Wieviel SEO braucht ein Website Relaunch?

4 Pflicht-SEO-Massnahmen, die jeder Relaunch braucht

Bei Website-Relaunches gilt im Zusammenhang mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) oft das Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. In dem Sinne werden sämtliche SEO-Massnahmen nach Livegang vertagt, der Zeit und dem Budget zuliebe. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass gerade im Fall von Relaunches gewisse SEO-Versäumnisse zu erheblichen Traffic-Verlusten führen können, welche womöglich schmerzhafte Umsatzeinbussen nach sich ziehen. Wir zeigen hier 4 SEO-Massnahmen, welche bei jedem Relaunch Pflicht sein sollten.

Er kommt immer näher, der grosse Tag, an dem der eigene Webauftritt endlich im neuen Look und mit überarbeiteter Struktur „on air“ ist. Zeit und Budget waren knapp und sind am Ende ausgeschöpft. Nichtdestotrotz: das neue Design ist ein Eye-Catcher, die Web-Features sind innovativ und die mobile Version erfüllt ihren Zweck.

Und was ist mit SEO? Dafür gab es vor Relaunch leider keine Zeit, kein Budget oder keine offenen Ohren. Dabei ist gerade die Phase vor Livegang der perfekte Zeitpunkt, um Chancen zu nutzen und bekannte Risiken zu umgehen.

Chancen und Risiken beim Website Relaunch

Mit der Neugestaltung des Internetauftritts kann man nach dem Relaunch so richtig durchstarten, wenn man die Risiken und häufige Fehlerquellen umgeht und die Chancen nutzt:

Chancen, die ein Relaunch ermöglicht 

  • Eine bessere Systemperformance durch bessere technische Substanz
  • Eine Stärkung businesskritischer Inhalte dank optimierter IA
  • Eine höhere Attraktivität der Webseite durch zeitgemässes Layout und Design
  • Mehr Relevanz durch überarbeitete und erweiterte Inhalte (Text, Bild und Video)

Risiken, die ein Relaunch birgt 

  • Eine Zunahme von 404-Errors und/oder schlechtes Redirecting infolge neuer URLs
  • Die Gefahr von Duplicate Content durch das Ablegen derselben Inhalte an verschieden Orten
  • Eine Schwächung der Inhalte* aufgrund der Tendenz zu reduziertem Webdesign
  • Eine Entwertung der Inhalte durch simple Copy/Paste Aktionen

Der Grund, warum SEO gerne auf später vertagt wird ist verständlich, denn erst nach Livegang ist effektiv sicht- und spürbar, wie gut der neue Webauftritt in Suchmaschinen tatsächlich rankt. Entsprechend erhält das Thema auf Kundenseite vielfach erst dann die nötige Aufmerksamkeit. Oft zeigen sich die Auswirkungen in erheblichen Traffic-Einbussen, bedingt durch einen Rückgang der Visibilität in Suchmaschinen, wie die folgenden Beispiele verdeutlichen:

SEO Relaunch Ranking Beispiele negativ

Visibilitäts-Verlust nach Relaunch, Quelle: Sistrix Toolbox, Sichtbarkeitsindex

Diese drastischen, teilweise gar dramatischen Verluste an Visibilität in Suchmaschinen müssen aber nicht sein. Vorausgesetzt die oben beschriebenen Chancen eines Relaunches werden genutzt, können mit der Durchführung weniger zentraler SEO-Massnahmen Sichtbarkeits- und dadurch Umsatzeinbussen umgangen, oder im Falle eines Domainwechsel auf ein Minimum reduziert werden.

SEO Relaunch Ranking Beispiele positiv

Visibilitäts-Gewinn nach Relaunch, Quelle: Sistrix Toolbox, Sichtbarkeitsindex

4 unbedingt erforderliche SEO-Massnahmen vor Relaunch

Bei SEO-Massnahmen, die zwingend vor dem Relaunch der Website durchgeführt werden müssen, geht es primär um die Überprüfung der technischen und inhaltlichen SEO-Hygienefaktoren, die Sicherstellung einwandfreier Crawlability, und ein Minimum an Monitoring. Werden diese Punkte nicht beachtet, wird aus Aufgeschoben zwangsweise ganz schnell ein Aufgehoben. Das Vorgehen wird nachfolgend ausführlich beleuchtet.

Vier zentrale SEO Relaunch Massnahmen Namics

Übersicht über die wichtigsten SEO Relaunch Massnahmen

1. Konzeptioneller, technischer und inhaltlicher SEO-Review

Ungeachtet wie kompetent Konzepter, Designer und Techniker sind, damit die wichtigsten SEO-Aspekte von Anfang an erfüllt sind, ist es ratsam, die Templates frühzeitig von einem SEO-Experten gegenprüfen zu lassen. Nur so können konzeptionelle, technische und inhaltliche SEO-Hygienefaktoren sichergestellt und kritische Faktoren rechtzeigt adressiert werden.

Konzeptionell werden u.a. folgende Themen untersucht:

  • Wird die interne Verlinkung aktiv gefördert und Sackgassen vermieden?
  • Sind verschieden Inhaltselemente angedacht?
  • Inwiefern werden mobile Endgeräte unterstützt?
  • Ist die Usability grundsätzlich gewährleistet?

Unter technische Faktoren fallen u.a. Fragen wie:

  • Macht die URL-Struktur Sinn?
  • Sind robots.txt hinterlegt?
  • Existiert eine XML Sitemap? (evt. sogar erweitert für Bilder oder Videos)
  • Wird Duplicate Content vermieden bzw. mit den korrekten Tags versehen?

Zu den inhaltlich Prüfkriterien gehören u.a. Fragen wie:

  • Werden H-Tags stringent eingesetzt?
  • Existiert ein Konzept für Page Title und Meta Descriptions?
  • Wie werden Bilder- und Videodateien gepflegt?
  • Können aussagekräftige Linktexte verfasst werden?

Der SEO-Review vor Relaunch verhindert, dass nach Livegang mühsame und mitunter kostspielige Korrekturen vorgenommen werden müssen, die leicht in der Konzeptionsphase oder bei der Migration hätten aufgedeckt bzw. erledigt werden können. Es handelt sich dabei auch nicht um eine stundenlange Prüfarbeit als viel mehr um ein Absichern und Challengen, das meist mit einem eingeplanten Zusatzaufwand von wenigen Tagen gewährleistet ist.

2. Einrichtung von 301-Weiterleitungen

Da durch einen Relaunch immer auch Änderungen an URLs miteinhergehen ist es wichtig, den User im Sinne der Usability und den Crawler im Sinne der Crawlability nach Livegang direkt zum neuen Ort der Inhalte zu führen. Diese Aufgabe übernehmen serverseitige 301-Weiterleitungen. Der 301-Statuscode zeigt dem Crawler, dass eine Seite permanent an einem neuen Ort abrufbar ist und überträgt im Gegensatz zur temporären 302-Weiterleitung Linkpopularität und PageRank an die neue Seite. Wichtige Faktoren im Kampf um gute Platzierung in Suchmaschinen.

Bei einem umfangreichen Relaunch ist es allerdings oft nicht möglich bzw. nicht verhältnismässig, sämtliche alt-URLs auf die neuen zu mappen und per 301 weiterzuleiten. Es empfiehlt sich daher vor Launch mit Hilfe von SEO- und Webmaster Tools (s. auch Punkt 4) die im Netz wertvollsten eigenen URLs zu identifizieren. Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Welche Seiten besitzen die grösste Anzahl Backlinks?
  • Welche Seiten haben qualitativ wertvolle Backlinks?
  • Welche Seiten haben den höchsten PageRank (mag mit oben korrelieren)?
  • Welche Seiten haben die höchsten Besucherzahlen?
  • Welche Marketing Links sind im Umlauf (auch auf Printmaterial)?
  • Welche sozialen Signale gilt es zu beachten?

Die wichtigsten alt-URLs (je umfassender umso besser) werden anschliessend in einer Tabelle erfasst und mit den neuen korrespondierenden URLs gemappt. Die Tabelle gilt als Vorlage für das Einrichten der 301-Weiterleitung. Die restlichen URLs kann man entweder analog auf die Homepage weiterleiten, sinnvoller ist aber die Erstellung und Ausspielung einer optimierten 404-Fehlerseite, wie im folgenden Punkt beschrieben.

3. Erstellung einer nutzerfreundlichen 404-Fehlerseite

Auch ein sauberes und ausführliches Redirecting kann letztendlich nicht verhindern, dass die „Popularität“ der 404-Error-Seite nach einem Relaunch zwangsläufig zunimmt. Weder User noch Suchmaschinen mögen diese Art von Fehlermeldung, da beide nicht die Information finden, welche sie beanspruchen. Die Folgen sind eine erhöhte Bounce Rate und nicht gecrawlte Pages. Beides Faktoren, die aus SEO-Sicht nicht wünschenswert sind. Es gilt deshalb, diese Sackgasse bestmöglich zu umgehen und die Fehlerseite so nutzer- und crawlerfreundlich als möglich zu gestalten. Mehr Informationen und Tipps zum Thema 404-Fehlerseite findet ihr hier.

4. Eröffnung von Google Webmaster Tools

Und last but not least: Google Webmaster Tools gehören zur Standardausrüstung jedes Relaunches. Die Google Webmaster Tools sind mittlerweile so ausgreift, dass sie für die eigene Website quasi als SEO-Tools dienen und demzufolge unverzichtbar sind. Wie bei allen hier erwähnten SEO-Relaunch-Tipps ist jedoch entscheidend, dass die Auseinandersetzung damit vor Livegang stattfindet. Zu den hilfreichsten Funktionen und Analysen zählen:

  • Einstellungen zur Domain und Länderzuordnung
  • Einrichtung und Überprüfen von Sitemaps
  • Angaben zu Backlinks
  • Angaben zu interner Verlinkung
  • Überprüfung von Crawling-Aktivitäten sowie Robots.txt

Fazit: Die frühzeitige Auseinandersetzung mit SEO ist Key

Was die 4-Punkte-Liste veranschaulichen soll ist, dass es nicht viel braucht, um im Falle eines Relaunches das Minimum an SEO Massnahmen zu befolgen, um ein Maximum an Enttäuschung zu verhindern. Denn nochmals: Ein Versäumnis kann im Nachhinein um ein vielfaches teurer ausfallen als die Durchführung der wichtigsten SEO-ToDos zur rechten Zeit. Es soll aber auch erwähnt sein, dass es sich bei diesen vier Punkten tatsächlich nur um das erforderte Minimum handelt. Es macht absolut Sinn, noch mehr in SEO-Aktivitäten zu investieren, sei es in der Aufbereitung der Inhalte oder im korrekten Aufsetzen der Tracking der Massnahmen.

10 Gedanken zu “Wieviel SEO braucht ein Website Relaunch?

  1. Hallo, da gibts eine Menge zu tun. Ich denke aber, dass die Seo-Maßnahmen nicht sofort umsetzbar sind, da man vorerst die Funktionalität, sowie diverse Tests durchführen muss. Viele Grüße Werner Schmidt

    • Hallo Werner, viele Massnahmen kann man starten, wenn man ein gutes und stabiles Gefühl mit der neuen Seite hat. Absolut. Dennoch: Ein gutes Ranking hat man sich (meist) mühsam erarbeitet. Diese Arbeit dann zu verlieren und erstmal nichts zu tun, ist doch sehr schade. Die bestehende Kraft weiterzureichen, die Besucher an die richtige neue Stelle zu führen, eine gute 404-Seite zu machen – all das sind Massnahmen, die meiner Meinung nach absolut zu Beginn (oder vor Launch) Sinn machen, um möglichst wenig organischen Traffic zu verlieren. Was würdest Du zu Beginn weglassen?

  2. Ich weiß nicht ob ich wirklich alle Links mühsam weiterleiten würde. Habe zuletzt bei einem Projekt beobachtet, dass es nach ca. 4 – 6 Wochen die alten Rankings auf neuer URL hatte, obwohl nur ein Bruchteil der Links direkt umgebaut und weitergeleitet wurden. Durch die neuen Onpage-Maßnahmen, bessere WDF*IDF Inhalte, ein paar neue gute Links die mit der URL als Ankertext usw. verlinkt wurden, waren die Ergebnisse überraschend gut. Abgesehen davon haben wir ja alle mitbekommen wie ernst es Google jetzt mit den Links meint und die meisten Links sind eh nicht so dolle, wenn man mit SEO bei einzelnen Projekten schon vor Jahren angefangen hat und alle noch Links aus Branchenbüchern, Presseportalen usw. haben.

    • Hallo Andreas, je nach Projektgrösse denke ich auch, dass es keinen Sinn macht für alle URLs einen Redirect einzurichten. Hinzu kommt, dass die Inhalte meist auch nicht mehr 1:1 kongruieren. Die meist visiblen Seiten zu redirecten macht aber nur schon aus Sicht der Usability Sinn, ausserdem kann man so den Anteil der Deeplinks von Anfang an stärken.

      Frage: Haben sie die nicht direkt gemappten URLs per 301 auf die Home weitergeleitet oder der 404-Fehlerseite überlassen?

  3. Ich stimme darin zu, dass es wirklich viel zu tun gibt. Im zweiten Punkt sehe ich es hinsichtlich der Priorisierung etwas anders. Ein Shop/eine Webseite kann funktional perfekt sein. Wird sie nicht gefunden, wird sie dennoch keinen Wert generieren. Zudem: wieso sollte Visibilität nicht auch eine Kernfunktionalität sein? Deswegen macht es sehr viel Sinn, SEO/die inhaltliche Perspektive möglichst früh ins Projekt einzubringen. Ex post werden viele Dinge nicht mehr funktionieren (siehe Julias ersten Punkt) bzw. erzeugen riesigen Aufwand.

  4. Gut geschriebener Artikel – Dankeschön! Die Aussage von Herrn Groiss, dass SEO möglichst früh in einem Projekt mit einbezogen werden sollte, stimmt absolut. Auch unsere Erfahrung bestätigt, dass Projekte, bei denen die verschiedenen Disziplinen von Anfang an berücksichtigt werden, erfolgreicher sind.
    Im Rahmen der SEO Campixx habe ich mich am letzten Wochenende mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meines Workshops darüber unterhalten, wie man SEO am besten in einem Projekt einbauen kann. Den Artikel dazu gibt’s frisch in unserem Magazin: magazin.unic.com/2014/03/20/recap-zur-seo-campixx-2014-wie-binde-ich-seo-in-grosseren-relaunch-projekten-ein

  5. Ich sehe in einem Relaunch auch die Möglichkeit, die alte Website zu entschlacken. Damit meine ich nicht in erster Linie, irrelevante Inhalte auf 410 zu leiten, sondern im Zuge des Redesign die Seitenstruktur zu vereinfachen (DOM-Elemente reduzieren, Requests reduzieren, Ladezeiten verringern, Übertragungsvolumen verkleinern). Gerade im Umfeld von Performance sehe ich viel Potential im Sinne von Optimierung.

  6. Pingback: Warum ich keinen Relaunch mehr mache?!

  7. Ich bin auf der Suche nach einem Tool, mit dem ich unsere Webseite vor dem Relaunch crawlen kann, um die 301 Redirects sinnvoll zu setzen. Könnt Ihr mir etwas empfehlen?

  8. Pingback: Warum ich keinen Relaunch mehr mache?!

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