Mobile Kollaboration auf Weltklasse-Niveau? Eindrücke von der WCMC 14

Die zweitägige Konferenz, die sich mit mobiler Kommunikation und Zusammenarbeit von Mitarbeitern beschäftigte, war thematisch weit gespannt. Von Crowdsourcing in der internen Ideation bei Electrolux über Mobile Apps für Mitarbeiter bei Volvo bis hin zu Kommunikationstools bei Sanofi Aventis war alles dabei. Leider auch der eine oder andere offensichtliche Vertriebsvortrag, etwa von Evernote, IBM oder box.

Mobile Security: mehr Regulationen – oder doch weniger?

Ein wichtiger Schwerpunkt war das Thema Security, dem allein ein halber Tag gewidmet war. Dr. Hans-Joachim Popp vom DLR (Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum) zeigte, welche Begehrlichkeiten wissenschaftliche Forschungsergebnisse auslösen. Und dass die Tools, diese Begehrlichkeiten illegal zu befriedigen nicht nur unglaublich gut, sondern auch unglaublich leicht verfügbar sind. Nachdrücklich plädierte er für mehr Standards und globale Regulierungen im Internet und löste damit eine heftige Diskussion aus.

Marcel Zumbühl von der Swisscom betonte, dass es keineswegs nur die Grossen und Bekannten treffe, sondern dass es naiv sei zu glauben, man selbst werde schon nicht zum Angriffsziel. Am Beispiel ihres Call-Centers zeigte er, wie die Swisscom gerade durch den Abbau von Restriktionen mehr Sicherheit und zugleich mehr Kundenzufriedenheit erreicht hat. Einerseits erhielt jeder Call-Center-Mitarbeiter Zugriff auf alle Daten und damit deutlich höhere Verantwortung. Andererseits wurde ein einfaches Monitoring eingeführt, mit dem die Swisscom sehen kann, wenn ein Mitarbeiter etwa ausserhalb der Arbeitszeit die Daten eines Tennisstars durchsucht.

Ideation als internes Crowdsourcing-Event

Wie die hunderttausend und mehr Mitarbeiter eines globalen Unternehmens eine ideale Grundlage für Crowdsourcing darstellen, demonstrierte Peter Ferm von Electrolux. Schon zum zweiten Mal führte das Unternehmen 2014 die sogenannte iJam durch, bei der alle Mitarbeiter innerhalb von 72 Stunden ihre Ideen einreichen und eingereichte Ideen bewerten können. In einem transparenten Prozess werden daraus zunächst die Top 60 Ideen und schliesslich die besten drei gekürt, die dann auch zur Umsetzung gelangen.

Einen Einblick in die Ideenfindung für Business2Employee-Apps gab Marcus Trapp von Fraunhofer IESE. Systematisch werden beim Kunden die Bewegungsprofile von Mitarbeitergruppen erfasst und daraus typische mobile Use Cases abgeleitet. Dabei geht es nicht nur um Aussendienst- oder Service-Mitarbeiter, sondern z.B. auch um die Management-Etage, die oft erhebliche Teil der Arbeitszeit in Meetingräumen, bei Mitarbeitern oder sonst abseits des eigenen Schreibtisches verbringt.

Mobile Apps – von ersten Experimenten zu Business Integration

Pierre Boissenet zeigte am Beispiel Volvo, wie die App-Entwicklung vor Jahren mit ersten Anwendungen zur Händlersuche oder einfachen Kalkulatoren begann. Im nächsten Schritt folgten Mobile Business Apps, die vor allem für den Vertrieb interessant waren. Der folgerichtige Schritt waren schliesslich Apps, die über das eigene Unternehmen hinaus auch Partner und Kunden miteinbeziehen.

Im Abschlussvortrag zeigten Frederik Stjernqvist und George Muir von Ikea, wie Devices und Tools zur mobilen Kollaboration letztlich dem Umstand Rechnung tragen, dass sich Arbeit und privates Leben immer mehr durchdringen. In der Freizeit checken wir geschäftliche Mails, noch während der Arbeitszeit checken wir die Verkehrslage auf dem Heimweg. Die gut hunderttausend Lager- und Warenhausmitarbeiter will Ikea deshalb mit eigenen Devices und später auch mit web-basierten Tools und Apps ausstatten. Gefragt, wie er die damit verbundenen Investitionen der Geschäftsführung erkläre, meinte Stjernqvist: “Ich stelle eine einfache Frage. Was meinen Sie macht der Mitarbeiter in der Viertelstunde, die er auf der Toilette verbringt?”

Insgesamt wurde sowohl in den Vorträgen als auch im Gespräch in Kaffee- und Mittagspause klar, wie immens die Herausforderungen sind, vor die sich Unternehmen durch die rasante Entwicklung mobiler Endgeräte, Anwendungen und der zugehörigen Infrastruktur gestellt sehen. Und in vielen Unternehmen hat das Umdenken gerade erst begonnen.

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