«Mord in der Badewanne, Blick sass im Abflussrohr!» Mit diesem Kalauer machte man sich früher über die Boulevardzeitung lustig. Ein wenig schwang darin auch eine wohlwollende Anerkennung mit, denn egal was passierte, die Fotoreporter der Zeitung waren immer die ersten am Ort des Geschehens. Und heute? Heutzutage hat der schnellste Journalist keine Chance gegen die schiere Masse der in die Mobiltelefone eingebauten Kameras. Irgendwer drückt immer auf den Auslöser.

Das schemenhafte Bild von Menschen, die während den Londoner Selbstmordattentaten die U-Bahn-Schächte verliessen, ging um die Welt. Der betroffene Passagier namens Alexander Chadwick sandte das Bild zunächst der BBC, kurz danach bediente sich die ‚New York Times' und die 'Washington Post' und auf Flickr war das Foto auch schon bald erhältlich. In der Schweiz war das Handybild auf der Titelseite des 'Tages-Anzeiger' zu sehen.
Die neue Form des Fotojournalismus ist so neu auch wieder nicht, denn sonst hätte sie nicht bereits den Weg in Feuilletonartikel gefunden (dazu gibt es keinen Link, die Herrschaften der Qualitätszeitungen scheuen sich ihr Angebot vollumfänglich ins Web zu stellen). Der Direktor der Fotostiftung Schweiz in Winterthur, Peter Pfrunder, hat den Umstand zudem ausgiebig im soeben im Benteli-Verlag erschienen Buch "Das Auge der Schweiz - 15 Jahre Swiss Press Photo" beschrieben".
Und was haben wir davon? Nichts. Früher haben wenigstens ab und zu Profis die Bilder gemacht.



