Inzwischen hat das Buzz-Word Cloud Computing den ersten Hype überstanden und nähert sich der Commodity an. Es bestehen weiterhin Vorbehalte, so dass die Einsatzgebiete bei unseren Kunden allzu oft eingeschränkt bleiben. Dabei bewegt sich aktuell technisch und konzeptionell einiges, so dass in naher Zukunft der Einsatz für in vielen Bereichen attraktiv werden wird.
Anbieter von Cloud Computing stellen Rechenzeit und Speicher nach Zeit und Datendurchsatz bzw. Speicherbelegung abrechenbar zur Verfügung. Das bekannteste Beispiel ist AWS (Amazon Web Services) mit den Virtuellen Maschinen EC2 (Elastic Computing Cloud) und dem Speicher S3 (Simple Storage Service). Auf dieser Plattform basiert beispielsweise der Streaming-Anbieter schnee von morgen webTV, die mit dem Portal dtcp eines derzeit größten Streaming-TV Angebote über AWS realisieren und mehrere Terabyte pro Monat aus den S3 über den Äther pumpen.
Nun stellt sich die Frage, wie sich so eine Plattform im Kontext von Enterprise Content Management oder E-Commerce etablieren kann. Naheliegend ist die verbrauchsgenaue Abrechnungsmöglichkeit und dazu der Wegfall vom Betrieb der Hardware. Dem gegenüber stehen leider ungenügende SLAs und die Unkenntnis des genauen Ortes der Datenablage und die damit verbundenen rechtlichen Aspekte.
Unter dem Strich leider Kriterien, die einen vollständigen Betrieb von datensensiblen Systemen in der Cloud unmöglich machen. Noch.
Wachsender Markt und wachsende Anwendungsmöglichkeiten
Gartner hat in dieser Woche eine Studie herausgegeben, in der die Steigerung des Umsatzes von Cloud Computing Anbietern im letzten Jahr um 16,6% auf $68,8 Milliarden gestiegen ist.
“We are seeing an acceleration of adoption of cloud computing and cloud services among enterprises and an explosion of supply-side activity as technology providers maneuver to exploit the growing commercial opportunity,” said Ben Pring, research vice president at Gartner. “The scale of application deployments is growing; multi-thousand-seat deals are increasingly common. IT managers are thinking strategically about cloud service deployments; more-progressive enterprises are thinking through what their IT operations will look like in a world of increasing cloud service leverage. This was highly unusual a year ago.”Gartner Says Worldwide Cloud Services Market to Surpass $68 Billion in 2010
Der Markt und die Einsatzfreude von Cloud Computing Systemen wachsen und ein Umdenken setzt langsam ein. Die bestehenden Hürden sind nicht unüberwindbar, so dass sich die konkreten Einsatzgebiete mehr und mehr herauskristallisieren. Gefördert wird dies über technische Ansätze seitens der Herstellen von Softwaresystemen, die ihre Technik auf Cloud Computing anpassen.
Verschlüsselung der Datenablage
So beispielsweise die TAE (Transparent Attribute Encryption) der Multichannel Commerce und PCM Plattform hybris. TAE erlaubt dem Betreiber des Systems, die Daten auf dem Speicher zu verschlüsseln. Dies erfolgt für die Datenhaltung und den Application-Server vollständig transparent, so dass einerseits die Datensicherheit gewährleistet ist und andererseits keine Nachteile für den Benutzer oder gar zusätzliche Systemanforderungen entstehen.
Noch weiter geht ein Ansatz der zwei Forscher Smart und Vercauteren der Universitäten Bristol und Leuven: die voll homomorphe Verschlüsselung. Diese Verschlüsselung erlaubt mathematische Operationen an verschlüsselten Daten, welche sich direkt auf den Inhalt auswirken. D.h. zukünftig könnten sämtliche Verarbeitungsschritte (Auslieferung von Webseiten oder das Hinzufügen eines Artikels zu einem Warenkorb in einem Online-Shop) auf verschlüsselten Daten ausgeführt werden, ohne dass die Daten vorher entschlüsselt werden müssten. Erst im Client werden die Daten im Klartext lesbar.
Die Sicherheit der Datenverkehrs stellt bereits heutekein Problem mehr dar, da über SSL-Verschlüsselung zum Browser oder per Amazon Virtual Private Cloud eine verschlüsselte Punkt-zu-Punkt Verbindung zum Rechennetzwerk hergestellt werden kann.
Damit kann über das TAE und hoffentlich in naher Zukunft vollständig über voll homomorphe Verschlüsselung die Verarbeitung von Daten in der Cloud entsprechend der Datenschutz-Richtlinen (Beispiel Deutschland) gelingen.
SLA im Cloud Computing
Die Service Level Agreements (z.B. S3 SLA und EC2 SLA) sind jedoch weiterhin ein Manko. Die Zusicherung seitens Amazon beruht auf der Rückzahlung von Speicher oder Computing-Kosten, wenn die Verfügbarkeit unter 99,5% fällt. Ansprüche durch Umsatzausfall sind ausgeschlossen.
Die technische Sicht zeigt jedoch etwas anders. Beispielsweise hat Amazon gerade “billigen” S3 Speicher (Reduced Redundancy Storage) veröffentlicht. Hier kostet das Gigabyte pro Monat nur $0,10 während der teure Speicher mit $0,05 mehr ins Gewicht fällt ($0,15/GB). Der Unterschied ist die Zuverlässigkeit, die beim “teuren” Speicher bei 99,999999999% liegt (9 Nachkommastellen, d.h. auf 100 Jahre gerechnet, ist der Speicher drei Sekunden nicht erreichbar), der “billige” Speicher hat eine Zuverlässigkeit von 99,99% (zwei Nachkommastellen, d.h. im Monat etwas mehr als sieben Minuten nicht erreichbar). Grundsätzlich gilt wie im eigenen Rechenzentrum, dass die Zuverlässigkeit der Computing-Systeme stets über Clustering erhöht werden kann.
Mit eCommerce und Cloudcomputing ins Weinachtsgeschäft
Als Fazit stehen nun diverse Anwendungsmöglichkeiten unter Vorbehalt der rechtlichen Aspekte im Raum:
- Auslagerung nichtsensitiver Daten wie Downloads oder Streaming-Daten auf S3
- Vollautomatische Skalierung für Kampagnen (z.B. im E-Commerce das Weihnachtsgeschäft) auf Basis des eigenen Rechenzentrums
- vollständiger Betreib mit verschlüsselten Daten (mit entsprechender Software wie z.B. hybris)
- Entwicklungs-Systeme und Prototypen
- Systeme für Lasttests
- Leistungshungrige Datenverarbeitung (Import/Export von Produktinformationen)
- u.v.a.
Der Betreib eines oder mehrer Services in der Cloud wird sich zukünftig noch weiter durchsetzten. Die frühen Anbieter wie SalesForce im Bereich SaaS, Google AppEngine als PaaS und AWS mit IaaS werden ihre Systeme weiter ausbauen und durch mehr Funktionalitäten noch attraktiver werden.
Wie genau solche System konzipiert, integriert und betrieben werden hängt wie immer von den individuellen Anforderungen des Kunden ab. Wir gehen mit der Zeit und sind auf zukünftige Projekte mit absoluter Kostenkontrolle und den vielfältigen Möglichkeiten einer solchen Plattform gespannt.