevor das autonome Auto sie vor der Schule absetzt. Die weitere Fahrt geniesst er wie früher im Zug, schaut aus dem Fenster und bleibt bewusst offline.

Autofahrt im 2035

Die Arbeit im Geschäft zeichnet sich bedeutend angenehmer ab als früher – nur schon die Zusammenarbeit mit den hausinternen Systemen ist wunderbar: Jeder Mitarbeiter kann seinen persönlichen Assistenten ans Firmennetz anschliessen und auf die gleiche Art interagieren wie er das aus seiner Freizeit kennt.

Seine Firma hat knapp fünf  Millionen Kunden, welchen sie Versicherungen anbieten. Seit vor fünf Jahren die Haftung des Halters für autonome Fahrzeuge nicht mehr gilt und sich abzeichnete, dass die Fahrzeugversicherung zu einer reinen Produkthaftpflicht degradiert wird, hat seine Firma dieses Versicherungsgeschäft abgestossen.

Heute versuchen sie im Geschäft möglichst früh auf die Nutzer-Bedürfnisse zu reagieren, analysieren Versicherungsfälle wie Verluste und Diebstähle in Sekundenbruchteil. Die Schnittstelle zu den digitalen Assistenten der Kunden, erlaubt es ihnen – natürlich bei Erlaubnis und gegen ein interessantes Preismodell – tief in das Leben ihrer Kunden zu blicken. Die Kommunikation verläuft hauptsächlich digital über die Assistenten via Sprache.

Kommunikation im 2035

In der Sprache der «Touchpoints» heisst das:

  • 90% der Kunden reden mit der Versicherung über ihren digitalen Assistenten
  • 10% brauchen traditionelle Wege.

Klassische Filialen mit Laufkundschaft werden intern als die Schallplatten-Abteilung bezeichnet.

Sie haben Kunden die monatlich, wöchentlich oder sogar täglich zahlen. Wer Flexibilität wünscht, kann jeden Tag kündigen und in einer Minute bei einem anderen Anbieter sein.

Wollen sie als Firma wichtige Entscheidungen treffen, verwandeln sie Kunden in Algorithmen und simulieren das menschliche Verhalten in Windeseile – In der Regel gibt es viele verschiedene Szenarios für den Geschäftsverlauf für das nächste halbe Jahr und Alex fragt sich manchmal in welchem simulierten Szenario er momentan gerade lebt.

 

Unternehmen im 2035

Das Wissen rund um ihre Kunden, ihre Vorlieben, Verhalten, Wünsche und Bedürfnisse ist unersetzbar. Jeden Tag lernt ihr Firmen-System dazu, macht Vorschläge für Szenarios, Entwicklungen, die es glaubt aus dem Benutzerverhalten von Tausenden und Abertausenden Menschen lesen zu können. Das gesamte Geschäftsmodell ist komplett auf den Kundennutzen und das Kundenverhalten ausgelegt.

Ihr CEO sagt jeweils: Er könnte nächsten Monat seinen Kunden Brezeln verkaufen, wenn es das Geschäft verlangen würde.

Brezel

 

Die Zukunft vorauszusagen ist natürlich genauso unmöglich wie es spannend ist, sich diese vorzustellen. Manchmal liegt man richtig wie Jules Verne, der die Mondfahrt rund hundert Jahre vorweg genommen hat und sich ausmalte, dass wir einst mit Projektilen zum Mond fliegen werden.

Vielen Dank, Sven Weber und Bruno Dietsche fürs erstellen der coolen Geschichte und den Scribbles!

Wir freuen uns über Kommentare, Anregungen und Kritik :)

2 Gedanken zu “Wisst ihr noch, vor 20 Jahren?!

  1. Interessante Vision! Was ich mich grad so gefragt habe: Werden Kinder (ab welchem Alter?) auch Assistenten haben? Wenn ja, wie sieht dann die „alltägliche Verhandlung“ unter den Assistenten in einer fünfköpfigen Familie so aus? Und: Wird es Assistenten gegen Aufpreis mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit (Platinum/Gold/Silver etc.) geben und/oder wird der „Schlauere“ seinen Assistenten zu seinem Vorteil besser parametrisieren können?

    • Ja hier wirds richtig interessant! Nicht nur diese Fragen, sondern auch: Was für eine Unternehmung steht hinter solchen Assistenten? Eine diversifizierte Bank, eine Versicherung, Google oder Apple? Wird parametrisieren überhaupt manuell gemacht, oder lernt der Assistent von alleine basierend auf dem Nutzerverhalten?
      Was sind denn Ihre Vorstellungen dazu?

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