Apple beherrscht mit seinem Applicationstore-Konzept das mobile Internet und bestimmt damit Regeln und Standards im Markt. Dies verdeutlichen auch Zahlen zu mobile Projekten. Doch neben dem iPhone gibt es eine Reihe weitere Endgeräte die global gesehen grosse Marktanteile einnehmen.
Muss es denn immer eine native Applikation sein?
Folgt nach dem Applikationsboom vielleicht nicht doch irgendwann wieder vermehrt eine Rückkehr zu mobilen Webapplikationen?
5 Gründe sprechen m.e. dafür:
- Device Fragmentierung verhindert Reichweite
Der Kern der Frage dreht sich um die oft diskutierte Fragmentierung bezüglich Multi-Devices in Kombination mit heterogenen Betriebssystemen. Dies ist vermutlich die grösste Herausforderung (oder Kostentreiber) für die Entwicklung. Es geht um Reichweite, oder noch einfacher um die Anzahl potentieller User die eine Unternehmung mit der Investition in ein Mobile Projekt erreichen kann. Bei mobilen Webapplikationen ist die Reichweite per se viel höher da mobile Browser zur Standardausrüstung gehören. - Mobile Browser werden immer mehr “Desktop-like”
Moderne Mobile Browser sind schneller geworden und gehen immer mehr in Richtung der heutigen Desktop Browser. - Mobile goes “hybrid”
Im einzigen Unterschied zu den Desktop Browser sollten Mobile Browser auch auf spezifische Funktionen wie GPS, Kamera, Kontaktliste oder Filesystem des Mobiltelefons zugreifen können. Die Bestrebungen gehen also in Richtung der hybriden Web-Applikationen. Initiativen wie Bondi nehmen sich dem Thema an. - Mobile Web GUI’s und Applikations-GUI’s werden homogener
User denken in User Interfaces. Klingt simpel, ist aber so! Ein Otto Normalverbraucher mit einer Daten-Flatrate interessiert es m.e. nicht, ob er eine mobile Webapplikation im Browser öffnet oder er sich eine native Applikation herunterlädt und installiert – solange es einfach und schnell geht.
In anderen Worten liegt der Wettbewerbsfaktor vermutlich in der Usability. Es ist abzusehen, dass “bedienbare” Touch Interfaces in Zukunft entlang der bekannten Application UIs’ von Apple gestaltet werden. Technisch gesehen schafft man diese Annäherungen bei mobilen Webapplikationen mit vorhandenen Libaries wie jqtouch undiUi - Applicationstores werden zunehmend unübersichtlicher.
Mehr als 150’000 Applikationen umfasst derzeit der Applicationstore von Apple. Das Finden der richtigen Applikation wird also ähnlich der Entwicklung im World Wide Web laufend schwieriger. Eine mit dem Relevanz-Ranking von Google vergleichbare Suche fehlt bislang, ist aber m.e. je länger je mehr gefragt. In Summe wird sich die Suche nach Applikationen der Suche nach Webseiten annähern. - Applicationstores werden zunehmend unübersichtlicher.
Könnten diese Gründe dem bereits vor 2 Jahren von Andreas Göldi verhofften Aufschwung nun definitiv zum Sprung verhelfen?









Nicht vergessen: mobile Web-Applikationen liessen sich auf mit dem “Wrapper” zu einer nativen App ummodeln, und dies sehr einfach, kostengünstig und schnell. Zugriff auf Hardware-Funktionen sind dann natürlich ein Vorteil.
Ja genau, mit nativen Wrappern – man kann vielleicht nicht tutti cuanti wie mit einer “richtigen” nativen App, aber mindestens teilweise.
Dazu kann man sich PhoneGap (http://phonegap.com/) bedienen, die bauen ein API welches sogar Plattform-unabhängig ist und verschiedene Hardware-Features und andere Funktionen des darunterliegenden OS nach JS exportiert und dem eingewrappten HTML zur Verfügung stellt.
Bei Wrappern ist meiner Einschätzung nach die Grenze dort, was genau die JS-Native-Bridge einem ermöglicht.
Nachteile bezüglich PhoneGap:
- User müssen jeden Hardware Zugriff expliziert frei geben bzw. erlauben
- PhoneGap Apps werden höchstwahrscheinlich nicht mit der nächsten OS Version vom iPhone lauffähig sein!
- Verteilung über den App-Store zweifelhaft, da Apple bisher die Mehrheit der PhoneGap Anwendungen ablehnt, wobei dies wohl eher eine Marketingstrategie darstellt
Gerade das angekündigte Multitasking der nächsten Generation wird in der Zukunft das Todesurteil darstellen, da PhoneGap Anwendungen sozusagen zwischen Browser und OS “gefangen” sind und dann keineswegs mehr mit nativen Apps konkurrieren können…