Barrierefreie PDF – ein Hexenwerk?!

Gleich vornweg – NEIN, ist es nicht, ABER man muss wissen wie. Im Januar 2004 hatte ich diesbezüglich mein Dejavue-Erlebnis als ich von der Grafik-Agentur das PDF zur Studie der Behindertentauglichkeit Schweizer Websites erhielt. Die Aussage zur x-seitigen Studie von JAWS diesbezüglich war “Leeres Dokument”.

Danach begann das leidige Nachbearbeiten eines in Quark Express erstellten Dokumentes. Nach zwei Tagen gab ich die Hoffnung auf das Dokument auf AA trimmen zu können und bat meine blinde Testerin Petra Ritter ein RTF-Dokument zu erstellen.

Was war also das Problem?

  • Quark liefert keine tagged PDFs, sondern teils Texte als Grafiken etc. – das heisst, für JAWS gibt es keinen Text zu lesen oder wenn überhaupt unstrukturiert

Was macht ein PDF barrierefrei?

  • Trivial, aber essentiell: TEXT – Text ist hier nicht gleich Text, nur Klartext lässt sich sofort ohne Tricks vorlesen. JPGs als PDF umgewandelt sind also qua definitione nicht barrierefrei
  • Zusätzlich zum Text bedarf es Strukturinformationen – ganz ähnlich wie im Internet – Was ist eine Spalte? Was ist die Textrichtung? Was eine Überschrift? Was ein Bild? und nicht zu vergessen Alternativen für Bildinformationen etc. Das alles nennt man vereinfacht gesagt ein tagged PDF

Wie macht man so etwas?

  • fast von alleine geht es in Word, wenn mit der Formatvorlage gearbeitet wird
  • bei Grafikprogrammen ist per Heute leider nur Adobe Indesign in der Lage tagged PDF zu erstellen
  • und beim Distill-Vorgang ist darauf zu achten, dass tatsächlich die richtige Art von PDF erstellt werden. Apropos nur der Adobe Distiller ist momentan ohne Einschränkung in der Lage barrierefreie PDF-Dateien zu erstellen
  • Wer genau wissen will wie die PDF-Generierung funktioniert sei auf die kostenlose Dokumentation verwiesen, welche vom Bund für seine Autoren veröffentlicht wurde. Darin konnte ich direkt meine Erfahrungen einfliessen lassen: [pdf, 386 Bytes] Tutorial für barrierefreie PDF Dokumente].

PS Für’s Protokoll die französische Version der Studie (erstellt mit Indesign) war dann übrigens auf Anhieb lesbar.

4 Gedanken zu “Barrierefreie PDF – ein Hexenwerk?!

  1. In dem Tutorial steht, dass eigentlich nur Adobe Acrobat Tagged PDF unterstützt.

    Bei OpenOffice 2.0 gibt es für den PDF-Export die Option “Tagged PDF”. Die Hilfe sagt dazu:

    “Legt fest, dass Sonder-Tags in entsprechende PDF-Tags exportiert werden. Hierdurch kann die Dateigrösse immens ansteigen.
    Einige Tags, die exportiert werden, sind das Inhaltsverzeichnis (TOC), Hyperlinks und Steuerelemente.”

    Versteht OO darunter etwas anderes, oder wird das Tagged PDF nur unzureichend unterstützt?

  2. Das Dokument, auf das oben verwiesen wird,
    http://accessibility.namics.com/2006/Tutorial_fuer_barrierefreie_PDF-Dokumente.pdf ist nicht barrierefrei.

    Dies zeigt — und zwar drastisch — dass offenbar nicht bekannt ist, dass auch Grafiken, die Text enthalten, diesen Text textuell präsentieren sollten.

    Die angegebenen Werkzeuge halte ich i.Ü. allesamt für wenig zielführend. Machen wir uns nichts vor: Wenn Text das Ziel ist, sind textbasierte Produktionsumgebungen bestens geeignet.

    Dazu empfehle ich den Einsatz von LaTeX (pdflatex erzeugt ohne grossen Aufwand direkt typografisch schönes PDF) — für Grafiken bieten sich diverse _freie_ Werkzeuge an, die auch PDF-Grafiken erstellen, bei denen der Text in der Grafik auch als Text lesbar ist.
    Diese ganzen Büropakete erzeugen — mit Verlaub — typografischen Müll [alle -- ohne Ausnahme].

  3. Ich suche noch immer ein Programm mit dem ich kostengünstig aus meiner Geusundheit Seite Optikur einfach die Texte in ein PDF ziehen kann. Bei der Vielzahl der Anbieter zu überblicken ob tatsächlich einer dieses Feature anbietet ist kaum machbar. Da habt ihr Recht, vieles wurde im Web übersichtlicher aber PDFs wird immer nervenaufreibender…

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