So oder so ähnlich drückte heute Tim O'Reilly, der 2004 den Begriff "Web 2.0" prägte, aus, was er sich von der Web2.0-Gemeinde nun wünscht: Während in der Welt da draußen Hunger, Krieg, Finanzkrisen und die Erderwärmung toben, bestehen einige der erfolgreicheren Web2.0-Anwendungen darin, seine Freunde mit Schafen zu bewerfen oder aus dem iPhone ein schwenkbares Bierglas zu machen (immerhin eine funktionierende Nutzung des iPhone-Neigungssensors). Stattdessen möge man seine Innovations- und Arbeitskraft doch investieren, um die Welt irgendwie ein bisschen besser zu machen, denn schließlich hat das Web2.0 z.B. mit seiner Fähigkeit, immense Datenmengen zu verarbeiten, eine tragende Rolle in Zukunftsprojekten.

Aber langsam: wir befinden uns in Berlin auf der Konferenz "Web2.0Expo Europe", dieses Jahr gottseidank nicht im charmebefreiten Congresscenter "ICC", sondern im todschicken Congresscenter "bcc" (nota bene!). namics tritt dort in Erscheinung mit einem Vortrag über Mehrsprachigkeit in Web-Communities, aber das ist erst morgen früh.
Heute teilte zunächst der wie immer gut aufgelegte Dion Hinchcliffe mit einem mehrstündigen Rundumschlag den Zuhörern mit, was sich denn seit dem letzten Jahr im Web2.0 so getan hat. Nach dem folgenden Besuch des Workshop "Security for Ajax- and Rich Internet Applications" von Alex Stamos traut man sich zwar gar nicht mehr, einen Browser zu verwenden, aber er zeigt uns, dass namics in puncto Anwendungssicherheit seine Sache ganz gut macht.
Um die anfangs erwähnte Weltverbesserung (und die ggf. damit verbundene Venture-Capital-Spritze) bemühten sich am Nachmittag mehrere Start-Ups mit Kurzvorstellungen in der beliebten "Ignite"-Liturgie:
1. plista.com, ein (weiteres) Social Recommendation Network, das Nutzern geschmackskonforme Web-Inhalte empfehlen möchte (und Werbetreibenden geschmackskonforme Nutzer), na ja
2. amazee.com, eine sympathische Collaboration-Website für große und kleine Ziele und Projekte
3. txtr.com: eine Art flickr für Textinhalte
4. aka’aki, die mir auf dem Handy anzeigen wollen, welcher meiner Freunde in der Nähe ist (mobile social software)
5. iDesktopTV, die neue Zugangswege zu YouTube-Inhalten bieten wollen (der genaue Sinn hat sich mir leider nicht erschlossen)
6. SoundCloud, die das Austauschen von Musik so einfach machen möchten wie flickr es für Bilder tut (durchaus beeindruckend ist hier die Möglichkeit, innerhalb eines Songs Kommentare und Fotos einzufügen)
Abends zeigte sich dann, dass Soziale Netzwerke am besten funktionieren, wenn man das iPhone-Bier ("iPint") mal gegen ein echtes Pils austauscht.



