Continuous Lifecycle 2014 in Mannheim – Tag 2

Nach dem interessanten ersten Tag, über den Torsten Gerbig bereits berichtet hat, begann der zweite Tag der „continuous lifecycle 2014“ für mich mit einem sehr gelungenen Vortrag tum Thema „Effektives Konfigurations-Management mit Chef, Vagrant und Veewee“. Hintergrund der Vortragenden ist die Entwicklung eines Integrations-Tools, welches Third-Party-Systeme miteinander verbindet. Die große Herausforderung, die sie mit dem vorgestellten Toolset bewältigen, sind die automatisierten Tests ihres Produkts gegen eine Menge dieser Third-Party-Systeme, die auch in jeweils verschiedenen Versionen getestet werden müssen. Daraus ergeben sich mehrere hundert verschiedene Konfigurationen, für die jeweils virtuelle Maschinen bereitgestellt werden müssen. Die Tools wurden jeweils kurz vorgestellt, und anschließend wurde die Verwendung anhand eines vereinfachten Beispiels erläutert, zusammen mit einigen Learnings und guten Tipps für eigene Projekte. Insgesamt fand ich diesen Vortrag sehr informativ und gut aufbereitet. Es hat Spaß gemacht zuzuhören.

Danach ging es weiter mit dem Vortrag „Postmortems and Human Factors“ von Daniel Schauenberg, einem Entwickler bei Etsy, die (nach eigener Aussage) in der Technikwelt hauptsächlich dadurch bekannt sind, dass sie ca. 50-75mal pro Tag in ihre Produktionsumgebung deployen. Im Vortrag ging es jedoch nicht um die Technik, die dies ermöglicht, sondern (wieder einmal ;-)) um die Kultur dahinter. Bei einer solchen Taktung ist es für Etsy sehr viel wichtiger , die „Mean-Time-to-Recover“ (MTRR) zu minimieren als die „Mean-Time-between-Failure“ (MTBF) zu optimieren. Aus diesem Grund wird jede relevante Störung auf der Produktion mit einer „Blameless Post-Mortem“-Analyse. Der wichtige Aspekt hierbei ist, dass solche Analysen wirklich immer „blameless“, also ohne Schuldzuweisungen, durchgeführt werden. Es hilft der Organisation nicht weiter, wenn ein „Schuldiger“ gefunden wird (wobei den einen Schuldigen ja selten gibt), sondern es ist wichtig, zu erfahren, warum etwas passiert ist, damit man die Prozesse, Werkzeugen oder auch das Monitoring entsprechend anpassen kann, damit dieser Fehler nicht wieder auftritt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass diese Meetings kurzfristig nach dem Incident abgehalten werden, damit alle Informationen noch präsent sind, und offen für alle sind, die daran teilnehmen wollen. Ein weiterer spannender Vortrag aus der Kategorie „Kultur“.

Der Vortrag „Git in freier Wildbahn“ war ebenfalls sehr interessant, weil er keine weitere Vorstellung der Features von Git war, sondern eine (explizit nicht repräsentative) Umfrage über die Art der Nutzung von Git. Mit den Ergebnissen konnte man sich bestätigt sehen, wenn man sie gleiche Nutzungsweise wie die Mehrheit verwendet, oder aber als jemand besonderes, der sich von der Masse abhebt :-).  Insgesamt waren die Ergebnisse wenig überraschend, aber auch gut für die eigene Einordnung geeignet.

Die Keynote des zweiten Tages von Mathias Meyer (Travis CI) mit dem Titel „The Hidden Driver of Continuous Delivery and DevOps“ war wieder einmal ein Vortrag mit dem Fokus auf die Kultur. Inhaltlich wirkte sie wie eine Kombination aus der Keynote des Vortags von Jez Humble und dem Vortrag von Daniel Schauenberg von Etsy – und das nicht im negativen Sinne. Diese Überdeckung zeigt meiner Meinung nach, wie wichtig diese kulturellen Aspekte sind, und dass hierüber auch größtenteils Einigkeit in der Community herrscht.

Leider aus meiner Sicht ein großer Flop war der Vortrag „Konfigurationsmanagement – gewusst wie!“. Vor 10 Jahren wäre dieser Vortrag vielleicht innovativ gewesen, heutzutage passte er leider überhaupt nicht in die Konferenz, weil er in zentralen Punkten den sonstigen Konsens bzgl. Vorgehensweisen widersprach. Es blieb der fade Eindruck, dass hier ein Autor eines Buches des mitveranstaltenden d.punkt-Verlags, welches einige thematisch passenden Werkzeuge beschreibt, eine Gelegenheit zur Werbung bekommen sollte.

Ein schwieriges und im Zusammenhang mit Continuous Delivery häufig unter den Tisch gekehrtes Thema wurde im Vortrag „Continuous Database Design“ besprochen. Der Referent Thorsten Maier hat meiner Meinung nach sehr gut die Herausforderungen das Management von Datenbanken im Umfeld häufiger Softwareänderungen beschrieben, und auch einige gute Lösungsansätze präsentiert. Insbesondere in der Hinsicht darauf, dass nicht nur die Vorteile von Continuous Delivery, sondern auch technsiche Schwierigkeiten benannt wurden, ein sehr lohnenswerter Vortrag.

Insgesamt war die „continuous lifecycle 2014“ für mich eine gelungene Veranstaltung. Sowohl für Software-Entwickler als auch für Betriebler sind eine Menge interessanter Themen dabei gewesen,  von denen die meisten auch sehr gut vorgetragen waren. Und wie üblich waren auch hier wieder die Gespräche mit anderen Konferenzteilnehmern fast ebenso interessant und aufschlussreich wie die Vorträge selbst.

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