dialogorientierte und soziale Zusammenarbeit

Auf den ersten Blick ist Dialog und soziale Zusammenarbeit in Zeiten einer Krise wohl nicht das dringlichste Anliegen, könnte man meinen. Trotzdem schreibt Jürg in einem Artikel für Professional Computing über Wikis und was diese können. Transparenz, schneller Wissensaustausch und Verfügbarkeit und Entstehen von Ideen sind eben schon ein wertvoller Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens.

Für mich persönlich ist unser internes Wiki ein ganz besonderes Schmankerl. Bin ich früher Kollegen und Ideen nach gelaufen, so finde ich heute fast täglich Inspiration für unsere externe Kommunikation. “Wer kennt sich aus mit was eigentlich? Für welche Kunden setzen wir was um?” Solche sinnlosen Überlegungen quälen mich nun seit 2.5 Jahren nicht mehr. Eben seit ich in einer Firma mit einem offenen Intranet arbeite, wo sich jeder mit Inhalten einbringt, der etwas sagen kann oder will. So entstehen dann auch zum Beispiel aus einem schlichten internen Post oder Kommentar solche Artikelideen “Wiki: dialogorientierte und soziale Zusammenarbeit” in Professional Computing

Der Weltwoche ist es gelungen, Googles geheime Suchformel auszutricksen

So lautet der Titel des Artikels in der Sonnntagszeitung gestern. Lächerlich oder traurig?

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Das Qualität des Artikels ist für mich traurig, denn Journalisten wie Michael Soukup (und damit verbunden die Zeitungen) müssten sich im Detail mit news.google auskennen… zumindest lästern sie und der Verband der Schweizer Presse gerne darüber und wollten es am liebsten verbieten. Orten sie doch in dem Dienst Gefahr für ihre Zunft.

Fehler eins: „Die Suchformel“. Was tut die Suchformel genau? Unzweifelhaft gibt es verschiedene Angebote von Google und mit Abstand am grössten ist die Websuche. Dort ist die Suchformel vor allem für die Rangierung der Trefferliste (die Relevanzgewichtung) zuständig. Wir befinden und hier aber auf news.google, wo „die Formel“ vor allem Gruppen gleicher Themen bildet also aus einer Vielzahl von News-Meldungen Cluster bildet und als Titel einer der Meldungen wählt. Die Auflistung auf dem Portal erfolgt dann nach Aktualität (Datum) resp. Popularität (Reichweite). Der heikle Teil „der Formel“ hier ist die Clusterbildung und weniger die Rangierung innerhalb eines Clusters.

Fehler zwei: Datum als Teil der Formel. Die Weltwoche ortet die Verschwörung darin, dass plötzlich alte Artikel als neu gezeigt werden. Ja, das ist ein Problem aber eher im Bereich des Maschinenraums geortet werden als dort, wo der Kopf eingeschaltet werden muss. Google sammelt täglich Millionen von Websiten zusammen welche in der Folge indexiert werden. Bei dem Prozess werden Meta-Daten (wie beispielsweise das Datum) für den späteren Such- (Rangierung) und Darstellungsprozess (Trefferliste) isoliert. Zur Datumserkennung gibt es einige Verfahren die gleichzeitig angewendet und gegeneinander abgewogen werden. Im Fall des genannten Artikels scheiterte die standardmässige Entitätenerkennung (Extraktion bekannter Muster in dem Fall Datumsformat), da auf dem Artikel selbst als im Text klar erkennbares Datum nur das heutige Datum steht. Die URL zeigt klar das Jahr 2007 und so auch ein Abschlusstext. Google interpretierte diese Angaben nicht resp. gewichtete das Datum oben auf der Seite höher… das haben sie nun für die Quelle Weltwoche korrigiert.

Feher drei: Wortwahl. In diesem Zusammenhang von einem „Systemfehler im Suchalgorithmus“ zu sprechen und den Fall mit dem Cloacking von BMW zu vergleichen ist wohl weit weg von seriöser Berichterstattung.

Ich würde als Journalist lieber meine Stärken gegenüber einer Maschine die eine News-Seite zusammenstellt spielen. Eine Verschwörung zu orten ist aber wohl fehl am Platz… Ich als Weltwoche hätte Google wohl auch nicht angerufen. Man könnte sich aber darüber streiten, ob das aktuelle Datum links oben bei den Archiv-Artikeln aus Lesersicht eine gute Wahl ist.

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Und überhaupt wird immer wieder von der grossen und geheimen Formel von Google gesprochen… die gibt es in der Form wie viele glauben gar nicht. Entscheidend sind die Gewichtungsparameter die sich ständig über Input-Parameter der Nutzung verändern… Die Grundformeln könnte Google wohl gar publizieren. Yahoo ist da offenherziger: http://blog.namics.com/2007/11/wer_ist_oben_am.html

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Freiheit beim Informationszugang zum Intranet

Der letzte Grundsatz (einer Serie über drei Lösungsaspekte) der uns bei der Erstellung unseres, kollaborativen Intranets geleitet hat: Freiheit beim Informationszugang im Bezug auf Ort, Netzwerk, Protokoll, Tageszeit etc und auch im Bezug auf Format.

Ziel ist es, dass das Intranet von JEDEM Computer mit (möglichst) JEDEM User Agent nutzbar ist. Oder in anderen Worten sollen Leute die mit dem Intranet arbeiten wollen, sollen das immer, überall, zu jedem Zeitpunkt und nach ihrem Gusto machen können. Und hier die Umsetzungsaspekte dazu.

> HTTPS ist freiwillig und externes Netzwerk

Per Default ist die Verbindung zum Intranet mit https verschlüsselt. Der Nutzer kann dies aber *bewusst* abstellen weil er beispielsweise hinter einem Proxy ist, der kein https durchlässt oder sein Endgerät nicht (gut) damit umgehen kann.

Und „natürlich” wurde das System im externen Netzwerk platziert und ist somit ihen VPN-Client erreichbar. Zwar haben alle namics-Mitarbeiter VPN-Zugang… aber genau dort wo ich in den Ferien bin oder auf Besuch kurz was nachschauen möchte habe ich den nicht. Und Ziel war IMMER Zugang zu schaffen.

> HTML, RSS oder E-Mail

Sowohl die vollständigen Inhalte wie auch Änderungen, Blog-Posts (heissen bei uns News) oder Kommentare können in allen drei Formaten „konsumiert” werden. Das Gros der User nutzt das Intranet „ganz normal” im Browser in HTML, dank den anderen Formaten wurden aber bereits andere Nutzungsformen entdeckt. Begehrt ist sicher RSS bspw. mit dem iPhone (Intranet tut dort zwar auch im Browser und über https) oder als Betriebssystem-Widget. Es gibt aber auch schon Yahoo-Pipes und andere experimentelle Nutzungen.

> Wiki ist Quelle. PDF und Word sind Zusatz
Dieser Punkt scheint nicht zum Titel zu passen, gehört aber zu 100% rein. Alle Inhalte müssen in einer zugänglichen Form vorliegen. So ist beispielsweise PDF als Quellformat tabu, da es nicht in allen denkbaren Clients funktioniert.

Quellformat ist also immer Text und alle anderen Formate sind Umwandlungen davon. So beispielsweise das Spesen-Reglement, bei welchem das Original im Textformat vorhanden ist, dieses aber als PDF (z.B. als Anhang an einen Arbeitsvertrag) oder als Word/RTF exportiert werden kann. Wichtig ist dieser Aspekt, da die Nutzbarkeit auf unterschiedlichsten User Agents nur mit Text sichergestellt ist.

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Preis, welchen wir für die tiefe Zugangshürde bezahlen ist, dass schützenswerte Informationen nicht im Intranet publiziert werden. Diese sind (weiterhin) in verschlüsselten Notes-Datenbanken. Aber Hand auf Herz… Anwendungen im Browser sind nie sicher und deshalb ist der Preis nicht sehr hoch, der Nutzen aber schon.

Vertragsabschluss im Projektgeschäft

E-Business, Internet, Websites und langwierige Vertragsverhandlungen – wie bitte? Mit steigender Komplexität der Web- und IT-Projekte steigen die Anforderungen an die vertraglichen Grundlagen. Wie ist den rechtlichen Unsicherheiten zwischen Arbeitsbeginn und Vertragsabschluss zu begegnen?

Von Rechtsfragen versteh ich nichts, obwohl es bei Vertragsabschlüssen manchmal vorteilhaft wäre. Dachten sich wohl auch die Rechtsanwältin Franziska Pertek und Michael Pertek, Business Unit Manager bei uns. Sie haben sich dem Thema angenommen und für die Netzwoche (print) einen Artikel geschrieben. Hier ist er für die Online-Welt. Leider nur als pdf, wegen den vielen Umbrüchen, die ich nicht mühsam raus operieren möchte.

Vertragsabschluss im Projektgeschäft in der Netzwoche 22/2008e

mit der Bahn jetzt auch online schneller am Ziel

Stell Dir vor: 60’000 Tickets und 2. Mio Auskünfte. Das läuft täglich über bahn.de. Um die Zugfahrenden online besser zu bedienen, überarbeitete die Bahn ihr Portal und präsentierte es gestern den Journalisten schon 4 Tage vorm Livegang. Mutig wie ich finde.

Die Begeisterung der schreibenden Gilde hielt sich aber in Grenzen. Wohl, weil man noch nichts live sehen kann. Es sind drei Journis da. Nett: Ich bekomme einen USB Stick (der aussieht wie ein ICE) mit den Päsis und einer guided Tour übers neue Portal. Wie es der Zufall will, ist die Tour vom Frankfurter namics Team entwickelt, weil sie das neue bahn.de am besten kennen. Denn auch das stammt aus den Tasten der Kollegen. Ich gebs zu, ich bin ein wenig stolz.

Hier ist ein Auszug aus der Präsentation von Herrn Mathias Hüske, Leiter Online- und Agenturvertrieb, Reiseauskunftsmedien bei der Bahn. Man sieht hier schön die Motivation für die Erneuerung.

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Die Anwesenden durften das neue Portal auch testen. Und ich ab Sonntag gibts bei www.bahn.de:
- Verstsändliche Einfachheit: ich verstehe die Navigations-Symbole und finde Worte, die ich kenne, statt Bahn-interner Fachbegriffe
- Zusätzliche Angebote, die mir auf Reisen nützlich sein können (günstige Tickets, Koffer abholen, Umweltvergleich, Hotels, Tür zu Tür-Verbindung und sogar Standortkarten; endlich geh ich in Berlin nicht mehr verloren)
- Mögliche Personalisierung (ok scheint nett, brauch ich aber nicht)
- schnelle zum Ziel. Die Ticketbuchung ist ICE-verdächtig, ich muss nicht lang rumsuchen. Ändere ich während der Buchung etwas, muss ich nicht zurück zum Start (das mach ich beim Routenwechsel beim Zugfahren ja auch nicht)
- Quickfinder, mobile, „ist mein Zug pünktlich“-Abfrage, 8 Sprachen und vergrösserbare Schrift, alles da.

Na dann gute Fahrt auch online.

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Bald fertig mit “Kennzahlen lügen” bei der Online-Werbung

Ehrlichkeit ist angesagt und neue Arbeit für Statistiker: Das Interactive Advertising Bureau (IAB) präsentiert eine Vorabversion eines Standardisierungsdokumentes zur Messung von Online-Reichweite im Werbeumfeld. Öffentliches Feedback ist bis am 20. Januar gefragt.

Über Sinn und Unsinn von Messgrössen bei Erfolgsmessung im Internet habe ich in der Kategorie Web Analytics immer wieder mal geschrieben. Bei Ajax-Anwendungen, Offline-Clients wie Google Gears, Feeds oder (Desktop-)Widgets haben Sachen wie beispielsweise der Page View schon lange ausgedient. Zudem hat jeder Verkäufer von Werbung seine Reichweite so ausgelegt, dass es vor allem seine Erfolgsrechnung optimierte und nicht die Aussage per se.

Bei der Lektüre des Vorschlags von IAB wird einem die Komplexität des Themas erst richtig bewusst (keine leichte Kost). Lösungen werden keine geboten aber Regeln, die in der Zukunft es einzuhalten gilt. Und dies haben es ziemlich in sich… Fertig mit “Kennzahlen lügen” (zumindest bei den Anbietern, welche sich an die Regeln halten werden). Hier die Grundprinzipien auf dem der vorgeschlagene Standard basiert:

1) Client-initiated counting. Das Serverlog ist (endgültig) tot. Die Messung muss von Client her initiiert werden.

2) Filtration of non-human activities. Die messende Organisation muss Roboter eliminieren und zwar aufgrund einer Positivliste der User-Agents aber auch aufgrund verdächtiger Aktivitätsmuster.

3) Caching muss berücksichtigt werden. Nur Inhalte die auch an User ausgeliefert wurden werden gezählt.

4) Interner Traffic muss eliminiert werden.

5) Transparency. Die angewendeten Mess- und Rechenmethoden (beispielsweise die Regeln zur Berechnung der Dauer eines Visits) müssen öffentlich publiziert werden.

6) Accountability. Die Aufbewahrung der Tracking-Daten soll eine ex post Überprüfung der Daten erlauben.

Ziemlich guter Tabak. Und hier noch ein paar spannende Facetten aus dem Vorschlag:

> Bei multi-tabbed Browsing sollen Seiten „in focus“ und „out of focus“ unterschiedlich behandelt werden. Nur „in focus“ zählt zur Verweildauer.

> Werden zur Identifikation Cookies verwendet, so gilt es die folgenden Zahlen getrennt auszuweisen: first use cookie (Annahme der Client war noch nie da und hat kein Cookie), deleted cookie (Annahme der Client war bereits da und das Cookie wurde gelöscht) und non-accepting cookie (Client nimmt nie Cookie).

> Der Unique Users (ein Begriff der heute schnell über die Lippen huscht) muss mit empirischen Erhebungsmethoden im realen Leben validiert resp. um einen festgestellten Faktor korrigiert werden. Explizit darf eine Peron, welche unterschiedliche Zugangspunkte wählt (z.B. Computer im Büro und zu Hause) nur einmal gezählt werden. Ein Weg dazu ist ein Login auf der Site, wobei auch hier der Fehler von Usern die sich nicht immer anmelden neutralisiert werden muss.

Ein spannendes Dokument. Aus meiner Sicht aber zu elaboriert um praktikabel eingesetzt zu werden. Mal sehen, wie sich die Regeln verbreiten. Arbeit gibt es auf jeden Fall zu tun. Und hier geht es zur Quelle: Audience Reach Measurement Guidelines

Die genannten Regeln und damit auch verbunden die Terminologie fokussieren klar auf Werbung. Einen breiteren Überblick bietet noch immer die Web Analytics Association.

PS: Fast lächerlich (bei der Komplexität des Dokumentes) ist die Graphik im Anhang bezüglich der Hierarchie der Messgrössen.
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Broken Windows

Nein, kein Lobgesumme eines Mac Addicts, aber eine Referenz auf eine Studie aus den 80iger Jahren: Broken Windows, publiziert von George Kelling und James Wilson im the Atlantic im März 1982.

Darin wurde getestet, was für einen Einfluss das Umfeld auf das Verhalten von Menschen hat. Bei einem “vandalisierten” Umfeld (Grafitti, Müll auf der Strasse etc.) stehlen die Leute doppelt so häufig, als wie wenn alles sauber und aufgeräumt ist. Diese Studienidee wurde in verschiedenen Fällen angewendet… so beispielsweise auch bei der Feststellung das patroullierende Polizisten auf der Strasse den Leuten das Gefühl von mehr Sicherheit geben, wenn auch die kriminellen Vorfälle stabil blieben.

Kees Keizer von der University of Groningen in Holland hat das Studiendesign wieder aufgenommen und beispielsweise festgestellt, dass ein Briefumschlag mit einem sichtbaren EUR 5 Schein drin in einem sauberen Umfeld von 13% der Passanten gestohlen wird und in einem vandalisierten Umfeld von 27% u.s.w. Das stand letzthin im Economist-Artikel “Can the can” vom 20. November 2008. Spannende Lektüre.

Und nun stellt Jason Kotttke in seinem Blog die Frage: “Does the broken windows theory hold online?”. Das ist ein paar Gedanken wert. wie wichtig ist es, dass ich auf Spam aufpasse bei einem social Media-Gefäss. Und was hat das Erscheinungsbild des Online-Angebots für einen Einfluss auf die Seriosität der Beteiligung der Community.

Alle drei Links sehr lesenswert!

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Wiki im Firmeneinsatz (Infoweek Artikel)

Für Liebhaber des gedruckten Wortes (und solche die nicht vestehen, weshalb die Infoweek meinen Artikel nur für bezahlende Abonnenten im Web freigibt) das PDF meines Artikels “Wiki im Firmeneinsatz” aus der Infoweek Ausgabe 21/2008.

Der Artikel zeigt Grundprinzipien von Wikis im Unternehmenseinsatz und deren Einflüsse und Vorteile für eine transparente, kollaborative Zusamenarbeit. Auch drin sind wenige funktionale und technische Aspekte von Wikis sowie Spezialitäten von Wikis im Firmeneinsatz, beispielsweise die Intergration in’s bestehende Systemumfeld. Im Kern folgen dann die folgenden sechs Erfolgsfaktoren für den Wiki-Einsatz:

1) Kein Mikro-Management, aber Spielregeln

Macht und Lebendigkeit eines Wikis ergeben sich aus Prozessen, die Bottom-Up entstehen. Traditionelle, hierarchische Führungsprinzipien behindern dies häufig. Eine Lösung ist, klare Spielregeln respektive Prinzipien aufzustellen, mit denen Freiräume für Mitarbeiter und damit Raum für Eigenverantwortung geschaffen werden.

2) Transparenz aktiv fördern

Autoren sollen mit persönlichen Logins arbeiten und ihre Beiträge selbst einbringen. Nur so ist die Entstehungsgeschichte nutzbar und Dialog respektive eine kontinuierliche Verbesserung möglich. Dazu gehört auch, Erfolgsgeschichten aktiv zu verbreiten und Menschen öffentlich wertzuschätzen. Alles was nach Silo oder Organisationsgrenze aussieht, muss sofort entfernt werden.

3) Konfliktlösung nicht im selben Medium

Nicht vorhandene hierarchisch geprägte Prozesse und eine neue Transparenz schaffen auch eine neue Art des Wettbewerbes. Solche Bedenken sind auf keinen Fall mit denselben Wiki-Prinzipien in einem öffentlichen Medium lösbar. Persönliche Gespräche und genügend Zeit für den Kulturwandel sind wichtig und nicht ersetzbar.

4) Ergebnis immer über Hierarchie stellen

Jeder muss einen Eintrag des Chefs verbessern oder zumindest öffentlich kommentieren können. Fakt ist, dass die Kommentierung sowieso geschieht, beispielsweise vor der Kaffeemaschine. Der Nutzen für die Unternehmung stellt sich aber nur ein, wenn die Argumente in einem Dialog aufgenommen und verarbeitet werden.

5) Kulturwandel vorleben

Der Nutzen eines Wikis stellt sich über die Zeit und nach Inbetriebnahme ein. Anerkannte Personen innerhalb der Organisation sollten den neuen Umgang mit Information sichtbar vorleben und damit Referenzpunkte bezüglich Nutzen und Wichtigkeit des Wikis schaffen.

6) Es braucht die Anwender

Sozial geprägte Anwendungen leben von den teilnehmenden Menschen, deren Initiative und Eigenverantwortung. Die Zusammenarbeit muss darauf ausgelegt sein, diese Leute zu motivieren. Zugriffs- oder Editierbeschränkungen, unvollständige Information oder versteckte Pläne haben einen negativen Effekt darauf.

Ich freue mich sehr über Rückmeldungen der Leser! Danke.

Hier der Artikel zum Download: Wikis im Firmeneinsatz, Infoweek Ausgabe 21/2008 [pdf, 117KB]

Und hier noch meine “Information wants to be free”-Illustration ;-)
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Kommunikation eines ganzen Planeten (Studie: Planetary-Scale Views on an Instant-Messaging Network)

Die Studie, vor über einem Jahr publiziert, die ein bisschen zu lang auf meinem Lesestau lag. Ich bin aber überzeugt, dass diese auch in zehn Jahren genau so interessant ist. Eines der besten Papers, die ich je gelesen haben.

In Kurz: Man nehme alle Instant Message Nachrichten von Microsoft Messenger während dem Monat Juni 2006 (weltweit!) und analysiert die Kommunikationsbeziehungen. Für Zahlenmenschen unter uns: Rund 30 Milliarden Nachrichten zwischen rund 240 Millionen Usern, vergraben in 4,5 TByte komprimierten Logdateien. Das sind rund 12’000’000’000 Nachrichten pro Tag! Hier ein paar Highlights (und die Einladung in der Studie zu schnüffeln).

> Im Durchschnitt über 6,6 User verbunden.
Getestet wurde die legendäre “Small World” Studie von Jeffrey und Milgram aus dem Jahre 1969 (An Experimental Study of the Small World Problem [pdf, 564KB]). Diese besagt, dass sich die Menschen in Nordamerika im Durchschnitt über 6 Menschen kennen (“six apart”). Leskovec und Horvitz nehmen nun die ganze Welt mit dem im Erhebungsmonat geführte Chats (ohne Aufforderung die Nachricht zu überbringen) und kommen auf 6,6 (Median 6). Faszinierend und in der Studie erklärt ist auch der längsten Weg von 29.

> “Häufiger unter sich”, ausser zwischen den Geschlechtern.
Im Bezug auf alle demographischen Daten (teil selbst deklariert, teils erhoben) wie Alter, Geographie oder Sprache chatten die User in Ihrer Gruppe am häufigsten. Ausser beim Geschlecht, wo Männer sowie Frauen unter sich je etwa 20% der Kommunikation ausmacht, zwischen Männer und Frauen aber rund 50% gechattet wird (der Rest ist unbekannt).

> Sehr robuster Graph.
Werden alle Kommunikationsbeziehungen als Graph modelliert (Knoten = User, Kanten = Chats), so sind 99,9% als eigener Subgraph verbunden. Auf Angriffe (entfernen der meistverbundenen oder zufälliger Knoten) reagiert das System sehr stabil. Eine Bestätigung von Studien wie “Error and attack tolerance of complex net-works” von Albert, Jeong und Barabasi, welche die Robustheit von Internet-Verbindungen testeten.

> Sprachen verbinden.
Die Punkte zeigen Ursprungsländer mit mehr als 10 Mio. Kommunikationen im Betrachtungszeitraum. Die Dicke der Verbindungen die (logarithmische) Häufigkeit von Kommunikationen zwischen den Ländern. Was verbindet? Sprache.
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> Junge tippen schneller, alte reden länger….
Die folgenden Heatmaps zeigen entlang der Achsen das selbst deklarierte Alter der User. Der Farbton der Fläche wenig (kalt = blau) bis viel (rot = warm).
- Links oben die Anzahl der Konversationen: Junge chatten häufig unter sich = rote Diagonale und 30ig Jährige über die Altersgrenzen = blaue Rechteckform.
- Rechts oben die Dauer der Konversationen: Alte schwatzen länger
- Links unten die Anzahl Nachrichten pro Konversation: Alte schwatzen mehr (pro Konversation)
- Rechts unten der Durchsatz an Nachrichten pro Zeiteinheit: Junge tippen schneller u/o kürzere Nachrichten
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U.s.w. ein Fundus an vielen weiteren spannenden Erkenntnissen… hier die Studie: Planetary-Scale Views on an Instant-Messaging Network von Jure Leskovec und Eric Horvitz [pdf, 1,7MB]

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Alle User sind Autoren im Intranet (Dialogorientierung)

Eine Serie über die Lösungsaspekte unseres Intranets: 1) Drei gleichberechtigte Sichten, 2) Alle User sind Autoren (Dialogorientierung) und 3) Freiheit beim Informationszugang so wie in der Übersicht skizziert. Hier zum Punkt 2.

Wenn Kollaboration das Ziel ist, so gilt es — zusätzlich zu zwei folgenden “technischen Aspekten” –, einen sehr wichtigen kulturellen Aspekt in den Griff zu bekommen: Abwesenheit einer fachlichen Hierachie. Oder Respekt für unterschiedliche Wertesysteme und Denkmuster.

Alle Beteiligten müssen dauernd um das beste Resultat kämpfen wollen und dabei kann fachlicher Input nicht mit hierarchischer Unterordnung oder mit Titel-Seniorität vermischt werden. D.h. jeder darf den Eintrag “des höchsten Chefs” oder des “Ober-Gurus” abändern und damit eine Verbesserung anstossen. Oder, philosophischer ausgedrückt: “Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte.”

Technisch muss es zudem genügend einfach sein, für alle User Änderungen anzubringen (Usability) und alle User müssen die enstprechenden Berechtigungen haben. Da nicht vorhersehbar ist, was wo verlinkt werden soll (das ist einer der Leistungen der “Mitarbeiter-Community”), ist es am parktikabelsten, dass alle User auf alle Inhalte berechtigt sind. Die Versionierung der Änderungen und die Abgabe des Users stellt die Nachvollziebarkeit sicher und verhindert Vandalismus.

Da es Überwindung braucht erstmals neue Seite anlegen, war unsere Hypothese, dass die auf jeder Seite omnipräsente Kommentarfunktion so eine Art Einstiegsdroge darstellt. Nach ca. 6 Wochen der Nutzung zeigt ich wöchentlich das wiederkehrende Bild.

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Auf rund 8000 Lesezugriffe pro Tag (auf 280 Mitarbeiter) werden zwischen 200 und 300 Seiten angelegt oder verändert, es werden rund 50 Kommentare verfasst und etwa 15 Blog-Posts geschrieben (heissen “News”).

Also deutlich mehr Leute wagen sich “direkt an Seiten” ohne den Weg über Kommentare zu gehen. Auch interessant und für Wikis typisch ist, dass Leute gewisse Rollen übernehmen. Einige kümmern sich um Darstellungs- und Tippfehler, andere um Verlinkung u.s.w.

Genau das macht Kollaboration aus und schafft den Nutzen. Die Leute kommen zu den Aufgaben und nicht umgekehrt.

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