Content Marketing: 6 Schritte zum Erfolg

Guter Content ist geschätzt. Doch wie können Unternehmen erfolgreiches Content Marketing betreiben? Mit dem 6 Schritte-Plan, den wir an der One Konferenz vorgestellt haben, bieten wir eine praxisnahe Anleitung für die Vermarktung durch Inhalte.

„Guter Content ist wie Pornografie. Ich erkenne ihn, wenn ich ihn sehe“, meint der einflussreiche kanadische Marketer Mitch Joel. Doch was braucht es dazu und wie starten und betreiben Sie eine nachhaltige Content Marketing-Initiative mit Erfolg? Nachdem wir Content Marketing und dessen unternehmerische Grundlagen abgesteckt haben, wenden wir uns der Planung und Ausführung einer Content Marketing-Initiative und damit der grössten Herausforderung zu. An unserem Referat an der One Konferenz in Zürich sind Michael Rottmann und ich dieser wichtigen Frage nachgegangen.

Die nachfolgenden 6 Schritte sind zentral bei der Umsetzung Ihres Content Marketing-Programms.

1. Die Ziele: spezifisch und kundenorientiert = messbar

Bevor Sie sich ans Schreiben machen, gilt es die Ziele Ihrer Content Marketing-Aktivitäten definieren. Diese sollten in direktem Bezug zu Ihren Unternehmenszielen stehen. So einfach dies klingt, so schwer tun sich viele damit, denn Ziele müssen vor allem spezifisch und kundenorientiert sein und damit messbar. Viele Content Marketing-Bestrebungen scheitern an einem mangelhaften Verständnis der Unternehmensziele.

DON’Ts: So sollten Sie Ziele nicht formulieren
Hier ein paar Beispiele von Zielsetzungen in Zusammenhang mit Content, die viel zu allgemein und damit nicht messbar sind:

  • “Wir wollen mehr Traffic auf unserer Website.”
  • “Unsere Mitbewerber sind fleissige Blogger, wir müssen auch etwas tun.”
  • “Wir haben so viele tolle Inhalte in unserer Firma, wir müssen sie einfach an die Öffentlichkeit bringen.”

DOs: Beispiele für messbare Ziele
Und nun ein paar Beispiele von spezifischen und kundenorientierten und damit messbaren Unternehmenszielen:

  • “Wir zielen auf eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent bei unseren 20 grössten Kunden im Rahmen des Jahres 2012 ab.”
  • “Wir möchten unsere Finanzdienstleistungen an 10 neue Kunden im Jahr 2012 verkaufen.”
  • “Die Telefonate im Kundendienst sollen im laufenden Jahr um 10 Prozent gesenkt werden.”

2. Die Bedürfnisse: Was interessiert Ihre Zielgruppen?

Wie gut kennen Sie Ihre Kunden und deren Informationsbedürfnisse? Was sind ihre Interessen, Anliegen und Probleme? Erst wenn Sie diese Fragen beantwortet haben, können Sie Content produzieren, der auf die Nachfrage Ihrer Zielgruppen trifft. Ihre Nachforschungen könnten folgende Massnahmen umfassen:

  • Kundenumfragen mit Online-Tools wie Google Docs und SurveyMonkey
  • Telefonate und persönliche Treffen mit potenziellen und bestehenden Kunden
  • Ausführliche Gespräche oder Workshops mit Ihrem Kundendienst und Verkaufspersonal
  • Erwähnungen durch Kunden überwachen mit Tools wie Google Alerts und via Social Media wie Twitter und Facebook.

3. Die Konversionen: Zentrale Messgrössen definieren

Bei diesem Schritt verknüpfen Sie die Ziele mit den Interessen Ihrer Zielgruppen, indem Sie definieren, welche messbaren Handlungen der von Ihnen produzierte Content bei Ihren Zielgruppen auslösen soll. Hier einige Beispiele für die Definition von Content-Konversionen:

  • Herunterladen einer aktuellen Studie nach Angabe von Informationen wie Name, Adresse, E-Mail, Alter, Interessen, um mehr Informationen für die Kundendatenbank zu erhalten
  • Abonnieren eines Online-Newsletters als Massnahme der Kundenakquise
  • Test- oder Demo-Angebot zum Anregen des Kundendialogs.

4. Die Themen und Kanäle: Marketingmix und involvierte Personen

Als nächstes definieren Sie die Themen Ihrer Content-Planung, die konkreten Content-Gefässe und Kanäle, die personellen und finanziellen Aufwände gemäss festgelegtem Budget und nicht zuletzt die zentralen Prozesse, Abläufe und Verantwortlichkeiten. Sie beantworten hier die nachfolgenden Fragen:

  • Welche Themen werden konkret behandelt?
  • Welche Art von Content wird produziert (z. B. Blogbeitrag, Fallstudie, E-Book, Video, Podcast, Foto, Webinar, Newsletter usw.)?
  • Wie oft wird der Content erstellt (Timing und Aktualisierung)?
  • Wird Content durch das eigene Unternehmen produziert oder extern eingekauft?
  • Welche Kanäle werden mit dem Content bespielt (Blog, Unternehmenswebsite, Microsite usw.)?
  • Auf welchen Kanälen wird der Content verbreitet (Newsletter, Social Media, RSS usw.)?
  • Welche Personen sind innerhalb und allenfalls noch ausserhalb des Unternehmens im Content-Erstellungs- und Verbreitungsprozess involviert? Wer sind die Thementreiber (z. B. Autoren, Redaktoren, Mitarbeiter usw.) und die Verantwortlichen (z. B. Projektleiter, Marketingleiter, Abteilungsleiter usw.)?

5. Die Bewerbung: Ein Muss

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Content wahrgenommen wird und bewerben Sie diesen auf allen für Sie möglichen Arten und Kanälen, online und offline. Dies umfasst Social Media wie Facebook, Twitter, Google +, die Unternehmenswebsite, den Newsletter und die RRS-Feeds, aber auch klassische PR- und Werbemassnahmen, die vor allem in der Initialphase Ihrer Content Marketing-Bestrebungen unerlässlich sind. Nicht zuletzt sollten Sie den Content im persönlichen Gespräch mit Ihren Kunden, sei dies auf einer Messe, bei einem Kundenbesuch oder einem Kundenanlass anpreisen.

Was Sie nach dem Schreiben eines Blogbeitrags oder nach der Erstellung von neuem Content für dessen optimale Bewerbung tun können, führen das Content Marketing Institute und DivvyHQ mit einer anschaulichen Grafik aus.

6. Die Messung: Beobachten und schlussfolgern

Mit dem Tracking und Monitoring registrieren Sie die durch den Content ausgelösten Handlungen (wie viele heruntergeladene Studien, wie viele ausgefüllte Kontaktformulare, wie viele abonnierte Newsletter, wie viele eingelöste Coupons, wie viele Registrierungen für ein Testangebot usw.?). Sie ermitteln anschliessend, wie sich die Konversionen auf die zu Beginn festgelegten Unternehmensziele auswirken (wie viel Umsatz wurde generiert, wie viele neue Kunden wurden akquiriert, wie viele Kundentelefonate wurden geführt usw.?). Aus den Resultaten der Messung können Sie wichtige Lehren für die Anpassung, Optimierung und damit den Erfolg Ihrer Content Marketing-Aktivitäten ziehen.

Fazit: Mit Planung, Organisation und Messung zum Erfolg

Mit spezifischen und messbaren Zielsetzungen, bedürfnisgerechten Inhalten, einer konkreten Definition von Konversionen, einem Redaktionsplan und einer Festlegung von Zuständigkeiten sowie der kontinuierlichen Bewerbung und Messung können Sie Content bieten, der nicht nur gelesen wird, sondern Ihr Unternehmen als Ganzes weiterbringt. „Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt“, sagte der chinesische Philosoph Lao-Tse. Mit unseren 6 Schritten können Sie die Reise zum Content Marketing-Erfolg nicht nur antreten, sondern in ein langfristig lohnenswertes Unterfangen für Marketing und Verkauf verwandeln.

Benötigen Sie Unterstützung bei Ihrem Content Marketing-Programm? Unsere Content Services bieten das volle Spektrum an Content- und Social Media-Dienstleistungen für Ihr Unternehmen.

Download: Content Marketing – Werbung durch Inhalte (Präsentation an der One Konferenz) [pdf, 3.9MB]

Vortrag bei der IHK zu SEO-Texten

Am vergangenen Donnerstag war ich auf Einladung der IHK Regensburg als Referent bei der Veranstaltungsreihe “Sieben Schritte zum erfolgreichen Web-Angebot“. Am Themennachmittag Online Marketing wollten die interessierten Zuhörern erfahren, wie Texte nicht nur für deren Zielgruppen, sondern auch für Suchmaschinen aufbereitet werden können. 

Suchmaschinen versuchen, menschliches Verhalten möglichst exakt abzubilden und fundieren diese Behaviour Matchings mit komplexen Algorithmen. Das klare Ziel aller Suchmaschinen: die korrekte Sortierung der Suchresultate nach inhaltlicher Relevanz für den jeweiligen Nutzer (und nebenbei ein paar Klickprovisionen zu erhalten ;-) ). Hierzu werden Crawler auf die Reise geschickt, um möglichst vollständig Informationen über Webinhalte zu sammeln. Während Google&Co häufig und öffentlichkeitswirksam (Panda, Penguin) an Änderungen der Algorithmen arbeiten, werden parallel auch die Crawler auf “Effizienz” getrimmt. Mit ein paar Kniffen schaffen es Webmaster, Ihre Inhalte so aufzubereiten, dass Informationen a) vollständig und b) schnell gesammelt werden können.

Auf die meisten Punkte sind wir an dieser Stelle bereits eingegangen, deswegen möchte ich eine an sich kleine Möglichkeit besonders herausstellen: die Textstrukturierung. Wir können bei der aktuellen Veränderung des menschlichen Leseverhaltens davon ausgehen, dass bereits Texte ab 200 Zeichen (entspricht 1,43  Tweets) ein Mindestmaß an Strukturelementen benötigen (man kennt die kaum mehr leserlichen Texte ohnepunktundkommaineinigenforendieserwelt).

Texte mit einem gewissen redaktionellen Umfang können/sollten folgende Strukturelemente beinhalten- jedes dieser Elemente kann durch Suchmaschinen interpretiert werden.

  • Headlines (H1-H6)
  • Anker
  • Bullet Points (Unsorted Lists)
  • Aufzählungen (Sorted Lists)
  • Zitate
  • Links
  • Absätze mit Zwischenüberschriften
  • Introtext (Überblick)
  • Outrotext (Fazit)

Mit dem Aussterben von Pressemitteilungen sind die Intro- und Outrotexte etwas aus der Mode gekommen. In hochwertigen Beiträgen in digitalen Themenmagazinen kommen diese jedoch wieder häufiger vor- mit gutem Grund, denn: Leser scannen und scrollen mehr denn je, so dass Inhalten am Anfang und Ende der Seite eine besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Diese Aufmerksamkeit fließt wie selbstverständlich in die Bewertungssystematik von Suchmaschinen ein.

Fazit

Machen Sie die Extrameile für Ihre Kunden und strukturieren Sie Ihre Texte so, wie diese sie erwarten. Belohnen Sie Ihr Unternehmen durch größere Leseintensität, höheren Transport von Informationen und vielleicht auch dem einen oder anderen Pluspunkt bei den Suchmaschinen.

 

Private Banking und Social Media – eine Love-Story?

Vermögen und Diskretion – das assoziiert man mit Privatbanken. Social Media scheint dazu die Antipode zu sein: Alles ist öffentlich, alles ist kostenfrei, alle helfen allen. Aus diesem Grund möchte man meinen, dass Social Media und Privatbanken nicht zusammen passen.

Weit gefehlt, wie aktuelle Beispiele zeigen

Pictet, Julius Bär, Hyposwiss, Bank Vontobel, Notenstein oder Bankhaus Mertzler sind nur einige Beispiele von Privatbanken, die bereits heute soziale Medien nutzen. Dabei ist es nicht lange her (Sommer 2011), dass die Branche Social Media negiert hat. Seit Ende 2011 hat sich das Bild verändert. Innerhalb weniger Monate hat bspw. Pictet die wichtigsten Kanäle aufgebaut und ist der Branche – fast unbemerkt – voraus geeilt:

Julius Bär nähert sich von einer anderen Seite. Was hier bemerkenswert ist: Auch sie haben den Wert von gutem Content erkannt und stellen Themen in den Vordergrund, statt über die eigene Dienstleistung zu sprechen. Das Thema “Next Generation” wird multimedial als iPad App und Magazin aufbereitet:

Der Innovator ging verloren

Und in der gleichen Zeit, in der Pictet, Julius Bär, aber auch Bank Vontobel, Hyposwiss, Bankhaus Mertzler und andere die neue Kommunikation für sich entdecken, ist die bis dahin aktivste Privatbank von der Oberfläche verschwunden: Mit dem Wegfall von Wegelin ist ein Branchenvorreiter verschwunden, der bereits vor 3-4 Jahren mit Social Media begonnen hatte.

So what?

In vielen Kundengesprächen werde ich nach dem Sinn von Social Media für Privatbanken gefragt. Berechtigt. Hier sind meine Gedanken dazu:

  1. Die Zielgruppe gewöhnt sich an Social Media
    Die Hauptzielgruppe von Privatbanken ist 65+ Jahre alt – eine Altersstufe, in der der Gebrauch von Social Media mittlerweile zwar stark zunimmt, aber noch nicht zum Alltag gehört. Eine Altersstufe darunter (45-60 Jahre) sieht das Bild schon anders aus, denn diese Gruppe gehört zu den wachstumsstärksten Gruppen in Social Media. Und vor allem sind viele 45-60 Jährigen noch in der Phase des Vermögenswachstums (und viele von Ihnen sind Affluents). Eine Möglichkeit, diese Gruppe (auf neue Art) zu erreichen.
  2. Next Wealthy Generation
    Viele Privatbanker bestätigen ausserdem, dass in Kundengeschäfte vermehrt auch die “nächste” Generation involviert ist, wobei wir in diesem Umfeld von 30+ Jahre sprechen. Und dass diese Personengruppe in Social Media aktiv ist, muss ich kaum erwähnen. Und dass sie ihre Partner auch über die neuen Kanäle beurteilen, liegt auf der Hand.
  3. Offenheit tut der Branche gut
    Gerade in Zeiten der grossen Kritik am Finanzsystem und an Finanzinstituten sind Massnahmen, die die Branche menschlicher und ehrlicher machen, sicher nicht verkehrt. Ich bin davon überzeugt, dass Social Media eine Möglichkeit bietet, sich von dieser Kritik zu distanzieren und näher an “die Menschen” (und damit an den Kunden) zu gelangen. Der Killer:  Ein Gespenst, das alle Diskussionen um Social Media im Keim erstickt: der vielgefürchtete “Shitstorm“. Was dabei übersehen wird: Kritik ist Chance.
  4. Recruiting ist immer ein guter Grund
    Gerade die Finanzindustrie lebt von Menschen, oder: It’s a people’s business. Es ist für diese Branche (wie auch für andere) essenziell, die richtigen Nachwuchskräfte zu finden. Dieser Nachwuchs ist zum grossen Teil gleichzusetzen mit der Gruppe der Digital Natives, eine Zielgruppe, die ihren potenziellen Arbeitgeber mit anderen Massstäben beurteilt. Zum Beispiel: “Wie verhält sich das Unternehmen in den sozialen Kanälen?” Warum ist das so interessant? Weil sich hieraus sehr viel der Unternehmenskultur ableiten lässt und damit die Frage: “Wie geht man in diesem Unternehmen miteinander um?”
  5. Potenzial von Content Marketing
    Und nicht zuletzt haben Social Media sehr viel mit sehr authentischem und wirkungsvollen Eigenmarketing zu tun. Social Media lebt von mehrwertigen Inhalten. (Deswegen scheitern übrigens auch so viele Social Media Aktivitäten…) Diese Inhalte werden von Menschen: gelesen, ge-like-t, ge-retweet-et, ge-recommend-et, verlinkt,… und mit jedem Like, Retweet, etc. steigt der Wert für das Unternehmen, denn so verbreitet sich der Inhalt viral. Aber vor allem auch das Ranking in Suchmaschinen verbessert sich. Und wie wichtig Suchmaschinen (auch für Privatbanken) sind, wissen wir.

Alles nichts wert

Viele Gründe, die alle nichts wert sind wenn die Entscheidungsträger nichts von Social Media halten. Aber alles Gründe, die überzeugend klar sind, um Entscheidungsträger zu überzeugen. Und um das Thema abzuschliessen (und gleichzeitig komplett zu öffnen) hier mein persönlicher Tipp, wie man 3 Minuten sinnvoll einsetzen kann:

Standortbezogen werben: Was bringen Location Based Services?

Sind sie Ihnen auch schon aufgefallen, die blauen „Check In Here“ Aufkleber von Foursquare? Seit Kurzem klebt einer an Hiltl’s Eingangstüre, wie ich während einer Mittagspause feststellte. Wer dort eincheckt, erhält ein 1dl-Glas des Monatssafts aufs Haus. Bereits 919 Gäste haben eingecheckt, 1652 Säfte wurden ausgeschenkt. Daraus schliesse ich: Jeder zweite Einchecker kam wieder und profitierte doppelt (Stand 12.April 2012).

Aus gegebenem Anlass: Lohnt sich der Einsatz von Location Based Services als Marketinginstrument für Schweizer Unternehmen?

Von der Strasse in den Laden: Location Based Services kurz eingeführt

Im Fokus aller Location Based Services steht die Kenntnis des Aufenthaltsorts eines Nutzers. Dieser wird mittels GPS Funktion des Smartphones ermittelt und beinhaltet das Abfragen von Informationen wie bspw. „Wo ist der nächste Coiffeur-Salon?“ (lokale Suche), „Befindet sich meine Freundin Maja gerade in der Bibliothek?“ (ortsbezogenes Social Networking), „Wie wurde die Cocktail Bar am Paradeplatz bewertet?“ oder der Routenplanung via Google Maps (lokale Orientierung und Bewertung). Der Nutzer erhält also Informationen, die auf seine Bedürfnisse massgeschneidert sind und für ihn genau zu Zeitpunkt X an Ort Y relevant sind.

Viel Potential, aber auch Unsicherheit bei Nutzern und Unternehmen

Während sich in den USA Foursquare, der Vorreiter im Bereich der Location Based Services, zunehmend als Marketinginstrument etabliert, herrscht hierzulande noch Skepsis über Apps, die den aktuellen Nutzerstandort einer Online Community öffentlich zugänglich machen. Und das, obwohl sich die Suche nach lokalen Produkten und Dienstleistung auch in der Schweiz längst weg von den Gelben Seiten, Suchmaschinen und Onlineverzeichnissen hin zu standortbezogenen Suchanfragen und Diensten wie bspw. Google Maps entwickelt hat.

Es ist an den Marketingverantwortlichen Überzeugungsarbeit zu leisten. Zu gross ist (hierzulande immer noch) die Angst, dass die Übermittlung des aktuellen Standortes in die falschen Hände gerät (Datenlecks, Einbrecher, Stalker, etc.). Und trotzdem, Location Based Services in den Marketingmix aufzunehmen, lohnt sich: Das Einrichten einer Online Präsenz ist einfach und kurzweilig, und die damit einhergehenden Vorteile nicht zu unterschätzen!

Einfache Einrichtung der Unternehmensseite

Die Vorgehensweise standortbezogen zu werben, ist denkbar einfach: Unternehmen müssen sich bei den entsprechenden Diensten einen virtuellen Ort anlegen und bestenfalls Check-In Specials oder Deals für die Nutzer bereitstellen. Das Ansprechen und Bewerben der Nutzer mit besonderen Angeboten ist für Unternehmen kostenlos. Der Einsatz von Location Based Services ist bei lokalen Cafés, Bars, Restaurants, Boutiquen, Läden, im Einzelhandel, aber auch bei Supermärkten, Kaffeeketten, Kinoketten oder sogar bei Tankstellen denkbar.

Die Vorteile von Location Based Services

Für Unternehmen, welche Location Based Services als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen, stellen diese eine originelle Ergänzung der bestehenden Marketing- und Social Media-Aktivitäten dar. Von der kurzfristigen Anzeige eines Sonderangebotes bis hin zu umfangreichen, langfristig geplanten Kampagnenmöglichkeiten ist vieles im Bereich des ortsbezogenen Werbens denk- und umsetzbar. Neue Kunden können akquiriert, das Kundenerlebnis optimiert und bestehende Kundenbeziehungen durch eine konsistente Präsenz an den einzelnen Kontaktpunkten intensiviert werden. Ausserdem gilt es als innovativ und fortschrittlich als Schweizer Unternehmen Foursquare oder andere Location Based Services aktiv zu bespielen.

Ein zusätzlicher, nicht zu unterschätzender Vorteil von Location Based Marketing Massnahmen ist der Gewinn digitaler Nutzer-Informationen über das Konsumverhalten der Zielgruppe (Geodaten). Diese Daten können zeitnah gemessen und evaluiert und die ortsbasierte Gesamtkampagne optimiert werden. Aus Perspektive der Nutzer sind Nutzer solche Anwendungen dann spannend, wenn profitiert werden kann (Special Offers), wenn sich gut vernetzte Personen spontan verabreden können oder um Bewertungen einzusehen und Einkaufsempfehlungen abzugeben.

Die kritische Masse als Knackpunkt

Der nordamerikanische Markt von Location Based Services ist weit von einer Konsolidierung entfernt: So kämpfen unzählige Apps wie Foursquare, Scvngr, Loopt, TellMeWhere, Localmind, Aloqa und viele weitere um kleine Nutzerstämme, während die Frage nach dem eigentlichen, langfristigen Wert für die Anwender ungeklärt bleibt. Aus diesem Grund sollten Schweizer Unternehmen nur diejenigen ortbezogenen Dienste für ihre Marketingzwecke einsetzen, die hierzulande auch bekannt sind und genutzt werden: Facebook!

Setzen Sie auf Facebook Places

Facebook mit seinen über 800 Mio aktiven Usern pro Monat bietet mit Facebook Places die ideale Möglichkeit, auf eine bereits bestehende, sehr grosse und aktive Nutzerbasis zurückzugreifen. Erfolgskritische Faktoren sind hierbei einzig die Integration von Facebook Places in die bestehende Facebook Fanseite (Zusammenhalten der Community anstelle von Aufteilen dieser auf mehrere Plattformen) sowie das aktive Bewerben exklusiver Angebote (Anreizgenerierung für Check-Ins). Der daraus (potentiell) resultierende Effekt ist immens, insbesondere dann, wenn bedacht wird, dass jeder Facebook-Nutzer durchschnittlich 300 Freunde hat. Bemerkenswert ist ausserdem, dass Facebook Places ohne App auskommt und dadurch technische Partizipationshürden umgangen werden können (Download einer speziellen App). Schade nur, dass es hierzulande noch sehr wenige Exklusiv-Angebote für die Facebook Communities gibt.

Fazit: Noch viel Potential bei Location Based Services

Location Based Services bergen enormes unausgeschöpftes Marketing-Potential. Wichtig ist es, die Massnahmen crossmedial gut zu bewerben, attraktive Specials anzubieten, das Unternehmensprofil zu pflegen und auf die eigenen Kundenbewertungen zu achten. Wer dies dauerhaft und konsequent macht, kann sich durch das standortbezogene Werben einen Wettbewerbs- und Differenzierungsvorteil erarbeiten. Ebenfalls – der Auffindbarkeit bei Google zuliebe – ist auf eine gepflegte Google PlacesPräsenz nicht zu verzichten. Mehr über die Einflussfaktoren auf das Google-Ranking findet sich unter dem Stichwort SEO in diesem Blog.

Das Retina-Problem für Publisher

Das neue iPad

Die Retina-Analogie

Während einige Publisher noch an der digitalen Revolution knabbern und ihre Inhalte häppchenweise digitalisieren, kommt bereits die nächste Herausforderung Chance aus dem Hause Apple: das neue iPad. Hatten die beiden Vorgängermodelle, das iPad 1/2, noch eine Displayauflösung von  1024 x 768 auf einem 9.7-Zoll Display, löst das neue iPad mit 2048×1536 auf derselben Displaygröße auf und erhöht damit die Pixel-per-Inch von 132 auf 264 PPI. Zudem hat der US-Konzern die Sättigung des Bildschirms verbessert.

Apple spricht deswegen in seiner typischen Zurückhaltung einfach “vom besten Display aller Zeiten” und tauft dieses als lateinische Doppel- Analogie zu Netzhaut und Vernetzung auf den Namen “Retina”.  In optimaler Auflösung ist ein Icon für eine iPad App naturgemäß riesig (siehe Vergleich mit der Auflösung eines originalen Mac).

Vergleich iOS Icon mit Ur-Mac-Auflösung (Quelle:gizmodo.com)

Vergleich iOS Icon mit Ur-Mac-Auflösung (Quelle:gizmodo.com)

Und auch wenn die Konkurrenz das Display im wahrsten Sinne des Wortes noch klein zu reden versucht, macht Apple einen Sprung beim Hauptnutzungselement aller Tablets- dem Bildschirm.

Höhere Auflösung, schönere Bilder, alles gut?

Auf den ersten Blick, ja, denn: Die Chancen insbesondere für Verlage und die Gaming-Industrie, Inhalte in bislang (auf Tablets) unerreichter Hochwertigkeit und Schärfe präsentieren zu können, ist gewaltig. In Kombination mit digitalem Mehrwert-beispielsweise über Interaktionen und vertiefenden Inhalten- entsteht eine neue Content Experience, die zudem mit einer niedrigeren Belastung für die Augen und einem höheren Lesekomfort einhergehen wird. Auch die Durchdringung von iPads im Business-Umfeld dürfte die Bildschirmverbesserung deutlich beflügeln- künftig muss bei Präsentationen weniger gezoomt werden. Zwar dürften alle Anwendungen, die primär Texte und Bilder enthalten, profitieren, doch muss hochauflösender Content erst erstellt werden. Und damit fangen die Probleme an.

Bereits jetzt haben beispielsweise iPad-Magazine (Gelegenheit nutzen und das Namics Magazin downloaden) Dateigrößen von mehreren hundert Megabyte. Damit diese auch künftig in voller (Auflösungs-)Pracht erstrahlen können, müssen die Inhalte aufgebohrt werden, was Dateigrößen massiv erhöhen wird- ein iPad Magazin mit einer Größe von 4-6 Gigabyte dürfte künftig keine Seltenheit mehr sein. Apple setzt mit dem Display einen neuen Standard, der die Branche zur Arbeit zwingend wird. Zwar wurde in den letzten Monaten viel über eine erhöhte Auflösung gemunkelt, welche Auflösung das Display haben wird, ist jedoch erst seit wenigen Tagen wirklich fix- deswegen werden Publisher von Apple sehr kalt erwischt: ab Freitag, wenn das iPad in die Läden kommt, werden Apps, Magazine und andere Inhalte, die für iPad 1/2 realisiert wurden, auf dem neuen Screen recht unattraktiv aussehen.

Sogar Adobe, einer der führenden Hersteller von e-Publishing-Lösungen war offenbar nur geringfügig vorbereitet auf die Hardware-Veränderung, konnte aber vor einer Woche zumindest ankündigen, dass ihre Digital Publishing Suite künftig auch die Auflösungen des neuen iPad unterstützen werde. Doch nicht nur Apps werden betroffen sein: auch Websites benötigen größere Formate und damit höher auflösende Teaser, Bühnenbilder etc., sofern sie auf dem neuen iPad im Full-Screen gut aussehen sollen.

Was Publisher tun können

In der kurzen Frist macht es Sinn, bestehende Inhalte auf iPad-Tauglichkeit zu prüfen und diese anzupassen. Langfristig müssen Prozessänderungen- via Content Strategien- dafür sorgen, dass die Auswirkungen einer Hardware-Veränderung eines führenden Herstellers besser abgefangen werden können. Inhalte werden künftig mehr “liquid” gedacht und erstellt werden müssen, damit Inhalte jenseits der Deviceträgerschaft optimal ausgegeben werden. Anders gesagt: “Responsive Layouts” ergeben keinen Sinn, sofern die Inhalte dafür nicht “responsive” gestaltet werden. Hierzu kann auch gehören, Inhalte schlanker anzulegen, um dem Problem der exponentiellen Vergrößerung von Dateien entgegenzuwirken. Auch andere Branchen standen schon vor ähnlichen Herausforderungen und lösten diese. So mussten sich beispielsweise die Autohersteller vor 10-15 Jahren von Single-Plattform-Setups verabschieden und Autos “responsive” anlegen, so dass heutzutage theoretisch vom Kleinwagen bis zur Luxus-Limousine aus einer Bauplattform stammen können. Auch die zweite Herausforderung, (Dateigröße) abzuspecken, wird den Autobauern bekannt vorkommen: ein Kohlefaser-Chassis spart gegenüber seinem Stahlpendant  bei gleichzeitig höherer Crash-Sicherheit mehrere hundert Kilos ein. Hier mussten jedoch komplett neue Fertigungsverfahren erdacht werden, um dieses Problem zu bekämpfen. Etwas, was auch den Publishern blühen kann: möglicherweise werden iPad Magazine künftig ressourcenschonend in html5 realisiert.