Vom Community-Aufbau und -Management

Man hat doch selten die Gelegenheit, eine Social Community von der Idee bis zum Going-Live und darüber hinaus zu begleiten. Und noch seltener, dies für zwei Communities parallel zu tun. Da ich diese Erfahrung in der Vergangenheit sammeln durfte, lud mich die Universität St.Gallen zu einem Gastvortrag ein. Das Thema: Community Management. Aufbau, Technologie, Umsetzung, kritische Masse…

Und selbstverständlich hielt ich keinen Theorie-Vortrag über Community Technologie und Management, noch darüber was man alles beachten muss. Vielmehr wollte ich den Zuhörern und Studenten, die im Anschluss selbst eine Community aufbauen sollen und wollen, ein paar Erfahrungen mitgeben und aus dem Nähkästchen erzählen. Denn in meinem beruflichen Leben waren diese 2,5 Jahre mit Sicherheit unter den prägendsten und interessantesten.

Zu den Themen gehörten u.a.:

  • Drupal oder nicht?
  • Offshoring oder nicht?
  • Live-Gehen oder nicht?
  • Neue Funktionen oder nicht?

Wie immer am MCM an der Uni St.Gallen: Die Diskussion war sehr interessant und anregend. Hier der Vortrag in stark gekürzter Version:

HSG-Vortrag zu Community-Umsetzung und -Technologie (gekürzte Version als PDF, 10 MB)

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Social Media oder der unsoziale Bus

Ich stehe am Bahnhof und sehe dem Bus hinterher, der seine Reise ohne mich antritt, zum dritten mal. Der Fahrer wartet nicht, bis alle vom Gleis am Bus ankommen. Prima, 1 Stunde Wartezeit: Mein Daumen bereits am Abzug. Nicht eine Waffe im herkömmlichen Sinn. Als Pazifist bevorzuge ich das Handy/Internet mit seiner scheinbaren verbalen Gewaltfreiheit. Twittern will ich es der Welt. Denn ich kann es nichtmal dem Bahnhofsvorsteher erzählen, diesen gibt es hier nicht mehr.

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Moment mal. Am Fahrplan steht eine Telefonnummer. Ich wähle sie und bekomme von einer freundlichen Frau Verständnis, sie will sogar prüfen, ob der Fahrplan im Stundentakt Sinn macht an solch einem ländlichen Knotenpunkt. Ich habe mich fürs richtige Medium entschieden, denn dieser Verkehrsbetrieb ist noch nicht via Twitter erreichbar und bemerke:

Social Media ist längst nicht dort, wo wir es hin-loben.

Social Media soll die Komminikation zwischen Menschen fördern. Während ich auf den nächsten Bus warte, lese ich manchen Post: Jemand macht einen Fehler und jemand bloggt darüber, obwohl man sich kennt. Der Angeprangerte hat oft keine Möglichkeit, sich zu erklären. Weil er es nicht mal sieht.

Wenn der vermeintliche Empfänger noch nicht monitored oder keinen Account hat. “selber schuld!” ? Das ist der einfachste Weg, die Nichtreaktion der Betroffenen abzutun. In Wahrheit trägt der Eintrag nicht wirklich zur Kommunikation MIT dem Betroffenen bei sondern ÜBER ihn. Er oder sie werden “gezwungen” sich dem zu stellen.

“Social Media ist nichts anderes als eine moderne Form menschlichen Handelns.” Zitat von Electrouncle im Post über social Banking.

Wir befinden uns in einer Art Übergangsphase und haben die Aufgabe, Ufer zu verbinden, statt zu trennen. Kommunikationsbarrieren sind natürlich und es lohnt sich zu überlegen, wie erreiche ich tatsächlich andere Menschen und eine Verbesserung. Wenn es ein Post ist, kann ein E-Mail mit Link an die betreffende Person oder Firma helfen. So überbrücke ich einen Medien-Bruch und verhelfe dem Web zu seinem neuen Namen. “Social”. Denn daran übt das Web (der Bus ;) bzw. die Menschen noch.

Ich wünsche mir, dass wir, die für Social Media plädieren, es vorantreiben wollen, dies sozial tun. Denn wir prägen die Etikette dieser neuen Kommunikation. Vorgelebtes wird später kopiert. Stellt Euch vor, wir könnten in 5 Jahren nur noch via Facebook Kritik erfahren, weil es sich heute einfach so einschleicht. Wenn dieser Bus voller Vorreiter jetzt “unsozial” davon fährt, holen wir ihn nicht mehr ein.

Wir sind Google-Best-Practice

“Machen Sie Ihre Website erfolgreich” sagt Google und gibt in einer kleinen Publikation entsprechende Tipps. Sie nutzen dazu einen “Persona”-Ansatz (Max, den Online-Käufer), um dem Leser 10 Möglichkeiten aufzuzeigen, wie aus Besuchern auch wirklich Käufer gemacht werden können. Ich nenne das neudeutsch auch gerne Konversion und/oder Konversionsraten Optimierung.

Zitat aus dem Vorwort (oder auch O-Ton Max):

“…das Online-Shopping ist ideal zum Vergleichen von Preisen oder Buchen von Reisen geeignet. Alle Bestellungen werden direkt zu mir nach Hause geliefert!

Was mich bei der ganzen Sache nervt?
Websites, die nicht funktionieren. Wenn eine Website nicht nutzerfreundlich ist oder nicht das auffindbar ist, wonach ich suche, verlasse ich diese Website. Das Leben ist einfach zu kurz und es gibt unzählige andere Websites.

Falls Sie online Geld verdienen möchten: Kein Problem. Schenken Sie Kunden wie mir einfach mehr Aufmerksamkeit.

Ich habe mich mit Google zusammengetan und verrate Ihnen hier nun meine zehn besten Tipps…”

Und spätestens da werde ich hellhörig und sage: “Max, Recht hast Du!”

Ich lese natürlich weiter und bin gespannt auf die Tipps und die zugehörigen Best Practices. Bereits bei Tipp 2 bin ich nicht nur aufmerksam dabei, sondern werde richtig stolz und muss Max ein zweite Mal Recht geben! Denn auch wir sind hier mit einer unserer Websites vertreten. Die Best Practice im Bereich “Die Startseite soll Ihren Zweck erfüllen.” geht nämlich an: Unsere Startseite der bahn.de. Max, danke dafür! ;-)

Wobei… Ich könnte da auch noch ein paar andere Websites nennen, die im Rahmen der Thematik Konversionsraten Optimierung und Namics erwähnt werden sollten! Konversionsraten Optimierung ist schließlich eines unserer “Steckenpferde”. Und ganz speziell auch meins. Aber das ist ein anderes Thema…

Die Zukunft des Webs

Letzte Woche habe ich meinen Orakel-Hut aufgesetzt und einen Vortrag auf der WebTech-Konferenz in Karlsruhe zur Zukunft des Webs gehalten. Natürlich habe ich wieder ein T-Shirt bekommen, was der eigentliche Grund dieses Blogeintrags ist, ;-) aber ehrlich gesagt finde ich es nicht so schön. Es ist einfarbig blau, und auf der Brust prangt groß das Wort „Speaker“, was ich etwas reißerisch finde.

Auch negativ das Rekordtief des Frauenanteils auf der Konferenz: von 65 Vortragenden nicht eine, null, zero Frau! Entsprechend gab es auch im Publikum einen Frauenanteil, der geringer war als der in einer Schwulendisco, und die wenigen anwesenden Frauen gehörten meist zum Catering-Team. Gleichberechtigung geht anders.

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Schön war aber insbesondere der Thementag der Webkrauts (Foto). Während Eric Eggert sich mehr um CSS3, Webfonts und Browser APIs kümmerte, habe ich in meinem Vortrag heutige und zukünftige W3C-Technologien vorgestellt, hier die Links dazu. Darunter stechen insbesondere das HTML5 Canvas-Element, Video und 3D hervor:

Canvas kann Inhalte verzerren, drehen, wölben, filtern und einige Dinge mehr, und es ist dynamisch per JavaScript programmierbar.

<video>

direkt im Browser ohne Flash ermöglicht Unabhängigkeit von Adobe, was gerade für Geschäftsmodelle wie das von YouTube, Dailymotion oder die BBC wichtig ist. Darüberhinaus können Canvas und Video in Kombination spannende Effekte erzielen. Dailymotion hat ein paar davon in der Demo eingebaut.

Und 3D im Browser eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Spiele und andere Anwendungen, bei denen per WebGL dreidimensionale Daten und Modelle effizient übertragen werden können. Stereoskopische Effekte wie im Film „Oben“ habe ich allerdings noch in keiner Browser-Demo gesehen.

Bislang ist Barrierefreiheit von den Browserherstellern in den neuen Technologien kaum berücksichtigt worden, aber die neugegründete HTML Accessibility Task Force, deren Mitglied ich bin, wird sich der Themen annehmen.

Uns steht jedenfalls eine sehr aufregende Zukunft bevor!

Unabhängigkeit (Independence)

Unabhängigkeit (Independence) ist einer von 11 ethischen Grundsätzen von Namics. Ein seit 2000 existierende essenzielle und unumstössliche Norm für unser Arbeiten und Handeln.

Die Ausformulierung davon lautet:

Wir halten keine uns bekannten, relevanten Fakten oder Empfehlungen zurück, auch wenn dies für uns unangenehm ist oder eine Kundenbeziehung gefährdet, Wir ziehen uns aus einem Projekt oder einer Kundenbeziehung zurück, wenn die Fortsetzung einen unlösbaren Konflikt mit unserer Integrität oder mit unserem Anspruch an eine professionelle Leistungserbringung bedeuten würde.

Meine spontanen Gedanken: Keine falsche Auskunft zu geben ist das Eine, aktiv über Problem (selbst verursacht oder nicht) zu informieren etwas Anderes… Vertrauen zu erhalten heisst auch Vertrauen zu schenken. Wir stellen an uns die Anforderung so ehrlich zu sein, dass wir uns niemals in Zwänge begeben um damit unsere Unabhängigkeit als Berater im Dienst des Kunden jederzeit zu behalten. Dazu gehört sofort aktiv “nach besten Wissen und Gewissen” zu informieren auch wenn es unangenehm ist und auch wenn die Lösung noch nicht bekannt ist.