Heute ging die devoxx in die nächste Runde: dem Conference-Teil – während die letzten zwei Tage tiefergehenden und längeren Sessions (drei Stunden) mit einzelnen Themen diente (University genannt – lesenswert hierzu auch die Blogposts vom ersten und vom zweiten Tag von Sandro Ruch), war der heutige Tage und sind die nächsten eineinhalb Tage voll gepackt mit einstündigen Vorträgen, Birds of Feather Sessions und vielen Diskussionen vorallem über Java und das Java Enterprise Ökosystem. Sehr oft werden die Vorträge von Spec-Leads und Leaddevelopern bestritten.
Gestartet wurde der heutige Konferenztag mit einer zweistündigen Keynote-Session – aufgeteilt in drei Beträge.
Steven Harris, Senior Vice President of Product Development bei Oracle (dem neuen Eigentümer von Sun und damit auch Java), eröffnete den Reigen mit einem Rückblick auf Java und der Vorstellung ihres neuen OSGi-basierten Application-Servers Weblogic dm – nicht nur der Name erinnerte hier an den von SpringSource vor fast einem Jahr gelaunchten dm Server.
Auch der nächste Talk von Roberto Chinnici brachte für Springentwickler viele bekannte Konzepte in Form der im Dezember endlich finalisierten JEE 6 Spezifikation: neben dem serverseitigen Webprofil (das eine deutlich reduzierte Runtime-Server Umgebung für Webapplikationen definiert) und der DI (dependency injection) Spezifikation wurde hier versucht viel umzusetzen, was sich dank Opensource-Einsatz schon seit Jahren in vielen Projekten bewährt hat (“adopt what works”).
Der dritte Keynote-Talk hatte den stärksten Unterhaltungs-Charakter: Adobe hatte Christophe Coenraets aufgeboten, um den Java-Entwickler die neue Flex 10.1 Version (bzw. die gesamte Adobe Suite) schmackhaft zu machen, um so dynamische Frontends (RIA) zu bauen. Herauszuheben gilt es hier, dass die neue Version deutlich Resourcenschonender arbeitet und die Ausführung auf jeglichen mobilen Endgeräten keine Wunschvorstellung mehr ist: von Palm Pre über Rim’s Blackberry bis zum Android wurden Allianzen geschmiedet und teils auch schon laufende Applikationen präsentiert. Fehlt einzig allein Apple mit seinem iphone ;-)
Soweit die Keynote. Dann trat Scott W. Ambler an, der kein Unbekannter ist was Agile Softwarenentwicklung angeht, um aufzuräumen mit Mythen, die sich rund um die agile Entwicklung über die letzten Jahren gebildet haben. Im Stile von Mythbuster, einer amerikanischen TV Sendung des Discovery Channel, ging er (in einem irrsinns Tempo) Behauptung für Behauptung durch und bestätigte (“confirmed”) oder widerlegte (“busted”) sie mit Studien, die er über die Jahre gesammelte hatte und die jedem über http://www.ambysoft.com/surveys/ frei zugänglich sind.
So zeigte er etwa, dass die agile Entwicklung mittlerweile bei sehr vielen Organisationen Einzug gehalten hat (76%), dass bei diesen jedoch nur 44% aller Projekte agile durchgeführt werden. Für die Behauptung, dass sich agile Entwicklung nur für kleine Teams eignet, musste er keine Studien bemühen: als IBM-Mitarbeiter konnte er von einer Vielzahl von Projekten mit über 200 Entwicklern berichten, die agil aufgestellt sind.
Was wenig überraschend war, war die Aussage, dass auch agile Projekte eine Ramp-Up Phase von mindestens 4 Wochen haben bevor hier mit der Entwicklung gestartet wird. – Eine ganz klare Widerlegung des Mythos, dass durch den Einsatz des Agilen Vorgehens sofort mit dem Coding begonnen werden kann.
Dagegen sicher bejahen kann er die Behauptung, dass in agilen Projekten mehr getestet wird. Hier wird vorallem auch schon früher mit dem Testing begonnen im Vergleich zu traditionellen Ansätzen.
Keine Auseinandersetzung, bei der nicht beiden Seiten behaupten die bessere Lösung bzw. das bessere Konzept zu haben – so auch hier: die agile Fraktion behauptet von sich, dass Projekte, die ihrem Ansatz folgen (entgegen dem traditionellen Ansatz), erfolgreicher abgeschlossen werden. Wobei mit Erfolg vorallem die Software-Qualität, Kundenzufriedenheit mit der gelieferten Funktionalität, Budgeteinhaltung und Intime-Lieferung verbunden werden. Dies ist laut Ambler eine Marketingaussage der agilen Fraktion. Denn es gibt hierzu kaum Zahlen, die dies beweisen könnten. Interessant ist jedoch, dass Studien zu einzelnen Aspekten zeigen, dass der agile Ansatz fast gleich auf ist mit dem iterativen Ansatz.
Seine Konklusion kann ich nur unterschreiben: am Ende muss jeder schauen, was für ihn funktioniert. Jede Organisation ist anders. Die strikte Anwendung von agilen Methoden, welche religiöse Ausmasse annehmen kann, garantiert noch keinen Projekterfolg.









That is very true about myth busters, they need to clean it up! :)
“Die strikte Anwendung von agilen Methoden, welche religiöse Ausmasse annehmen kann, garantiert noch keinen Projekterfolg”: Es ist schön zu hören, dass diese Erkenntnis auch in der agilen Welt angekommen ist.