Mit Google+ hat der US-Suchmaschinengigant Google sein eigenes soziales Netzwerk gestartet und attackiert den Konkurrenten Facebook auf ureigenem Terrain. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich um ein neues Kapitel im Abschnitt „Standardkriege im Informationszeitalter”, allerdings könnten die Auswirkungen stärker sein als dies beispielsweise im Browserkrieg zwischen Microsoft und Netscape während der Dotcom-Bubble der Fall war. Beide Unternehmen scheinen für das Säbelrasseln bestens gerüstet, doch erstmal der Reihe nach.
Was ist Google+?
Google+ ist der ernstgemeinte Versuch, den „größten Fehler” der Karriere von Google-Chef Eric Schmidt zu korrigieren, nämlich: Social Media zu verschlafen und Facebook einen Nährboden zu bieten, den Zuckerberg&Co genutzt haben, um Werbemilliarden aus dem Google-Netzwerk abzuziehen. Nachdem Verhandlungen zwischen Google und Facebook bezüglich einer Partnerschaft bereits früh gescheitert waren (und sich Facebook anstelle von Google Microsoft mit seinem Suchdienst BING ins Haus holte), hat Google mit dem „Plus Project” einen Konkurrenten erschaffen, der Schwächen von Facebook nutzen und Nutzer auf die eigens erschaffene Social Media Plattform locken soll.
Sammlung von Best Practices > Facebook?
Interpretiert man die Funktionalitäten von Google+ stellt man fest, dass man nicht nur Facebook als Konkurrenten betrachtet, sondern offenbar mehrere Widersacher im Visier hat. Ist die Möglichkeit, sogenannte “Circles” zu bilden und damit Nutzerkreise und Verteilung von Nachrichten noch klar gegen Facebook positioniert, richten sich die „Hangouts” und „Huddles” -Chatmöglichkeiten mit und ohne Video- gegen das jüngst von Microsoft erworbene Skype. Auf einem Stream lassen sich Statusmeldungen des eigenen Netzwerks anzeigen, was eine Alternative zu Bookmarkdiensten wie Delicious, vor allem jedoch zu dem schnell wachsenden Kurznachrichtendienst Twitter darstellen soll. An Letzerem war Google ebenfalls stark interessiert.
Gerüchten zufolge hat man zudem das minimalistische Layout der Plattform von einem früheren Designchef von Apple entwickeln lassen. Die im Gegensatz zu Facebook erweiterten Möglichkeiten der Eingabe von Business-Informationen könnte dem Wunsch Googles entsprechen, Businessportale wie LinkedIn oder dem deutschen Copycat XING einzudämmen. Sie wissen es bereits: auch LinkedIn wird an den Aktienmärkten künftig so teuer gehandelt werden, dass eine Übernahme Google zu teuer käme, so dass Google hier offenbar einen anderen Weg wählt.
Warum der Standardkrieg tiefgreifende Auswirkungen hat.
Facebook hat in den vergangenen Jahren mit hoher Innovationskraft ein Sekundärweb realisiert, welches Marketing- und Onlinebudgets großer Unternehmen in Richtung Social Media verschoben und von Google, das von seinem AdWords-Universum lebt, potenzielle Werbeeinnahmen abgezogen hat. Durch den generellen Budgetransfer weg von der Klassik hin zu Online hat dies die Geschäftsentwicklung nicht verschlechtert, allerdings das Geschäftsrisiko von Google drastisch ansteigen lassen. Dadurch, dass die Google-Crawler aus der Facebook-Welt ausgeschlossen wurden, stieg die Sorge, in diesem Web keine Rolle mehr zu spielen und die hart erarbeitete Vormachtsstellung in Sachen Online-Werbeeinnahmen einzubüßen. Da zudem weder Partnerschaften noch Übernahmen (Facebook schürte wohl auch deswegen den Social Media Hype, um beim IPO so hohe Bewertungen zu erzielen, dass Google trotz gigantischem Bargeldbestand keine Chance haben würde, eine Übernahme zu realisieren) in Frage kamen, war der strategische Handlungsbedarf maximal. Google+ wird zudem nicht nur Facebook tangieren, sondern auch andere Firmen (siehe oben) betreffen.
Der nun begonnene Standardkrieg wird darüber entscheiden, ob es beim Web 2.0 bleibt, das Google wie keine andere Firma mitgeprägt hat oder ob Facebook als Gewinner des „Social Media War” das Netz im Netz weiter ausbauen kann. Firmen stehen dann (bei weitem stärker als jetzt) vor dem (finanziellen) Trade-Off , im „klassischen” Web oder im Facebook-Netz Präsenz zu zeigen-sowohl “organisch” mit Websites oder Fanpages als auch im PPC-Bereich. Sollte Facebook den Krieg gewinnen, würden Präsenzen auf Facebook in vielen Fällen den Nischencharakter abgeben und sich möglicherweise zu vollständigen Auftritten emanzipieren- mit entsprechend positiven Folgen für Werbeeinnahmen der Plattform.
Lange Rede, kurzer Sinn. Wer gewinnt denn nun den Krieg?
Ich hatte nur kurz Gelegenheit (Thanx for invite, Ralph.), Google+ zu nutzen, weswegen ich weniger die Funktionen, die Google+ aktuell bietet, bewerten möchte als vielmehr darauf einzugehen, wer den Standardkrieg für sich entscheiden wird.
In Varian’s (der zufälligerweise Google-Chefökonom ist) „Information Rules” sind einige Kriterien für den Gewinn von Standardkriegen im Informationszeitalter definiert, wobei ich auf die wichtigsten kurz hinweisen möchte.
• „Erreichen der kritischen Masse“: Hier sollte Facebook mit mehr als einer halben Milliarde Nutzern klar im Vorteil sein, wobei die riesige Euphorie bezüglich Google+ ebenfalls schnell eine Vielzahl an Nutzern bringen wird. Facebook wird hier dennoch auf Jahre unerreicht bleiben, wenngleich der Untergang von MySpace eine Warnung sein sollte.
Wertung: Vorteil Facebook.
• „Stärken in Komplementärprodukten“: In diesem Feld hat Google mit seinem eigens geschaffenen Universum größte Vorteile. Google kann hier aus dem Vollen schöpfen, indem bestehende Google-Accounts zum Login genutzt werden können, Videos der Hausplattform Youtube geshared werden, die Google Desktopsuche Informationen auffinden soll etc. Facebook hat eine funktionsfähige, aber stark proprietäre Welt geschaffen, die gut ist, aber hier keinesfalls mithalten kann:
Wertung: Vorteil Google+.
• „Reputation und Brand-Effects“: War der Kampf von Microsoft gegen Netscape auch ein Kampf von David gegen Goliath, ist die Lage hier schwieriger. Die weitaus etabliertere Marke ist wohl Google; da allerdings wichtigte Opinion Leader auf Facebook präsent sind, ist schwer zu beurteilen, wie Brandingeffekte und die Reputation hier wirken werden. In Europa werden die beiden Giganten aufgrund der Datenschutzproblematik kritisch beäugt.
Wertung: Vorteil Google+.
• „Property Rights“: Auch im Kampf der Winklevoss-Brüder gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht man, welche Bedeutung und welchen Wert geistiges Eigentum im Social Web hat. Patentrechte werden den diesen Wettstreit wohl nicht entscheiden. Wertung: Vorteil Facebook.
• „Fähigkeit zur Innovation“: Es handelt sich bei Facebook und Google um zwei hochinnovative Firmen, wenngleich dies die Kritiker des jeweiligen Unternehmens möglicherweise anders sehen würden. Google macht mit Google+ vieles neu (weswegen mancherorts die Bedienung auch als komplex empfunden wird) und löst manche Dinge innovativer (zum Beispiel den Stream), während Facebook die Plattform strukturiert erweitert und verbessert hat.
Wertung: unentschieden.
• „Manufacturing Abilities“: Obwohl Google die ersten Schritte im sozialen Web relativ zeitgleich mit Facebook unternommen hat, ist das Facebook-Team darauf getrimmt, mit neuen Releases die Plattform zu verbessern. Hierzu werben die Unternehmen gegenseitig massiv Mitarbeiter ab. Ein Vorteil für ein Unternehmen wird dann entstehen, wenn der „War for Talents”, der parallel ausgefochten wird, einen Gewinner hervorbringt. Das Thema scheinen beide Unternehmen sehr ernst zu nehmen.
Wertung: unentschieden.
• „1st Mover Advantages“: Der Vorteil der First Mover besteht darin, dass den Nutzern Wechselkosten zu einer neuen Plattform entstehen („Zusammengestellte” Netzwerke müssen auf einer neuen Plattform aufgebaut werden), welche so hoch sein können, dass selbst bei einem Nutzenvorteil der neuen Plattform kein Lock-In stattfindet.
Wertung: Vorteil Facebook.
Fazit
Facebook gewinnt diesen (nicht ganz ernstgemeinten) Vergleich mit 5:4. So wie es aussieht, nimmt Facebook Google+ ernst und damit die große Herausforderung an (Gerüchten zu Folge hat Mark Zuckerberg bereits ein Early Invite-Profil auf Google+ und im gleichen Atemzug mit dem Launch von Google+ große Neuigkeiten angekündigt). Google hingegen hat mit Google+ zum ersten Mal eine konkurrenzfähige Social-Media-Plattform im Markt, welche unter Anderem aufgrund der Einfachheit (mit Google-Account dauert es weniger als 15 Sekunden, bis das Profil erstellt ist) mehr als eine billige Kopie von Facebook und Twitter darstellt. Es bleibt spannend.
Wie ist Eure Meinung? Wer wird den Standard War für sich entscheiden? Oder handelt es sich möglicherweise gar nicht um einen „Krieg”? Ich freue mich auf die Diskussion.









Was mir am Internet – und auch am Web – immer gefallen hat, war die Offenheit, mit der es Informationen unterschiedlichster Art zugänglich machte. “Sekundärweb” hat als Beschreibung für Facebook den Nagel wunderbar mitten auf den Kopf getroffen. Das ist eine Entwicklung, die mir zutiefst zuwider ist und von der ich hoffe, dass sie bald zu einem Ende kommt. Es kann sich ja wohl kaum jemand ernsthaft die Zeiten von Compuserve und AOL zurückwünschen.
Somit hoffe ich, dass *keine* der beiden Plattformen diesen Krieg für sich entscheiden wird. Konkurrenz zu Facebook ist zur Zeit aber sicher eine gute Sache. Und vielleicht hat Google aus den vorangegangenen Experimenten (“Wave”? “Buzz”?) etwas gelernt und kann nun mit einer ernst zu nehmenden Alternative antreten.
@Christian
Vielen Dank für den Kommentar, dessen Aussage ich komplett stütze.
Ich würde sogar in Google+ die offenere Plattform sehen, was ich an den Streams und dem technischen Unterbau (html) zu erkennen glaube.
Ich finde es beispielsweise schade, dass Facebook mit FBML auf eine eigene Auszeichnungssprache setzt und hoffe, dass der Standardkrieg vor einer Marktdurchdringung von html5 entschieden ist. So weit wird es nicht kommen, aber man stelle es sich dennoch vor: Im absoluten Worst Case könnte FBML (dass nicht immer die bessere Lösung gewinnt, sieht man an dem VHS-Standardisierungskrieg) html5 auskonkurrieren. In dubio pro reo: das kann nicht mal Facebook wollen ;-)
Aus ökonomischer Sicht muss man korrekterweise sagen, dass in sogenannten Netzmärkten-und hierzu kann man die Social Media Plattformen durchaus zählen- monopolistische Strukturen effizienter sind als kompetetive Positionierungen.
Beste Grüße
In der Bewertung werden zu Ungunsten von Google drei Argumente nicht ausreichend gewichtet:
1. Google hat Zugriff auf +/- 1 Milliarde (registrierter) Nutzer
2. Soziale Aspekte werden konsequent in allen Produkten Einzug finden, inkl. der omnipräsenten ‘You’-Leiste im Browser.
3. Offene Standards, Datenschutz und Dateneigentümerschaft scheinen bei Google zumindest europäischen Wünschen mehr zu entsprechen. = Relevanz bei Datenmigration/ Vertrauen.
gewinnen wird nur der der sich schneller und besser entwickelt.
Da derzeit COPY modern ist, ist eine Frage der Umsetzung.
Ich freue mich darauf. Nur Allein Google oder Allein Facebook wäre für die Nutzer uncool und später sehr teuer.
VG Lutz
@Kai
Vielen Dank für die Ergänzungen. Die von mir vorgenommene Bewertung ist keinesfalls vollständig; ob Google eine hohe Anzahl an registrierten Nutzern (dass es wirklich eine Milliarde unique Nutzer sind, bezweifle ich allerdings)hilft, den LockIn zu verstetigen? Bestimmt! Ob es dazu führt, dass Facebook auskonkurriert wird? Weiß ich nicht. Selbiges gilt für das zweite Argument.
Das dritte Argument teile ich (siehe Reputation und Brand) wiederum vollständig.
Beste Grüße
@Lutz
Besten Dank für Ihren Beitrag. Ich finde es ebenfalls gut,dass sich Google hier adäquat positioniert, wenngleich dies nach den Äusserungen von Eric Schmidt im Januar 2011 auch keine allzugroße Überraschung mehr war.
Spannend finde ich-sofern ich die Signale aus dem Social Web korrekt interpretiere- dass viele (Facebook)User zwar Facebookrezipienten, allerdings keinesfalls “Fans” sind und sich die Mehrheit der Nutzer wirklich über ernsthafte Konkurrenz freut.
Hallo Markus und danke für den Post… nettes Modell von Hal!
Ziemlich gut fand ich heute auch die Einschätzung von Scoble Why yo momma won’t use Google+.
Ich bin sicher, dass Google seine Muskeln spielen lassen wird und ein weiteres Wave wird Larry kaum zulassen. Das Ökosystem (inkl. Android) welches sie dazu einsetzen können ist eindrücklich. Dies sieht man beispielsweise auch am (heimlichen) Erfolg von Google Chrome. Bei Google+ wird sicher noch sehr viel geliefert… so fehlen zur Zeit die Schnittstellen noch vollständig.
Was ich mir persönlich aber sehr unsicher bin, ist die Frage ob soziale Anwendungen der Zukunft so funktionieren… zur Zeit ist es noch ziemlich kopiert.
@ Jürg
Vielen Dank für Dein Feedback und: gerne geschehen ;-)
Google+ ist auf jeden Fall der ambitionierteste Versuch, Fuß im Social Web zu fassen. Die Schnittstellen sollten bald kommen (denke, dass man erst noch das Feedback der Community abwarten wollte, das überwiegend positiv ist) und werden die Plattform mit Leben füllen. Je offener die Standards hier sind, umso heterogener werden auch die Applikationen sein, die hierfür entwickelt werden. Aktuell fehlt mir am Schlimmsten eine Möglichkeit, Twitter-Streams zu synchronisieren und-Netzeffekt sei Dank-die kritische Masse an Nutzern.
Was mich noch interessieren würde, wäre die Meinung von (UX)-Designern zur Plattform. Hier habe ich bislang noch nicht viel Fundiertes bzw. eher nur sehr kurze Abrisse finden können.
Beste Grüße
Hallo Markus, zwei Gedanken:
- XING als Copycat zu bezeichnen ist meiner Meinung nach unfair. XING ist drei monate nach LinkedIn gelaunched und war nach meiner Recherche schon vorher in Entwicklung. Sie haben auch immer ihr eigenes Ding gemacht was Feature und Design angeht. Sie sind lediglich im gleichen Umfeld unterwegs. Siehe auch http://www.basicthinking.de/blog/2007/05/15/techcrunch-about-german-copycats/
- Es war zwar ein Designer an Google+ beteiligt, der von Apple kommt (Andy Hertzfeld), er schreibt aber in Buzz offen darüber, dass er nur Teile der Plattform gestaltet hat. Den Apple-Bezug halte ich daher hier für irreführend. Google arbeitet seit langem intensiv daran, mehr Design- und UX-Design-Fokus in ihre Entwickler-Team zu bringen. Die aktuellen Neugestaltungen zeigen zum ersten Mal in großer Breite, dass diese Kulturänderungen fruchten. https://plus.google.com/117840649766034848455/posts/FddaP6jeCqp
@Tobias
Vielen Dank für die beiden Anmerkungen.
XING habe ich in der Tat etwas vorschnell in die Copycat-Kategorie eingeordnet. Ich hatte im Hinterkopf, dass OpenBC deutlich nach LinkedIn ausgerollt wurde, was de facto nicht der Fall war. XING hatte dennoch einen Abstand von einem halben Jahr auf LinkedIn (Quelle: Wikipedia, “Netzwerkstrukturen der heutigen Gesellschaft und deren Abbild anhand der Internetplattform xing.com”), weswegen sich XING der Kritik, eine (partielle) Kopie zu sein, nicht ganz entledigen kann, wobei die beiden Businessportale in den Folgejahren unverblümt gegenseitig abgekupfert haben. Ein reines”Copycat” ist XING wohl dennoch nicht.
Die Mitwirkung von Andy Hertzfeld am Google+ Layout ist mir persönlich intransparent-seine Aussagen im Blog widersprechen etwas der Berichterstattung im Vorfeld.
Unabhängig davon, wie intensiv sein Einfluss (oder seine Aufgabe) bezüglich des Designs der neuen Plattform war, würde ich behaupten, dass das minimalistische Design ein bewusst gewählter Ansatzpunkt war, um das klassische und gewachsene Facebook-Design alt (oder zumindest älter) aussehen zu lassen.
Designer-Meinungen sind erwünscht ;-)
Danke nochmals für die Hinweise und
Beste Grüße
XING leidet meines Erachtens an der selben Krankheit wie LinkedIn (und wie Scoble nun auch Google+ unterstellt, und wie ich damals bei Twine ebenfalls festgestellt hatte): Elitismus.
Es ist doch doof, sich als “seriöses” Facebook zu positionieren (oder als “Geek” Facebook oder was auch immer). Damit wird der Eindruck vermittelt, etwas besseres zu sein. Allenfalls stellen Menschen in diesen verschiedenen Netzwerken unterschiedliche Seiten ihrer selbst dar. Aber das ist ja eigentlich schade.
Ich hoffe sehr, dass Google+ nicht zu einer Geek Community verkommt, wie dies im von Jürg verlinkten Artikel von Scoble erwähnt wird, sondern eine offene Plattform für alle wird. Mit den Circles lassen sich solche elitären Geek SubCommunities immer noch erstellen – sollte denn der Bedarf dazu wirklich bestehen. Meine grösste Hoffnung ist allerdings, dass sich das “Social Web” irgendwann (bald!) im grösseren Internet auflöst. Seine positiven Innovationen werden integrierter Bestandteil und nicht mehr als separate Komponenten geführt.
@ Christian
Danke für den interessanten Beitrag!
Grundsätzlich ist es im semantischen Web ja so, dass wir sowohl Trends als auch Anti-Trends gesehen haben (und sich Google zwischen diesen Hemisphären etwas verloren hat). Während zuletzt der Trend war, Spezialplattformen (ich meide jetzt mal den Begriff: “Geek SubCommunities” ;-) ) zu schaffen und auszubauen, könnte sich dies durch Google+ wieder umkehren, womit Google einerseits das erste Mal einen relevanten Trend im Social Web setzen und zweitens dem schlimmsten Widersacher sehr weh tun würde. Dass Google hier sehr selbstbewusst antritt, ist einerseits notwendig, um wahrgenommen zu werden; zum Anderen ist es ja gerade Ziel, Dinge “besser” zu machen als Facebook, was sich dann auch in einer selbstbewussten Kommunikation äussert und zudem den Nutzerwunsch nach “Beeing Well Chosen” bedient- dies sieht man auch an der step-by-step Vergabe von Plus-Invites, die dann für 75 Dollar bei eBay verkauft werden. Noch (!) sehe ich in dieser elitären Denke (da dahinter steht, dass man wirklich besser werden will als FB&Co) kein Problem.
Auf die Offenheit der Plattform hoffe ich allerdings im Gegenzug dennoch oder gerade, weil ich mir wünsche, dass es keine “Geek”-Plattform wird (jetzt habe ich den Begriff also doch benutzt ;-) ).
Beste Grüße
“Unabhängig davon, wie intensiv sein Einfluss (oder seine Aufgabe) bezüglich des Designs der neuen Plattform war, würde ich behaupten, dass das minimalistische Design ein bewusst gewählter Ansatzpunkt war, um das klassische und gewachsene Facebook-Design alt (oder zumindest älter) aussehen zu lassen.
Designer-Meinungen sind erwünscht ;-)”
Natürlich würde eine neue Social Media Plattform sich vom Design her von Facebook unterscheiden. Man legt mehr Gewicht in andere Dinge (z.b. die Benutzerfotos) und schon erscheint einem Facebook langweiliger/alt.
Das minimal-Design hat natürlich auch Vorteile in der Umsetzung. Ich warte noch auf einen Invite, damit ich Google+ besser anschauen kann, aber was ich so sehen kann von Google+ kommt es mir noch etwas ungereift vor. Es wirkt mir persönlich zu vereinfacht. Sprich, langweilig. Für das, was Design//Programmier technisch möglich wäre, ist es mir zu unspektakulär gehalten.
So finde ich dieses Projekt hier designtechnisch bis jetzt um einiges aufregender:
http://www.altly.com/
Wenn man es einfach behält, liegt eine gute Schriftwahl (font) sehr nahe und auch sehr schön lösbar. Google bietet sogar alternative webfonts gratis an. http://www.google.com/webfonts
Eine andere Frage ist aber die Frage nach “was stellt Google mit den Informationen an”?
Hallo Markus
Herzlichen Dank für den spannenden Beitrag.
In Ergänzung zu den Komplementärprodukten noch ein Gedanke: Ich stimme dir zu, dass Google eine Vielzahl an Zusatzdienstleistungen anbieten und verknüpfen kann. Allerdings ist aus meiner Sicht die Frage entscheidend, ob und in welchem Ausmass es für andere Unternehmen möglich sein wird, Applikationen für Google+ zu gestalten und diese einzubinden. Hinzu kommt der Zeitaspekt bzw. die Frage nach der kritischen Masse.
Die Netzwerkeffekte sind bei einer offenen Plattform potentiell grösser. Die Frage, welche der beiden Plattformen “offener” ist, bleibt abzuwarten.
Gruss,
Lukas
@Alain
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Was man so an Feedback der Community mitnimmt, kommt das Design sehr gut an, was ich persönlich ebenfalls so unterschreiben würde. Das Design wird jedoch nicht der erfolgskritische Faktor sein-sonst wäre Facebook nicht so groß ;-)
Mit den Daten, die Google mit der Plus-Plattform sammeln kann, lässt sich natürlich so einiges machen. Grundsätzlich ist Google in dem Großteil seiner Aktivitäten darauf fokussiert, organische Suchergebnisse zu verbessern. Im Bereich Suchmaschinenoptimierung wird etwa seit 8-10 Monaten zunehmend über Soziale Signale gesprochen, was sich mit den Panda-Updates von Google noch verstärkt hat. Im simpelsten aller Fällen würde Google somit Bookmarks, Circles, PlusOnes etc dazu nutzen, relevante Ergebnisse besser aus dem großen Topf an Suchergebnissen zu selektieren.
Beste Grüße
@ Lukas
Vielen Dank für Dein Feedback :-)
Ich bin da auch etwas indifferent, was die Offenheit der Plattformen angeht. Einerseits empfinde ich den Weg, den Facebook mit FBML beschreitet nicht optimal, andererseits offeriert Google+ aktuell noch gar keine Möglichkeit, eigene Apps in die Plattform einzubringen. Ich gehe davon aus, dass Letzteres relativ schnell behoben wird und sich hier ein offenerer Standard herauskristallisiert.
Wir werden sehen ;-)
Beste Grüße
Ich glaube mit G+ hat Google weiter zu gehen als lediglich ein social Network zwischen bekannten. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Suche von Google mit der Plattform verwoben wird. Dabei werden empfehlungen von Freunden, welche in die Suchresultate fallen, bzw. Vorlieben, welche sich durch das sharen herauskristallisieren in die Suchresultate mit einbezogen. Ich denke in G+ geht es viel weniger um den Personenbezug, als um den Content-Personenbezug. Von daher spannend, was noch alles kommen wird.
@ Raphael
Danke für Deinen Beitrag. Denke auf jeden Fall, dass Google hinblicklich des eingeschränkten Zugangs zu Facebook und mittlerweile auch Twitter Daten/Signale für Rankings aus Google+ verwenden wird.
Grüße