Medienkompetenz braucht Sozialkompetenz

Die Medienarbeit ist erschüttert. Ganze Redaktionen, wie IT-Reseller, werden entlassen und die Bleibenden sollen die Website besser be-texten. Der Auftrag: Das Printmedium webfähig zu machen und Umsätze erzielen.

Auf der anderen Seite sitzen PR Verantwortliche, denen die langjährigen Instrumente und Kanäle wegbrechen, weil die Kontaktperson beim Magazin bspw. nicht mehr da ist, oder der Verlag auf bezahlte Werbung drängt (drängen muss) und weniger redaktionellen Platz hat.

Hier liegt glaube ich der Fehler in der Überlegung. Beide Kommunikationsprofis (PR-Mensch und Journalist) gehen von Kanälen aus, die fix definiert sind, man kennt etwa die Leserstrukturen, Auflagenstärke und Instrumente. Meistens war klar, welche Nachricht für welchen Kanal geeignet ist, und man hoffte auf PR Seite auf

….. .eine Top-Nachricht oder journalistisches Erbarmen.

Wenn etwas zerstört wird, wie zur Zeit auch etablierte Medien, (Bsp. e Tagesanzeiger) entsteht immer etwas Neues. Hier ist es Social Media, die die Medienlandschaft revolutioniert.
Beide Berufsgruppen müssen umdenken: Keine Kanäle, Hierarchien und reine “Geschäfts”-Beziehungen mehr. Sondern Sozialkompetenz. Bewege ich mich als PR-Verantwortlicher oder Journalist in einem sozialen Netzwerk im Internet, bin ich zuerst mal ich selbst, ein Mensch, der andere Menschen kennt, kennenlernt, ihnen zuhört und etwas erzählt. Bestenfalls trete ich mit meinem richtigen Namen und Gesicht auf. Ich lese nicht gern von „xy-kugi-38″ mit einer Grafik statt Gesicht ausser er heisst Notschokolade ;)

Bild: Menschen sprechen mit Menschen.
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Und hier liegt der zweite Stolperstein.

Selbstverständlich platziere ich hier weder eine offizielle Medienmitteilung noch einen Artikel aus der Retorte. Menschen erwarten Persönliches, Ehrlichkeit, wollen vertrauen und vorallem Fehler sehn, zum Lernen. Deshalb brauche ich Sozialkompetenz. Diese wird beispielsweise in Facebook oder Twitter öffentlicher sichtbar und ohne diese werde ich hier nicht als Inhaltslieferant (als Zuhörer evtl. schon ;) akzeptiert. So entstehen Spamer. Ich bemerkte zur Zeit einen anstrengenden Anstieg im Twitter eben solcher.

Wichtig: diese Kommunikation funktioniert auch zeitversetzt. Eine Nachricht kann ich zeitlich unbestimmt im Internet kommentieren und weiterleiten. Der Multiplikationseffekt hängt einzig vom Inhalt, Glaubwürdigkeit und von meiner Vernetzung und der Vernetzung meiner Vernetzten ab. Der Wahrheitsgehalt wird von vielen weiteren Menschen ergänzt, widerlegt oder in Frage gestellt und zwar von bisher vermeintlich „Unbeteiligten”. Dazu muss ich (gerade)stehen können.

Gestern dazu ein missglücktes PR-Beispiel bei Müller Martini. Eine ehrliche Antwort wäre meiner Meinung nach clever und sozial gewesen.

Pressesprecher und auch Medienschaffende sollten ihre ethischen Werte kultivieren und ihre sozialen Netze online nutzen und ausbauen, unabhängig von Kategorisierungen wie „diesen Mensch brauch ich und diesen nicht – das ist nicht die Zielgruppe”.

Dazu brauchts Sozialkompetenz und gute Inhalte und natürllich einen social Media Newsroom (aber das ist ein anderes Thema), wie Klaus Eck hervorragend aufführt.

2 Gedanken zu “Medienkompetenz braucht Sozialkompetenz

  1. Bisher konnte sich die Firma (es kann auch eine Regierung sein) hinter einem Pressesprecher verstecken. Niemand interessierte sich für die Person, diesen Überbringer von (schlechten? guten?) Nachrichtn. Es las entweder vom Blatt ab oder rezitierte die vorgegebenen Anworten aus seinem mit der Juristenabteilung abgestimmten “Q&A”. That might be over now…

    Der Kommunikationsverantwortliche erhält eine neue Funktion als Vertrauensperson (nicht “PR-Fuzzi”) und Gatekeeper zum Unternehmen. Er interagiert nicht nur mit Journalisten und Analysten sondern mit der gesamten an seinem Arbeitgeber interessierten Öffentlichkeit. Ohne Sozialkompetenz verliert er – und damit das Unternehmen – an Vertrauen, an Glaubwürdigkeit.

    Damit wären wir allerdings schon fast beim Kommunikator als Führungsperson, die zwingend in die Geschäftsleitung gehört. Hier führt er zwar nicht Mitarbeiter, sondern “führt” die Öffentliche Meinung, die “Stakeholder”. Und so hätten wir den Kreis geschlossen:

    Gute Kommunikation erklärt was wirklich abgeht und versucht nicht, das Image zu polieren, wenn der Inhalt eigentlich ‘semisexy’ ist. Auch diese Ehrlichkeit braucht Sozialkompetenz.

  2. Danke Markus für das klasse Argument für mein nächstes Entwicklungsgespräch ;) Da wir flache Hierachien haben, ist bei uns weder Mar(keting) noch Com(munications) in der Geschäftsleitung. Funktioniert, der Info-Fluss wär aber wohl noch besser.

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