4 Blickwinkel – Zum Stand populärer Kulturkritik

Da sind sie wieder, die Apokalyptiker und Integrierten, deren Dialoge mit verträglicher Regelmäßigkeit die Geschichte der Massenmedien bereichern. Dem aufgeklärten Leser ist diese Unterscheidung nicht fremd. Umberto Eco hat so die Vertreter der medienkritischen und medienschaffenden Zunft voneinander unterschieden (Apokalyptiker und Integrierte. Zur kritischen Kritik der Massenkultur).
Diese Woche reflektieren Chris Anderson und Michael Wolff beide Positionen in einem bemerkenswerten Artikel auf Wired. „Das Web ist tot” (genauer genommen: der Browser) stellen sie mehr oder weniger wehmütig fest. Für beide Autoren ist der Browser das Symbol einer individualistischen lean-forward Kommunikation, die durch Monopolisierung und Standardisierung von geschlossenen Systemen (Facebook und Apple) gefärdet ist. Zweispaltig stellen sie die Verantwortlichen gegenüber: uns selbst auf der einen Seite, das System (den Kulturkapitalismus) auf der anderen.

„It is the cycle of capitalism. The story of industrial revolutions, after all, is a story of battles over control. A technology is invented, it spreads, a thousand flowers bloom, and then someone finds a way to own it, locking out others. It happens every time
[ ... und wir sind froh, dass es uns die Monopolisten so einfach machen, denn wir sehnen uns so oft nach Standards und so selten nach Komplexität ...]
As much as we intellectually appreciate openness, at the end of the day we favor the easiest path.” (Chris Anderson)
„So it’s not shocking that Jobs’ iPad-enabled vision of media’s future looks more like media’s past. In this scenario, Jobs is a mogul straight out of the studio system.” (Michael Wolff)

So gesehen erscheint die Frage nach dem Verursacher der Lean-Back-Renaissance wie die Frage nach Henne oder Ei. Auch im monopolistischen Kapitalismus gehören immer mindestens zwei Faktoren dazu eine Situation zu schaffen: Angebot und Nachfrage.

Hinter den Spiegeln

Die Frage hinter dieser Diskussion ist dieselbe, wie die des medienkritischen Diskurses am Ende des letzten Jahrtausends: Welchen Wert hat individuelle Selbstbestimmung, Schaffenskraft und Kreativität gegenüber großen monopolartiger (Medien-)Unternehmungen, die zu einer fragwürdigen Nivellierung von Informationen und Möglichkeiten führen und gleichzeitig Abhängigkeiten schaffen, die auch den aufgeklärtesten Menschen in Unmündigkeit halten können.
Apokalyptiker warnen vor dieser Nivellierung und Unmündigkeit und bauen dabei beständig Widerstände gegen den kapitalistischen Fortschritt in seinem Lauf auf. Gleichzeitig gleiten die Integrierten mit systemkonformer Performance durch die schöne neue Welt und schaffen befreit von Reflexion einen Fortschritt nach dem Anderen.
Michael Wolffs Vergleich von Steve Jobs als einem Mogul aus dem Studio-System aus der Medien-Vergangenheit ist in dieser Hinsicht treffen, aber auch der Vergleich selbst entstammt einer Position aus der Zeit von One-Way-Massenmedien: in diesem Moment ist Wolff ein Apokalyptiker.
Dass nicht hinter jeder individualistischen Position ein so kluger Kopf steckt zeigt die aktuelle Diskussion über google Street View in Deutschland. Hier werden Biedermänner zum Sand im Getriebe und nehmen in der Tiefe des Sommerlochs eine apokalyptische Position ein.
Auch wenn fundamentalistische Kulturkritik aus der Mode gekommen ist, macht es in Anbetracht der oben beschriebenen Diskussionen durchaus Sinn, die Positionen von Apokalyptikern und Integrierten beizubehalten.

Das Modell erweitern

Die Entwicklung im Bereich der sozialen Medien führen neben den Polen von Apokalyptikern und Integrierten zu einer weiteren Unterscheidung, die von David White als Präzisierung des Begriffs „Digital Natives” eingeführt wurde, und von Peter Kruse in dem sehenswerten (!!!) Vortrag auf der re:publica 2010 eindrucksvoll veranschaulicht und empirisch gestützt wurde: die Unterscheidung in „Digital Visitors” und „Digital Residents”. Kruse sieht hier einen Diskurs unterschiedlicher Werte, der sich in der Frage unterscheiden, ob Menschen das Internet als gleichwertigen Kommunikationsraum in jeder Beziehung verstehen und nutzen.

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Kruse sieht die „Residents” als Befürworter und Nutzer des sozialen Netzes und offener Standards, die Kontrolle und Hierarchien ablehnend. „Visitors” beschreibt er als Menschen, die in der Entwicklung und Offenheit des sozialen Netzes eine Gefahr sehen. Residents sind so gesehen eher Integrierte, Visitors eher die Apokalyptiker.
(Lesenswert unter diesem Aspekt das Gespräch zwischen Ilse Aigner und Sascha Lobo „Sie werden wieder überheblich” (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,708305,00.html))
Fruchtbarer ist es jedoch Apokalyptiker und Integrierte als eigenständige Dimension zu betrachten- „Visitors” und „Residents” als eine weitere. Es ergibt sich eine Matrix mit vier Idealtypen, die sich auf Grund der oben beschriebenen vier Pole zuordnen lassen.

2288-medienkultur-thumb-500x330-2287.png

Es entstehen neben den oben beschriebenen vier Polen vier Typen, die im Folgen als Prototypen beschrieben werden:

Digitale Skeptiker:
Können sich dem Medium nicht ganz verweigern, beurteilen die Entwicklung jedoch generell kulturpessimistisch und nutzen das Internet nur so wie es gerade notwendig ist. (E-Mail, Nachrichten, Recherche) Street View ist ein guter Aufhänger neuen Medien die Grenzen aufzuzeigen.

Digitale Konsumisten:
Nutzen soziale Medien bestenfalls als „Flagge zeigen” aber nicht als Alternative zur alltäglichen Kommunikation. Orientieren sich an Standards, kaufen online ein, schauen Filme etc. Street View wird eine tolle neue Möglichkeit Informationen zu gewinnen.

Digitale Anarchisten:
Sind ausgesprochen aktiv in sozialen Medien und dem Mainstream gefühlt immer eine Plattform voraus. Bewerten geschlossene Systeme und Monopolbestrebungen negativ. Haben in der Regel kein iPhone und ihr Facebook Profil in den letzten zwei Monaten zunehmend vernachlässigt. Stehen Themen wie Street View nicht wegen der Privatsphäre sondern der Allgegenwärtigkeit von google skeptisch gegenüber.

Digitale Konformisten:
Neben alles was kommt und sind spätestens dann auf einer Plattform vertreten, wenn die im heute Journal einen Beitrag mit „früher war es mySpace und SecondLife – heute ist es …” einleitet. Konformisten streben nach Standards, Sicherheit und Kontinuität. Sie haben verstanden, dass ihre Privatsphäre online genauso sicher ist wie offline. Schnelle Konformisten haben Bilder aus ihrer Strasse schon längst an google und ihren Facebook Account gesendet.

Definitiv ins Blaue gedacht. Mir macht es grade Spaß meine Freunde, Mitarbeiter und Prominenz in die Schubladen zu stecken …

Intranets im Spitalumfeld – Quo vadis? (Teil 5)

Wie nutzen Spitäler ihr Intranet? Dieser Frage ging ich im Rahmen meiner Masterarbeit nach. Als fünfter und letzter Teil einer Serie (Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4) ziehe ich in diesem Beitrag das Fazit meiner Untersuchung.

Der Informatiker Dick Stenmark meint, dass wenn ein Intranet zur Unterstützung des Wissensmanagements in Gebrauch genommen werden möchte, drei Perspektiven Berücksichtigung finden sollten: Zum Ersten die „information perspective”, zum Zweiten die „awareness perspective” und zum Dritten die „communication perspective”. Das heisst, ein Intranet sollte nicht nur aktuelle Informationen und wichtige Dokumente bereitstellen, sondern die Mitarbeitenden auch unterstützen mit der täglichen Informationsflut umgehen zu können. Sprich: Funktionalitäten bereitstellen, die die Mitarbeitenden auf neu hinzugefügte Informationen aufmerksam macht, ihnen ermöglicht Favoriten zu setzen oder Seiten zu abonnieren. Mit der „awareness perspective” ist zudem gemeint, dass Fähigkeiten und Expertisen der Mitarbeitenden eingesehen werden können bzw. auch entsprechend nach Kompetenzen gesucht werden kann. Die Suche ist dann auch ein weiteres Element, das unter diese Perspektive fällt und die in den Intranets der Spitäler entweder gar nicht vorhanden ist oder aber nur unzureichende Suchresultate liefert.

Da ein Intranet nebst dem Wissensmanagement auch noch andere Aufgaben zu erfüllen hat, habe ich nebst den Perspektiven von Stenmark die „support perspective” eingeführt. Genau dieser Perspektive kommt insbesondere im Spitalumfeld grosse Bedeutung zu. So geben die Spitalmitarbeitenden mehrheitlich an, dass ein ihre Tätigkeit optimal unterstützendes Intranet ein digitales Instrument zur Unterstützung der Arbeitsprozesse sei. Auch konnte gezeigt werden, dass jene Spitalmitarbeitenden, die das Intranet regelmässig nutzen, auch stärker bei der Arbeit unterstützt werden als andere (siehe Teil 3). Grösstenteils werden die Spitalmitarbeitenden allerdings noch immer nur „teilweise” durch das Intranet bei der Arbeit unterstützt. Intranets bieten demnach im Spitalumfeld viel Potential die Mitarbeitenden bei der Arbeit zu unterstützen – allerdings wird es noch nicht ausgeschöpft. Rasche Verbesserung dürften hier Online-Formulare, -Aufträge, -Bestellprozesse oder dergleichen bringen.

2280-Blog5_Intranets-thumb-500x302-2277.png

Insgesamt kann der Schluss gezogen werden, dass bei den Intranets im Spitalumfeld derzeit vor allem die „information perspective” im Vordergrund steht. Die Intranets sind für die Spitalmitarbeitenden grundsätzlich ein Instrument, um auf Informationen und Dokumente zuzugreifen. Sie nehmen es also vorwiegend als Speichermedium in Gebrauch. Die drei anderen Perspektiven finden nur wenig bis gar keine Berücksichtigung, das heisst das Intranet wird weder dazu verwendet die Mitarbeitende auf Inhalte aufmerksam zu machen, sie bei der Arbeit zu unterstützen noch um in synchroner oder asynchroner Weise mit Kollegen zu kommunizieren oder mit ihnen zusammenzuarbeiten. Oft unzureichend ist zudem die Benutzerfreundlichkeit der Intranets. So bemängeln viele Mitarbeitenden die Struktur und Übersichtlichkeit der Intranets. Dennoch: Die Intranets der Ostschweizer Spitäler bilden grösstenteils eine gute Basis, um die Mitarbeitenden an die Möglichkeiten und Funktionalitäten eines Intranets heranzuführen. Eine weitere Erkenntnis meiner Masterarbeit ist nämlich, dass sich eher diejenigen Mitarbeitenden mehr Möglichkeiten im Intranet wünschen, die bereits mit einem etwas ausgereifteren Intranet arbeiten. Getreu dem Motto: Der Appetit kommt beim Essen.

Heimatschutz für Online-Phobiker: Leistungsschutzrecht als Grundlage für den weiteren Erhalt freier Medien gefordert

Wenn die Situation für viele der Verlage nicht so tragisch wäre, könnte man als Realsatiere darüber lachen. Für mich ist der Artikel aber ein traurige Irrung mit vielen Fehlern drin.

Norbert Neininger (der seinen Weblog auch noch Tagebuch nennt), seines Zeichen Unternehmer, Verleger und Präsidiumsmitglied des Verbandes Schweizer Presse, fordert in der NZZ ein Leistungsschutzrecht (exklusives Recht an ihren Inhalten auch im Internet) für Medienunternehmen.

Über diese irreale Forderung, welche Grundprinzipien der freien Marktwirtschaft widerspricht, will ich gar nicht gross reden. Viel tragischer finde ich, dass die NZZ einen so tendenziösen Artikel abdruckt.

So soll das Internet nach Neiniger ein rechtsfreier Raum sei. Nein, nicht rechtsfrei aber sehr kompliziert, so wie die globale Wirtschaft (und das richtige Leben) selbst. Unterschiedliche Rechtsprechungen in verschiedenen Ländern. Es wird nie eine Schweizer Grenze im Web geben — oder es ist nicht das Web. Und ausserdem sei Wikipedias Ziel nicht die Vermehrung des Wissens, sondern das Erheischen von Marktanteilen, Umsatz und Ertrag. Wo kommt den so was her?

Spannend finde ich auch, dass Verlage über das “Verschenken von Inhalten”, “in Unkenntnis der Mechanismen des neuen elektronischen Aufmerksamkeitsmarkts” und wegen dem nicht-funktionieren des Geschäftsmodells der Werbung ganz arg in Bedrägnis geraten sind. Doch am Ende desselben Artikel steht dann, dass “böse” Firmen wie Twitter oder Facebook Milliarden über Werbung einnehmen. Hmm. Welche Unkenntnis und weshalb sind die, die wenig Geld mit Werbung machen die Guten und die, welche viel Geld damit verdienen die Bösen?

Eine schöne Wortkreation finde ich auch das “parasitären Geschäftsmodell” so wie bei Google oder Yahoo. Ist es nicht so, dass diese einen Mehrwert bieten, welcher die User schätzen und anderswo (z.B. beim “Google-Killer” News1.ch [inkl. Herrn Neininger]) nicht finden. Eine Analyse dazu bietet beispielsweise Prof. Stefan Michel vom IMD.

Und nun der zentrale neinigerische “Lösungsvorschlag”: Wir ziehen eine Wand hoch und verbieten alles und machen einen auf “Paid Content”. Sehr innovative und ein netter Ansatz in einer Welt die von Netzwerkeffekten lebt.

Kritische Leser errinnern sich möglicherweise noch an die Aussage im Artikel, dass Verlage in “Unkenntnis der Mechanismen des neuen elektronischen Aufmerksamkeitsmarkts” agierten. Bingo und zurück zu Feld eins.

Ein Artikel der weder dem Niveau der NZZ gerecht wird noch den Schweizer Verlagen (und deren Verband) einen Dienst tut: «Verlage haben Anrecht auf besseren Schutz»

Und hier noch ein aktuelles Stück Zeitgeschichte des Schweizer Print-Presse:
Links: "nicht mehr", Mitte: "weiterhin" und Rechts: "nur noch"

Gefunden bei Beat Döbeli und noch ein Kommentar bei Peter Haber.

The Terrific Way Of JavaScript

Wie im “letzten Post”:http://blog.namics.com/2010/07/terrific-oocss-part2.html veranschaulicht, setzt Terrific im HTML/CSS Part voll auf “OOCSS”:http://wiki.github.com/stubbornella/oocss. In Sachen JavaScript beschreitet Terrific jedoch völlig eigene Wege.

Was bringt’s?

Die Hauptvorteile des JavaScript Systems von Terrific sind:

Leichtgewichtige Architektur
Terrific strukturiert die JavaScript-Entwicklung ohne dabei die Entwickler einzuschränken. So können Entwickler weiterhin ihr gesamtes “jQuery”:http://www.jquery.com – Knowhow voll einsetzen und profitieren gleichzeitig von den zahlreichen Features und Möglichkeiten von Terrific.

Modulare Entwicklung
Die gesamte JavaScript-Entwicklung wird durch Terrific modularisiert. So können sämtliche “Module”:http://blog.namics.com/2010/06/terrific-part1.html einzeln entwickelt und getestet werden und – was noch viel wichtiger ist – ohne Seiteneffekte miteinander kombiniert werden.

Skalierbarkeit
Die Seite wird mit wachsender JavaScript-Grösse nicht durch unzählige DOM-Operationen und Events verlangsamt. Es wird wirklich nur der Code ausgeführt, welcher wirklich von den Terrific-Komponenten benötigt wird.

Einfache Integration
Mit Terrific entwickelte Frontends lassen sich mühelos in die verschiedensten Backendsysteme und CMS integrieren. So kann die Frontendentwicklung komplett vom entsprechenden Zielsystem entkoppelt werden.

Wie haben wir es gemacht?

Wie schon im “ersten Post dieser Serie”:http://blog.namics.com/2010/06/terrific-part1.html erwähnt, nutzt Terrific die “OOCSS-Namenskonventionen”:http://blog.namics.com/2010/07/terrific-oocss-part2.html technologieübergreifend sowohl für den HTML/CSS Part als auch für den JavaScript Part.
Dies erlaubt es Terrific, einen einheitlichen Bootstrapping-Mechanismus zu verwenden – egal ob es sich dabei um einfache Seiten mit wenig JavaScript-Funktionalität oder komplexe Applikationen handelt.

(function($) {
    var application = new Nx.Application($('.page'));
    application.registerModules();
    application.startAll();
})(Nx.$);

That’s it! Abgesehen von dem “Drumherum” – ein klassischer 3-Zeiler ;-)

Die einzelnen Zeilen haben es jedoch ganz schön in sich.

var application = new Nx.Application($('.page'));

Diese Zeile instanziert eine neue Terrific-Application. Was auffällt ist, dass Terrific den “Namespace”:http://docs.jquery.com/Using_jQuery_with_Other_Libraries Nx (für Namics) verwendet. So kann Terrific auch parallel zu bestehenden oder durch das Backendsystem vorgegebenen JavaScript-Funktionalitäten verwendet werden.
Der Parameter $(‘.page’) gibt den Context der Applikation an – .page ist nach OOCSS-Konvention der Seitencontainer.

application.registerModules();

registerModules übernimmt den Hauptteil des Bootstraps. Die Methode durchsucht den DOM-Tree nach Modulen – nach OOCSS-Konvention besitzen sämtliche Module die Klasse .mod – und instanziert per Namenskonvention die entsprechenden Module. Zum Beispiel wird für die Klasse .modNews das JavaScript Modul Nx.Module.News instanziert.

Als Pendant zu den OOCSS-Skins bietet Terrific JavaScript-Skins an – welche im Grunde nichts anderes als Module “Decorators”:http://en.wikipedia.org/wiki/Decorator_pattern#JavaScript sind.
Auch die Dekoration der Module geschieht – wie könnte es auch anders sein – per OOCSS-Namenskonvention. Besitzt ein DOM-Node die Skin-Klasse .skinNewsHighlighted so wird das Nx.Module.News Modul mit dem Nx.Module.News.Highlighted Skin dekoriert.

Um eine Kommunikation zwischen den Modulen zu ermöglichen – ohne mit dem “Loose Coupling”:http://en.wikipedia.org/wiki/Loose_coupling Gedanken zu brechen – werden in der registerModules-Methode auch noch per Namenskonvention definierte Kommunikationskanäle zwischen den Modulen aufgebaut.

Nachdem also alle Module inkl. Skins und Connectors in der Application registriert sind, kommt der Bootstrap in die letzte Phase.

application.startAll();

Mit startAll wird die Initialisierung der Module gestartet. Jedes Modul durchläuft dabei potentiell vier Phasen, welche nach Bedarf durch die entsprechende “Hook-Methode”:http://de.wikipedia.org/wiki/Schablonenmethode implementiert werden können.

  • dependencies – Nachladen von Libraries, Plugins etc. via Ajax
  • beforeBinding – Daten per Ajax holen, DOM Manipulationen etc.
  • onBinding – Events binden
  • afterBinding – Default State herstellen, Events triggern etc.

In den häufigsten Fällen werden jedoch nicht alle Phasen, sondern nur die onBinding-Phase benötigt. Terrific kümmert sich dabei um das Timing und die sequentielle Abarbeitung der vier Module-Phasen.

Beispiel gefällig?

Greifen wir das Modul-Beispiel aus dem “letzten Post”:”http://blog.namics.com/2010/07/terrific-oocss-part2.html wieder auf.

2131-Terrific-Module.png

Das Currency Converter Module hat folgende Funktionalitäten:

  • Ajax Live-Convertion
  • Non-JavaScript Variante mit Convert Button
  • Automatische Erstberechnung des aktuellen Werts

dependencies

Da nicht nach jedem Tastendruck eine Ajax-Berechnung ausgelöst werden soll, sondern nur sobald der Benutzer aufhört zu tippen, benötigen wir das “jQuery throttle / debounce Plugin”:http://benalman.com/code/projects/jquery-throttle-debounce/docs/files/jquery-ba-throttle-debounce-js.html von “Ben Alman”:http://benalman.com/.

/**
 * Hook function to load the module specific dependencies.
 *
 * @method dependencies
 * @return void
*/
dependencies: function() {
    this.require('jquery.throttle-debounce.min.js', 'plugin', 'onBinding');
}

Der dritte Parameter – in unserem Beispiel “onBinding” – gibt an, in welcher Phase die dependency benötigt wird. Terrific kümmert sich um das Timing und die entsprechenden Callbacks. Zudem stellt Terrific sicher, dass von mehreren Modulen benötigte dependencies nicht doppelt nachgeladen werden.

beforeBinding

Alternativ zur Live-Convertion bietet die Non-JavaScript Variante einen zusätzlichen Convert Button. Dieser kann in der JavaScript Variante versteckt werden. DOM Manipulationen werden – um unnötiges Flackern zu vermeiden – in der beforeBinding-Phase durchgeführt.

/**
 * Hook function to do module specific stuff before binding the events (i.e. fetching some data).
 *
 * @method beforeBinding
 * @param {Function} callback the callback function which must be called at the end
 * @return void
 */
beforeBinding: function(callback) {
    $(':submit', this.$ctx).hide();
    callback();
}

Durch die Verwendung von this.$ctx (this.$ctx enthält den Module-DOM-Node) als zweiten Parameter im jQuery-Selector, werden die Events nur auf die aktuelle Modulinstanz gebunden. So können Module also auch problemlos mehrmals auf einer Seite verwendet werden.

onBinding

In der onBinding-Phase werden die Events gebunden.

/**
 * Hook function to bind the module specific events.
 *
 * @method onBinding
 * @return void
*/
onBinding: function() {
    var that = this;

    // disable the standard action on submit
    $('.converter', this.$ctx).bind('submit', function() {
       return false;
    });

    // bind the keyup event to start the convertion. To reduce the number
    // of ajax calls, the debounce plugin is used.
    $('.amount', this.$ctx).keyup($.debounce(250, function() {
        var $this = $(this).closest('form');
        var url = $this.attr('action') + '?' + $this.serialize();
        // ajax stuff etc.
        ...
        return false;
    }));
}

In unserem Beispiel wird durch return false – da die Live-Convertion nicht per Enter, sondern automatisch nach Beendigung der Eingabe ausgelöst werden soll – die Standard-Submitaktion unterbunden.

Im keyup-Eventhandler kommt das in der dependencies-Phase nachgeladene debounce-Plugin zum Einsatz. Dadurch kann die Anzahl Ajax-Requests stark reduziert werden, da die Berechnung erst nach 250ms Idle-Time ausgelöst wird.

afterBinding

Damit dem Benutzer gleich zu Beginn eine aktuelle Berechnung präsentiert werden kann – zum Beispiel der aktuelle Eurokurs – wird in der afterBinding-Phase die Initialberechnung ausgelöst.

/**
 * Hook function to do module specific stuff after binding the events (i.e. triggering some events).
 *
 * @method afterBinding
 * @return void
 */
afterBinding: function() {
    $('.amount', this.$ctx).trigger('keyup');
}

Was kann Terrific sonst noch?

Obwohl die Modul-Funktionalität den Hauptpart des Terrific JavaScript Systems darstellt, hat Terrific noch zahlreiche weitere JavaScript Features zu bieten, die das Programmiererleben erheblich erleichtern. Einige der Funktionen, die Terrific mit sich bringt:

  • Skins – Module Decorators
  • Layouts – seitenweite Funktionalitäten, z.B. Drag’n Drop von Modulen etc.
  • Connectors – ermöglichen die Kommunikation zwischen Modulen über konfigurierbare Kanäle
  • Sandbox – Bezug von Ressourcen, Zugriff auf andere Modulinstanzen etc.
  • Logging-Architektur
  • Zentrales Errorhandling

Die Terrific-Funktionalitäten sind also ziemlich umfassend ;-). Bis jetzt konnten wir alle Kundenwünsche mit den Bordmitteln von Terrific umsetzen. Neue, anspruchsvolle und herausfordernde Frontends sind also herzlich willkommen!

Real World Beispiele?

Das “Intranet von Repower”:http://www.namics.com/taten/neues-intranet-repower/ wurde komplett mit Terrific umgesetzt. Integriert wurde das Ganze in das Enterprise Wiki “Atlassian Confluence”:http://www.atlassian.com/software/confluence/. Wiki? Anspruchvolles Frontend? Wie man dies unter einen Hut bringen kann, zeigen wir im nächsten Terrific-Post!

h4. Weitere Terrific Informationen

Open Source Projekt: Terrific und TerrificJS

Terrific – Modulare Frontendentwicklung
Terrific und OOCSS
The Terrific Way Of JavaScript
Terrific im Projekprozess

Bundestrojaner bald auch in der Schweiz? (Vernehmlassungsfrist bis am 18. August)

Es soll nur niemand sagen können, dass er es nicht gewusst habe!

Das “Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF)” wird überarbeitet und die First für Kommentare dauert noch bis am 18. August. Ich persönlich meine, dass es Kommentare braucht.

Im Kern geht es um die (legitime) Überwachung durch den Staat. Doch die Formulierungen bezüglich der Reichweite sind sehr weit und insb. gehören E-Mail-Verkehr, Internet-Telefonie und auch Hosting dazu (da “Internet Service Provider” als Datenlieferanten genannt werden). Viele der Leser dieses Blog sind vom Gesetz also direkt betroffen.

Unter anderem wird gefordert, dass der Staat die Überwachungsdaten in Echtzeit erhalten kann. So bräuchte beispielsweise jeder Betreiber einer Voice over IP-Anlage eine stehende Abhörverbindung zum Bund bereitzustellen. Und diese (wie alle Massnahmen) auf eigene Kosten des Betreibers.

Nun soll sich jeder seine eigene Meinung dazu machen und dazu der Link zur offiziellen Information: “Überwachung des Fernmeldeverkehrs an die technische Entwicklung anpassen”. Und wie gesagt müssten alle die etwas dazu sagen möchten, dies bis spätestens am 18. August getan haben.

Da gleichlautende Interventionen die Chance erhöhen angehört zu werden und es aus meiner Sicht auch einfacher ist qualifizierte Änderungsvorschläge zu lesen als das Gesetz selbständig anpassen zu wollen, stelle ich hier ein Schreiben zur Verfügung, welche mir open.ch als mögliche Intervention zur Verfügung gestellt wurde und dem Bundesamt für Justiz eingeschrieben resp. patrick.rohner@bj.admin.ch zugestellt werden kann.

> Download:

Vernehmlassungsantwort zur Totalrevision des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 betreffend die Überwachung von Post- und Fernmeldeverkehr [doc, 90KB]

> Hier noch die Adresse:
Bundesamt für Justiz
Direktionsbereich Strafrecht
Bundesrain 20
3003 Bern

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