Mobile Commerce: „iBeacons“ die Brücke zwischen On- und Offline

Wenn neue Technologien auf „alten“ Technologien aufbauen, ist das immer spannend; denn die alte Technologie hat bereits jeder und die neue Technologie kann damit von Anfang an auf einer sehr hohen Marktdurchdringung aufbauen. Das trifft auch auf die iBeacon-Technologie zu, die eine ganze Reihe an spannenden Anwendungsmöglichkeiten eröffnet und dabei auf altbewährtes Bluetooth aufbaut. In diesem Blogpost möchten wir eine kurze Einführung zur iBeacon-Technologie geben und einige Anwendungsfelder aufzeigen, welche bereits heute technisch möglich sind und im Hause Namics erprobt werden.

Was sind iBeacons und was tun sie?

Grundsätzlich sind iBeacons relativ „einfach“ und können als Plastikgehäuse (etwa in Streichholzschachtelgrösse) mit eingebautem Bluetooth-Sender (um das iBeacon-Signal zu senden) und entsprechender Stromversorgung per Akku (hält etwa 2-3 Jahre) beschrieben werden.
Ihr Aufgabe besteht darin, kontinuierlich per BLE (Bluetooth Low-Energie) einen eindeutigen Namen (Unique Identifier) an die umliegende Umgebung zu senden. Die Reichweite beträgt dabei maximal 70m (in der Praxis ist unserer Erfahrung nach eher eine Reichweite von 35m realistisch). Abbildung 1 zeigt drei iBeacons von Kontakt.io.

Abbildung 1: Wenn von iBeacons die Rede ist, sind meistens solche Boxen gemeint. Grundsätzlich kann ein iBeacon-Signal allerdings von jedem Bluetooth-fähigem Gerät gesendet werden.

Abbildung 1: Wenn von iBeacons die Rede ist, sind meistens solche Boxen gemeint. Grundsätzlich kann ein iBeacon-Signal allerdings von jedem Bluetooth-fähigem Gerät gesendet werden.

Was kann mit iBeacons gemacht werden?

Wird ein iBeacon-Signal von einem Gerät mit Android oder iOS empfangen, versucht das Betriebssystem dieses Signal an die entsprechende App weiterzuleiten. Die App entscheidet dann, welche Aktion ausgeführt werden soll. Hierzu ein Beispiel:
Ein Kunde der ACME Bank hat auf seinem Smartphone die Mobile Banking App seiner Bank installiert. Er hat einen Beratungstermin ausgemacht und betritt die Filiale. In der Filiale ist ein iBeacon installiert. Sein Smartphone empfängt das iBeacon-Signal und leitet es an die App weiter. Diese entscheidet nun, abzufragen, ob dieser Kunde einen Termin in dieser Bank hat und in welchem Raum. Mit dieser Information generiert die App nun eine Push-Nachricht, die beim Kunden angezeigt wird sobald er die Filiale betritt. Abbildung 2 illustriert diesen Fall.

Abbildung 2: Welcome-Nachricht mit personalisierter Information.

Abbildung 2: Welcome-Nachricht mit personalisierter Information.

Signal – Aktion – Kundennutzen?

Das iBeacon-Signal kann damit Aktionen oder Nachrichten direkt auf dem Client (Smartphone, Tablet etc.) auslösen. Besteht eine Internetverbindung, kann der Client allerdings auch weitere Aktionen auslösen – zb. die Rauminformation für den Termin abfragen oder die CRM Informationen zum bevorstehenden Termin am Tablet des Beraters öffnen. Ein einfaches iBeacon-Signal kann damit dazu beitragen, dem Kunden die entsprechende Raumnummer für seinen Termin direkt beim Eintreffen in der Bankfiliale auf seinem Smartphone anzuzeigen und zeitgleich den Berater zu informieren, dass der Kunde eingetroffen ist und die passende CRM-Information auf dem Tablet des Beraters öffnen. Abbildung 3 illustriert die Kette an Aktionen, die durch das iBeacon-Signal ausgelöst werden kann.

Abbildung 3: Das iBeacon-Signal kann ein Auslöser sein, um per Internetverbindung weitere Aktionen auszulösen und personalisierte Informationen anzuzeigen.

Abbildung 3: Das iBeacon-Signal kann ein Auslöser sein, um per Internetverbindung weitere Aktionen auszulösen und personalisierte Informationen anzuzeigen.

In-Store Sales Reloaded

Ausgehend von dieser Aktionskette werden eine Reihe von neuen Anwendungen für den Tablet-unterstützen In-Store-Verkauf möglich. So kann bspw. am Tablet eines Autoverkäufers automatisch die History der vom Kunden online konfigurierten Autos ausgegeben werden. Die iBeacon-Technologie wird so zur Brücke zwischen eCommerce und Verkaufsfläche (Geschäfts- und Verkaufsräumen). Für das Mobile Business Forum haben wir eine solche Anwendung als Show Case implementiert und vorgestellt, um die technischen Möglichkeiten aufzuzeigen. Eine Beschreibung dieses Show Case findet sich im Blog Post zum Mobile Business Forum.

Wo wird iBeacon-Technologie bereits eingesetzt?

Die iBeacon-Technologie steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber einige namenhafte Unternehmen sind bereits auf den iBeacon-Zug aufgesprungen und haben die Technologie in Test-Applikationen oder sogar flächendeckend ausgerollt. So hat die amerikanische Baseball-Liga alle Stadien flächendeckend mit iBeacons ausgerüstet und die Technologie in ihre App „At the Ballpark“ integriert. Aber auch in Deutschland wurde von McDonalds bereits ein Testlauf gestartet. Eine gute Übersicht zum Einsatz von iBeacons gibt diese Liste.

Die Herausforderung

Die technischen Möglichkeiten der iBeacon-Technologie sind weitreichend und erlauben eine Vielzahl an spannenden Einsatzmöglichkeiten. Ob sich diese Technologie in der Praxis dursetzen wird, hängt allerdings stark davon ab, wie Unternehmen diese Technologie einsetzen werden.
Gehen die Anwendungen in Richtung Werbung oder Promotion und bieten dem Nutzer keinen Mehrwert, können diese schnell als Spam empfunden und daher gelöscht werden. Wird hingegen ein tatsächlicher Mehrwert geboten, z.B. durch eine Prozessoptimierung, kann davon ausgegangen werden, dass die Technologie schnell von Kunden angenommen wird.
Für den Erfolg von iBeacon-Anwendungen ist daher ein solider Anwendungsfall mit Mehrwert für das Unternehmen und insbesondere den Kunden notwendig. Um Anwendungsfälle zu identifizieren, bewerten und umsetzen zu können bieten wir gerne unsere Expertise an. Namics beschäftigt sich ausführlich mit der iBeacon-Technologie und kann auf ein breites Netzwerk an Experten zurückgreifen.

Weitere Artikel zum Thema iBeacons

  • Tobias Baube hat sich bereits im Juli 2013 mit IBeacons auseinandergesetzt und einen Blogpost aus technischer Perspektive mit dem Fokus auf Indoor-Navigation verfasst. Zum seinem Artikel geht es hier.
  • Die Zusammenfassung der Show Cases vom St.Gallen Mobile Business Forum findet sich hier.
  • Das Wired Magazine hat einen lesenswerten Artikel zum Thema im November veröffentlicht: „4 Reasons Why Apple’s iBeacon Is About to Disrupt Interaction Design
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Über Thomas Sammer

Promotion zum Dr.oec.HSG an der Universität St.Gallen mit Forschungsaufenthalt am Center for Digital Strategies der Tuck School of Business sowie Masterstudium in Management and International Business an der Universität Graz mit Abschluss als Mag.rer.soc.oec. Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen mit Projekten für Bayer Business Services, T-Systems MMS, SWITCH und weiteren Unternehmen. Davor tätig als selbstständiger Softwareentwickler für u.a. die Grazer Wechselseitige Versicherung. Autor von mehreren akademischen und praxisorientierten Artikeln zu den Themen Mobile Business und Social Media sowie dem Lehr- und Fachbuch „Mobile Business“. Einstieg bei Namics 2014 als Senior Consultant mit Fokus auf Mobile Business.

7 Gedanken zu “Mobile Commerce: „iBeacons“ die Brücke zwischen On- und Offline

  1. iBeacons sind mir noch ein bisschen „fern“…

    Müssen beim Signal-„Empfänger“ Bluetooth und Push-Nachrichten aktiviert sein?

  2. Danke für diesen Artikel. Darin steht, dass „das Betriebssystem dieses Signal an die entsprechende App weiterzuleiten“ versucht. Auf Basis welcher Information trifft das OS diese Auswahl? Ist die Information über die anzusprechende App im iBeacons-Signal selber enthalten?

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