Wie können Denken und Tools aus dem Web2.0 das Unternehmen revolutionieren? Welche Chancen ergeben sich, was muss dabei beachtet werden? Welche Erfahrungsberichte gibt es schon?
Mit diesen Themen ging die (erste) Enterprise2.0-Konferenz "enterprise2.0summit" in der Bugwelle der CeBit 2008 in Hannover an den Start. Richtig charmant ist das Innere der Messehalle 8 zwar nicht, aber den Organisatoren gelang es, zwischen den flexiblen Wänden des abgetrennten Hallenbereichs tatsächlich so etwas wie Heimeligkeit einzustellen.

Die Moderation hatte der brilliante Simon Wardley inne und wärmte mit seinen beliebten choreografierten Folienschlachten ("Commoditization", ca. 220 Folien in 22 Minuten) die Zuhörer auf, und hielt damit den Schnitt seiner Keynote auf der Web2.0-Expo in Berlin ("Short on storage", 450 Folien in 45 Minuten). Augenzwinkernd zeigte er den Erfolgsweg einer Erfindung von der begeisternden Innovation zum langweiligen Kostenfaktor auf -- ein Weg, den die Elektrizität von der Glühbirne zur Stromrechnung schon gegangen ist, und den das Web2.0 zur Enterprise2.0 auch gehen müsse.
Highlight war sicherlich die Keynote von Dion Hinchcliffe, der als Top-E2.0-Evangelist das Publikum in den Nutzen der Vernetzung einführte.
IBM und coremedia haben mit Lotus Connections bzw. socialize gerade frisch zwei web2.0-Suiten auf dem Markt -- hier gab's Marketingfolien, man hätte man sich eher eine Vorführung gewünscht, zumal beide Produkte einen guten Eindruck machen. six apart stellte sein Produktportfolio als bessere Alternative zum klassischen Intranet vor.
Bei den Erfahrungsberichten stach Euan Semple hervor, der vom intensiven und langen Einsatz von Web2.0-artigen Tools bei der BBC berichtete.
Jenny Ambrozek schlägt vor, als Gegenbetrachtung zum formalen Organigramm einer Firma stattdessen die informale Vernetzung der Personen zu analysieren ("Organizational Network Analysis"). So könne man vielleicht eklatante strukturelle Lücken aufdecken, seine Vernetzung neu priorisieren, oder aber schlicht zum Ergebnis kommen, dass ganz andere Leute für das Unternehmen wichtig sind als es im Organigramm steht... hmmm.)
Fazit: Richtig revolutionär sind gewiss die Ideen der großen Vordenker der Enterprise 2.0. Die dafür zur Zeit genutzten Tools sind weniger revolutionär, aber brauchbar und verbreitet, die Zusammenstellung von Suiten für den Firmeneinsatz ist jedoch zu begrüßen und wird gewiss neue, mitarbeiterzentrierte Intranet-Ausprägungen zutage bringen. Für wirklich aussagekräftige Erfahrungsberichte ist es zur Zeit wohl noch zu früh.
Um die Messebesucher nach so viel Enterprise 2.0 nicht zu überfordern, setzte die Bahn für die Rückfahrt den ICE 1.0 ein -- das ist der ohne Steckdosen. Deshalb gibt's den Blogpost auch erst heute. ;-)



