Unternehmungen im Spannungsfeld zwischen App-begeisterten Mitarbeitern und Wettbewerbsdruck
In unserer Unternehmung entstehen immer mehr Apps – dabei variiert die Qualität stark und es gibt kein geordnetes Vorgehen…
Solche Aussagen kommen heute vermehrt von Unternehmungen im B2B Umfeld. Viele berichten über zunehmenden „App-Wildwuchs“. Denn während sich eine Unternehmung in einem Umfeld zwischen App-begeisterten Mitarbeitern (interner Push) und Wettbewerbsdruck (externer Pull) bewegt, entstehen schnell Applikationen für mobile Endgeräte. Der Wildwuchs solcher Applikationen wird durch teilweise konkurrenzierende Bedürfnisse interner und externer Stakeholder weiter angetrieben. Auch ein Mangel organisationaler Strukturen oder eine fehlende Online Strategie sind für eine ungeplante und oft wenig zielgerichtete App-Vielfalt mitverantwortlich.
Das Umfeld
Medien berichten in Euphorie von den neuen Möglichkeiten mobiler Applikationen. Vorzeige-Apps innovativer Unternehmen schlagen grosse Wellen und erfinden ganze Geschäftszweige neu. Folglich überrascht es nicht, dass motivierte Mitarbeiter diese Herausforderungen angehen und die Chancen, die solche Apps bieten, auch für ihr Unternehmen nutzen wollen.
Betrachtet man die Herausforderungen für ein Unternehmen im Kontext verschiedener Umweltsphären, wird deutlich wie radikal sich diese Sphären in der heutigen, digitalen Welt verändern:
- Technologie: Neue Technologien wie Smartphones, Tablets, TV (Apps), ubiquitäre Möglichkeiten, HTML5, … entwickeln sich mit zunehmender Geschwindigkeit und führen in rasantem Tempo zu neuen Bedürfnissen der Stakeholder und damit zu Anforderungen an die Unternehmungen.
- Wirtschaft: Im B2C Bereich wurden bereits viele etablierte Geschäftsmodelle durch mobile Möglichkeiten nachhaltig verändert. Auch im B2B Umfeld befassen sich Unternehmungen mit neuen Geschäftsmodellen. Neue Möglichkeiten bieten Chancen Geschäftsprozesse zu erweitern oder grundsätzlich zu verändern. Aus verschiedenen Beispielen wurde aber auch ersichtlich, dass Unternehmungen heute in der Lage sein müssen, in kurzer Zeit neue Geschäftsmodelle zu etablieren, um langfristig bestehen zu können.
- Gesellschaft: Immer mehr Menschen nutzen das Internet auf mobilen Endgeräten (Accenture Mobile Web Watch 2012: 69% aller Internet User). Die Art und Weise, wie verschiedene Stakeholder mit Unternehmen in Kontakt treten wollen und können, verändert sich durch neue Möglichkeiten. Will man weiter elektronisch mit verschiedenen Anspruchsgruppen kommunizieren und Dienstleistungen anbieten, müssen diese Möglichkeiten berücksichtigt und neue Wege gegangen werden.
Die rasante Entwicklung, disruptive Innovationen und kurze Innovationszyklen setzen Unternehmungen unter Druck. „Leidet“ eine Unternehmung unter „App-Wildwuchs“, so bietet dies aber die Chance, innovative Bestrebungen, die sich aktiv mit neuen Wegen befassen, zu nutzen.
Anstelle jedoch Apps einfach entstehen zu lassen, sollten mobile Applikationen zielgerichtet entwickelt, koordiniert, unterstützt und in einem strukturierten Vorgehen begleitet werden. Ein gut organisiertes Vorgehen ermöglicht es, die Vielseitigkeit von Apps so anzugehen, dass die immens scheinende Komplexität reduziert wird. Dazu dient der folgende App Governance Process, der als Framework einen organisationalen Rahmen und ein strukturiertes Vorgehen postuliert.
Und hier geht es zum Teil 2 des Beitrags über „App Wildwuchs“.









Die Situation wäre damit geschildert. Und hier grad noch ein paar Gedanken / Erfahrungen die Du gerne im nächsten Post beantworten kannst ;).
1) In den App-Stores gibt es meist eine Darstellung von “Apps vom selben Entwickler”. Schon häufig gesehen, dass dort nicht die Firma als Absender drin stand aber die Technikfirma. Der Store zeigt also Apps für Mitbewerber (oder auch zwielichtige Abgebote).
2) Jede App hat einen Support-Website und einen Mail-Kontakt. Hier gilt dasselbe wie bei 1), aber es stellt sich auch die Frage nach der Länderaffinität. Soll dort die Länderorganisation der Firma antworten und in welchen Sprachen?
3) Zusätzlich die Normierung der verschiedenen rechtlichen Aspekte / Bedingungen im Zusammenhang mit der (dezentral publizierten) App resp. den Länderanforderungen z.B. im Bezug auf Datenschutz.
4) Zentrale versus dezentrale Erfolgsmessung und Auswertung.
5) Einheitliches Interaktionsdesign und Branding.
… danke für viele Antworten :)
Hallo Jürg
Danke für den Kommentar und die Fragen, diese werde ich selbstverständlich alle restlos beantworten ;)
Natürlich nicht. Diese und viele weitere Fragen lassen sich m.E. nicht pauschal beantworten, sondern sollten sich alle Unternehmungen individuell beantworten. Der Umgang mit externen Partnern, die organisationale Herangehensweise (zentral vs. dezentral) und dessen Vereinbarkeit mit der Unternehmenskultur, strategische Überlegungen und weitere Aspekte können durch einen aktiv gestaltenen Prozess aber einen Rahmen erhalten, in welchem solche Fragestellungen angegangen werden. Eine Möglichkeit dies zu ermöglichen, wäre es, Verantwortlichkeiten festzulegen und damit eine interne Anlaufstelle zu schaffen.
Die aufgeworfenen Fragen zeigen die Vielschichtigkeit der Themen, die in Bezug auf Mobile Apps aufkommen. Die Komplexität dieser Fragestellungen nimmt mit immer mehr Möglichkeiten, wie z.B. Multi-Channel Ansätze, nicht verringert. Die Herausforderungen für Unternehmungen in dieser mobilen Welt nehmen zu.