Für viele von uns gehören Facebook und andere Social Networks inzwischen zum Alltag. Schnell hat man dem Kollegen eine Nachricht geschrieben, einige Fotos vom Wochenende hochgeladen oder den Status upgedatet. Eigentlich eine schöne Sache – normalerweise. Es kann jedoch auch sein, dass bei Facebook und Co. nicht immer nur “Friede, Freude, Eierkuchen” herrschen.
Genau zu diesem Thema referierte ich letzte Woche im Rahmen eines Freundschaftsdienstes (ein Kollege von mir ist Lehrer) in einer Gewerbeschule in St.Gallen und sprach zu und mit den Teenies (allesamt Konditor-Lehrlinge) über Social Networks und wie man sich darin (nicht) verhält. Da die Folien selbst ohne Erklärungen nicht so interessant sind, gibts hier die Kurzzusammenfassung der Präsentation.
Wenn man von Social Networks spricht, denken die meisten Leute wohl primär an Dienste wie Facebook, Myspace oder XING. Networks wie Netlog oder die hiesigen Partyfoto-Dienste à la Tilllate oder Partyguide vergisst man gerne, bzw. kennt sie gar nicht, wenn man, nicht wie mein Publikum, ein 17- oder 18-jähriger Lehrling ist. Je nachdem könnte man sogar Communities/Dienste wie YouTube oder gar Twitter dazuzählen, da sie eigentlich alle Merkmale eines Social Networks (personalisierbares Profil, Aufbau eines Kontaktnetzwerkes, Hochladen von Inhalten, Nachrichtenversand etc.) aufweisen. Kurzum: es existiert heute eine Vielzahl von Social Networks und, wie eine spontane Umfrage unter den Zuhörern ergab, deren Mitglieder sind beleibe nicht nur Geeks (im Publikum hatten alle Zuhörer/innen ein Profil bei Facebook, fast alle eines bei Netlog und etwa die Hälfte eines bei einem der grossen Schweizer Partyfoto-Dienste).
Schaut man sich jedoch an, wie sich einige Teenies (und auch nicht-mehr-Teens!) auf solchen Diensten verhalten, sieht man bald einmal, dass da teilweise nicht mit der nötigen Vorsicht vorgegangen wird. Hier eine exemplarische Aufzählung der möglichen Missgriffe (die ich nicht etwa erfunden, sondern im Vortrag mit konkreten Beispielen illustriert habe):
- YouTube-Videos über Abenteur mit einem “Riesen-Bong”
- Profilseiten auf Partyguide mit Fotos der 16-jährigen User in Unterwäsche oder noch weniger
- die inzwischen bekannten “Fotos vom letzten Wochenende” auf Facebook und Co.
- bedenkliche Inhalte im politisch ganz linken oder ganz rechten Spektrum
- Videos von Rasern, welche damit ihre Taten “dokumentieren”
- Usernamen die das oben genannte bereits vorweg nehmen
Ob diese Dinge an und für sich schlecht sind, soll nicht nicht Bestandteil dieser Diskussion sein und es ist auch nicht meine Aufgabe, den Mahnfinger zu erheben. Gekifft hat auch schon die Generation unserer Eltern, nackte Haut sieht man heutzutage überall und Leute wie “du und ich” nehmen am Wochenende eventuell auch mal ein Bier oder zwei. Man muss sich aber dennoch der Tatsache bewusst sein, dass solches, in Social Networks auftauchendes Material auf einige Bereiche im “real life” Einfluss haben können:
Beruf: Welcher Lehrmeister oder Chef sieht schon gerne, wie ein Mitarbeiter sich regelmässig in den Rausch trinkt?
Ruf: Gewisse Fotos können den eigenen Ruf doch ziemlich stark belasten. Vor allem, wenn man – wie es hier in der Ostschweiz häufig der Fall ist – in einem kleinen Dorf wohnt, wo jeder jeden kennt.
Gesetz: Die Polizei setzt immer mehr auf das Internet, wenn es darum geht, gegen (mutmassliche) Täter zu ermitteln. Inhalte die man selbst “lustig” findet, können genau so gut juristische Implikationen mit sich bringen.
Zudem, und dies hat mit den Inhalten in einem Social Network nichts zu tun, gibt es mit Facebook und Co. auch sicherheitstechnische Bedenken. Erst vor wenigen Wochen gab es auf Facebook eine Phishing-Welle und wer überall dasselbe Passwort und denselben Usernamen verwendet, kann bei solchen Aktionen ein böses Erwachen erleben.
Was kann man also gegen diese “Gefahren” unternehmen? Hierzu einige Tipps:
- Profil so konfigurieren, dass nicht jede und jeder darauf Zugriff hat (im Zweifelsfall lieber einen Zacken zu restriktiv als zu lasch)
- Gesunden Menschenverstand walten lassen: “muss dieses Foto wirklich online sein?”
- für jeden Dienst ein anderes Passwort wählen
Dies alleine ist jedoch noch keine Garantie dafür, online eine saubere Weste zu haben. Schliesslich, und genau das übersehen viele Leute, können auch andere Leute Inhalte (also z.B. Fotos von der letzten Party) hochladen und über diese hat man keine direkte Kontrolle. So geriet beispielsweise vor einigen Tagen der designierte Chef des britischen Geheimdienstes in die Schlagzeilen, weil auf dem Facebook-Profil seiner Frau nicht nur die Adressen des Ehepaares, sondern auch diejenigen seiner Kinder und Eltern, sowie private Fotos für alle User frei zugänglich waren. Zudem können von anderen Usern und Arbeitskollegen nicht nur Missgeschicke, sondern auch gezielte Aktionen ausgehen, wie ein Anfang Jahr publik gemachter Fall in einer Schweizer Firma zeigt.
Kurzum: Facbook und Co. sind eine coole Sache, die auch ich nicht missen möchte. Man muss jedoch ihnen und ihren Mitgliedern mit der nötigen Vorsicht begegnen und bei fragwürdigen Inhalten lieben zwei Mal überlegen, ob diese online gehören oder nicht.









Ja, stimmt.
Wichtig ist zudem, dass es keine Alternative ist, nichts zu publizieren. Dann kommen nämlich “Freunde” und bringen meinen Namen mit Inhalten (Fotos, Videos etc.) in den Suchmaschinen ganz noch oben, die wedre von mir stammen noch von denen ich was weiss (bis das Problem “da ist”).
Also wie gesagt: Gesunder Menschenverstand und eine Prise Medienkompetenz.
Danke Damian für einmal einen anderen Blick.
Zwei Gedanken dazu:
- mir fällt auf, dass sich Jugendliche in den Netzwerken eher kennen, als nicht (weil noch kein Business-Gedanke) jungen Leuten sollte bewusst sein, dass es ein Trugschluss ist “es bleibt unter uns” – dies tut es nicht.
- für mich setzt hier wieder die frühe Sozialkompetenz an. Es dürfen Partyfotos veröffentlicht werden, wenn ich mich verhalte, wie ich es vertreten kann. Dass die Polizei im Web fahndet ist für mich kein Argument. Sondern dass ich mir selbst oder anderen u. U. schade.
Wer dennoch gezielt auf Reputations Management setzen möchte, ist bei PR Blogger Klaus Eck gut beraten. http://klauseck.typepad.com/prblogger/
hilft nichts