Die neue P2P App der Migros Bank – ein Challenger für Paymit?

Wie in diversen Medien heute berichtet wurde (Finews und IFZ Retail Banking Blog) hat Migros ihre überarbeitete P2P Lösung vorgestellt. Der kostenlose Service steht dabei nicht mehr nur Migros Bank Kunden, sondern allen Schweizer Bankkunden zur Verfügung. Die Lösung der Migros Bank ist aber von Paymit abzugrenzen, da sie nicht an der SIX Plattform teilnimmt und damit nicht mit anderen Banken kooperiert. Es ist folglich spannend, ob die Migros MobilePay P2P Lösung ein ernst zu nehmender Konkurrent ist. Wir haben einen genaueren Blick auf die Lösung geworfen und ziehen ein erstes Fazit nach dem heutigen Launch.

Die MobilePay P2P App ist für iOS und für Android verfügbar. Neben der App wird von Migros zudem eine Website mit der prestigeträchtigen Adresse p2p.ch für direkte Überweisungen angeboten. Das Online-Solo Angebot ist neu und bei den direkten Konkurrenten Paymit und TWINT von der Postfinance nicht möglich und umfasst wegen dem fehlenden Login aber auch weniger Funktionalität. Das Online-Solo Angebot auf www.p2p.ch fühlt sich für mich eher als eine Vermarktungsidee an als eine Anwendung, doch das Thema von diesem Post ist ja schliesslich die App.

(Disclaimer: Namics hat bei der Entwicklung von UBS Paymit mitgearbeitet)

Die Registration

Wie bei den Paymit Lösungen kann eine Kreditkarte als Zahlungsmittel und ein Konto als Gutschriftskonto hinterlegt werden. Dieses Gutschriftskonto muss nun auch nicht mehr bei der Migros Bank sein. Neu ist die Option ein PayPal Konto für Zahlungen und Empfang zu verwenden.

Folgende zwei Aspekte sind mir im Registrierungsprozess bei der App vor allem aufgefallen:

  • Das Passwort muss mind. 6 Zeichen lang sein und aus Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen. Dies sind wesentlich höhere Anforderungen als bei Paymit, wo 6 Ziffern ausreichen. Im Gegensatz zur UBS wird Touch-ID zudem nicht unterstützt. Der Loginprozess ist folglich aufwändiger als bei Paymit, was sich vor allem bei der späteren Anwendung am Verkaufspunkt zeigen wird.
  • Die Kreditkarte muss durch 3-D Secure zusätzlich verifiziert werden. Auf diesen Risikotransfer verzichtet Paymit und den Nachteil bekam ich schnell zu spüren, als ich die 3-D Secure Registration durchführen musste und meine Kartenkontonummer natürlich nicht zur Hand hatte. Interessant zudem, dass Datatrans als Payment Service Provider eingesetzt wird – ungewohnt dass eine Bank Kundendaten weitergibt.

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Mit der App einen Betrag senden

Als erstes fällt auf, dass in der MobilePay P2P App mit der Empfängerwahl gestartet wird und erst anschliessend der zu überweisende Betrag festgelegt wird. Paymit startet hingegen direkt mit der Eingabe des Betrages und ermöglicht die Empfängerwahl auf ein und demselben Screen. Der Eindruck der Einfachheit bei der Migrosbank wird durch die zahlreichen folgenden Schritte dann getrübt.

Insgesamt werden für eine Überweisung folgende Schritte benötigt:

  1. Empfänger wählen
  2. Betrag eingeben und optional eine Nachricht festlegen
  3. Zahlungsmittel wählen (die hinterlegte Kreditkarte)
  4. Auftrag überprüfen und ausführen
  5. CVV Code der Kreditkarte eingeben
  6. MasterCard Secure Code resp. Verified by Visa eingeben

Im Vergleich zu Paymit sind dies deutlich mehr Schritte, die den Bezahlprozess verlängern. Die zusätzlichen Schritte bieten zwar mehr Übersichtlichkeit und bestimmte Funktionen wie die Texteingabe werden deutlicher, dies geschieht jedoch auf Kosten der Geschwindigkeit. Für meinen Geschmack wirkt Paymit wesentlich schlanker und für den Zweck des schnellen Zahlens optimierter.

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Kleinigkeiten machen den Unterschied

Während der Erstellung eines Auftrages erhielt ich eine iMessage und las diese kurz. Dies war jedoch keine gute Idee, denn ein Verlassen der App, hat einen kompletten Abbruch des Prozesses zur Folge und das Benutzerpasswort muss ebenfalls neu eingegeben werden. Dies erweist sich als durchaus umständlich in der Praxis, da so z.B. keine Nummern aus SMS oder WhatsApp kopiert und jegliche Wechsel vermieden werden müssen. Zudem werden keine Zahlungsempfänger unter „Recents“ abgespeichert und müssen daher ebenfalls immer neu ausgewählt werden.

Fazit

Vor allem folgende Aspekte sind mir bei der App negativ aufgefallen:

  • zu viel Schritte und Datenfelder beim Zahlungsprozess
  • Passworteingabe umständlich und kein Touch-ID
  • Teilnahme des externen Partners Datatrans
  • zusätzlicher Schritt mit MasterCard Secure Code resp. Verified by Visa
  • Timeout der App bei Taskswitch
  • fehlende Interoperabilität mit andern Banken

Positiv zu werten ist die Idee, die Funktionalität auch Online-Solo anzubieten. Leider sind es zwei getrennte Systeme, so sind im Log der App die Transaktionen nicht sichtbar.

Da Paymit bereits seit über 2 Monaten auf dem Markt ist und die App keinen signifikanten Vorteil aufweist, wird es nicht leicht werden sich durchzusetzen und den Zeitvorsprung wett zu machen. Unglücklich finde ich, dass die Migrosbank einen eigenen Weg geht und nicht die gemeinsame Lösung Paymit der Schweizer Banken unterstützt.

Überweisungen sind für den Endkunden gratis. Da Datatrans teilnimmt und da PayPal nicht für tiefe Gebühren bekannt ist, sind die Kosten welche Migrosbank zu tragen hat ziemlich hoch. Mit wie vielen Transaktionen rechnen sie wohl?

Die MobilePay P2P App wird jedoch sicher ein zusätzlicher Konkurrent sein und den P2P Markt in der Schweiz weiter beleben. Es wird spannend sein, welche weiteren Player sich auf den Markt begeben werden. Das Versprechen der Pressemitteilung „einfacher zu sein als Paymit“ wurde auf jeden Fall nicht eingelöst.

8 Gedanken zu “Die neue P2P App der Migros Bank – ein Challenger für Paymit?

  1. „Interessant zudem, dass Datatrans als Payment Service Provider eingesetzt wird — ungewohnt dass eine Bank Kundendaten weitergibt“

    Und wie bindet wohl Paymit die Kreditkarten an? Nehme an mit Six. D.h. alle an Paymit telnehmenden Banken (ZKB, UBS etc.) geben genau so Informationen weiter – übrigens wie jeder Onlineshop auch, jedoch niemals personenbezogene Daten!

    Daher sind die PSPs auch rigorosen Sicherheitsanforderungen (PCI etc.) unterworfen; Six wie Postfinance wie Datatrans.

    Die Anbindung von Datatrans als negativ zu beurteilen dünkt mich dann schon etwas „billig“ – schade, wertet den Review deutlich ab.

    • Hallo Thomas

      Ob die SIX tatsächlich alle Kreditkartendaten „sieht“, kann ich nicht genauer beurteilen. Mit den rigorosen Sicherheitsanforderungen hast Du zudem sicherlich Recht. Ich denke jedoch dass man unterschiedlicher Meinung sein kann, bzgl. Anzahl involvierter Parteien im Datentransfer.

      Für mich sind jedoch die zusätzlichen Schritte bzgl. CVV Code und 3-D Secure wesentlich gewichtiger.

      Die Einbindung von Datatrans und 3-D Secure erzeugen hier einen visuellen Wechsel im User Interface und damit gewissermassen einen Bruch (z.B. non-flat Buttons oder Ladebalken von Datatrans, die nicht zum Style der App passen). Eine durchgängige Experience à la Apple versucht genau solche Brüche zu vermeiden.

      Beste Grüsse
      Matthias

      • Bzgl. visuellem Einbezug eines Dritten gehe ich mit den Kommentaren hier einig und die damit weniger nahtlose Integration und reduzierte User-Experience.

        Nicht einig gehe ich mit den Kosten. Denn auch Six, die „nebenbei“ wie Datatrans und Postfinance in der CH auch ein PSP sind, fallen Transaktionskosten an. Nun ist es eine Frage der Transparenz, ob man diese intern korrekt verrechnet oder quer-subventioniert. Auf jeden Fall sind die Kosten da und Paymit/Six trägt sie, wie die Migros die Datatrans Kosten trägt.

        Gleiches gilt für die Nutzerdaten; es sind generell immer dieselben die für die Autorisierung der Karte verwendet werden müssen bei allen PSPs.

        Das ist mein Punkt: Ob man einen Dritten einbezieht oder den PSP inhouse hat, tut faktisch wenig zu Sache. Und der Satz „ungewohnt dass eine Bank Kundendaten weitergibt“ ist natürlich mehr als tendenziös.

        Anyhow, P2P hat Paypal – für mich geht da ein Pluspunkt an die Migros.

        Disclosure: ich bin weder bei P2P noch bei Paymit involviert.

  2. Danke für den Hinweis mit dem Disclaimer, dass Namics bei Paymit mitgearbeitet hat. So kam mir der Beitrag auch vor, einseitig und nicht neutral. Wer gar 3D Secure als Nachteil auflistet, übertreibt zu stark. 3D Secure ist de facto Standard heute bei allen Online Shops.

    • Hallo Stefan

      3D Secure ist aus meiner Sicht nicht per se ein Nachteil. Die Sicherheit wird hier für einen einfachen Bezahlcase (idR. für Kleinbeträge) extrem hoch gewichtet. Dies ist auch der Unterschied zu den von Dir erwähnten Online Shops. Hier geht es um höhere Beträge und nicht um ein schnelles zahlen einer Pizza. Geschwindigkeit ist folglich aus meiner Sicht zentral.

      Die zwingende Eingabe des CVV Codes und des 3D Secure Codes für jede Überweisung halte ich daher nicht für den richtigen Weg. Eine Alternative wäre diese Eingabe ab einer gewissen Limite einzuführen, analog zu Paypass. Hier muss ein PIN erst bei einer Zahlung ab 40 CHF eingegeben werden. Somit wäre ein Kompromiss zw. Sicherheit und Usability gegeben.

      Beste Grüsse
      Matthias

  3. Wer alles Zugang zu den Transaktionsdaten hat ist mir soweit egal. Unglücklich ist der Einbezug von Datatrans für den User, da es einen weiteren Screen gibt, der unterschiedlich aussieht und ein Risiko für Abbruch darstellt. Da ich eine UBS Kreditkarte habe, sehe ich bei mir das UBS Logo. Zudem ist der Einbezug eines weiteren Partner auch unglücklich für die Kosten, welche bei der Migrosbank anfallen (soweit sie diese nicht dem Kunden weiter verrechnen).

    Die Frage ob 3D Secure oder Verified by Visa genutzt wird hat ausschliesslich mit dem Risikotransfer zwischen Merchant und Acquirer zu tun. Hier geht UBS und SIX Paymit einen Schritt auf die Kunden zu um die Transaktion zu verschlanken. Mal sehen wie es die weiteren Partner Raiffeisen und die Kantonalbanken von Genf, Waadt und Luzern handhaben werden.

    Ich gehe aber mit allen Kommentaren auf Twitter einig, dass sich der Erfolg am Verkaufspunkt entscheiden wird. Hier bin ich halt auch der Meinung, dass Paymit mit SIX die sehr viele der POS-Terminals stellen, eine deutlich bessere Ausgangslage hat.

  4. Händler welche auf Webseiten/Apps Kreditkartendaten entgegennehmen, benötigen einen Payment Service Provider (Datatrans in dieser P2P App der Migros Bank), welcher die Daten zur Autorisierung an den Kreditkarten-Acquirer weiterleitet. So auch Paymit (Dies ist auch bei Paymit nicht anders). Zur Erfassung der Daten bietet Datatrans grundsätzlich neue Bezahlformulare (https://www.datatrans.ch/de/angebot/zahlungsloesungen/webshop) welche speziell für mobile Lösungen konzipiert sind (responsive Design).

    Die Migros Bank prüft angeblich, ob sie bei registrierten Kunden zukünftig auf die Abfrage vom CVV verzichten wollen. Der Screen für die Eingabe des 3-D Secure Passworts wird nicht vom Payment Service Provider angezeigt, sondern von der kartenherausgebenden Bank. Ob eine Transaktion mit 3-D Secure abgewickelt wird, ist eine Frage des Risikos und ausschliesslich vom Vertrag der Migros Bank mit dem Kreditkarten-Acquirer abhängig. Datatrans bietet einem Händler übrigens die Möglichkeit, betragsabhängig zu steuern, ob eine Transaktion mit 3-D Secure oder ohne 3-D Secure ausgeführt werden soll.

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