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02
Apr
Was haben Zeitungen wenn Inhalte unwichtiger werden?
gepostet von Jürg Stuker am 02.04.2008 um 01:30

Eine sehr interessante Präsentation vom Earl J. Wilkinson der INMA (International Newspaper Marketing Association) und ein Beweis dafür, dass die Vordenker der Print-Szene begriffen haben... nur die Verlage (und teilweise die Journalisten) sich noch zu langsam bewegen.

Die Leserschaft der Zeitungen sinkt in den meisten Ländern massiv und damit ist das Ertragsmodell stark unter Druck. Aufgrund der Demographie und der Länderunterschiede liegt das vor allem am Rückgang eines Mittelstandes. Zudem schlagen alternative Zugänge zu Inhalten (Online) und ein Überfluss an Informationsquellen als Disrputoren zu.

Und was machen die Verlage? Sie schwören immer wieder auf Inhalte und machen diese besser... aber evt. sucht das der Leser gar nicht. Earl zeigt dazu das Beispiel der Überarbeitung des Magazins Libération, bei welchem mit mehr/besseren Inhalten der Verkauf um 30% sank... und nach einer Verschlechterung wieder stieg. Die Leser hatten ein schlechtes Gewissen die guten Inhalte nicht lesen zu können und kauften nicht mehr.

Was sollten die Verlage tun? Sie müssen sich auf die Bedürfnisse der Leser konzentrieren: Wenig Zeit, Medien-Parellelität des Zugangs, schauen anstatt lesen (schnell), die Verschiebung des Leseortes (inbs. auch mobil) und Bedarf nach Interaktion entlang eines Themas.

Ein einleuchtender Aspekt: Ein 20-jähriger aus in London hat weniger gemeinsam mit einem 50-jährigen in derselben Stadt als mit einem 20-jährigen in Los Angeles. Das kann keine Print-Zeitung, Online aber sehr wohl.

Und dann das "Informations-Buffet". Bis ca. 1970 am Abend lesen, danach bis ca. 2000 am morgen lesen und ganz wenig am Abend. Heute: Immer ein bisschen lesen. Das kann keine Print-Zeitung, Online aber sehr wohl.

drei Graphiken mit der Darstellung der Hauptlesezeit anhand von Zeitungsstapeln

Und dann noch der Blick auf die Demographie. Um 1988 lasen reich und arm und jung und alt mit einer Reichweite von 75% der Haushalte. 2008 ist die Reichweite noch 48% und die Jungen und die Ärmeren fallen weg und sind somit für die Werbeindustrie nicht mehr über eine Print-Zeitung zu erreichen. Annahme, dass 2018 die Reichweite der Print-Zeitung noch 35% der Haushalte ist und der Anteil an den Werbeausgaben nochmals schrumpft. Lücken im Informationsraum werden natürlich mit zahlreichen Spezialitäten gefüllt, Diese lassen sich Aufgrund kleiner Auflagen aber nicht so "wie heute" offline produzieren.

Drei Abbildungen welche die genannte Reichweite der Print-Zeitungen zweidimensionale visualisieren

Und dann einige Lösungsansätze die zur Zeit ausgelotet werden (wobei sich das Ziel immer bewegt). Und was haben die Verlage als Jocker auf der hohen Kante? Leser(!), Journalisten, Kapital, Distribution, Verkaufsleute für Inserate und einen Kundendienst. Aber halt nicht einfach dieselbe Zeitung mit besserem Inhalt schönen...

Hier die ganze Präsentation: The Newspaper Outlook, Earl J. Wilkinson, Executive Director INMA [pdf, 10MB]


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