Social Media – Raus aus dem Funkloch (Vortrag)

Eigentlich ist es so normal geworden, dass man sich schon gar keine Gedanken mehr darüber macht: Bevor ich ein neues Handy oder einen Kinderwagen (ist gerade mein aktuelles Interessensfeld…) online kaufe, surfe ich die üblichen Verdächtigen nach Bewertungen und Kommentare anderer Käufer ab. Schliesslich will ich nicht den gleichen Fehler machen, den andere schon gemacht haben.

Neu war beim meinem Kinderwagen-Einkauf nun, dass ich auf Youtube nach dem Modell meines Interesses gesucht (übrigens: Phil & Teds Vibe) und dort ein Video gefunden hab, das mir gezeigt hat, wie man das Ding ins Auto bekommt. Genial.

Und genauso machen’s mittlerweile über 90% der Onlinekäufer. Na wenn Social Media damit nicht zum businesskritischen Faktor geworden ist… Und genau darüber ging unser Vortrag auf der Marketingmesse EMEX 2009. Und noch mehr: Wir erleben es immer öfter, dass Unternehmen einfach mal ausprobieren und sich Twitter- oder Facebook-Accounts anlegen, bevor sie sich überlegen, wozu sie Social Media eigentlich genau einsetzen wollen. Unsere Botschaft: Stellen Sie sich die wichtigsten Fragen, BEVOR sie ins kalte Wasser springen:

1. Gibt es im Umfeld Ihres Unternehmens bereits eine Community?
2. Tauscht sich die Community bereits im Internet aus?
3. Was ist das gemeinsame Interesse der Community?
4. Können Sie sich an Offenheit und Transparenz gewöhnen?
5. Was sind Ihre Ziele, welchen messbaren Erfolg erhoffen Sie sich?
6. Sind Sie bereit, Ressourcen zur Verfügung zu stellen?
7. Haben Sie die richtigen Leute im Boot?

Mit den Antworten haben Sie immer noch keine Community oder 3,6 Mio Fans (wie Coca Cola) auf Facebook. Aber zumindest können Sie sich sicher sein, dass Sie die essenziellen Vorbereitungen getroffen haben, um loszulegen. Lassen Sie sich erstmal inspirieren von den Potenzialen, die wir in unserem Vortrag dargestellt haben: Vortrag “Social Media – Raus aus dem Funkloch” [pdf, 9.66 MB].

Und wenn Sie Zeit haben, hier der Vortrag in voller Länge:

Kooperation und Respekt (Respect for the Individual)

Kooperation und Respekt (Respect for the Individual) ist einer von 11 ethischen Grundsätzen von Namics. Ein seit 2000 existierende essenzielle und unumstössliche Norm für unser Arbeiten und Handeln.

Die Ausformulierung davon lautet:

Exzellente Lösungen entstehen durch die gleichberechtigte Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen wie Kreation, Technologie und Beratung. Die Abwesenheit von Hierarchien zwischen den Fachdisziplinen, der Respekt vor unterschiedlichen Wertesystemen und die Wertschätzung jedes einzelnen Beitrages und Menschen sind fundamental wichtig für hochwertige, innovative Ergebnisse. Gegenseitiger Respekt und die partnerschaftliche Zusammenarbeit bestimmen unseren internen Umgang, den mit Kunden sowie mit anderen Partnern.

Meine spontanen Gedanken: Die Abwesenheit einer fachlichen und organisationellen Hierarchie ist essentiell wichtig für innovative Lösungen: Jeder Input bei Namics ist gleich wichtig! Es gibt keine Politik und keine versteckten Pläne. Der gleichberechtigte Beitrag von Menschen mit unterschiedlichen Wertesystemen und Rollen ist für unseren Ansatz der interdisziplinären Zusammenarbeit und Problemlösung der Erfolgsfaktor Nummer eins.

Namics Professional Ethics Grundsätze

Seit meinem ersten Tag bei Namics vor rund 10 Jahren und bereits zuvor war es für mich klar, dass sich nicht alles (fast nichts?) in Anweisungen resp. in vorbestimmte Prozesse zwingen lässt. Illustrativ nutze ich dafür das Schachspiel: Die Regeln sind in 30 Minuten erklärt, die Beherrschung des Spiels dauert ein Leben lang… und das ich eben das spannende dran.

Zum Glück teilt(e) Namics die Ansicht und Tim Dührkoop schrieb die gelebten Regeln im Jahr 2000, ergänzt um dienstleister-spezifsche Aspekte nieder: Die “Namics Professional Ethics Grundsätze” sind essenzielle und unumstössliche Normen, welche wir unserem Handel jederzeit zu Grunde legen. Diese folgen dem Grundgedanken, dass wir und nicht über detaillierte Prozesse weiter entwickeln wollen, aber entlang von gemeinsam akzeptieren Spielregeln:

- Kooperation und Respekt (Respect for the Individual)
- Kundeninteresse hat Vorrang (Client Interests First)
- Professionelle Entwicklung (Professional Development)
- Kunden in Wettbewerbssituation (Competing Clients)
- Projektannahme mit Verantwortung (Accepting Projects)
- Vertraulichkeit (Confidentiality)
- Keine Austrittsbarrieren (Lock-In)
- Integrität (Integrity)
- Unabhängigkeit (Independence)
- Keine finanzielle Verflechtung (Financial Arrangements)
- Internet-Prinzipen (Internet Principles)

Weshalb braucht gerade Namics solche Regeln? Die Leistung, welche wir anbieten bedingt, dass uns Kunden ihr Vertrauen schenken. Einerseits weil unsere Projekt innovativ sind, einen hohen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben und weil wir häufig mit schützenswerten Informationen umgehen. Andererseits weil zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses weder alle Lösungsaspekte definiert sind, noch die Lösung selbst bekannt ist (im Gegensatz zum Produktgeschäft). Wie beim Arzt weiss ich nicht, ob die vorgeschlagene Therapie die Beste ist (sonst bräuchte ich keinen Arzt). Zudem ist das digitale Medium speziell, da einfach (und verlustfrei) kopiert werden kann, schützenswerte Daten ausgetauscht werden und der Erfolg des Internets auf Öffentlichkeit (inkl. öffentlichen Standards) basiert. Potentiell kann viel Unfug/Missbrauch betrieben werden. Die “Namics Professional Ethics Grundsätze” regeln unser Verhalten in diesem Kontext und sind Basis für unser Vertrauensgeschäft.

In der Folge schreibe ich zu jedem der Prinzipien einen Post um diese verständlicher zu machen…

Mobiles Web: an welchen Orten surft man mobil?

Das mobile Web ist zu Hause angekommen. Wie aus einer neuen Studie hervorgeht, surfen User inzwischen häufiger zu Hause mobil als anderswo.

Bei einem Mobile-Projekt gilt es, wie Kollege Waibel schon mal beschrieben hat, drei Dinge zu berücksichtigen: den Kontext, den Inhalt und die verwendeten Endgeräte. Vor allem beim Kontext ist es unabdingbar, sich in die Situation, in welcher ein mobiler User steckt oder stecken könnte, hereinversetzen zu können. Eine wichtige Komponente dieser Überlegung ist der Ort, an welchem ein User sein Handy nutzt, um mobil ins Internet zu gelangen.

Intuitiv geht man meistens davon aus, dass die meisten Leute “unterwegs” am ehesten mobil surfen, also aus dem Zug heraus, an der Bushaltestelle, im Einkaufszentrum, in den Ferien etc. Wie in der “Mobile Web Watch 2009″-Studie von Accenture (noch nicht veröffentlicht, Link zur Ausgabe 2008 weiter unten) jedoch ans Tageslicht gekommen ist, sind diese Annahmen nicht ganz korrekt. Inzwischen sind die eigenen vier Wände nämlich der beliebteste Ort, um rasch mit dem Handy ins Internet zu gelangen. So surfen inzwischen 62% der User (Mehrfachnennungen möglich) von zu Hause aus mobil.

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Was heisst das nun für die Entwicklung von mobilen Websites? Ganz einfach: man muss nicht in jedem Fall krampfhaft nach Use Cases “ausser Haus” suchen, sondern täte den Usern einen ebenso grossen Gefallen, wenn man bestehende Angebote, die klassischerweise zu Hause angesurft werden, mobile-gerecht aufbereiten würde. Dazu gehören beispielsweise: Fernsehprogramme, der Zugriff auf Firmen-E-Mail und Co, (Lokal-)Nachrichten, eBanking, Online-Shopping etc.

Man sieht, das mobile Web ist nun auch in den eigenen vier Wänden angekommen.

Link zum Thema:
> Accenture: Mobile Web Watch 2008

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Das letzte Aufbäumen von Associated Press (oder DRM reloaded)

Eine interessanter Artikel im Spiegel, wie Associated Press (non-profit Nachrichtenagentur, die 1400 angeschlossenen Zeitungsverlegern gehört) meint all ihren Content online zu Geld machen zu können: Wie AP Wikipedia schlagen will.

Teile der Idee sind für mich so unrealistisch, dass ich gar nicht weiss, wo ich beginnen soll. Inhalte die von AP-Mitgliedern hergestellt werden, werden im Internet re-publiziert und der Urheber meint dafür nicht genügend Geld zu bekommen. Und das soll nun mit einem “Schutzsystem verhindert” werden.

Zuerst zur Verteilung, denn hier gibt es ganz unterschiedliche Fälle. Ein Kristallisationspunkt ist Google, die Zitate aus AP-Erzeugnissen in Trefferlisten der Volltextsuche aber auch auf Google News zitieren und dort mit AdWord-Werbung Geld verdienen. Zwar ist es nur ein Zitat des Originals und der Rücklink auf die Originalquelle ist vorhanden und lesbar. Damit generiert Google Besucher auf der Quellseite und gibt auch Reputation zurück. Für mich stimmt hier alles, doch Tom Curley, President und CEO von AP meint dazu: „”If someone can build multibillion-dollar businesses out of keywords, we can build multihundred-million businesses out of headlines, and we’re going to do that,” (Quelle: NYT: A.P. Cracks Down on Unpaid Use of Articles on Web). Zusätzlich gibt es natürlich Blogger und andere Schreiberlinge welche dasselbe in ihren Texten tun. Problematisch sind aus meiner Sicht nur (Spam-) Blogs resp. Aggregatoren, die Quellen intergral republizieren und keinen Verweis auf das Original anbringen.

Sehr interessant ist, dass auch Wikipedia als „Feind” gesehen wird. Bei wichtigen Nachrichten (zitiert wird beispielsweise der Tod von Michael Jackson) werden die Beiträge sofort um Links ergänzt und wegen dem guten Google-Ranking von Wikipedia übernimmt es die Funktion der ersten Anlaufstelle. Zwar ohne eigene Werbung, aber das scheint AP nicht zu kümmern. So steht nach Aussage von Spiegel im AP-Papier “Die Wikipedia-Seite zum Thema Michael Jackson enthalte mehr blaue Hyperlinks als schwarzen Text” und “Mit der Hilfe von sozialen Netzen wie Twitter und Ressourcen wie Wikipedia gewinnen die Nutzer noch mehr Kontrolle über ihren Nachrichtenkonsum.” Ja?

Die AP-„Lösung” um diese ungewollte Verbreitung in den Griff zu bekommen heisst News Registry und wurde in einer Pressemitteilung (wie sonst?) angekündigt: Associated Press to build news registry to protect content. Technisch handelt es sich dabei um ACAP (Automated Content Access Protocol). Das Funktionsprinzip hat John Biggs bereits nett veralbert. Im Kern ist es ein DRM-System (Digital Rights Management) und 1:1 vergleichbar mit den Ansätzen der Musik-Industrie, die bekannterweise ja alle gescheitert sind. An ein funktionierendes DRM kann, solange der Mensch Inhalte analog aufnimmt, kein vernünftiger Mensch glauben.

Ziel ist es nicht nur „normale” Links zu verbieten aber tatsächlich auch bereits für Zitate Geld verlangen zu können. Da hat bereits ein Blogger dazu genutzt ein Zitat von Thomas Jefferson aus einem Zeitungsartikel als Zitat für USD 12 zu lizenzieren: „The AP Will Sell You a “License” to Words It Doesn’t Own”

Meine Meinung: Alles falsch. Die Meisterleistung des Internets ist die Adressierbarkeit aller Elemente und darauf aufbauend die Vernetzbarkeit über verschiedenste Anwendungen: Hyperlinking. Die AP-Idee vernachlässigt dieses Prinzip und nimmt dem „Ansatz-Internet” eine Kraft.Ohne verteilte Zitate gibt es auch kein Interesse. Um das zu verstehen muss man kurz einem Fischverkäufer zugeschaut haben.

Einverstanden: Gute Inhalte kosten Geld… aber die Regeln der Vermarktung und des Verkaufs haben sich geändert. Weshalb hat Apple den Musikmarkt revolutioniert und nicht ein traditioneller Musikverlag. Anstelle sich auf den Standpunkt des Urhebers zu stellen könnte man mal an den Konsumenten denken. Für was würde er — gelockt von Gratis-Inhalten — eine Zahlungsbereitschaft habe. Ich aus jeden Fall, kaufe meine Musik seit iTunes (ohne DRM) wieder…

PS: Natürlich hat auch Google eine Meinung dazu: Some questions related to Google News and the Associated Press.

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