Damit ein Wiki kein Irrtum wird

Im Beitrag Wissensmanagement im Enterprise 2.0 wird eine schlüssig vorgetragene Argumentation geliefert, warum ein Wiki im Unternehmen keinen Erfolg hat. Im Kern läuft die Argumentation darauf hinaus, dass ein Wiki nur eine smarte Fortführung des „Datenbank“ Gedanken im Wissensmanagement ist und deshalb nicht mehr zum Teilen von Wissen beiträgt als die alten Ansätze auch.

Einverstanden, weil schon lange klar. Und trotzdem funktioniert die Kombination Wiki & Blog bei namics sehr gut, da einige Annahmen im oben genannten Beitrag nicht zutreffend sind und ein paar weitere Bausteine dazukommen. Mutmasslich trifft dies auch für anderen Unternehmen zu.

Gestalter-Kultur:
Die Annahme, dass nur 1% im Unternehmen etwas beitragen, weil das im Web ja auch so sei (Folie 41 des obigen Beitrags), stimmt bei namics nicht. Nach der Einführung des dialogorientierten Intranets haben in 6 Monaten ca. 75% aller Mitarbeiter mindestens einen Post oder Kommentar geschrieben. Durchschnittlich haben diese Mitarbeiter 10 Posts beigetragen. 20% aller Mitarbeiter haben in dieser Zeit mehr als 100 Posts oder Kommentare verfasst!

Einfaches Werkzeug: Die Kontributionsschwelle ist viel geringer als bei anderen Formen der asynchronen und verteilten Zusammenarbeit. Ein Post und das Anstossen der Diskussion ist so einfach wie eine eMail an Alle. Die Fortführung der Diskussion aber um ein Vielfaches einfacher, weil alle Beteiligten über Kommentare und Antworten benachrichtigt werden und schnell und einfach reagieren können.

Unmittelbarer Nutzen: Die automatische Dokumentation der Diskussionen im Blogmechanismus und die damit verbundene einfache Erstellung der Synthese im Wiki bringen einen unmittbarer Nutzen für alle Beitragenden. Dieser Weg spart im Vergleich zur eMail an Alle ganz einfach Arbeit und beschleunigt die Aktualisierung von veralteten Informationen.

Transparenz: Die relevante Community wird durch die Diskussion transparent, so umgekehrt auch ein gewisser sozialer Druck entsteht, den eigenen Beitrag zu leisten. Wenn ein Technischer Architekt bei der Erstellung von Programmierrichtlinien keine Meinung äussert, wird dies ebenso sichtbar wie sein Mitmachen. Transparenz ist also auch ein Mittel, die vielbeschäftigten Experten zum Führen der Diskussion zu bewegen.

Wer sich nochmals das reale und konkrete Beispiel anschauen will, kann den Post vom Montag anschauen oder im Buch „Web 2.0 in der Unternehmenspraxis“ den ausführlichen Case nachlesen.

4 Gedanken zu “Damit ein Wiki kein Irrtum wird

  1. Wissen festzuhalten bringt nur dann etwas wenn das Festgehaltene auch in Zukunft wieder in irgend einer Form genutzt wird. Daher finde die Argumentation im Wissensmanagement Enterprise 2.0 Blog, dass nur ein kleiner Teil an der initialen Erfassung von Wissen beteiligt ist, zu stark gewichtet. Viel wichtiger ist für mich die Frage, ob durch den Einsatz von Wikis der lesende Zugriff zunimmt. Den dies belegt, dass das abgerufene Wissen für den Mitarbeiter, die Mitarbeiterin relevant ist. Das Verhältnis Produzent/Konsument innerhalb einer Firma ist für mich dann spannend, wenn ich untersuchen möchte, wie sich die Firmenkultur entwickelt.

  2. Eine Anmerkung zu Ihrem Beitrag: Es geht in den Präsentationen nicht darum zu beweisen,dass “ ein Wiki im Unternehmen keinen Erfolg hat.“ Es geht um den Unterschied zwischen Wikipedia und einem Wiki (oder besser einer Social Software Suite) im Unternehmen – das sind zwei grundverschiedene Dinge. Im zweiten Teil der Präsentation wird beschrieben, wie Social Software im Unternehmen erfolgreich wird – indem man Sie für die tägliche Arbeit einsetzt (wie z.B. in Ihrem Fall die Erstellung von Programmierrichtlinien). Dann stimmt die 90/9/1 Regel natürlich nicht mehr – so wie Sie das auch in Ihrem Unternehmen beobachten.

  3. Hallo Herr Wolf. Das habe ich auch vermutet und ich finde die Serie wirklich gut, besonders den zweiten Teil. Leider neigt der Ansatz, über die Toolkritik zum Anliegen von Wissensmanagement zu kommen, häufig zu solchen oder ähnlichen Kurzschlüssen. Deshalb wollte ich aufzeigen, wie sich Menschen tatsächlich verhalten und weshalb dieses Verhalten sehr einfach effizienter gemacht werden kann. Ob das Ziel Wissensmanagement oder Qualität in der Softwareentwicklung heisst ist dabei egal. Diesen Weg hat der zweite Teil der Serie dann auch gemacht. Danke für ihren Kommentar.

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