Die Antwort: Piwik oder Google Analytics?

Immer wieder wird gefragt, ob das Webanalyse Tool Piwik oder Google Analytics genutzt werden soll. Jedoch gibt es auf diese Frage keine richtige Antwort. Letztendlich hängt die Antwort von den eigenen Zielen, die mit einer Webanalyse-Lösung verfolgt werden sollen, ab. Aus den Zielen ergeben sich spezielle Anforderungen, welche durch unterschiedliche Tools mit abweichenden Stärken-Schwächen-Profilen verschieden gut abgedeckt werden. Deshalb muss für eine vertrauenswürdige Empfehlung ein individueller Abgleich erfolgen. Im Folgenden möchte ich dennoch die unterschiedlichen Profile der Tools beschreiben.

Wichtig ist zu beachten, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, denn die intensive Weiterentwicklung beider Lösungen verändert das Bild quartalsweise. Gerade bei Piwik lassen sich in letzter Zeit Entwicklungssprünge sehen, die das Tool immer häufiger in den Auswahlprozess katapultieren. Doch Google Analytics, welches einige Jahre Entwicklungsvorsprung hat, legt mit Erweiterungen in Richtung eines universellen Analyse-Tools die Zielmarke schnell weiter nach vorne.

Lassen Sie uns zunächst die beiden Digital-Analytics Lösungen unter die Lupe nehmen:

Unterschiede Google Analytics und Piwik

Piwik – Die Möglichkeit das Produkt selbst zu betrieben, weiterzuentwickeln und die Daten auf einem eigenen System zu speichern, stechen heraus.

Stärken

  • Intensiver Entwicklungssprung, sehr gut nutzbar, um die eigene Seite mit einem Nutzungsfokus zu analysieren
  • Datenhoheit
  • Lokale Installation möglich
  • Open Source, Erweiterung und Anpassung der Software möglich

Schwächen

  • Bisher keine frei definierbaren Auswertungen
  • keine Segmentierung (befindet sich in Entwicklung, per API bereits möglich)
  • Nur Grundabdeckung im Bereich Marketing (fehlende Adwords Integration, Social-Media-Auswertungen in Entwicklung, Customer Journey-Analysen fehlen)
  • Die Auswertungsmöglichkeiten sind noch nicht in marktüblicher Tiefe möglich, gerade im Bereich von Abläufen, Anpassbarkeit und Vergleichen
  • Mobile-Tracking ist nur durch Eigenentwicklung möglich
Unterschiedlicher Fokus und Flexibilität der Tools

Unterschiedlicher Fokus und Flexibilität der Tools

 

Google Analytics – Ein hoher Verbreitungsgrad, eine ganzheitliche Sicht auf den Nutzer und Features, welche den Marktstandard definieren, werden häufig als Vorteile genannt.

Stärken

  • Ganzheitlicher Ansatz, Kunde wird in den Fokus gerückt
  • Hohe Usecase-Abdeckung, vom Shop über das Reichweitenportal zum Online-Produkt
  • Nahtlose Integration von AdWords und SEO-Informationen aus Google Webmastertools
  • Kampagnentracking, Customer Journeys und Cross-Channel-Sicht
  • Verlässliches Massenprodukt, intensive Weiterentwicklung
  • Flexibel und Konfigurierbar: eigene Auswertungen, Segmentierung und versierte Auswertungen

Schwächen

  • Keine Datenhoheit
  • Kein Zugriff auf Rohdaten
  • Sampling bei zu vielen Daten reduziert Genauigkeit
  • Kein Eingriff in die Software möglich
  • Abhängigkeit von der Produktpolitik des Anbieters

 

 

Informationsaufdeckung durch Tools entlang des Kundenlebenszyklus

Informationsaufdeckung durch Tools entlang des Kundenlebenszyklus

Ergebnis – Piwik versus Google Analytics

Aus der Betrachtung wurde bewusst die Thematik des Datenschutzes ausgeklammert. Ob der Datenschutz gewährleistet wird, ist zum einem vom Einsatz der Tools abhängig (werden IP Adressen vor der Speicherung entsprechend verkürzt) und zum anderen von der rechtlichen Abgrenzung (Datenschutzhinweise, Hinweise auf Opt-Out-Möglichkeiten, vertragliche Situation mit dem Anbieter). Damit können beide Tools bei entsprechender Berücksichtigung der erforderlichen Maßnahmen datenschutzkonform betrieben werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich die Profile der Tools – ausgehend vom wichtigsten Entscheidungskriterium – deutlich unterscheiden.

Ist das Entscheidungskriterium die Datenhoheit und die Zugriffsmöglichkeit auf die Software, ist Piwik der klare Favorit.

Soll die Entscheidung für einen ganzheitlichen Analysefokus getroffen werden, hat Google Analytics einen abgrenzbaren Entwicklungs-Vorsprung, es entsteht jedoch eine Abhängigkeit von der Produktpolitik des Anbieters.

8 Gedanken zu “Die Antwort: Piwik oder Google Analytics?

  1. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile, für einen ersten Überblick reicht die Installation Analytics oder Piwik. Wer richtig viel Traffic hat, kann eine Menge mehr erfahren, wenn beide Systeme eingesetzt werden.

  2. Das ist ein wichtiger Punkt! Danke für die Ergänzung Herr Walter.

    Wer ggf. bereits schon eines der beiden Tools im Einsatz hat und/oder über die Ressourcen verfügt zwei Implementationen vornehmen und betreuen zu können, ist ideal beraten, beide Lösungen einzusetzen. Zum einen lassen sich Daten vergleichen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten – zum anderen kann schnell herausgefunden werden, welches Tool sich für welche Analysen und Informationen besser eignet. Insbesondere die Logfile-Analyse-Möglichkeit bei Piwik gibt noch mal einen interessanten Betrachtungswinkel – um beispielsweise die Abweichungen zwischen Logfile-Daten und Pixeltracking empirisch aufzudecken.

  3. Pingback: Besucheranalyse: Welche Alternativen gibt es zu Google Analytics? › Blog von SENSational Marketing

  4. Das ist richtig, die diversen SEO-Tools können Visit-Zahlen aus den Analytics-Tools über Schnittstellen integrieren. Google-Analytics-Schnittstellen sind dort am meisten verbreitet. Sollte diese Integrationsmöglichkeit eine Anforderung darstellen, würde das sicherlich eine Entscheidung in Richtung Google-Analytics begünstigen. Allerdings entwickelt sich Piwik momentan schnell weiter, so ist in der aktuellen Version die Segmentierung als neues Features hinzugekommen. Damit holt Piwik einen entscheidenden Schritt auf und wird stärker zu einer bewertbaren Alternative.

  5. Vielen Dank für den super illustrierten Beitrag! Die Grafiken veranschaulichen den Vergleich sehr schön. Nur denke ich, dass Google Analytics als Tracking-Tool eindeutig zu bevorzugen ist, da für mich die Datenmenge und deren Filterung am wichtigsten ist. Und dabei hat Google Analytics eindeutig die Nase vorn. Ansonsten bin ich genau deiner Meinung!

  6. Hallo! Dein Artikel ist zwar schon bisschen älter, aber da ich auch gerade vor der Frage GA oder Piwik stehe fand ich ihn dennoch sehr interessant. Bei mir stellt sich gerade eher dir Frage der Rückkehr zu GA. Ich habe jahrelang Piwik auf einem Server betrieben und war recht zufrieden. Leider ist die verwendete Datenbank trotz regelmäßigem löschen der Daten immer Proppevoll. Zwischen 300-600 MB sind schon mal ein Brocken. Hier wäre eine Auslagerung sicher nützlich, obwohl ich mich ungern von Piwik trennen mag.

  7. Pingback: Piwik: Eine Alternative zu Google Analytics?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>