Der vierte Konferenztag startete mit einer sehr guten und unterhaltsamen Keynote der beiden Methodik-Koryphäen Ivar Jacobson und Robert C. Martin. Beide, Authoren von Methodik-Bücher, machen eine sehr selbstkritische Rückblende über die vergangenen 40 Jahren Softwareentwicklung, in denen auch sie Methodiken propagiert haben, welche sich letztlich nicht durchgesetzt haben.
Zitat aus dem Vortrag:
“Softwaredevelopment seems to be driven by fashions and fads”
Wie kommt das? Es hat sich gezeigt, dass sich die Universitäten (Forschung) nicht um die Praxis kümmern und dass die Praktiker sich kaum dafür interessieren, was an den Universitäten gearbeitet wird. Hinzu kommt jetzt das Übel der Methodik-Evangelisten, welche stets neue Methodiken “erfinden”, welche bestehendes mehr oder weniger neu verpacken, neu zusammenstellen und nur an unwesentlichen Punkten erweitern. Hier scheinen doch auch Ermüdungserscheinungen da zu sein, immer wieder neue Terminologien zu lernen, obwohl es im wesentlichen nichts neues gibt. Dies hat Ivar Jacobson und 20 anderen Schwergewichte (u.a. Ken Schwaber, Erich Gamma, Scott Ambler, Richard Soley, etc.) dazu bewogen, der Softwareentwicklung ein gutes theoretischen Fundament zu verpassen (welches allerdings erst noch zu finden ist) und hat dabei die SEMAT (Software Engineering Method and Theory) ins Leben gerufen. Ob und wie sich diese Initiative, bei der es zu beginn schwer war, dass sich alle Beteiligten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen konnten, durchsetzen resp. Akzeptpunkte bringen kann, wird sich erste noch zeigen.
Robert C. Martins (auch Uncle Bob genannt) Vortrag war eine typisch amerikanische Storytelling Vorstellung, deren Unterhaltunswert sicherlich sehr hoch war, sich inhaltlich jedoch auf ein/zwei Elemente hätte abspecken lassen können. Robert, mit seiner sehr grossen Erfahrung in Sachen Softwareentwicklung, hat die vergangenen 40 Jahre in 10 Jahresabschnitten revu passieren lassen und aufgezeigt, dass sich die wesentlichen Punkte in all denn Jahren nicht verändert haben. Methodiken kamen und gingen, Projekte scheiterten jedoch nach wie vor. Letztendlich appeliert er an die Entwickler, sich wirklich als “Professionals” zu verhalten. Das heisst für ihn eben auch “Nein” zu sagen. “Nein” zu unrealistischen Zeitplänen, “Nein” zu schnellen Hacks, etc.
Zitat aus seinem Vortrag: “To Go Fast, Go Well”
Und meint damit, dass sich Hacks, etc. aus welchen Gründen auch immer einfach irgendwann rächen, womit er in der Regel ja auch recht hat. Doch wer verstösst nicht ab und zu wieder gegen seine eigene Überzeugung (wegen Budget, wegen Zeit, etc.)…?
Ich denke, beiden haben im Kern ihrer Aussagen und Einschätzungen recht. Welcher Weg zu einer Verbesserung führt, wird sich noch weisen. Vielleicht ein bisschen von beidem… :-) Dass sich jedoch heute eine ganze Keynote nur um das Thema Methodik gedreht hat, zeigt auf, dass hier auch viel Handlungsbedarf besteht.
Ach ja… hier noch kurz was eher technisches… was aber prima in den Cloudcomputing-Hype passt…
Mit Glassfish in der Version 3.0, welche am 10. Dezember released wird, kommt eine sehr gute und schnelle Referenz-Implementierung, für die neue Spezifikation auf den Markt. Neben den vielen neuen API, welche jetzt zur Spezifikation gehören, hat mir vorallem ein Aspekt gefallen: Der Server kann in der neuen Version komplett über REST-API administriert werden. Hier denke ich, dass dies vorallem für künftige Laufzeitumgebungen (z.B. Amazon EC2, o.a.) sehr, sehr hilfreich sein wird.








