2015: Apple Watch & Co, es lebe die Smartwatch (Teil 2 von 2)

Auch wenn der Reality Check im letzten Teil der Blog-Serie (2014: Moto 360, die Smartwatch ist tot) noch wenig positiv ausfällt, sollte nicht vergessen werden, dass Totgesagte oft länger leben als gedacht. In diesem zweiten Teil zum Thema Smartwatch geben wir einen Ausblick, was 2015 zu erwarten ist und diskutieren einige Gründe, warum die Smartwatch 2015 doch noch den Durchbruch haben könnte.

Ein Rückblick: Wie war das nochmals mit Smartphones und Tablets?
Zwar waren die Hands-on-Erfahrungen 2014 ernüchternd, aber auch andere überaus erfolgreiche Technologiewellen, wie bspw. das Smartphone oder Tablet, haben mehrere Anläufe benötigt, um einen Durchbruch zu erreichen. Im Fall von Smartphones und Tablets hat sich unter anderem Microsoft, mit an sich recht guten Produkten, jahrelang „die Zähne ausgebissen“ und keine nennenswerten Erfolge verbucht. In beiden Fällen war es dann Apple, die mit ihren Produkten (iPhone und iPad), die Wende eingeläutet haben. Hier stellt sich nun die Frage nach dem Warum und ob wir aus dieser Erkenntnis Schlüsse zur Zukunft der Smartwatch ziehen können.

Auf der Suche nach der „Killer App“.
Im Fall iPhone gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die sich dieser Frage angenommen haben (vgl. West und Mace, 2010). Die gegebene Erklärung ist dabei sowohl einfach als auch naheliegend. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass nicht die Hardware des iPhones sondern eine „Killer App“ – eine Anwendung, die für den Kunden einen klaren Mehrwert schafft – die Grundlage für den Erfolg war. Beim iPhone soll der Browser, also das Internetsurfen, den Durchbruch gebracht haben. Angesichts aktueller Zahlen zur Internetnutzung am Smartphone und der Tatsache, dass 2015 Mobile Devices den Desktop / Laptop als Nummer 1 Internetkonsumgerät überholt haben werden, unterstützen diese Erkenntnis (vgl. Mobiforge, 2014).

Besteht die Smartwatch 2015 den „Toothbrush Test“?
Aber wie können solche „Killer Apps“ erkannt werden? Ein relativ einfacher aber auch effektiver Weg ist der „Toothbrush Test“, welcher von Google’s CEO Larry Page zur Entscheidung, ob Google ein Unternehmen akquiriert, eingesetzt wird (vgl. Wikipedia 2014). Der Test besteht aus einer zweigeteilten Frage: Ist das Produkt mindestens ein bis zweimal täglich nützlich und verbessert es das Leben der Anwender deutlich? Ausgehend von dieser Frage kann eine Prognose gemacht werden, welche Features der Smartwatch evtl. 2015 zum Durchbruch verhelfen könnten. Im Folgenden werden zwei Features aufgegriffen, die ggf. das Potential zu einer Killer App haben. Die Beantwortung des Toothbrush Test bleibt dabei Ihnen überlassen.

Payment.
Während Google bei Android Wear den Funktionsumfang stark reduziert hat (vgl. Teil 1), geht Apple mit seiner Apple Watch anscheinend genau den entgegengesetzten Weg und bietet eine ganze Palette von Funktionen bzw. Apps an. Ein Feature, das Potential hat den Toothbrush Test zu bestehen, ist Payment bzw. das Bezahlen mittels Smartwatch (siehe Abb. 1). Je nach Lebenssituation sind eine Vielzahl an Menschen täglich mehrfach mit dieser Tätigkeit konfrontiert. Ein Kaffee bei Starbucks, Einkäufe am Weg nach Hause oder das Mittagessen mit den Kollegen, immer ist der Griff zum Portemonnaie bereits Routine. Wäre nicht auch Ihr Leben deutlich angenehmer, wenn Sie fast ganz auf Ihr Portemonnaie verzichten könnten und einfach mit einer Berührung Ihrer Uhr bezahlen könnten?

Zahlen mit Apple Watch

Abb. 1: Zahlen mit Apple Watch.

Mobile Health.
Eines der wenigen Features, welches unsere Tester an der Moto 360 liebgewonnen haben, ist das Aktivitätstracking und der Pulsmesser. Die Nachteile der 2014er Smartwatches (siehe Teil 1) konnte dieses Feature allerdings nicht ausgleichen und es gibt bereits seit Jahren Geräte, die diese Funktionen deutlich besser erfüllen (FitBit, Jawbone Up & Co). Dennoch handelt es sich hier um Features, die praktische Funktionen übernehmen, wie das Überwachen, ob ein gesundes Mass an Bewegung jeden Tag eingehalten wird oder zu Tracken, wie die Schlafqualität war und wann der optimale Moment zum Aufwachen erreicht ist. Diese Features können unter dem Begriff Mobile Health zusammengefasst werden. Ob Mobile Health den Toothbrush Test besteht, haben viele Konsumenten bereits für sich selbst entschieden und den kommerzielle Erfolg von FitBit & Co vorangetrieben. Spannend ist daher der Ansatz von Withings, welcher die Vorteile einer herkömmlichen Uhr mit Mobile Health verbinden. Mit der Withings Activite erwartet die Kunden eine „Smartwatch light“, die zwei der Hauptprobleme (Akku und Display, siehe Teil 1) evtl. löst und mit mehreren praktischen Funktion (Health Tracking, Wecker, Nofications etc.) verbindet.

withings activite brown

Abb. 2: Die Withings Activite als „Smartwatch Light“.

Fazit: Es lebe die Smartwatch!
Mit der Apple Watch in den Startlöchern und spannenden alternativen Ansätzen wie der Withings Activite gibt es doch noch ein versöhnliches Ende. Auch wenn das Jahr 2014 mit ziemlicher Sicherheit nicht als das Jahr, in welchem die Smartwatch die Welt verändert hat, in die Geschichtsbücher eingehen wird, sind diese Hoffnungn für 2015 grösser denn je zuvor. Klar ist, dass der Hype weitergehen wird und wahrscheinlich ist es nur einer Frage der Zeit, bis ein Smartwatch-Ansatz den Toothbrush Test für eine Vielzahl von Konsumenten positiv beantwortet und damit zum Kassenschlager wird. Es bleibt also spannend und das Thema sollte auf jeden Fall auf der „Watch List“ bleiben.

2015: Was uns noch erwartet.
Somit kündigt sich 2015 bereits jetzt als spannendes Jahr mit dem Potential für einige Wendepunkte an. Neben der nächste Innovationswelle im Smartwatch-Bereich (Apple Watch etc.), werden auch weitere Innovationen wie iBeacons („iBeacons“ die Brücke zwischen On- und Offline), Oculus Rift (Oculus Rift: Ansätze für sorgenfreies virtuelles Eintauchen) oder Google Glass (Google Glass. Die mobile Zukunft vor Augen?) zunehmend an Reife gewinnen.

Milos Radovic beschäftigt sich mit diesen und weiteren Trends und wird auf der Namics Fachveranstaltung Mobile Business Insights am 27. November einen Vortrag halten, bei welchem er den Technologien hinsichtlich ihrer strategischen Relevanz auf den Zahn fühlen wird. Aber auch das Thema Mobile Health wird auf der Veranstaltung angesprochen. Thomas Schärli von Medela wird einen Vortrag halten, wie sein Unternehmen mittels einer App als Erweiterung zu bestehenden Produkten im Health-Bereich zum Kundennutzen beiträgt. Interessiert? Hier gelangen Sie zur kostenlosen Anmeldung und weiteren Informationen. Der Besuch lohnt sich.

Quellen:
Mobiforge (2014). Mobile browsing v desktop browsing. Online.
West, J., & Mace, M. (2010). Browsing as the killer app: Explaining the rapid success of Apple’s iPhone. Telecommunications Policy, 34(5-6), 270–286.
Wikipedia (2014). List of mergers and acquisitions by Google. Online.
Abbildung 1. Bildquelle: smh.com.au.
Abbildung 2. Bildquelle: Withings.

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Über Thomas Sammer

Promotion zum Dr.oec.HSG an der Universität St.Gallen mit Forschungsaufenthalt am Center for Digital Strategies der Tuck School of Business sowie Masterstudium in Management and International Business an der Universität Graz mit Abschluss als Mag.rer.soc.oec. Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen mit Projekten für Bayer Business Services, T-Systems MMS, SWITCH und weiteren Unternehmen. Davor tätig als selbstständiger Softwareentwickler für u.a. die Grazer Wechselseitige Versicherung. Autor von mehreren akademischen und praxisorientierten Artikeln zu den Themen Mobile Business und Social Media sowie dem Lehr- und Fachbuch „Mobile Business“. Einstieg bei Namics 2014 als Senior Consultant mit Fokus auf Mobile Business.

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